
Bern saniert den Boden des Spielplatzes «Alte Gärtnerei»
Seit Dezember 2025 gelten neue Grenzwerte für Schadstoffe in Böden von gemeindeeigenen Spielplätzen. Das dürfte dazu führen, dass einige Gemeinden und Städte Spielplätze sanieren müssen. Ein erstes Projekt läuft in der Stadt Bern: Der Boden des beliebten Spielplatzes «Alte Gärtnerei» hat die Sanierungswerte überschritten und wird nun im Zuge einer Komplettsanierung des Spielplatzes ersetzt.
Gesundheitsgefährdende Schadstoffe in Böden: Ein Thema, das seit einigen Jahren öffentlich diskutiert wird und für grosse Unsicherheit sorgt. Da ist etwa die hohe Dioxin-Belastung der Böden in der Stadt Lausanne und Umgebung, ausgelöst durch eine ehemalige Kehrichtverbrennungsanlage. Ein grosses Sanierungsprojekt läuft derzeit auch in der bernjurassischen Gemeinde Reconvilier. Dort haben die langjährigen Aktivitäten einer Giesserei Spuren in Form von Schadstoffen in Privatgärten hinterlassen.
Im Zuge dessen sind auch öffentliche Kinderspielplätze in den Fokus geraten. Denn gerade Kleinkinder spielen oft am Boden und nehmen Erde in den Mund. Ist diese von Schadstoffen belastet, kann das negative Folgen haben. Der Bund hat per 1. Dezember 2025 die Grenzwerte für Schadstoffe in Böden von öffentlichen Kinderspielplätzen sowie Kitas neu definiert. Das heisst, dass eine Sanierung heute bereits bei tieferen Grenzwerten nötig wird.
Einige Städte und Gemeinden sind bereits daran, kritische Standorte zu überprüfen. Einen Schritt weiter ist die Stadt Bern: Dort wird ab Sommer 2026 der beliebte Spielplatz «Alte Gärtnerei» an der Neubrückstrasse im Länggassquartier komplett saniert und der Boden ersetzt. Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten.
Temporäre Lösung bis zur Sanierung
Wie der Name bereits verrät, wurde das Areal von 1930 bis 1987 als Gärtnerei genutzt. «Erfahrungsgemäss weisen intensiv genutzte Gartenbauböden erhöhte Belastungswerte auf», erklärt Simon Gfeller, Projektleiter bei Stadtgrün Bern. Weil der Spielplatz nun saniert werden soll, hat die Stadt den Boden beprobt – und festgestellt, dass die heute geltenden Grenzwerte für Blei und PAK (sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) in der östlichen Arealhälfte überschritten werden.
«Der Spielplatz ist vor allem bei Eltern von Kleinkindern beliebt, weil er eingezäunt ist und die Spielgeräte auf diese Altersgruppe ausgerichtet sind», sagt Simon Gfeller, Projektleiter von Stadtgrün Bern. Kleinkinder sind aber just besonders gefährdet, wenn es um Schadstoffe in Böden geht. Deshalb haben Stadt und Kanton sofort gehandelt: Bis zur Sanierung überdeckt ein Rollrasen die belasteten Böden, um die spielenden Kinder zu schützen. «Rollrasen oder Gummimatten eignen sich für solche temporären Lösungen besonders gut», erklärt Nicole Schmidlin, Fachspezialistin Altlasten beim Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern. «Mit Holzschnitzeln oder Vlies haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, da sie die Kinder eher noch mehr zum Graben und Spielen am Boden animieren, wodurch sie in Kontakt mit dem kontaminierten Boden kommen könnten.»
Rücksicht auf Bäume
Die eigentliche Sanierung soll im Sommer 2026 beginnen. Dabei wird nicht nur der belastete Boden abgetragen und durch unbelasteten Boden ersetzt, sondern auch die in die Jahre gekommenen Spielgeräte werden ausgetauscht. Eine Bodensanierung an sich sei keine grosse Sache sofern genügend unbelasteter Ersatzboden zur Verfügung steht und meist innerhalb weniger Wochen durchgeführt, erklärt Nicole Schmidlin. Weil beim Spielplatz «Alte Gärtnerei» aber zahlreiche Bäume stehen, ist die Sanierung aufwendiger.
«Grundsätzlich fällen wir keine Bäume ohne triftigen Grund», sagt Simon Gfeller von Stadtgrün Bern. Soweit dies möglich ist, wird der belastete Boden zwischen den Wurzeln abgesaugt. Einige Hainbuchen müssen trotzdem gefällt werden. «Sie ertragen keine Bodenveränderung und würden absterben», erklärt Simon Gfeller. «Um sicherzustellen, dass möglichst der gesamte belastete Boden entfernt und ersetzt wird, haben wir uns entschieden, die Hainbuchen zu entfernen. Nach der Sanierung werden sie durch neue Bäume ersetzt.»
Nicole Schmidlin präzisiert das Vorgehen bei der Sanierung: «In Stammnähe zwischen den Wurzeln können wir circa fünf bis sieben Zentimeter Boden abtragen. Dieser wird später mittels Baumsubstrat und Rasenwaben wieder zu einem Rasen.» Weiter weg von den Bäumen wird mehr Boden abgetragen, nämlich zehn Zentimeter. Ausserhalb vom Wurzelbereich werden bis 40cm abgetragen. Darüber kommt künftig ein sogenannter Kiesrasen: «Dieser ist robuster und hält der intensiven Nutzung des Spielplatzes besser stand.»
Die Sanierung dauert voraussichtlich bis zum Frühjahr 2027. Während der Arbeiten wird der Spielplatz gesperrt. Die Gesamtkosten für die Bodensanierung und die Neugestaltung des Spielplatzes belaufen sich auf rund 600'000 Franken. In einigen Fällen beteiligt sich sich der Bund gemäss Umweltschutzgesetz an Spielplatzsanierungen auf öffentlichem Grund.