Norbert Thaler engagiert sich auch nach seiner Pensionierung im Gemeinwesen.

Norbert Thaler: «Vereine sind für die Gemeinden sehr wertvoll»

05.08.2026
7-8 | 2026

Norbert Thaler ist ein Vereinsmensch durch und durch. Fast drei Jahrzehnte setzte er sich in Gossau (SG) für die Anliegen der Vereine ein, zuerst als Präsident der IG Sport, später als Leiter der Fachstelle Sport, Kultur und Freizeit der Stadt Gossau (SG). Für den 71-Jährigen war klar: Gute Lösungen entstehen dort, wo Gemeinden und Vereine frühzeitig und partnerschaftlich zusammenarbeiten.

Hinter dem Bahnhof in Gossau (SG) entsteht eine neue Sportwelt. In den vergangenen Monaten sind im Gebiet Buechenwald ein neues Hallenbad, moderne Gebäude für das Freibad, Fussballfelder mit Tribüne, eine Leichtathletikanlage sowie Beachvolleyball-Felder gebaut worden. Bis im Herbst 2026 werden die Bauarbeiten weitgehend beendet sein. Gleichzeitig ist dies der Abschluss der ersten Etappe eines Generationenprojekts, das Norbert Thaler entscheidend mitgeprägt hat. Als Leiter der Fachstelle Sport, Kultur und Freizeit von Gossau erarbeitete er 2012 zusammen mit Vereinen, Schulen und Behörden das Gemeindesportanlagenkonzept (Gesak). Dieses ist der strategische Plan für die schrittweise Erneuerung der vielen in die Jahre gekommenen Sportanlagen. Die neuen Anlagen sind für den 71-Jährigen mehr als eine neue Infrastruktur. «Sie sind ein Symbol dafür, was entsteht, wenn Gemeinde, Vereine, Schulen und Bevölkerung über Jahre hinweg am gleichen Strick ziehen.»

Alle an einen Tisch holen

14 Jahre lang leitete Thaler die Fachstelle, seit März 2026 ist er offiziell pensioniert. Vor seiner Zeit bei der Stadt präsidierte er während 10 Jahren die Interessengemeinschaft (IG) Sport in Gossau sowie 13 Jahre den Handballclub TSV Fortitudo. In dieser Zeit stellte er fest, dass es innerhalb der Gemeindeverwaltung keine Stelle gab, welche die Anliegen der Vereine aufnahm, koordinierte und gegenüber Politik und Verwaltung vertrat. Thaler schlug dem Stadtrat die Schaffung einer Fachstelle Sport vor. Die Idee überzeugte, und wenig später übernahm er die Leitung. 2019 wurde die Fachstelle um die Bereiche Kultur und Freizeit erweitert.

Von Anfang an setzte Thaler auf einen Ansatz, der heute selbstverständlich wirkt, damals aber alles andere als üblich war. Nutzerinnen und Nutzer wurden bei öffentlichen Bauprojekten oft erst dann einbezogen, wenn vieles bereits entschieden war. Der Fachstellenleiter drehte den Prozess um. Bevor Pläne entstanden, sprach er mit den Menschen über das, was sie brauchten. «Als Nutzenvertreter habe ich die Anliegen der Vereine innerhalb der Verwaltung vertreten.»

Wie wertvoll dieser Einbezug sein kann, zeigte sich bei grossen Projekten wie dem Gesak, aber auch bei kleineren. So kam etwa die Leichtathletikgruppe mit dem Wunsch eines zusätzlichen Stauraums für ihre Geräte auf Thaler zu. Aus dem Gespräch mit allen Beteiligten resultierte eine einfache Anpassung, mit der sich das Problem lösen liess. Für Thaler ist dies der Schlüssel erfolgreicher Zusammenarbeit: Bedürfnisse ernst nehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln und vor allem umsetzen.

Politik als grösste Herausforderung

«Für die Gemeinde sind Vereine sehr wertvoll», sagt Thaler. «Sie schaffen Begegnungen und stiften Zusammenhalt innerhalb einer Gesellschaft.» Mit 180 Vereinen gehört Gossau mit seinen rund 19 000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu den Gemeinden mit der grössten Vereinsdichte. Dieses freiwillige Engagement ist von grossem Wert. Gemäss Berechnungen des Bundesamts für Statistik entspricht die ehrenamtliche Arbeit in den Gossauer Vereinen einem Gegenwert von rund 84 Millionen Franken pro Jahr. Umso wichtiger sei es, ihnen gute Rahmenbedingungen zu bieten. «Als Gemeinde wollen wir die Voraussetzungen schaffen. Den Inhalt und das Leben bringen die Vereine mit ihren Mitgliedern ein.»

Ebenso wichtig wie die Zusammenarbeit mit den Nutzenden war für ihn die klare Rollenverteilung innerhalb der Verwaltung. Die Fachstelle definierte gemeinsam mit den Betroffenen die Anforderungen, erstellte daraus die Raumprogramme und vertrat diese als «Besteller» gegenüber dem Hochbauamt, das für die Planung und bauliche Umsetzung verantwortlich war. Diese Aufgabenteilung sorgte dafür, dass Projekte sowohl fachlich als auch organisatorisch breit abgestützt waren. «Die grösste Herausforderung in all den Jahren war die Politik», sagt Thaler. «Alle mussten aufgeklärt und überzeugt werden, und das war manchmal aufwendig.»

«Die grösste Herausforderung in all den Jahren war die Politik.»

Norbert Thaler, Leiter der Fachstelle Sport, Kultur und Freizeit der Stadt Gossau (SG)

Wie auf den Leib geschneidert

Die Arbeit mit den Vereinen war ihm wie auf den Leib geschneidert. Im Abschiedsporträt im «St. Galler Tagblatt» wurde er auch als «Vater der Vereine» bezeichnet. «Das passt», sagt er und schmunzelt. Auch nach seiner Pensionierung engagiert sich der mittlerweile achtfache Grossvater weiter: in verschiedenen OKs und in mehreren Projekten auf Mandatsbasis. «Ich arbeite gerne mit Menschen. Gemeinsam Lösungen zu entwickeln und sie möglichst rasch umzusetzen, hat mir immer am meisten Freude bereitet.»

Marion Loher
Freie Mitarbeiterin