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Aktive Filter: Autor: Fabrice Müller Ausgabe: 9 | 2026 Alle Filter entfernen
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Christian Jott Jenny: «Vermutlich hat mich der Wahnsinn geküsst …»

Ich wurde am 7. Oktober 2018 um 11.38 Uhr im zweiten Wahlgang zum Gemeindepräsidenten gewählt. Vermutlich hat mich der Wahnsinn geküsst … Nein, im Ernst: Der Wunsch nach Veränderungen hier oben war im Volk deutlich spürbar. Es wollten sich aber keine echten Eingeborenen zur Wahl stellen – also musste ein fremder «Fötzel» her. Dieser war ich. Aber so fremd war ich ja gar nicht … Ich habe vor über 20 Jahren das «Festival da Jazz» gegründet und aufgebaut. Unterdessen gilt das Festival als grösster Sommerevent in Graubünden. Es bespielt das Engadin in einer Zeit, die damals noch nicht so als «Hochsaison» klang. Dies gab mir das nötige Vertrauen im Volk – und umgekehrt. Sie wussten, dass ich ein Macher bin. Es war etwa gleich schlimm für mich wie die vier Jahre bis zur Matura, notabene mit ähnlichen Figuren im «Lehrerzimmer»: diejenigen die einem gutgesinnt und stets da waren, und die anderen, die einen immer rausschmeissen wollten. Glücklicherweise hat sich das mit der zweiten Amtsperiode deutlich verbessert. Konkret: Die Widersacher im Kabinett wurden vom Volk abgewählt. Dass letztendlich trotzdem alles etwas anders ist, als man es sich so vorstellt. Glücklicherweise weiss man nicht, was auf einen zukommt. Sonst würde sich wohl niemand mehr für so eine Aufgabe zur Verfügung stellen! Mit Ideen und Visionen! Aber der Dorfarzt hat mir bald einmal gesagt, dass man mit Visionen lieber einen Psychiater aufsuchen sollte. Spass beiseite! Ich lernte bald: Wenn man nicht fähig ist, seine Ideen und Visionen in anständige Anträge zu verwandeln, ist man in der Realpolitik schnell einmal verloren. Das ständige Misstrauen gegenüber mir als «fremdem Fötzel» – was ja irgendwie auch logisch war – , interne Machtkämpfe und die diversen, andersartigen Erwartungen an das Amt und an mich. Es war die allerbeste und schönste zweite Ausbildung in meinem Leben. Näher kommt man wohl nicht an die Menschen in all ihren Facetten ran. Ich bin enorm dankbar und demütig, dass das Volk mir für acht Jahre diese Möglichkeit gegeben hat. Es war mir eine Ehre, dieser Gemeinde dienen zu dürfen. «Ich bin enorm dankbar und demütig, dass das Volk mir für acht Jahre diese Möglichkeit gegeben hat.» Christian Jott Jenny, abtretender Gemeindepräsident von St. Moritz (GR) Das kann und konnte ich schon immer. Man muss sich im Moment einfach fokussieren können. Als «Super-ADHSler» kann ich das sehr gut (lacht). Eine gute Stimmung in die Gemeinde zu bringen, eine Stimmung im Sinne von: «Ja, wir können das!» Ich wollte für Aufbruchstimmung sorgen. Wichtig war mir auch, zuzuhören – den einfachen Bürgerinnen und Bürgern mit ihren Sorgen, aber auch dem Multimilliardär. Und dann vermittelte ich zwischen den Fronten. Hier ging es mir darum, Verständnis zwischen den beiden Polen St. Moritz als einfaches Dorf und dem Welt-Brand St. Moritz herzustellen. Wir haben Dreiviertel der grossen Abstimmungen durchgebracht und gewonnen. Aber vor allem spricht man heute in der Schweiz wieder mit einem Lächeln über unsere Gemeinde. Vielleicht konnte ich St. Moritz ein etwas selbstironisches «Ich» zurückgeben. Das würde mich sehr freuen. Sie steht finanziell und auch imagetechnisch so gut wie selten da. Ich werde täglich danach gefragt: Was machen Sie ab dem 1. Januar 2027? Die Antwort lautet jeweils: «Dasselbe wie bis anhin auf dem Amt: nichts!» Fabrice Müller

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