Der Spielplatz Kreckel in Herisau (AR) von oben. 

Generationenspielplatz Kreckel: Ein Treffpunkt für Jung und Alt

09.05.2026
5 | 2026

Der Generationenspielplatz Kreckel in Herisau (AR) zeigt, wie ein öffentlicher Raum zum Mehrwert für eine ganze Gemeinde werden kann. Er bringt Kinder, Familien und ältere Menschen zusammen, fördert Bewegung und stärkt das Miteinander im Alltag. Entstanden aus einer privaten Initiative, hat sich der Platz zu einem stark genutzten Treffpunkt entwickelt.

Es ist einer der ersten frühlingshaften Tage im März: Auf dem Generationenspielplatz Kreckel in Herisau (AR) herrscht Hochbetrieb. Kinder klettern den Holzturm empor und sausen jauchzend die Rutschbahn hinunter. Andere versuchen sich im Balancieren oder bauen im Sandkasten an ihren Burgen. Es wird geschaukelt, gelacht oder mit der Seilbahn durch die Luft geschwebt. Auf der langen Bankreihe am Spielplatzrand sitzen Väter und Grossmütter und beobachten ihre Kinder. Daneben geniessen einige Bewohnerinnen und Bewohner des benachbarten Alterszentrums die Sonne.

Der Generationenspielplatz in Herisau ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. «Bei schönem Wetter können sich über den Tag verteilt hier schon mal zwischen 800 und 1000 Personen aufhalten», sagt Glen Aggeler. Er ist Präsident des Vereins Spielinsel, der den Spielplatz 2014 gegründet hat. Die Idee sei ursprünglich aus der politischen Mitte entstanden und habe sich mit Ergebnissen einer Zukunftswerkstatt, bei der zahlreiche Interessierte aus der Gemeinde teilnahmen, ergänzt. «Wir wollten einen Ort schaffen, der verschiedene Generationen verbindet», so der Vereinspräsident, der auch im Gemeinderat von Herisau sitzt.

Spielgeräte mit Bezug zum Appenzellerland

Der Standort erwies sich als ideal. Die Wiese, auf der sich der Spielplatz befindet, liegt zwischen dem Sportzentrum und dem Alterszentrum Heinrichsbad. Entsprechend wurde der Platz sowohl mit Spielgeräten als auch mit genügend Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten ausgestattet. Das Konzept hat sich bewährt: Während Kinder klettern und rutschen, nutzen ältere Menschen die Anlage, um zu verweilen oder sich ebenfalls zu bewegen. Pro Senectute organisiert regelmässig das Altersturnen auf dem «Kreckel», und auch die Aktivierungsgruppe aus dem Alterszentrum verlegt ihre Stunde häufig nach draussen.

Ein zentrales Element des Spielplatzes ist der Bezug zur Region. Viele Spielgeräte greifen Sehenswürdigkeiten aus dem Appenzellerland auf. So wurde beispielsweise aus dem Holzturm der «Hohe Kasten», aus dem grossen Sandkasten der «Steinbruch Schachen» und aus der Seilbahn die «Säntis Schwebebahn». Aber auch die Höhlen des «Wildkirchli», der traditionelle Appenzeller Bauernhof sowie die Kreuzberge kommen vor. «So entsteht ein Stück Identität und Verbundenheit mit der Region.»

Mehrwert für die Gemeinde

Der Generationenspielplatz gilt als Erfolgsprojekt, auch über die Gemeinde hinaus. «Er ist zu einem eigentlichen Leuchtturm geworden», sagt Aggeler. Die Gemeinde spielt dabei eine unterstützende Rolle: Sie stellte das Baurecht zur Verfügung. Zudem reinigen Gemeindemitarbeitende noch heute täglich den Platz und geben Bescheid, wenn etwas kaputt ist. «Um die Reparaturen kümmern wir uns dann wieder selbst», so der Vereinspräsident. Dass solche Projekte für die Gemeinde einen Mehrwert schaffen, bestätigt auch Max Eugster, Gemeindepräsident von Herisau. «Der Generationenspielplatz ist für Herisau in zweierlei Hinsicht ein Gewinn», sagt er. «Er zeigt, dass private Initiativen das öffentliche Angebot sinnvoll ergänzen und zur Attraktivität unserer Wohngemeinde beitragen.» Gleichzeitig leiste der Ort mit seiner Lage zwischen Altersinstitution und Sportanlagen einen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben der Generationen. «Das ist ein Ansatz, den wir als Gemeinde ebenfalls verfolgen, etwa mit der Aufwertung weiterer Quartierspielplätze», sagt Eugster. «So können Spielplätze zu Treffpunkten für Generationen werden.»

«Bei schönem Wetter können sich über den Tag verteilt schon mal bis zu 1000 Personen hier aufhalten.»

Glen Aggeler, Präsident des Vereins Spielinsel und Gemeinderat

Respekt und Regeln

Mit dem Erfolg kommen aber auch neue Aufgaben. «Der Unterhalt ist aufwendiger geworden», sagt Aggeler. Noch lasse sich vieles dank Sponsoren und freiwilligen Einsätzen auffangen. Im Frühling wird jeweils gemeinsam geputzt, und im Herbst werden Schäden repariert. Ein weiteres Thema, das ihn beschäftigt, ist der Umgang mit dem Platz. «Respekt ist nicht immer selbstverständlich», sagt Aggeler. Regeln müssten immer wieder erklärt werden, wie der Umgang mit den Spielgeräten oder das Rauchverbot. «Es ist ein öffentlicher Raum, aber kein beliebiger.»

Trotzdem überwiegt für ihn das Positive. «Wir erleben hier alles: vom Kindergeburtstag bis zum Polterabend», sagt er. Der Platz ersetze zwar nicht den Wald als Spielstätte, «aber er ist eine wichtige Ergänzung». Gerade in einer wachsenden Gemeinde wie Herisau mit inzwischen über 16 000 Einwohnerinnen und Einwohnern. «Wenn wir Menschen, egal welchen Alters, weg vom Smartphone und nach draussen bringen sowie Begegnungen ermöglichen, dann hat sich der Aufwand gelohnt.»

Marion Loher
Freie Mitarbeiterin