
Unterstützung für Gemeinden beim Aufbau von Ladestationen
Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch: Bis 2035 werden schweizweit 2,1 Mio. batterieelektrische Fahrzeuge im Strassenverkehr erwartet. Damit Gemeinden diesen Wandel unterstützen können, braucht es eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur – zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs. Doch wo anfangen? Was braucht es für den Einstieg, und wie geht man mit offenen Fragen im Prozess um? Die drei Gemeinden Kloten (ZH), Twann (BE) und Ascona (TI) zeigen, wie man es anpacken kann.
Die drei Gemeinden Kloten (ZH), Twann (BE) und Ascona (TI) haben das kostenlose Beratungsangebot «Lade-Impuls» von EnergieSchweiz, dem Programm für Energieeffizienz und erneuerbare Energien des Bundesamts für Energie, genutzt und erzählen von ihren Erfahrungen.
Kloten (ZH): strategischer Ausbau in einer Stadt
Kloten hat die Dekarbonisierung der Mobilität in seiner Energiestrategie verankert. Bis 2030 sollen 40 Prozent der immatrikulierten Personenwagen batterieelektrisch sein. Basierend auf Szenarien von EnergieSchweiz prüfte Kloten den Ladebedarf. Das Ergebnis: Lademöglichkeiten sind vor allem am Wohnort gefragt. Ergänzend soll auch die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Ladestationen in Quartieren und Schnellladestationen betrachtet Kloten als Gemeindeaufgabe. Daniel Martinelli, Energie- und Umweltberater der Stadt Kloten, betont: «Es braucht Ladeinfrastruktur in Quartieren für jene, die zu Hause keine Ladestation installieren können, weil sie keinen eigenen Parkplatz haben oder Vermietende dies nicht ermöglichen.»
«Dank Lade-Impuls konnten wir die Bausteine der Ausschreibung Schritt für Schritt vorbereiten.»
Gemeinsam mit Fachpersonen führte die Stadt eine Standortevaluation mit Verkehrsmodellen, Erschliessungsszenarien und Kostenschätzungen durch. Das Ergebnis: Zwölf mögliche Standorte wurden definiert. Bei der Umsetzung setzt Kloten auf zwei Modelle. Das erste Modell ist die Direktvergabe, bei der private Betreiberinnen und Betreiber die Erschliessung und Ladeinfrastruktur selbst finanzieren. Im Gegenzug erhalten sie ein exklusives Flächennutzungsrecht über 10 bis 15 Jahre. Parkgebühren fliessen weiterhin an die Stadt. Beim zweiten Modell hat die Stadt die gesamte Basisinfrastruktur vorfinanziert. Der Betrieb läuft autonom über einen externen Anbieter gegen eine Konzession. «Dank Lade-Impuls konnten wir die Bausteine der Ausschreibung Schritt für Schritt vorbereiten», sagt Daniel Martinelli.
Twann (BE): passgenaue Lösungen für eine kleinere Gemeinde
Mit gut 500 Einwohnerinnen und Einwohnern im historischen Dorfkern Twann hat die Gemeinde Twann-Tüscherz ganz andere Voraussetzungen als Kloten. Dennoch setzt die Gemeinde am Bielersee, geprägt von Weinbau und Tourismus, seit 2015 auf Elektromobilität. Als die bestehenden Ladestationen erneuert werden sollten, passte der Contracting-Vertrag nicht mehr. Verschiedene Betreibermodelle wurden abgewogen, und der Gemeinderat entschied sich in der Lade-Impuls-Beratung für die Variante C: Selbstfinanzierung und Eigenregie durch die Gemeinde.
Mittlerweile betreibt Twann-Tüscherz sechs Ladestationen in beiden Ortsteilen. Die Gemeinde legt den Preis für den Strom selbst fest und kann Vorzugskonditionen für die eigene Bevölkerung anbieten. Denn immer mehr Anwohnende sind mit E-Fahrzeugen unterwegs und benutzen die öffentlichen Ladeplätze. In Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen wurde das Projekt in nur neun Monaten umgesetzt. Das Resultat: Anwohnende und Tagestouristinnen und -touristen laden ihre Fahrzeuge, und die Einnahmen aus dem Stromverkauf fliessen direkt aufs Gemeindekonto, wo sie die getätigten Investitionen refinanzieren und den laufenden Unterhalt der Infrastruktur tragen. Daniel Schaller, Gemeinderat in der Gemeinde Twann-Tüscherz, beurteilt das Modell als lohnend und leicht reproduzierbar. Ausserdem sei die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich höher, wenn die Einnahmen direkt der Gemeinde zugutekämen.
Ascona (TI): Elektromobilität ganzheitlich gedacht
Ascona zeigt: Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Baustein der nachhaltigen Mobilität. Während Schulbusse und Dienstwagenflotte elektrifiziert wurden, entstand in der Beratung auch die Idee, kommunalen Mitarbeitenden am Arbeitsplatz Parkplätze mit Ladestationen zu einem Pauschalpreis anzubieten. Das erhöht die Attraktivität und erleichtert den Umstieg. Ergänzend baut Ascona weitere öffentliche Ladestationen und schafft für die Bevölkerung Anreize mit Rabatten auf Car-Sharing-Abos, E-Bikes und Ladestationen. Die Dekarbonisierung des Verkehrs und die Förderung des Langsamverkehrs helfen nicht nur beim Erreichen der Klimaziele, sondern tragen auch dazu bei, den Charme des Promenadenstädtchens langfristig zu erhalten.
Die Praxisbeispiele zeigen: Ladeinfrastruktur ist machbar. Unabhängig von Gemeindegrösse und vorhandenen finanziellen Mitteln können unterschiedliche Lösungsansätze entwickelt werden. Wer jetzt handelt, kann Mobilität und Energie zusammendenken, attraktive Rahmenbedingungen schaffen und den Wandel aktiv mitgestalten.
Der nächste Schritt: Ihr kostenloser Beratungstermin
Der Ausbau von Ladeinfrastruktur wirft technische, organisatorische und rechtliche Fragen auf. EnergieSchweiz bietet Orientierung und unabhängige Hilfestellung mit dem Beratungsangebot «Lade-Impuls». Das Angebot ist kostenlos und auf die Ausgangslage, die Bedürfnisse und Ressourcen der jeweiligen Gemeinde ausgerichtet.
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