Der Rigitrac mit einem Mähwerk.

Der erste serienreife Elektrotraktor kommt aus der Schweiz

08.04.2026
4 | 2026

Am 8. Januar 2026 erhielt die Rigitrac Traktorenbau AG in Küssnacht (SZ) für den ersten serienreifen Elektrotraktor mit europäischer Typengenehmigung den Schweizer Energiepreis «Watt d’Or», ein Gütesiegel für Energieexzellenz des Bundesamtes für Energie, in der Kategorie «energieeffiziente Mobilität». Der Rigitrac SKE40 e-direct ist emissionsfrei, leise und enorm energieeffizient. Er ist vor allem für Arbeiten geeignet, bei denen Abgase oder Lärmemissionen nicht erwünscht sind.

Vielerorts rennt heute ein Hersteller mit einem vollelektrischen Traktor offene Türen ein. Denn etliche landwirtschaftliche Betriebe haben damit begonnen, ihren Strom über Dachpaneele selbst zu erzeugen, und nicht wenige Gemeinden stellen darüber hinaus in ihren Werkhöfen langsam auf Elektromobilität um oder haben es bereits getan. Dies, um sich kontinuierlich für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz sowie für umweltverträgliche Mobilität einzusetzen. Allerdings hat sich das Angebot an solchen Maschinen und Geräten bis anhin eher im überschaubaren Rahmen gehalten. Vor allem bei Traktoren und anderen schweren Multifunktionsfahrzeugen gibt es noch kein grosses Konkurrenzumfeld, und es ist auch keines in Sicht.

So hat es sich der Familienbetrieb Rigitrac Traktorenbau AG in Küssnacht (SZ) zur Aufgabe gemacht, einen solchen vollelektrischen Traktor zu entwickeln und zu bauen. Firmengründer Sepp Knüsel hat in den 1970er-Jahren als Einmannbetrieb mit dem Handel von landwirtschaftlichen Fahrzeugen angefangen. Heute arbeiten auch seine Ehefrau, die vier Töchter und 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb mit. Das innovative Unternehmen hat übrigens als Anerkennung seiner unternehmerischen Leistung und Orientierung an regionalen Kundenbedürfnissen als Dienstleistungs- und Produktionsbetrieb schon einige Preise gewonnen.

Neuentwicklung mit hohem Nutzwert

Knüsel wollte seinen Kundinnen und Kunden einen leistungsfähigen, einsatzsicheren Kompakttraktor für den vielseitigen Ganzjahreseinsatz im kommunalen Bereich, aber auch in landwirtschaftlichen Betrieben anbieten. Kein elektrifizierter Traktor, sondern eine absolute Neuentwicklung mit hohem Nutzwert sollte es sein, also genügend Reichweite, man spricht von vier bis acht Stunden Arbeitszeit, sowie einer anständigen Ladeleistung von zwei Stunden bis 80 Prozent, mit einfachem Zugang zu allen Komponenten und Kontrollstellen. Die Betriebskosten sowie der Wartungsbedarf sollten wie bei allen elektrisch angetriebenen Fahrzeugen gering sein.

Und so zeigt sich der SKE40 e-direct heute als vollwertiger Kompakttraktor mit unabhängigem Fahrantrieb mit maximaler Reichweite und Rekuperation. Die 400-V-Lithium-Ionen-Batterie ist zwischen den Achsen angeordnet und garantiert eine perfekte Gewichtsverteilung. Mit dem Ladestecker des Typs 2, das Ladegerät ist in das Fahrzeug integriert, kann an allen Ladestationen geladen werden. In der Kommunalversion ist der Traktor je nach Bereifung 1300 bis 1570 mm breit und findet damit auch bei engen Verhältnissen genügend Platz.

Einfache und praktische Bedienung

Die grosszügig ausgelegte Kabine mit flachem Boden wird für maximalen Komfort mit einer Wärmepumpe geheizt oder gekühlt. Die Bedienung über einen Joystick und ein Display ist einfach und praktisch, der Joystick und ein Drehrad-Controller sind ergonomisch in einer Armlehne angeordnet.

Frontseitig findet sich ein Dreipunkt-Fronthubwerk mit 850 kg Hubkraft, die Zapfwelle ist stufenlos von 0 bis 1000 Umdrehungen pro Minute links- oder rechtsdrehend einstellbar. Heckseitig ist ein Dreipunkt-Heckhubwerk mit 1500 kg Hubkraft verbaut, die dortige Zapfwelle arbeitet stufenlos von 0 bis 750 Umdrehungen pro Minute rechtsdrehend. Die Drehrichtung und die Drehzahl der Zapfwellen sind über je einen Elektromotor unabhängig steuerbar. Auf Wunsch sind verschiedene Anhängerkupplungen erhältlich.

Langer Entwicklungsprozess

«Die Entwicklung des Elektrotraktors war ein langer Prozess mit einigen Rückschlägen», erinnert sich Theres Beutler-Knüsel, Geschäftsführerin der Rigitrac Traktorenbau AG. «Als wir 2018 anfingen, waren noch viele der notwendigen Einzelteile gar nicht auf dem Markt und mussten für dieses Nischenprodukt erst geschaffen werden. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Wir können heute unseren Kundinnen und Kunden ein ausgewogenes Produkt in sprichwörtlicher Schweizer Ausführungsqualität mit gutem, schnellem Backoffice anbieten.»

2022 ging der SKE40 mit einer Nennleistung von 40 kW (54 PS) in Serienproduktion und ist heute nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, Österreich, Dänemark und sogar in Norwegen im Einsatz. Mit dem elektrischen Kompakttraktor spricht Rigitrac vor allem den Vierjahreszeiteneinsatz bei Gemeinden und in Kommunalbetrieben an.

Positive Reaktionen aus der Praxis

Daniel Arnold und sein Team vom Werkhof der Luzerner Gemeinde Oberkirch haben während der vergangenen eineinhalb Jahre 450 problemlose Stunden mit dem elektrischen Rigitrac gearbeitet. Dabei ging es um Abfalltouren, Sportplatzunterhalt, Winterdienst, Strassenreinigung mit Frontbesen und vieles mehr. Die Gemeinde hatte sich schon lange mit Energie- und Nachhaltigkeitsthemen auseinandergesetzt und war eine der ersten, die sich einen elektrischen Traktor aus Küssnacht – einen aus der ersten Serie – angeschafft hat. Zum einen, weil der Rigitrac exakt für Anwenderinnen und Anwender wie sie aufgebaut und für alle sehr einfach über einen Joystick und einen Drehrad-Controller zu bedienen ist. Zum anderen hat sie dabei erst noch ein Schweizer Produkt berücksichtigt. Aus der Bevölkerung – Oberkirch hat 5200 Einwohnerinnen und Einwohner – sind im Alltag übrigens nur positive Rückmeldungen und Rückfragen aus Interesse zu vernehmen.  

Heinz Ammann
Freier Mitarbeiter