Sakrale Bauten wie das Basler Münster bieten im Sommer Abkühlung, doch aufgrund der religiösen Nutzung sind sie nur bedingt als kühle Räume geeignet.

Mehr Hitzetage: Städte suchen mit Fachhochschule nach Lösungen

17.06.2026
6 | 2026

Mit zunehmenden Hitzetagen wächst der Handlungsbedarf beim Schutz der Bevölkerung. Eine Studie von Tanja Herdt, Professorin für Städtebau an der OST – Ostschweizer Fachhochschule zeigt: Der Hitzeschutz ist bislang uneinheitlich organisiert, vielerorts fehlen Hitzeaktionspläne und öffentlich zugängliche kühle Räume. Am Beispiel Basel wurden mögliche Ansätze untersucht. In einem Folgeprojekt sollen solche Räume nun gemeinsam mit Städten und Gemeinden pilotiert werden.

Die Klimaprognosen für die Schweiz zeigen deutlich: Hitzetage werden häufiger und dauern länger. Laut MeteoSchweiz nimmt die Zahl der Tage mit über 30 Grad insbesondere in Städten stark zu. Für Basel rechnen Klimaszenarien bis 2060 mit mehr als 50 Hitzetagen pro Jahr – heute sind es rund 15. Gleichzeitig steigt die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperaturen auch nachts nicht unter 20 Grad sinken.

Für die Gesundheit kann anhaltende Hitze stark belastend sein. Hitze fordert in der Schweiz jährlich mehrere Hundert Todesopfer und verschärft Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Besonders gefährdet sind Menschen über 65 Jahre, Kleinkinder, Schwangere sowie Personen, die sich längere Zeit draussen aufhalten müssen, beispielsweise wohnungslose Personen.

Der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter unterstützt in Basel Menschen ohne Dach über dem Kopf. Der Sommer sei für viele zwar die bevorzugte Jahreszeit, sagt Co-Geschäftsleiter Mats Müller: «Es ist länger hell, die Stadt lebt.» Gleichzeitig würden die gesundheitlichen Risiken von Hitze aber unterschätzt. Im Sommer verteilt der Verein Getränke und Sonnenhüte. Bei Hitzeperioden sei jedoch zusätzlicher Schutz notwendig – etwa Orte zum Abkühlen. Also Räume mit weniger als 24 Grad, die bei Hitzestress als wirksamste Sofortmassnahmen gelten. Hier setzt die Studie «Kühle Räume in der Stadt» an. Sie wurde von Tanja Herdt, Professorin für Städtebau am IRAP Institut für Raumentwicklung der OST – Ostschweizer Fachhochschule, geleitet. Die Untersuchung kombinierte Literaturrecherche, Interviews mit Fachpersonen und Betroffenen sowie eine Kartierung möglicher Standorte in besonders belasteten Quartieren.

Hitzeaktionspläne und planerische Grundlagen

Die Auswertung zeigt, dass sich viele Städte und Kantone intensiver mit Hitze beschäftigen. Strategische Instrumente wie Hitzeaktionspläne sind jedoch noch nicht flächendeckend verbreitet. Gemäss der Studie verfügten 2024 erst sechs Kantone über entsprechende Pläne. Auch bei planerischen Grundlagen besteht Potenzial. In vielen Städten werden Hitzeinseln in Quartieren erstmals systematisch erfasst. Solche Hitzeinseln entstehen häufig in dicht bebauten Quartieren mit wenig Grünflächen, hohem Versiegelungsgrad und eingeschränkter nächtlicher Abkühlung.

Langfristig können Klimaanpassungsmassnahmen wie mehr Grünräume und Beschattungen die Situation verbessern. Gleichzeitig benötigen Gemeinden auch gesundheitliche Sofortmassnahmen, etwa kühle Räume. Eine Möglichkeit besteht darin, bestehende öffentlich zugängliche Gebäude als sogenannte kühle Räume nutzbar zu machen. Dazu zählen etwa Quartiertreffpunkte, Bibliotheken oder Museen. Diese Orte sind vielen Menschen bereits vertraut und könnten bei Hitze als Rückzugsorte dienen.

Im Rahmen der Studie wurden in Basel rund 120 potenzielle Einrichtungen identifiziert, davon wurden 52 vertieft untersucht. Dabei zeigte sich, dass viele Räume gewisse Anforderungen erfüllen, jedoch selten alle Kriterien. Einschränkungen bestehen bei der Klimatisierung, bei der Barrierefreiheit oder bei den Sommeröffnungszeiten. Aus Sicht der Forschenden liegt hier ein praktischer Ansatzpunkt: Bestehende Treffpunkte könnten gezielt ertüchtigt werden, um während Hitzeperioden als kühle Aufenthaltsorte zu dienen. In Basel-Stadt und anderen Städten sollen in einem Folgeprojekt kühle Räume pilotiert werden (siehe Kasten).

Handlungsempfehlungen für Städte und Gemeinden

Auf Grundlage der Untersuchung formulierte das Projektteam zehn Empfehlungen für Städte und Gemeinden. Dazu gehört eine klarere Definition besonders betroffener Bevölkerungsgruppen; wohnungslose Menschen werden heute nicht überall systematisch berücksichtigt. Zudem empfehlen die Forschenden, Hitzeaktionspläne zu entwickeln und Hitzebeauftragte zu ernennen. Sie könnten Massnahmen bündeln, Informationen koordinieren und den Austausch zwischen Verwaltung, Gesundheitswesen und sozialen Einrichtungen stärken.

Langfristig wird der Umgang mit Hitze Teil der kommunalen Klimaanpassung sein. Während der Schutz vor Kälte traditionell gut organisiert ist, gewinnt auch der Hitzeschutz hierzulande an Bedeutung. Erfahrungen aus südeuropäischen Städten zeigen, dass Anpassungen im Städtebau, bei der Gestaltung öffentlicher Räume und im Alltag dazu beitragen können, mit der Hitze besser zurechtzukommen.

Pilotgemeinden für kühle Räume gesucht

Wie lassen sich kühle Räume als kurzfristige Massnahme gegen Hitze in Städten und Gemeinden umsetzen? Die OST – Ostschweizer Fachhochschule plant dazu ein Pilotprojekt mit interessierten Kommunen. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und praxistaugliche Arbeitshilfen zu entwickeln. Interessierte Gemeinden können sich bei der Professur für Städtebau am Institut für Raumentwicklung IRAP der OST melden: https://www.ost.ch/de/forschung-und-dienstleistungen/architektur-bau-landschaft-raum/irap-institut-fuer-raumentwicklung

Sebastian Keller
OST – Ostschweizer Fachhochschule