Das Alte Schulhaus in Langnau am Albis (ZH).

Wie die Sanierung eines denkmalgeschützten Schulhauses gelingt

06.05.2026
5 | 2026

Langnau am Albis (ZH) hat im vergangenen Jahr das Alte Schulhaus umfassend saniert. Das Gebäude aus dem Jahr 1826 steht unter kommunalem Denkmalschutz, sollte aber nach der Sanierung barrierefrei sein und weiteren baurechtlichen Vorgaben entsprechen. Die Sanierung gelang vorbildlich – dank eines sorgfältigen Abwägens der verschiedenen Interessen. Lucia Zehnder und Urs Waser von der Gemeinde Langnau am Albis berichten von diesem Prozess.

Stolz thront es seit 1826 am Hang, das Alte Schulhaus Wolfgraben in Langnau am Albis (ZH). Das grosse weisse Haus mit spitzem Dach und der Fensterfront zur Strasse hin wurde 1826 errichtet, zu einer Zeit, als sich im Kanton Zürich die Volksschule etablierte. Es gilt als typischer Vertreter des damaligen Schulhausbaus. Bereits 1842/1843 war das Schulhaus zu klein und wurde erweitert. Die kantonale Gesetzgebung schrieb damals vor, dass ein Lehrer nicht mehr als 120 Kinder unterrichten durfte, weshalb ein zweites Klassenzimmer hermusste.

Heute wird das Haus für den Musikunterricht, den Unterricht im Fach Textiles und Technisches Gestalten sowie den Waldkindergarten genutzt und befindet sich in unmittelbarer Nähe der weiteren Schulgebäude der Gemeinde. Bereits 1955 und 1990 fanden Umbauten statt, doch 2024/2025 stand eine Totalsanierung des in die Jahre gekommenen Schulhauses an. Das konnte die Gemeinde auch mit einer Software belegen, die den Sanierungsbedarf der gemeindeeigenen Liegenschaften aufzeigt, wie Lucia Zehnder von der Abteilung Liegenschaften der Gemeinde erklärt. «Dieses Vorgehen ermöglicht es uns, Sanierungen gezielt und gestaffelt anzugehen.»

Verschiedene Ansprüche unter einen Hut bringen

Das markante Alte Schulhaus befindet sich im kommunalen Inventar schutzwürdiger Gebäude, weshalb bei der Sanierung besondere Sorgfalt geboten war. Gleichzeitig entsprach es aber diversen Normen nicht mehr, so war zum Beispiel der Zugang für Gehbehinderte nicht gegeben. Im Projekt galt es also, sowohl den Denkmalschutz als auch die baurechtlichen Anforderungen unter einen Hut zu bringen.

«Wir brachten alle Akteure an einen Tisch und arbeiteten eine Lösung aus, die für alle stimmt», sagt Urs Waser, Leiter Hochbau und Planung der Gemeinde Langnau am Albis. Bei solchen Sanierungen brauche es immer Kompromisse: «Die Interessen der einzelnen Akteure gilt es sorgfältig abzuwägen. Dabei muss die zeitgemässe Nutzung des Gebäudes angemessen berücksichtigt werden.»

2022 gab die Gemeinde zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. 2023 beauftragte sie ein spezialisiertes Büro damit, die Schutzwürdigkeit des Gebäudes zu beurteilen und in einem Gutachten zu dokumentieren. Dieses Gutachten ist ein integraler Bestandteil des verwaltungsrechtlichen Vertrags zwischen dem Gemeinderat Langnau am Albis und der Liegenschaftskommission, der zum Ziel hat, das Gebäude unter Schutz zu stellen. Diese frühzeitige Schutzabklärung empfehlen Lucia Zehnder und Urs Waser allen Gemeinden, die ein ähnliches Projekt planen.

«Wir brachten alle Akteure an einen Tisch und arbeiteten eine Lösung aus, die für alle stimmt.»

Urs Waser, Leiter Hochbau und Planung, Gemeinde Langnau am Albis (ZH)

Pragmatische Lösungen

Das pragmatische Vorgehen der Gemeinde widerspiegelt sich in den Lösungen, die sie für die Sanierung gefunden hat. So wurde neben dem Treppenhaus neu ein Lift eingebaut, um das Schulhaus für Menschen mit Gehbehinderungen zugänglich zu machen. Dank einer Spezialanfertigung ist der Lift von aussen nicht sichtbar und fügt sich gut in das historische Gebäude ein. Allerdings sind dadurch einige Zimmer kleiner geworden. Zudem wurde neben der Renovation aller Nasszellen auch ein barrierefreies WC eingebaut.

Die historischen Stahlstützen sind denkmalpflegerisch relevant – aus feuerpolizeilicher Sicht aber problematisch. Deshalb wurden die originalen Stützen mit Gips und einer magnetischen Metallhülle verkleidet. «Beim Denkmalschutz geht es darum, die historische Substanz zu erhalten, nicht nur das Aussehen», erklärt Lucia Zehnder von der Gemeinde. Dies gelang mit dieser Lösung.

«Beim Denkmalschutz geht es darum, die historische Substanz zu erhalten, nicht nur das Aussehen.»

Lucia Zehnder, stv. Leiterin Liegenschaften, Gemeinde Langnau am Albis (ZH)

Natürlich habe dieses Vorgehen Mehraufwand und Mehrkosten mit sich gebracht, sagen Lucia Zehnder und Urs Waser. Lucia Zehnder nennt das Beispiel der Fenster, die ersetzt wurden. Dabei musste die Gemeinde die filigranen Sprossen und schlanken Rahmenprofile erhalten, was teurer war, als handelsübliche Fenster einzufügen. Die Mehrkosten der ganzen Sanierung genau zu beziffern, sei aber schwierig, sagt Lucia Zehnder. Die Abrechnung der Sanierung läuft noch. Ursprünglich waren 2,67 Millionen Franken budgetiert.

Die Arbeiten haben sich gelohnt. «Die Rückmeldungen sind sehr positiv; die Leute sind begeistert», sagt Lucia Zehnder. Die sanfte Sanierung hat den Geist des alten Hauses bewahrt und verbindet das Praktische mit dem traditionellen Stil des Hauses. So fügen sich die Schallschutzelemente in einem Musikzimmer nahtlos in die historische Täferverkleidung der Wände ein. Auf diesen Stoffelementen sind Fotos der Schulkinder angepinnt. Und an die magnetische Verkleidung der historischen Stahlstützen hat eine Lehrerperson in einem anderen Zimmer kleine magnetische Döschen mit allerlei Bastelutensilien angebracht.

Nadja Sutter
«Schweizer Gemeinde»
Chefredaktorin