Blick auf den Waldplatz in Küttigen (AG).

Waldplatz aus einheimischem Holz

04.05.2026
5 | 2026

Der Waldplatz in Küttigen (AG) wird nicht nur gerne von Spaziergängern, sondern auch regelmässig von einer Waldspielgruppe sowie neu von Menschen mit Betreuungs- und Unterstützungsbedarf genutzt. Die Infrastruktur wurde aus lokalem Holz vom Forstdienst Jura erstellt.

Inmitten des beliebten Buchwaldes in Küttigen (AG) am Rande des Ortsteils Rombach liegt idyllisch, entlang eines Bächleins, ein regelmässig besuchter Waldplatz. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel von Erholungssuchenden, Kindern einer Waldspielgruppe und neuerdings auch von Klientinnen und Klienten der Stiftung Seehalde, einer Einrichtung für erwachsene Menschen mit Unterstützungsbedarf. Der rund 230 Hektar grosse Buchwald hat mit den umliegenden Gemeinden Küttigen, Erlinsbach (SO) und dem nahen Aarau ein Einzugsgebiet von rund 30 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und wird dementsprechend häufig als Naherholungsort genutzt.

Der grosszügige Waldplatz ist ausgestattet mit verschiedenen, teils überdachten Tischen und Sitzmöglichkeiten, einem Brunnen, einer grossen Feuerschale, einer mobilen Toilette, zwei Aufbewahrungskisten aus Holz und einem Waldsofa. Ein holzgeschnitzter Kauz behütet den Ort mit wachen Augen. Der zuständige Forstbetrieb Jura füllt regelmässig Brennholz auf und achtet darauf, dass keine dürren Äste und sturzgefährdeten Bäume die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher des Waldplatzes beeinträchtigen. Das Team von Revierförster Martin Blattner vom Forstbetrieb Jura hat auch den grossen Teil der Infrastruktur mit Holz aus dem eigenen Wald erstellt. «Für alle Holzbauten des Waldplatzes verwendeten wir ungefähr drei Kubik Rundholz», erläutert Martin Blattner. Den gedeckten Sitzplatz haben Lernende im Rahmen eines überbetrieblichen Kurses (üK) unter Anleitung eines Instruktors aus Holz der Douglasie erstellt. Die Tische und Bänke nebenan wurden aus Lärchenholz von Mitarbeitern des Forstbetriebs Jura und der Brunnen aus Weisstanne konstruiert. Letzterer wird von Martin Blattners Team nächstens ersetzt – mit lokalem Holz, versteht sich. Er ist schon etwas in die Jahre gekommen.

Für das grosse, kreisförmige Waldsofa der Waldspielgruppe lieferte der Forstbetrieb verschiedenes Restholz aus der Umgebung. «Die Eltern der Kinder haben das Sofa dann gemeinsam mit den Verantwortlichen der Waldspielgruppe erstellt», berichtet Martin Blattner. Der Waldkauz beim Eingang des Waldsofas ist von einer Privatperson aus Küttiger Holz geschnitzt worden.

Waldplatz ermöglicht verschiedene Erfahrungen

Benutzt nicht die Waldspielgruppe den Waldplatz, dann halten sich seit diesem Februar mehrmals wöchentlich Menschen mit Betreuungs- und Unterstützungsbedarf der Stiftung Seehalde mit ihren Betreuerinnen und Betreuern dort auf. «Dieser Ort ermöglicht es Menschen mit herausfordernden Verhaltensweisen, Sinn-, Körper- und Naturerfahrungen zu machen, und schafft einen niederschwelligen Begegnungs- und Arbeitsraum», sagt Remo Bättig, Geschäftsführer der Stiftung Seehalde. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner der «Seehalde» werden den Platz im Wald nicht nur zur Erholung und zum Kochen über Feuer nutzen, sondern auch, um dort einfache Arbeiten auszuführen. Dabei steht nicht die Leistung, sondern die Teilhabe und die individuelle Entwicklung im Zentrum. Der Waldplatz bietet ihnen die Möglichkeit, Teil der Gesellschaft zu sein.

Wald den Interessierten näherbringen

«Damit wir durch die zusätzliche regelmässige Nutzung keinen Mehraufwand mit dem Waldplatz haben, ist geplant, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der ‹Seehalde› den Rastplatz in Ordnung halten. Dazu zählen einfache Arbeiten wie Abfall sammeln, die Feuerstelle pflegen, das Brennholzlager auffüllen und eventuell das Freihalten der Schächte», führt Martin Blattner aus. Der Betriebsleiter freut sich darüber, dass der Waldplatz so regelmässig genutzt wird. «Es ist uns ein grosses Anliegen, den Wald allen möglichen Interessierten näherzubringen», sagt er. Die Waldpädagogik habe in ihrem Betrieb einen hohen Stellenwert. Der Forstbetrieb Jura bietet deshalb unterschiedliche Angebote für Kindergärten, Schulen, Betriebe und sonstige Interessierte an.

«Es ist uns ein grosses Anliegen, den Wald allen möglichen Interessierten näherzubringen.»

Martin Blattner, Revierförster

Martin Blattners Betrieb arbeitet mit verschiedenen Institutionen zusammen. Die Zusammenarbeit beim einjährigen Pilotprojekt im Buchwald mit der Stiftung Seehalde ist durch WaldFink & Buess Beratung entstanden. Die GmbH unterstützt soziale Institutionen auf dem Weg, neue Angebote für Klientinnen und Klienten zu realisieren. So konnten schon rund zwei Dutzend Waldplätze jeweils in Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Forstbetrieb realisiert werden. Geschäftsführer Andreas Fink spricht von einer Win-win-Situation: für den jeweiligen Forstbetrieb, die Menschen mit Unterstützungsbedarf sowie die Gesellschaft.

Sarah C. Sidler
Freie Mitarbeiterin