
Sich für seine Gemeinde engagieren: eine verrückte Idee?
Vor zehn Jahren hat mich eine Nachbarin angesprochen: «Hätten Sie nicht Lust, für den Gemeinderat zu kandidieren?» War das wirklich an mich gerichtet? Wie konnte sie mich in der Exekutive meiner Gemeinde sehen? Wie konnte sie sich vorstellen, dass ich dazu in der Lage wäre und vor allem die Zeit dafür hätte?
Mich für meine Werte, meine Ideen und meine Überzeugungen tagtäglich einzusetzen, ja, aber für meine Gemeinde?
Welche verrückte Idee kam mir da in den Kopf? Ich habe zugestimmt, Ja gesagt, und vor allem wurde ich gewählt! Der feierliche Akt der Amtsvereidigung liess mich zweifeln und erinnerte mich an die Ernsthaftigkeit der Aufgabe.
Ich hatte keine Ahnung, welche faszinierende und aufregende Welt ich da entdecken würde. Ich machte mich mit viel Energie, Hingabe und Herzblut an die Aufgabe, erkannte im Laufe der Zeit die Verantwortung und fand ein Gleichgewicht zwischen Privatleben, Familie und Beruf – dabei immer im Hinterkopf, dass mir Menschen, die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, ihr Vertrauen geschenkt haben.
Schnell wurde ich in einen Strudel aus Reglementen, Gesetzen, Sitzungen und Kommissionen hineingezogen, musste Dossiers, Stellungnahmen, Rechnungen und Budgets studieren, auf Anfragen aus verschiedensten Bereichen antworten, weit entfernt von meinem eigentlichen Beruf als Pflegefachfrau!
Ja, das braucht Zeit, Energie und einige Opfer, aber es schenkt einem viele bereichernde und schöne Begegnungen, und es ist letztlich das, was unsere Milizdemokratie am Leben erhält.
Wenn ein Nachbar Sie eines Tages anspricht: Verlassen Sie Ihre Komfortzone, wagen Sie es, und gehen Sie das Risiko ein! Das Abenteuer lohnt sich!