
Nachhaltige Mobilität beginnt mit Zuhören
Gute Ideen für nachhaltige Mobilität gibt es zuhauf. Oft scheitern sie jedoch nicht an der Kreativität, sondern an den Strukturen: Wer ist zuständig? Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Und ist die Bevölkerung bereit, Veränderungen mitzutragen? Das Programm «Monamo – Modelle nachhaltige Mobilität in Gemeinden» von EnergieSchweiz setzt deshalb nicht bei der einzelnen Massnahme an, sondern beim Weg dahin.
Viele Gemeinden kennen diese Geschichte: Eine engagierte Person initiiert ein innovatives Projekt, das gut läuft, und nach dem Stellenwechsel gerät es in Vergessenheit. Nachhaltige Mobilität scheitert selten an guten Ideen, sondern an Zuständigkeiten, an fehlender Zeit und an der Frage, ob die Bevölkerung auch hinter den Projekten steht.
Das Programm «Monamo – Modelle nachhaltige Mobilität in Gemeinden» von EnergieSchweiz setzt genau hier an. Es unterstützt Gemeinden auf dem Weg von der Idee zur Verankerung: Wie wird aus einem «Man müsste mal» ein Beschluss, ein Budgetposten und eine klare Verantwortlichkeit? Bei der zweiten Durchführung von Monamo waren drei Module für alle Gemeinden verbindlich: Prozess, Kommunikation und Partizipation. Zusätzlich wählte jede Gemeinde mindestens zwei Schwerpunkte, von aktiver Mobilität über geteilte Mobilität und 15-Minuten-Orte bis zur urbanen Logistik.
Angesprochen wurden bewusst Gemeinden und Regionen mit weniger als 50 000 Einwohnerinnen und Einwohnern, wo Fachstellen für nachhaltige Mobilität oft fehlen. Unfertige Ideen waren ausdrücklich erwünscht, denn das Programm ist ein Feldexperiment, kein Wettbewerb um das schönste Konzept.
Ein Jahr für die richtigen Fragen
Die teilnehmenden Gemeinden starteten mit einem Initialisierungsjahr. Es diente dazu, das Vorhaben zu schärfen und erste Versuche zu wagen. In der laufenden, zweiten Runde von Monamo wurden fünf sehr unterschiedliche Orte und Regionen für das Initialisierungsjahr ausgewählt: Uster (ZH), Thun (BE), Tramelan (BE), die Energieregion Obwalden sowie Le Grand-Saconnex zusammen mit weiteren Genfer Gemeinden.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie zuerst partizipativ die Bedürfnisse erhoben haben, statt direkt Massnahmen umzusetzen. In Uster führte das Projektteam über 160 Gespräche mit sechs Zielgruppen. In den Genfer Gemeinden standen die Teams am Markt, vor Schulhäusern und an der 1.-August-Feier; rund 1400 Menschen machten mit.
Solche Erhebungen liefern Antworten, die am Schreibtisch nicht entstehen. In Tramelan zeigte sich: Die Bevölkerung ist bereit für Veränderungen, sofern das Angebot verbessert wird, etwa durch mehr öffentlichen Verkehr, sichere Velowege oder attraktive Fusswege. Bei anderen Instrumenten braucht es mehr Überzeugungsarbeit. Die Gemeinde weiss nun bereits vor dem politischen Prozess, wo sie ansetzen kann und wo es harzt.
Erkenntnisse aus der ersten Durchführung von Monamo
Die erste Monamo-Runde zeigt, was aus einem strukturierten Mobilitätsprozess werden kann. Die Stadt Wil (SG) hat mit lokalen Geschäften und einer sozialen Institution einen Velolieferdienst aufgebaut. Die Zahl der Lieferungen hat sich seither mehr als verdoppelt. Ein Drittel der Kundschaft hätte den Einkauf sonst mit dem Auto erledigt. Ein On-Demand-Angebot für Kleinbusse während der Randzeiten startete mit einer Anschubfinanzierung und trägt sich heute über einen kleinen Zuschlag pro Fahrt selbst. Zudem erreicht eine Schulwegkampagne jedes Jahr sämtliche Kindergartenkinder.
Aarau (AG) ging als Sharing-Modellstadt an den Start und erprobte geteilte Mobilität im Alltag, vom Bikesharing bis zu Angeboten für Beschäftigte. Nebenbei wurde aus einer kleinen Idee ein Selbstläufer. Mit einem Strassenfestkit organisieren Quartiere unkompliziert ein Fest. Gerechnet hatte die Stadt mit fünf Festen pro Jahr. 2024 wurden es sogar 17.
Erfahrungen aus Monamo
Aus dem Programm Monamo lassen sich Erkenntnisse ableiten. Nachhaltige Mobilität wirkt stärker, wenn sie in kommunalen Strategien verankert ist, denn das schafft Rückhalt, auch wenn es politisch einmal ungemütlich wird. Eine Projektleitung mit klarem Auftrag und genügend Zeit bringt mehr als ein perfektes Konzept. Partizipation verursacht in der Anfangsphase zwar Mehraufwand, zahlt sich später aber in Akzeptanz zurück. Der Zugriff auf bestehende Netzwerke, vom Gewerbeverein bis zum Sportverband, spart viel Anlaufzeit.
Vor allem aber braucht es Geduld. Der eigentliche Gewinn zeigt sich später, wenn nachhaltige Mobilität in der Ortsplanung steht, im Gesamtverkehrskonzept oder in den Gestaltungsplänen für neue Areale verankert ist. Dann wirkt sie weiter, längst nachdem das Förderprogramm ausgelaufen ist.
Monamo 2.0 ist vorerst die letzte Runde des Programms. Das Wissen aus beiden Durchgängen gibt EnergieSchweiz interessierten Gemeinden gerne weiter. Für innovative Vorhaben werden zudem weitere Fördergefässe offenstehen.
Fünf Orte, fünf Wege
Diese fünf Vorhaben sind im Rahmen des Programms Monamo 2.0 ausgewählt worden:
Uster (ZH) knüpft an «Uster steigt um!» an und konzipiert Shared-Mobility-Hubs
Thun (BE) setzt mit «Zäme underwägs» auf Lastenvelos für KMUs und den Ausbau des städtischen Bikesharings, um nachhaltige Mobilität sichtbar und erlebbar zu machen
Tramelan (BE) schreibt ein Parkierungskonzept und ergänzt dieses mit Mitfahrangeboten
Le Grand-Saconnex (GE) arbeitet an der Umsetzung seiner kommunalen Mobilitätsstrategie, während die Gemeinden Satigny und Dardagny ihre Mobilitätsstrategien entwickeln, die auch Mobilitätshubs vorsehen
Die Energieregion Obwalden testet unter «Obwalden nachhaltig vorwärts» nachhaltige Mobilitätsformen in den Obwaldner Gemeinden