Das Burgerhaus in Visp (VS).

Burgergemeinde Visp übernimmt Verantwortung für das Klima

11.06.2026
6 | 2026

Die Burgergemeinde Visp im Oberwallis verfolgt das Ziel, ihren CO2-Fussabdruck zu senken. Mit klarer Strategie, Unterstützung durch Swiss Climate und Fokus auf Wald, Energie und Mobilität will sie Emissionen reduzieren und unvermeidbare Restwerte gezielt kompensieren. Damit möchte sie die erste Burgergemeinde mit einer möglichst ausgeglichenen Treibhausgasbilanz werden.

Mit ihren rund 900 Burgerinnen und Burgern verfolgt die Burgergemeinde Visp im Oberwallis unter der Führung von Burgermeister Samuel Wyer eine Strategie, die auf Reduktion und Kompensation von Treibhausgasen basiert. Sie hat sich ein klares und ambitioniertes Ziel gesetzt: «Wir möchten als erste Burgergemeinde eine möglichst ausgeglichene Treibhausgasbilanz erreichen und damit auch eine Vorbildfunktion einnehmen», sagt Burgermeister Samuel Wyer.

«Wir möchten als erste Burgergemeinde eine möglichst ausgeglichene Treibhausgasbilanz erreichen und damit auch eine Vorbildfunktion einnehmen.»

Samuel Wyer, Burgermeister von Visp (VS)

Mit Wald, Innovation und klarer Strategie zur Klimaneutralität

Eine zentrale Grundlage dieses Engagements bildet der umfangreiche Waldbesitz der Burgergemeinde. Insgesamt 589 Hektar Wald befinden sich in ihrem Eigentum. Dieser Wald erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Er ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und vor allem Schutzwald. Für das Städtchen Visp ist er von essenzieller Bedeutung, da er vor Naturgefahren wie Steinschlag, Murgängen und Lawinen schützt. Gleichzeitig spielt er eine Schlüsselrolle im Klimaschutz, da Wälder grosse Mengen CO2 speichern.

Um den Weg zur Senkung der Emissionen fundiert zu planen, hat die Burgergemeinde die Organisation Swiss Climate beauftragt, eine umfassende Treibhausgasbilanz zu erstellen. Diese Analyse erfasst sämtliche relevanten Emissionsquellen und zeigt klar auf, wo die grössten Belastungen entstehen. Die identifizierten Hotspots liegen insbesondere in den Bereichen IT, Heizung und Verkehr sowie bei Veranstaltungen und Anlässen.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden konkrete Massnahmen definiert. Ein zentraler Ansatz ist der Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energiequellen. Heizsysteme sollen schrittweise umgestellt werden, um den CO2-Ausstoss deutlich zu reduzieren. Auch im Bereich Mobilität wird ein Umdenken angestrebt. Statt individueller Autofahrten soll vermehrt der öffentliche Verkehr genutzt werden. Zudem wird bei Anlässen verstärkt auf Nachhaltigkeit geachtet, etwa durch regionale Produkte, Abfallvermeidung und energieeffiziente Organisation.

Restwerte mit Waldzertifikaten aus eigenem Wald kompensieren

Neben der Reduktion von Emissionen setzt die Burgergemeinde auch auf Kompensation im eigenen Wald und damit über lokale Ressourcen vor Ort. Dabei spielt das «Wald-Klimaschutzprojekt Oberwallis» eine zentrale Rolle. Dieses Projekt ist nach internationalen ISO-Standards zertifiziert und umfasst insgesamt 22 264 Hektar Wald im Oberwallis. Ein grosser Teil dieser Flächen befindet sich im Besitz von Burgergemeinden und eignet sich besonders gut für Klimaschutzmassnahmen.

Durch gezielte Pflege und nachhaltige Bewirtschaftung wird die Biomasse im Wald erhöht, wodurch zusätzliches CO2 gebunden werden kann. Insgesamt ergibt sich daraus ein Einsparpotenzial von rund 788 000 Tonnen CO2. Diese Leistung macht deutlich, welches Potenzial im regionalen Wald steckt und wie wichtig nachhaltige Forstwirtschaft für den Klimaschutz ist.

Die Erlöse aus dem Verkauf von Zertifikaten gehen an die Burgergemeinden und müssen zwingend für die Pflege und Erhaltung der burgereigenen Wälder verwendet werden.

Swiss Climate als kompetenter Partner

Swiss Climate begleitet die Burgergemeinde Visp nicht nur bei der Analyse, sondern auch bei der Umsetzung der Massnahmen. Dazu gehört unter anderem die Prüfung eines Vertrags zur Nutzung von CO2-Zertifikaten aus dem Waldprojekt. Gleichzeitig wird grosser Wert auf Transparenz gelegt. Die Due-Diligence-Prüfung ist öffentlich zugänglich und ermöglicht es, die getroffenen Massnahmen nachvollziehbar zu überprüfen.

Die Strategie der Burgergemeinde basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz. Emissionen sollen so weit wie möglich reduziert werden. Unvermeidbare Restemissionen werden durch den Kauf von Zertifikaten kompensiert. Dieser Ansatz verbindet ökologische Verantwortung mit pragmatischem Handeln und ermöglicht es, die angestrebten Ziele realistisch zu erreichen.

Ein Projekt mit Modellcharakter

Mit ihrem Engagement zeigt die Burgergemeinde Visp, dass auch kleinere Körperschaften eine Rolle im Klimaschutz übernehmen können. Samuel Wyer: «Wir nutzen unsere lokalen Ressourcen gezielt, insbesondere den Wald, und kombinieren traditionelle Strukturen mit modernen Nachhaltigkeitskonzepten.» Damit verfolgt die Burgergemeinde Visp ein Modell, das weit über die Region hinaus als Beispiel dienen kann und die Bedeutung lokaler Initiativen im globalen Klimaschutz unterstreicht.

Georges Schmid
Schweizerischer Verband der Bürgergemeinden und Korporationen (SVBK)
Präsident