
Lyss: Vereine als Grundpfeiler für eine vielfältige Kulturlandschaft
Gemeinden nehmen eine zentrale Rolle in der Förderung der kulturellen Vielfalt in der Schweiz ein. In Lyss (BE) hat Kultur seit jeher eine grosse Bedeutung und ist im kommunalen Leitbild «Wohne, Schaffe, Läbe!» verankert. Nebst der politischen Basis ist es vor allem das engagierte Vereinsleben, welches das vielfältige kulturelle Angebot ermöglicht, und Lyss zu einer jungen und lebendigen Stadt im Herzen des Seelandes macht.
Lyss (BE) hat eine sehr aktive Vereinslandschaft mit 197 Vereinen, darunter Musik-, Kultur- und Brauchtumsvereine. Kaum einer kennt diese so gut wie Peter Locher: Er ist seit dem 1. Januar 2024 Abteilungsleiter Bildung und Kultur der Gemeinde im Berner Seeland und wohnt seit 1995 dort. Selbst viele Jahre in einem Fussballverein engagiert, schätzt er das ausgeprägte ehrenamtliche Engagement der Lysserinnen und Lysser. Da die Kulturförderung ein fester Bestandteil der politischen Agenda der Gemeinde ist, kann Lyss Vereine und Kulturprojekte mit den dafür vorgesehenen Mitteln gezielt unterstützen.
Herausfordernder ist die Finanzierung von Kulturinstitutionen, an der verschiedene Akteure beteiligt sind, wie Peter Locher erklärt. Hier muss die Finanzierung alle vier Jahre in einem neuen Leistungsvertrag verhandelt werden. Die Betriebskosten steigen durch erhöhte Energiepreise, höhere Gagen der Kunstschaffenden sowie ein verändertes Ausgehverhalten der Bevölkerung. Da der Bund auf Sparkurs ist, muss Lyss mit den umliegenden Gemeinden zusätzliche Finanzierungslösungen finden. Kultur ist keine Pflichtaufgabe, sondern eine freiwillige Leistung der Gemeinde, weshalb viele kulturelle Angebote von Subventionen, Sponsoring und Freiwilligenarbeit abhängig sind.
«Ohne Vereine und Freiwilligenarbeit wäre diese kulturelle Vielfalt nicht möglich.»
Kulturelle Vielfalt dank Vereinen
Laut Peter Locher wäre die kulturelle Vielfalt in Lyss ohne Vereine und Freiwilligenarbeit nicht möglich. Kulturelle Highlights sind die weit über die Region hinaus bekannten Kulturinstitutionen «Kulturfabrik», kurz KUFA, sowie die Kultur Mühle Lyss. Die KUFA wird vom gleichnamigen, nicht gewinnorientierten Verein geführt und bietet ein breites kulturelles Angebot für alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten, ganz nach dem Motto: «Die KUFA ist für alle da!» Die Organisation der Kultur Mühle Lyss läuft ebenfalls auf Vereinsbasis. Dass ein privater Trägerverein den Lead hat, entspreche dem organisatorischen Wunschformat, so Peter Locher. Die Gemeinde könne bei Bedarf unterstützen, ohne alles in Eigenregie auf die Beine stellen zu müssen.
Damit die Zusammenarbeit gelingt, steht Lyss in engem Austausch mit den Vereinen und Organisationen. Im Rahmen einer jährlichen Veranstaltung bedankt sich die Gemeinde für das geleistete Engagement, ehrt ausserordentliche Leistungen im Sport und in der Kultur und klärt im Dialog, wo der Schuh drückt und wo Unterstützung nötig ist. Lysser Vereine können für Trainings und Proben Turnhallen und weitere Gemeindeinfrastruktur kostenlos nutzen. «Das ist ein wichtiges Signal der Gemeinde, dass die Vereinstätigkeit erwünscht ist und gefördert wird», sagt Peter Locher. Da Kultur eine Querschnittsmaterie darstellt, arbeitet Lyss auch regelmässig mit kommunalen Fachstellen aus anderen Bereichen zusammen.
Was bringt die Zukunft?
Die Vielfalt der Lysser Kulturlandschaft ist laut Peter Locher stabil, es sind aber Veränderungen spürbar: So werde es immer schwieriger, Nachfolgeregelungen für abtretende ehrenamtliche Personen zu finden, da das freiwillige Engagement sich zu eher kurzfristigen und unverbindlichen Einsätzen hin verschiebe. Das Freizeitangebot sei umfangreich, und beim Vereinsnachwuchs sei Flexibilität gefragt. «Vereine leben heute noch stark von einer Generation, die das jahrelang gemacht hat, und nun den Stab weiterreichen möchte», erklärt Peter Locher. Dies wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu grossen Herausforderungen für die Vereinslandschaft führen.
Für den Erhalt der kulturellen Vielfalt spielen auch regionale Verbände, wie der Gemeindeverband «Kulturförderung Biel-Seeland-Berner Jura (BSJB)», bei dem Lyss Mitglied ist, eine wichtige Rolle. Hier werden Leistungsvorgaben definiert, und die finanzielle Beteiligung an regional bedeutenden Kulturinstitutionen wird geregelt. «Für eine Standortgemeinde wie Lyss, die die KUFA und die Kultur Mühle betreibt, ist das eine riesige Entlastung.» Peter Locher sieht mögliche Lösungen zum Erhalt des kulturellen Angebots in einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und solchen Regionalverbänden. Die Finanzierung der Kultur könne ausserdem nicht nur durch die kommunale Ebene gestemmt werden. Er als Gemeindevertreter erhofft sich daher eine Erhöhung der Finanzierung durch Bund und Kantone. «Die Kultur prägt das gesellschaftliche Leben in Gemeinden und ist ein wichtiger Teil der Identität der Bevölkerung, und das soll auch so bleiben.»