
Wie Gemeinden sich auf Starkregen vorbereiten können
Hagel und Starkregen sind in der Schweiz eine zunehmende Gefahr. Auch heftige Gewitter mit starken Windböen können erhebliche Schäden verursachen. Besonders Gewitter stellen Gemeinden vor grosse Herausforderungen. Sie entstehen oft lokal, entwickeln sich innert kurzer Zeit und lassen sich trotz moderner Wettermodelle nur begrenzt vorhersagen. Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung – sowohl für Gemeinden als auch für Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer sowie Mietparteien.
Bei Gewittern bleibt oft nur wenig Zeit zum Handeln. Verdunkelt sich der Himmel, sind Blitze sichtbar oder ist Donnergrollen zu hören, kann sich die Situation innert Minuten zuspitzen. Deshalb lohnt es sich, Wetterprognosen regelmässig zu verfolgen und Warnungen über Apps wie «Wetter-Alarm» zu beachten. Gemeinden sollten ihre Bevölkerung frühzeitig für bestehende Gefährdungen und das richtige Verhalten im Ereignisfall sensibilisieren. Eine klare Kommunikation trägt wesentlich dazu bei, Schäden zu begrenzen und Menschen zu schützen.
Wasser wird rasch zur Gefahr
Bei Starkregen kann Wasser nicht mehr vollständig versickern oder über die Entwässerung abgeführt werden. Es fliesst dann über Strassen, Zufahrten und Hänge ins Siedlungsgebiet und sammelt sich in Senken. Besonders gefährdet sind Keller, Tiefgaragen und andere tieferliegende Gebäudeteile.
Bereits 20 bis 30 Zentimeter Wasser können gefährlich werden. Türen lassen sich unter Umständen nicht mehr öffnen und Personen können eingeschlossen werden. Steigt der Wasserdruck weiter an, können Fenster oder Türen plötzlich nachgeben und Räume innert Sekunden volllaufen. Deshalb gilt: Keller, Tiefgaragen und Lifte bei Wassereintritt sofort verlassen. Ebenso wichtig ist es, die Nähe von Gewässern zu meiden. Fliessendes Wasser entwickelt enorme Kräfte und kann sowohl Menschen als auch Fahrzeuge mitreissen.
Entscheidend ist die richtige Vorbereitung vor einem Gewitter. Lose Gegenstände sollten gesichert, Fenster und Türen rechtzeitig geschlossen und Storen vollständig hochgezogen werden. Geschlossene Lamellenstoren oder ausgefahrene Markisen werden bei Sturm oder Hagel häufig beschädigt.
Ein besonders wichtiger Grundsatz lautet: Menschenleben gehen vor Sachwerten. Wer versucht, während eines laufenden Unwetters noch Fahrzeuge oder andere Gegenstände aus einer bereits überfluteten Garage oder einem Keller zu retten, bringt sich unnötig in Gefahr.
Prävention beginnt lange vor dem Ereignis
Gemeinden sowie Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer können bereits im Vorfeld zahlreiche Massnahmen treffen. Dauerhafte, bauliche Massnahmen bieten in der Regel einen robusten Schutz, da sie nicht von Warnzeit, Anwesenheit und manueller Aktivierung abhängig sind. Ziel ist es, Wasser gar nicht erst an kritische Gebäudeteile gelangen zu lassen. Umbauten oder Sanierungen bieten eine gute Gelegenheit, bestehende Schwachstellen zu beseitigen und den Objektschutz dauerhaft zu verbessern.
Bereits bei der Standortwahl und der Planung eines Neubaus sollten bekannte Naturgefahren berücksichtigt werden. Ein geeigneter Standort ausserhalb bekannter Gefahrenbereiche reduziert das Risiko erheblich. Auch Gefahrenkarten sowie die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss liefern wichtige Grundlagen für die Planung.
Ebenso entscheidend ist eine durchdachte Geländegestaltung. Diese sollte so ausgelegt sein, dass Wasser nicht an kritische Gebäudeöffnungen gelangt und schadlos über geeignete Abflusskorridore abgeführt wird, ohne die Gefährdung benachbarter Grundstücke oder Infrastrukturen zu erhöhen. Zusätzlich können erhöhte Gebäudeeingänge, Lichtschächte sowie ausreichend hoch angeordnete Fenster und Türen verhindern, dass Oberflächenwasser in das Gebäude eindringt. Werden diese Aspekte bereits in der Planungsphase berücksichtigt, lassen sich spätere Schäden deutlich reduzieren.
Nach dem Unwetter ist auch vor dem Unwetter
Nach einem Gewitter ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um Lehren für die Zukunft zu ziehen. Dächer sollten regelmässig durch Fachpersonen kontrolliert werden. Lose Ziegel oder beschädigte Bauteile können so rechtzeitig ersetzt werden. Ebenso wichtig ist die Reinigung von Dachrinnen, Fallrohren und Entwässerungseinrichtungen. Verstopfte Abläufe führen bei Starkregen häufig dazu, dass sich Wasser staut und in Gebäude eindringt.
Vor grösseren Sanierungen lohnt sich zudem eine Überprüfung möglicher Präventionsmassnahmen. Der Naturgefahren-Check liefert eine Übersicht über die Gefährdung eines Grundstücks und zeigt auf, wie sich Gebäude wirksam gegen Naturgefahren schützen lassen.
Gemeinden sollten Ereignisse dokumentieren und insbesondere unerwartete Abflusswege sowie betroffene Infrastrukturen mit der Gefährdungskarte Oberflächenabfluss verifizieren und auswerten. Diese Erkenntnisse können in die Planung, den Unterhalt und die Notfallorganisation einfliessen.
Gemeinden als Schlüssel zur Prävention
Gemeinden übernehmen eine zentrale Rolle beim Schutz vor Naturgefahren. Sie informieren die Bevölkerung, berücksichtigen Risiken in der Raumplanung und schaffen die Voraussetzungen für eine widerstandsfähige Infrastruktur. Gleichzeitig können sie Hauseigentümerinnen und -eigentümer für Eigenverantwortung und Prävention sensibilisieren. Mit einer guten Vorbereitung, vorausschauender Planung und konsequenten Präventionsmassnahmen lassen sich die Auswirkungen von Gewittern deutlich reduzieren. Geeignete Schutzmassnahmen tragen dazu bei, Menschen zu schützen und Sachschäden zu vermeiden.