
Stadt oder (Hitze-)Insel?
Auf globaler Ebene ist die Temperatur in Städten im Durchschnitt um 6,4 Grad höher. Verantwortlich dafür sind vor allem die Oberflächen: künstlich, versiegelt und oft dunkel. Zudem setzt die von Gebäuden, Industrie und Verkehr verbrauchte Energie Restwärme frei, Gebäude wirken als Windbarrieren, und die Luftverschmutzung verstärkt den Effekt zusätzlich.
Und die Situation wird sich weiter verschärfen: Laut einem Simulationsmodell der ETH Zürich wird London im Jahr 2050 klimatisch ähnlich wie Barcelona sein, Paris wie Istanbul, Bern wie San Marino und Zürich wie Mailand.
Und Locarno? Es wäre schön, wenn Locarno Locarno bliebe. Aber wie? Durch Abkühlung. Verschiedene Forscherinnen und Forscher sind sich einig: Man muss möglichst viele Bäume pflanzen und so viele Flächen wie möglich wasserdurchlässig gestalten. Dieses Konzept heisst «Schwammstadt». In Locarno werden im Rahmen der geplanten Aufwertungsprojekte für die öffentlichen Räume im Stadtzentrum über 300 neue Bäume gepflanzt. Nicht wie in Seoul, wo 16 Millionen gepflanzt wurden, aber immerhin ein Anfang. Ausserdem werden die Beläge aufgehellt und wasserdurchlässiger gestaltet. Mittlerweile ist jedes öffentliche Bauprojekt auf diese Ziele ausgerichtet.
Und die Privaten? Neben dem Versuch, über die Raumplanung entsprechende Leitlinien vorzugeben, haben wir kürzlich kommunale Fördermassnahmen eingeführt. Sie unterstützen private Projekte zur Begrünung von Fassaden und Flachdächern, zur Beschattung von Aufenthalts- und Verkehrsflächen, zur Schaffung von Wasserflächen, zur Umwandlung versiegelter Flächen sowie zum Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Wasserstellen.
Ob es funktionieren wird? Das werden wir im Jahr 2050 sehen.