
Freiwilligenarbeit abschaffen?
Kürzlich sass ich am Stadtstrandkiosk beim Flötzli an der Thur in Lichtensteig. Die Stimmung war entspannt, der Apéro unkompliziert. Und doch: Viel Arbeit steckt dahinter. Freiwillige haben diesen Ort angestossen. Seit zehn Jahren betreiben und entwickeln sie den Park auf dem ungenutzten Fussballfeld weiter. Ehrenamtlich, verlässlich, mit Herzblut. Zeitgut Toggenburg entstand in Lichtensteig. Über 700 Menschen haben 50 000 freiwillige Stunden geleistet.
Und doch höre ich von Vereinen, wie schwierig es ist, Vorstände zu besetzen.
Ist das ein Widerspruch? Ich glaube nicht. Die Menschen haben nicht aufgehört, sich zu engagieren. Aber sie prüfen genauer, wofür sie Zeit einsetzen. Sie wollen Wirkung sehen, Gemeinschaft erleben und nicht zuerst in Sitzungen und Pflichten landen.
Hier sind Gemeinden gefordert. Wir sagen gern, wie wichtig Vereine sind. Im Alltag machen wir es ihnen manchmal zu schwer. Ein Formular zu viel, eine vorschnelle Absage, ein fehlender Raum – und schon bleibt eine Idee liegen.
Freiwilligenarbeit lässt sich nicht verordnen. Aber wir können sie erleichtern: einen Raum öffnen, Bewilligungen vereinfachen, Anlässe bewerben und bei Ärger den Kopf hinhalten. Vor allem sollten wir öfter fragen: Wie könnte es gehen?
Nicht jede Idee braucht ein Reglement. Manchmal braucht es Vertrauen, einen Schlüssel oder jemanden, der sagt: «Kommt, wir probieren es.»
Lichtensteig lebt von Menschen, die anpacken. Unsere Aufgabe ist nicht, alles selbst zu machen. Sie ist, dafür zu sorgen, dass andere ins Machen kommen.
Freiwilligenarbeit abschaffen? Nein. Aber jene Hürden schon, die verhindern, dass Menschen Ja sagen.
