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Digitale Impulse für den Alpenraum

Initiiert wurde das Projekt «Smart Villages» im Rahmen des Interreg-B-Alpenraumprogramms der EU. In der Schweiz ist das Bundesamt für Raumentwicklung federführend für das Projekt. Als führender Partner betreut die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) dieses Programm. Umgesetzt wurde das Projekt in der Region Luzern West, sprich im Raum Willisau, Wiggertal, Entlebuch, Napf und in Teilen des Rottals, wie Alexander Siegenthaler informiert, Projektleiter beim Verband Region Luzern West. «Die Region mit insgesamt 27 Gemeinden ist ausgesprochen ländlich geprägt und von Themen wie demografischer Entwicklung oder Fachkräftemangel betroffen.» Nach einer achtmonatigen Vorbereitungszeit fiel im Juni 2018 der Startschuss für das Projekt in der Region Luzern West. Ziel des Projekts ist, Gemeinden im Alpenraum für die Chancen der Digitalisierung zu sensibilisieren und diese auch zu nutzen. Dabei geht es – so Alexander Siegenthaler – nicht nur um technische Innovationen, sondern gerade auch um einen neuen Einbezug der relevanten Akteure in sogenannten regionalen Arbeitsgruppen. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Förderung von Innovationen unter dem Einbezug digitaler Lösungen sowie in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und Anspruchsgruppen. Im Rahmen dieses Projekts profitieren die Projektpartner stark von Know-how-Transfer im gesamten Alpenraum. Die Verantwortlichen der Region Luzern West besuchten zu Beginn des Projekts die Region Ardèche-Drôme im französischen Alpenraum, wo bis ins Jahr 2025 bis zu 97 Prozent aller Haushalte mit Glasfaserkabel verbunden werden sollen. «Das war für uns ein Schlüsselerlebnis, denn wir erkannten, wie zentral die digitale Infrastruktur für die Entwicklung einer Region besonders auch im Alpenraum ist», erzählt Alexander Siegenthaler und nennt das Glasfasernetz als Bedingung für die Förderung von «Smart Villages». Denn: Jedes Jahr nehme der Bedarf an Internetbandbreite in der Schweiz um 50 Prozent zu. «Für uns wurde der Hochbreitbandanschluss deshalb zur Hauptstossrichtung des Projekts. Die digitale Infrastruktur und damit die Mobilität der Daten sind entscheidend für die zukünftige Entwicklung einer Region», betont Alexander Siegenthaler. «Die digitale Infrastruktur und damit die Mobilität der Daten sind entscheidend für die zukünftige Entwicklung einer Region.» Alexander Siegenthaler, Projektleiter beim Verband Region Luzern West Für die Umsetzung eines Pilotprojekts fragte die Region Luzern West die Gemeinde Luthern an, wo man offene Türen aufstiess. 75 Prozent der Stimmberechtigten von Luthern sagten an der Urnenabstimmung Ja zum Pilotprojekt. Mittlerweile ist die erste Bauetappe bereits abgeschlossen. In zwei Jahren sollen praktisch alle Haushalte von Luthern mit dem Glasfasernetz verbunden sein. Wie Alexander Siegenthaler berichtet, sind inzwischen auch 22 weitere Gemeinden aus der Region an der digitalen Infrastruktur interessiert bzw. entwickeln gemeinsam ein Vorprojekt dafür. Die Gemeinden tragen in diesem Vorprojekt die finanzielle Hauptlast. Doch der Aufwand lohnt sich, ist Alexander Siegenthaler überzeugt: «Noch vor drei Jahren wurden wir belächelt. Doch mit der Coronakrise und der Einführung des Homeoffice hat man erkannt, wie wichtig Hochbreitbandanschlüsse auch in ländlichen Gemeinden sind.» Der Anschluss an das Glasfasernetz erhöhe gleichzeitig auch den Wert einer Immobilie. Mit dem Hochbreitbandanschluss allein ist es jedoch noch nicht getan, gibt Alexander Siegenthaler zu bedenken: «Jetzt gilt es, für unsere Region zu werben und smarte Lösungen in verschiedenen Bereichen zu erarbeiten.» Im neu gegründeten «forum think smart» der Region Luzern West konnten verschiedene Aspekte rund um das Thema «Smart Villages» beleuchtet werden. «Dieses Forum wird unsere Region weiterführen», ist Alexander Siegenthaler überzeugt. Die Universitäten von Milano, Maribor (Slowenien) und Llubiljana haben gemeinsam mit den Projektpartnern Instrumente entwickelt, um die «Smartness» von Gemeinden zu messen. Mit einem Analyseverfahren haben die Gemeinden die Möglichkeit, aufgrund der Erfahrungen aller Projektpartner zu eruieren, wie «smart» eine Ortschaft ist. Mit der Gemeinde Ruswil wurde jüngst ein weiteres «Smart Village»-Projekt aufgegleist. Um den lokalen Einkauf im Dorf zu fördern, entwickelte der Gewerbeverein Ruswil digitale Gewerbegutscheine. Dabei wurde er von der Gemeinde Ruswil und der Region Luzern West unterstützt. «Diesen Weg wollen wir nun weitergehen», sagt Alexander Siegenthaler. Was ist für den Erfolg eines «smarten» Projekts in einer Gemeinde entscheidend? «Man muss den Menschen auf diese Reise mitnehmen. Das Projekt darf kein Selbstzweck sein, sondern sollte von den Menschen getragen werden», ist der Leiter Projekte der Region Luzern West überzeugt. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Gemeinden aus der Schweiz und dem Ausland erweitere das Netzwerk und bringe wertvolle neue Erkenntnisse in die Gemeinde. Informationen: www.regionwest.ch www.luthern.ch www.alpine-region.eu Fabrice Müller

In der öffentlichen Verwaltung fehlen Fachkräfte

Im Jahr 2020 waren in der Schweiz gemäss Bundesamt für Statistik knapp 220 000 Personen in der öffentlichen Verwaltung erwerbstätig. Vor fünf Jahren waren es noch zirka 200 000 Angestellte. Der Bedarf an Fachkräften in Gemeinden und anderen öffentlichen Verwaltungsstellen ist gestiegen. Doch Angebot und Nachfrage scheinen in einem Ungleichgewicht zueinander zu stehen: «Wir stellen fest, dass es in der öffentlichen Verwaltung schwieriger geworden ist, qualifizierte Mitarbeitende zu rekrutieren», berichtet Adrian Ritz, Professor am Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern (siehe auch Interview). So seien insbesondere Stellen in den Bereichen Management und Infrastruktur derzeit schwer zu besetzen. Von einem ähnlichen Bild wie in der Privatwirtschaft spricht auch René Barmettler, Mandatsleiter der Jörg Lienert AG in Luzern, die auf die Suche und die Selektion von Fach- und Führungskräften, unter anderem für Gemeindeverwaltungen, spezialisiert ist: «Funktionen, die in der Privatwirtschaft schwierig zu besetzen sind, sind es auch bei Gemeindeverwaltungen.» Konkret von diesem Fachkräftemangel betroffen seien die Funktionen Leitung Immobilien/Liegenschaften und Hochbau. Hingegen seien Vakanzen in den Bereichen Finanzen, Gemeindeschreiber und Geschäftsführung meist einfacher zu besetzen. René Barmettler zieht noch einen weiteren Vergleich zur Privatwirtschaft: «Die Attraktivität als Arbeitgeberin mit verschiedenen Facetten wie Region, Grösse, Identität, Reputation usw. ist sowohl für die Privatwirtschaft als auch für Gemeindeverwaltungen von zentraler Bedeutung.» So stelle es eine besondere Herausforderung dar, geeignetes Personal zu finden, wenn eine Gemeinde politisch nicht stabil sei, einen schlechten Ruf oder eine hohe Fluktuation bei den Mitarbeitenden habe. Städte und ländliche Gemeinden sind laut René Barmettler aufgrund ihrer Grösse und Region etwas weniger vom Fachkräftemangel betroffen als Dörfer in Berggebieten. «In kleinen Gemeinden sind zudem vermehrt auch Generalistinnen und Generalisten gefragt», ergänzt der Personalspezialist. Weil Gemeinden bzw. deren Verwaltungen vermehrt in der Öffentlichkeit stehen und medial beobachtet werden, geraten sie auch als Arbeitgeber immer mehr ins Rampenlicht. Da es – so René Barmettler – um Steuergelder gehe, herrsche eine grössere Sensibilität gegenüber Gemeindeverwaltungen. Dies wiederum habe Auswirkungen auf die Personen, die in einer Gemeindeverwaltung arbeiteten. «Hier braucht es neben diplomatischem Geschick auch klare, adressatengerichtete Kommunikationsfähigkeiten, eine hohe Dienstleistungsbereitschaft und neben weiteren Kompetenzen ein Gefühl für die öffentliche Wahrnehmung», betont René Barmettler. Wenn es für gewisse Gemeinden immer schwieriger wird, geeignetes Fachpersonal zu finden, kommen dann auch Personen mit einer niedrigeren Qualifikation oder gar Fachkräfte aus dem Ausland zum Zug? «Das kann ich so nicht bestätigen», gibt René Barmettler zur Antwort, «aber die Offenheit und Bereitschaft, Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern eine Chance zu geben, hat sicher zugenommen.» Um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern, sind die Gemeinden auf junge Berufsleute angewiesen, die sich für eine berufliche Grundbildung in der öffentlichen Verwaltung entscheiden und anschliessend als ausgelernte Fachkräfte zur Verfügung stehen. 2020 absolvierten gemäss Bundesamt für Statistik 295 000 Jugendliche eine KV-Lehre in der öffentlichen Verwaltung. Die Berufsbildung auf Gemeindeverwaltungen ist laut René Barmettler attraktiv. «Der Fachkräftemangel hat für mich keinen direkten Zusammenhang mit der Lehrlingsrekrutierung. Es ist mehr eine Frage der Perspektive, der Weiterentwicklungsmöglichkeiten und des Signals, das bestehende Mitarbeitende, die man ausgebildet hat, gefördert werden.» Fabrice Müller

Der Bezirk Baden testet einen neuen Ansatz für Kooperationen

Zahlreiche Gemeinden können ihre Lernenden nach der Lehre nicht weiterbeschäftigen. Besonders kleinere Gemeinden sind davon betroffen, da sie aufgrund des Stellenplans nur schwer neue Arbeitsplätze schaffen können. «Die Attraktivität der Gemeinde als Arbeitgeberin ist geschrumpft, da sie im Vergleich zur Privatwirtschaft nicht dieselben Karrieremöglichkeiten und Arbeitsplatzbedingungen bietet», sagt Marianne Stänz, Frau Gemeindeammann von Birmenstorf und Projektleiterin «Talent Pool» im Rahmen der Arbeitsgruppe «Behörden, Verwaltung und Organisation» der «Modellstadt» der Region Baden. Besonders gut ausgebildete Personen wanderten deshalb oft in den privaten Sektor ab. Um diesem drohenden Fachkräftemangel entgegenzutreten, haben sich 13 Gemeinden im Rahmen des Modellstadtprojekts zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Gemeinsam mit der Fachhochschule Nordwestschweiz entstand dabei das Projekt «Talent Pool», das es den Lernenden ermöglichen soll, von einem aktiven Austausch während der Lehre und einer Weiterbeschäftigung in einer der 13 Gemeinden nach dem Lehrabschluss profitieren zu können. Das neu zu schaffende Netzwerk soll unter anderem den Austausch zwischen den Berufsbildungsverantwortlichen verbessern und die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden im Personalwesen auf mehreren Ebenen erleichtern. «Mit dem ‹Talent Pool› soll neu ein Werkzeug geschaffen werden, das es uns erlaubt, Lernende und Betreuungspersonen untereinander zu vernetzen», erklärt Fabian Keller, Gemeindeammann von Gebenstorf. Ziel sei es ausserdem, die Personalentwicklung zu professionalisieren und eine Abwanderung von Fachkräften zu verhindern. Keller sieht im «Talent Pool» eine grosse Chance, die Ausbildung der bis zu 100 Lernenden sowie Praktikantinnen und Praktikanten aus den 13 Gemeinden attraktiver und einheitlicher zu gestalten. Der «Talent Pool» ist eines von mehreren Projekten der Modellstadt. Inoffizieller Startschuss für das Projekt Modellstadt waren zwei Rundtischgespräche, zu denen die Stadt Baden erstmals Ende 2019 sämtliche Gemeinden des Bezirks einlud, um über eine mögliche Fusion der Agglomerationsgemeinden zu diskutieren. «Das Interesse an einer Grossfusion war bei den teilnehmenden Gemeinden eher bescheiden», erinnert sich Fabian Keller. Doch die Idee, auf verschiedenen Ebenen enger zusammenzuarbeiten, resultierte sozusagen als Essenz dieser Gespräche. 13 von insgesamt 26 Gemeinden schlossen sich dieser Idee an. Die Gemeindevertreterinnen und -vertreter haben am 21. Januar 2020 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen mit dem Ziel, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu prüfen. «Dabei entstand im ersten Halbjahr 2020 die Idee der Modellstadt als Zwischenschritt und Alternative zur Fusion», berichtet Keller. «Modellstadt: Ergebnisse der 1. Projektphase und weiteres Vorgehen. Gemeinsam mehr erreichen»: Nach diesem Motto haben die Vertreterinnen und Vertreter der 13 Modellstadtgemeinden die Ergebnisse der ersten vier im Projekt bearbeiteten Themenbereiche zur Kenntnis genommen, diskutiert und das weitere Vorgehen beschlossen. In der ersten Projektphase, die am 30. Juni 2021 ihren Abschluss fand, wurden im Themenbereich «Behörden, Verwaltung und Organisation» beträchtliche Unterschiede zwischen den Gemeinden festgestellt. Es werden eine verstärkte Zusammenarbeit und die Bündelung von Fachkompetenzen mit dem Ziel besserer und gleichzeitig kostengünstigerer Lösungen und höherer Professionalität angestrebt. Im Fokus stehen die Bereiche Informatik, Steuerverwaltung/Steuerveranlagungen, komplexe/seltene Vorgänge in den Bereichen Steuerverwaltung und Planung und Bau sowie die Personalentwicklung, speziell der Fachkräftemangel und die Weiterbeschäftigung von Lernenden nach Ausbildungsabschluss. Im Bereich Finanzen wurden die Aspekte Verschuldung, Investitionen und Abschreibungen, Leistungsfähigkeit, Steuerertrag und Steuerfuss sowie Nettoaufwand analysiert. Der Steuerertrag pro Kopf lag 2019 bei 14 Prozent über dem Aargauer Durchschnitt. Es ist davon auszugehen, dass die Verschuldung in den Modellstadtgemeinden in der Finanzplanperiode bis 2025 durch das nach wie vor relativ hohe Investitionsvolumen im Durchschnitt deutlich steigen wird. «Je grösser eine Gemeinde, desto grösser sind die Bedürfnisse der Einwohnenden», beobachtet Keller und bezieht sich dabei auf die Erfahrung von Winterthur, das bereits vor 100 Jahren mit den umliegenden Gemeinden eine Fusion eingegangen ist. Aufgrund der Komplexität der Themen sind im Bereich «Gesundheit, Gesellschaft, Soziales» einfache und sofortige Um- oder Neuorganisationen kaum möglich. Kooperationen in der Zukunft sind jedoch durchaus möglich. Vor allem im Bereich Soziales besteht Kooperationspotenzial, zum Beispiel in der Betreuung geflüchteter Menschen. Die weitere Planung soll in einem grossen und zukunftsorientierten Rahmen angelegt werden. Eine Analyse im Bereich «Siedlungsentwicklung, Raumplanung und Mobilität» ergab, dass die Zusammenführung der Gemeinden in der Gesamtbetrachtung nicht zu einer Kostenreduktion beitragen würde. Eine Effizienzsteigerung sei auch im heutigen Kontext möglich. Vorgeschlagen wird eine gegenseitige Unterstützung in Form einer Arbeitsgruppe oder regelmässiger Planertreffen zur Erweiterung der Fach-, Methoden- und Prozesskompetenz durch Erfahrungsaustausch auf der Basis konkreter Themen. Um den Koordinationsaufwand zu reduzieren, ist zudem eine frühzeitige gegenseitige Abstimmung von Massnahmen vorgesehen. Die Verantwortlichen der 13 teilnehmenden Gemeinden haben laut Fabian Keller beschlossen, in der zweiten Phase des Projekts drei konkrete Themen aus Phase 1 weiter zu bearbeiten. Dazu gehören neben dem «Talent Pool» die Zusammenarbeit im Bereich der Steuerverwaltung und die Betreuung von Asylsuchenden. Bei der Steuerverwaltung sieht Keller grosses Potenzial, wie die Erfahrungen aus anderen Gemeinden, die ihre Steuerverwaltungen ebenfalls zentralisiert betreiben, gezeigt hätten. Und die Kooperation im Asylbereich erhält zusätzlichen Schub durch die Ankündigung des Kantons Aargau, die Asylbetreuung auf den ersten Juli dieses Jahres an die Gemeinden zurückzugeben. Wie Fabian Keller berichtet, arbeitet die Arbeitsgruppe bereits intensiv an diesem Geschäft. Verbindliche Umsetzungsverträge Mit dem «Talent Pool», der Regionalisierung der Steuerverwaltung und der Lösung der Flüchtlingsbetreuung wurde am 11. August 2021 die zweite Phase des Modellstadtprojekts eingeläutet. Weitere Themen stehen auf der Agenda, der Aufbau einer gemeinsamen Informatikinfrastruktur, die Modellplanung über ein Teilgebiet der Nutzungsplanung und die Koordination der Entwicklungsprognosen der Schülerzahlen sowie von Schulraumplanung beziehungsweise Schulbauten. Die Modellstadtgemeinden zahlen aktuell einen jährlichen Beitrag für die zu erarbeitenden Konzepte, die Vorbereitung der einzelnen Projekte und die Projektsteuerung. Für die definitive Umsetzung der einzelnen Themen werden die effektiven Kosten dann auf die beteiligten Gemeinden umgelegt und die Zusammenarbeit in verbindlichen Verträgen festgelegt. Keller sagt: «Jede Gemeinde muss selbst entscheiden, welche Themen für sie einen Nutzen bringen und welche eher nicht. Wir gehen nicht davon aus, dass jedes Projekt bei 13 Gemeinden auf Gegenliebe stösst. Bei zu wenig Interesse werden wir selbst die besten Ideen nicht umsetzen.» Welche Faktoren haben sich als entscheidend erwiesen, damit die genannten Ziele erreicht werden können? «Jede Gemeinde will ihre Abläufe optimieren und professionalisieren. Dabei spielen die finanziellen und personellen Ressourcen eine wichtige Rolle», zieht Keller Bilanz. Gerade im Bereich der personellen Ressourcen könnten auch kleine Gemeinden einen wertvollen Beitrag leisten und gleichzeitig von Synergien profitieren. Alle beteiligten Gemeinden seien an einer engeren Zusammenarbeit interessiert und würden die Chancen erkennen. Vertrauen und eine transparente Kommunikation seien für dieses Projekt zentral, um mit Widerständen und Ängsten, als Gemeinde etwas zu verlieren, umgehen zu können. Keller ist überzeugt, dass die Modellstadt künftig auch für andere Gemeinden, die sich gegen eine Fusion aussprechen, Vorbildcharakter haben könne. An der Modellstadt sind folgende Gemeinden aus dem Bezirk Baden beteiligt: Baden, Birmenstorf, Ehrendingen, Ennetbaden, Fislisbach, Gebenstorf, Mägenwil, Mellingen, Neuenhof, Oberrohrdorf, Obersiggenthal, Turgi und Wettingen. Zusammen zählen die Gemeinden 95424 Einwohnende. Informationen: www.modellstadt.ch «Jede Gemeinde will ihre Abläufe optimieren und professionalisieren.» Fabian Keller, Gemeindeammann von Gebenstorf (AG) Fabrice Müller

Gemüse ernten mitten in der Stadt

Der Apothekengarten neben einem Coworkingspace an der zentralen Bushaltestelle von Lichtensteig SG lädt dazu ein, Medizinalpflanzen wie Thymian oder Borretsch zu probieren. In einem anderen Hochbeet gedeihen Himbeeren. Bei der Schule entstand eine Rabatte mit drei Birnenspalierbäumen, und in der Nähe wurden Cassissträucher gepflanzt. Rund um ein oft besuchtes Denkmal wie auch auf Erholungsflächen laden Beerensträucher zum Naschen ein. In der Altstadt trifft man immer wieder auf Hochbeete, in denen essbare Kräuter und andere Pflanzen für einen grünen Blickfang sorgen. Ganz klar: Lichtensteig zeigt sich von seiner grünen Seite. Das Projekt «Genuss für Mensch und Natur», das vor acht Jahren seinen Lauf nahm, wurde mit dem Binding Innovationspreis für Biodiversität 2021 ausgezeichnet. Dies, weil das Projekt die Vielfalt von Pflanzen für die Bevölkerung durch die Verbindung mit Geschmack und Genuss in vorbildlicher Weise erlebbar macht. Das Projekt stehe – so die Sophie und Karl Binding Stiftung in Basel – für ein «neues Verständnis einer Gemeindeführung, die der Bevölkerung eine Mitwirkung bei der Gestaltung ihres Lebensumfelds ermöglicht». So richtig grün wurde der Daumen des Städtchens Lichtensteig 2014, als eine Gruppe von Freiwilligen aus der Bevölkerung unter dem Namen «Blühendes Lichtensteig» begann, gemeinsam die vorhandenen Grünflächen inner- und ausserhalb der Stadt zu pflegen sowie Stauden, Sträucher und Bäume zu pflanzen. Seit zwei Jahren besitzt Lichtensteig mit Sarah Brümmer gar eine offizielle «Grünstadt-Beauftragte» mit Teilzeitpensum. Ihre Aufgabe ist es, das Grünstadt-Projekt konzeptuell wie auch praktisch umzusetzen und weiterzudenken. «Als ich meine Stelle antrat, entdeckte ich für die Förderung der Natur in der Stadt viel Potenzial. Weil Lichtensteig damals über den Aspekt Genuss bereits zahlreiche Anknüpfungspunkte hatte, bot sich für mich die Verbindung von Natur und Genuss an, um die Menschen abzuholen», erzählt Sarah Brümmer. In den letzten zwei Jahren lancierte sie zusammen mit der Bevölkerung und dem Bauamt zahlreiche Projekte. Im Rahmen einer Auftaktaktion wurden in der ganzen Stadt zwölf Hochbeete zu verschiedenen Themen wie essbaren Wildpflanzen, Gartenblumen oder Insekten platziert und bepflanzt. Die Bevölkerung wurde zu einer Hochbeet-Kräuterwanderung eingeladen. Ausserhalb der Stadt entstand ein «Nasch-Hang» mit Kultur- und Wildbeeren. Diverse Obstbäume wurden gepflanzt und Ruderalflächen geschaffen. Weiter entstand eine Saatguttausch-Pinnwand, interessierte Hauseigentümer profitierten von einer Beratung für Wildblumenwiesen, zudem fanden verschiedene Vorträge zur naturnahen Gartengestaltung statt. Was bedeutet das Grünstadt-Projekt für den Unterhalt der geschaffenen Grünflächen in und um Lichtensteig? Regelmässig trifft man Sarah Brümmer und einen Mitarbeiter des Bauamtes beim Gärtnern in der Stadt. Die aufwendigen Mäh- und Schneidarbeiten sowie die Bewässerung der Grünflächen indes werden von den Mitarbeitern des Werkhofes ausgeführt. Sie wurden im Vorfeld geschult. Denn: «Gerade im Umgang mit Wildpflanzen braucht es entsprechende Pflanzenkenntnisse», betont die Grünstadt-Beauftragte. Manche Pflanzen sollen absamen und dürfen daher nicht geschnitten oder am Ende ihrer Saison entfernt werden. Auch die Pflege von Ruderalflächen, Hecken und Magerwiesen will gelernt sein. «Am Anfang ist der Aufwand bei naturnahen Anlagen zwar etwas grösser, doch später braucht es hier weniger Unterhalt als bei herkömmlichen Pflanzungen», erklärt Sarah Brümmer. Grund: Ruderalflächen oder Magerwiesen benötigen nur wenig Pflege und Bewässerung. Und bei den Wildpflanzen fällt das regelmässige Anpflanzen von Wechselflor weg. Die Förderung der Natur in der Stadt hat Potenzial. Sarah Brümmer, Grünstadt-Beauftragte Die vielen grünen Impulse stossen in Lichtensteig laut Sarah Brümmer auf ein durchwegs positives Echo. Als grosse Herausforderung bezeichnet die Grünstadt-Beauftragte zum einen die sinnvolle Platzierung der Pflanzen auf zum Teil kleinen Flächen. Zum andern dürfe stets auch die Ästhetik nicht vernachlässigt werden. «Viele Menschen sind sich die Optik von Naturgärten nicht gewohnt. Je nach Saison zeigen sich die Pflanzen nicht immer von ihrer schönsten Seite. Deshalb informieren wir die Bevölkerung regelmässig, auch in den sozialen Medien.» Grosse Unterstützung wurde dem Projekt auch vonseiten der Behörden und Politik zuteil. Die Gemeinde bis hin zum Gemeinderat trägt das Engagement für die Naturvielfalt mit und verkörpert ein neues Verständnis einer Gemeindeführung, die mit Zukunftswerkstätten das vorhandene Kreativitätspotenzial aus der Bevölkerung nutzt (siehe auch Interview mit Stadtpräsident Matthias Müller). Das Grünstadt-Projekt ist – trotz allen Lorbeeren – nicht abgeschlossen. Derzeit laufen die Planungen für eine Streuobstwiese sowie ein Laichgewässer für Geburtshelferkröten. Die Zusammenarbeit mit der Schule soll intensiviert werden, um die Kinder noch mehr in das Erlebnis rund um Wildpflanzen einzubeziehen. Ausserdem stehen die Chancen gut, dass nächstes Jahr frei gewordene Grünflächen für einen Beteiligungsgarten mit Wildsträuchern und einer Kleingartenanlage genutzt werden können. Informationen: www.lichtensteig.ch Fabrice Müller

Tourismusmagnete als raumplanerische Herausforderung

Wer weiss, wo die Gemeinde Wäldi liegt? Vielleicht ist das Conny-Land in Lipperswil ein Begriff? Der Freizeitpark im 300-Seelen-Dorf, das politisch zur Gemeinde Wäldi im Kanton Thurgau gehört, gilt seit Jahrzehnten als Ausflugsziel von regionaler und überregionaler Bedeutung. Was einmal mit einem Zelt und Delfinen im Jahr 1979 begonnen hat, hat sich zum grössten Freizeitpark der Schweiz unter der Leitung der Familie Gasser entwickelt. «Das Conny-Land ist ein wichtiger Tourismusbetrieb für den Kanton, die Region und die Gemeinde Wäldi und nicht mehr wegzudenken», sagt Gemeindepräsident Adrian König und fügt hinzu: «Als kleine Landgemeinde sind wir natürlich auch etwas stolz darauf, dass der grösste Freizeitpark der Schweiz in unserer Gemeinde liegt.» Mit 60 bis 70 Angestellten während der Saison ist der Freizeitpark ein für die Gemeinde wichtiger Arbeitgeber. Doch nicht nur die Gemeinde selbst profitiert laut Adrian König vom Conny-Land, auch viele Zulieferer aus der Region arbeiten mit dem Park zusammen. Da das Conny-Land ein hohes Investitionsvolumen aufweist, profitieren zudem Unternehmen aus der Baubranche davon. «Generell bleibt die Wertschöpfung in der Region», stellt Adrian König fest. Als Freizeitpark ist das Conny-Land darauf angewiesen, seinen Gästen immer wieder neue Attraktionen zu bieten. Seit dem Wegfall der Delfine im Jahr 2012 ist der Park um eine wichtige Hauptattraktion ärmer. Der Park versucht laut Adrian König, dies mit neuen Bahnen zu kompensieren. Diese brauchen jedoch Platz und stellen den Raumplanungsprozess vor gewisse Herausforderungen. Ebenfalls neue Lösungen sind im Bereich Verkehr gefragt. Das Conny-Land ist verkehrstechnisch gut erschlossen und ab der Autobahn über die Kantonsstrasse in sieben Minuten erreichbar. An Spitzentagen halten sich bis zu 2500 Gäste im Conny-Land auf. Vor allem im Frühjahr bei schöner Witterung und an Feiertagen kann es laut Adrian König schon vorkommen, dass die vorhandenen Parkplätze nicht ausreichen und entlang von Quartierstrassen parkiert werden muss. Dank den Tourismusbetrieben in der Region wurde das ÖV-Angebot mit neuen Postautoverbindungen ausgebaut. Trotzdem fahren viele Gäste mit dem Privatauto ins Conny-Land, so Adrian König . Gespräche mit dem Kanton für eine Erweiterung des Parks mit Parkplätzen haben bereits stattgefunden, ebenso existieren Ideen für die Verbesserung der Verkehrssicherheit im Bereich Conny-Land und Golfplatz, Lipperswil. «Um den Besuchern weiterhin eine attraktive Erlebniswelt bieten und gegen die ausländischen Parks bestehen zu können, soll dem Conny-Land eine Erweiterungsmöglichkeit gegeben werden», findet Adrian König. Eine Parkerweiterung sei allerdings nur möglich, wenn Flächen aus dem kantonalen Kontingent für Spezialbauten zur Verfügung gestellt werden; dafür braucht es die Zustimmung und die Bereitschaft des Kantons. Eine Umwandlung der bestehenden Landwirtschafts- in Freizeitzonen ist an strenge Bedingungen geknüpft und verlangt nach einem raumplanerischen Gesamtkonzept, wie Adrian König erläutert. «Als Gemeinde stehen wir hinter dem Conny-Land und unterstützen den Betrieb, so gut wir können», sagt der Gemeindepräsident, der von seinem Büro aus das Conny-Land im Blickfeld hat. Aufgrund der Grösse des Betriebs stehen er und die Gemeindeverwaltung mit diesem meist etwas mehr in Kontakt als mit anderen Firmen. In Bau- oder speziellen Anlassgesuche sei der ganze Gemeinderat involviert. «Die kurzen Wege wie auch die unkomplizierte Kommunikation sind wichtige Bedingungen für die gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Conny-Land», erklärt Adrian König. Auch zu den Anwohnern pflege der Park einen regelmässigen Austausch und Kontakt. Alle zwei bis drei Jahre werden die Anwohner und Gemeinderäte zu einem Treffen eingeladen, während diesem die Parkverantwortlichen neue Projekte vorstellen. Auch in der Gemeinde Eschenbach (SG), wo sich ein Freizeitpark mit Seilpark, Rodelbahn, Streichelzoo, Übernachtungsmöglichkeiten sowie das kleine Skigebiet der Sportbahnen Atzmännig AG befindet, wird bewusst ein offener und permanenter Dialog zwischen den Parkverantwortlichen und den Behörden gepflegt, wie Gemeindepräsident Cornel Aerne sagt. Für viele touristische Anliegen agiert der «Verein Goldingertal Eschenbach» als Schnittstelle zwischen dem Atzmännig, den weiteren lokalen Anbietern und der Gemeinde. Die örtliche Tourismusorganisation vernetzt und koordiniert die touristischen, landwirtschaftlichen und kulturellen Anliegen in der ganzen Gemeinde Eschenbach und den benachbarten Gebieten. Zugleich fördert sie die Vermarktung von einheimischen Produkten und Freizeitangeboten unter einem einheitlichen Logo und engagiert sich dafür, dass die Synergien aus dem Tourismus bestmöglich genutzt werden. Als Kompetenzzentrum für Tourismus entwickelt der Verein – in Absprache mit dem Gemeinderat – Konzepte zur Schaffung neuer Angebote und Strategien für eine nachhaltige touristische Entwicklung. Dieses Engagement ist laut Cornel Aerne in einer Leistungsvereinbarung zwischen dem Verein und der Gemeinde geregelt. «Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, dem Verein Goldingertal und der Sportbahnen Atzmännig AG funktioniert einwandfrei und sehr konstruktiv», bestätigt der Gemeindepräsident. Darüber hinaus ergeben sich aus der Geschäftstätigkeit der Sportbahnen Atzmännig AG auch weitere direkte Schnittpunkte zur Gemeinde – etwa, wenn der Betrieb für das weitere Wachstum Baubewilligungen einholen muss oder wenn es darum geht, die Zufahrt für den Individual- und den öffentlichen Verkehr zu regeln. «Dabei gibt der gesetzliche Rahmen den Spielraum vor und der Freizeitpark ist allen anderen Unternehmen im Gemeindegebiet gleichgestellt», sagt Cornel Aerne. Die Gemeinde sei grundsätzlich an erfolgreichen und gesunden Unternehmen interessiert. Der Atzmännig habe als Freizeitpark eine Strahlkraft, die weit über die Gemeinde hinausgehe. «Das vielseitige Angebot steigert die Standortattraktivität Eschbachs, zugleich prägt das gut geführte Unternehmen indirekt das Image der Gemeinde», freut sich Cornel Aerne. Weiter biete der Freizeitpark rund 25 fixe Arbeitsplätze, die zu einem Grossteil durch Einwohnerinnen und Einwohner aus der Gemeinde Eschbach belegt sind. Hinzu kommen über hundert flexible Anstellungen, die Landwirten aus dem Goldingertal ganzjährig einen attraktiven Nebenerwerb ermöglichen. Das lokale Gewerbe profitiere zudem von den zahlreichen Tages- und Übernachtungsgästen. Manchmal wird der Innovationsdrang der Sportbahnen Atzmännig laut Cornel Aerne durch gesetzliche Auflagen gebremst, die sich vor allem ausserhalb der Bauzone ergeben. Das gesamte Areal der Sportbahnen Atzmännig AG teilt sich auf in Intensiverholungszone, Tourismus und Freizeit Camping, Wohn- und Gewerbezone, Wald wie auch Freihaltezone für Sport und Freizeit. «Durch die positive wirtschaftliche Entwicklung und den im Grundsatz erfreulichen Innovationsdrang des Unternehmens gilt es immer wieder, nach Möglichkeiten zu suchen, um den Wachstumsbedarf der Organisation mit den raumplanerischen Vorgaben und den Bedürfnissen der Bevölkerung in Einklang zu bringen», sagt der Gemeindepräsident und nennt den Campingplatz, der sich seit über 40 Jahren auf dem Areal der Sportbahnen befindet, als Beispiel: Der Campingplatz liege gemäss Natur- und Massnahmengefahrenkarte im roten Gefahrenbereich. «Hier müssen wir in den nächsten Monaten gemeinsam nach möglichen Lösungen zur Entschärfung suchen.» Die Vorarbeiten seien aktuell durch entsprechende Ingenieurkonzeptionsarbeiten in die Wege geleitet worden. Der Atzmännig bringt ein höheres Verkehrsaufkommen und eine verstärkte Nutzung der öffentlichen Infrastruktur mit sich. Dies hat laut Cornel Aerne einen Einfluss auf die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner wie auch auf die Natur. Ein regelmässiger Austausch soll die Weichen für einen nachhaltigen und verträglichen Tourismus stellen. Auch wenn das Atzmännig-Gebiet gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen ist, reist ein Grossteil der Besucherinnen und Besucher mit dem eigenen Auto an. Der zunehmende Mehrverkehr – insbesondere an sonnigen Wochenenden – ist für die Bevölkerung an dieser Verkehrsachse laut Cornel Aerne eine gewisse Belastung. Die Thematik soll im Rahmen einer überarbeitenden Tourismusstrategie angegangen werden. Seit wenigen Wochen bewirtschaftet die Atzmännig AG ihre zahlreichen Parkplätze auf dem Gelände. «Es besteht eine leise Hoffnung, dass einige Gäste aus diesem Grund auf das attraktive Busangebot umsteigen werden», sagt Cornel Aerne. Allerdings werde der Freizeitpark auch in Zukunft peripher liegen, und der motorisierte Individualverkehr dürfte somit weiterhin ein Thema bleiben. Neben einer Erhöhung der Besucherströme arbeiten Gemeinde und Parkverantwortliche an einer neuen Tourismusstrategie, in der das Bike-Angebot, der Ausbau des Wanderwegnetzes und die Schaffung neuer Themenwege demnächst konkretisiert werden. Für die Stadt Luzern ist das Verkehrshaus einer der wichtigsten Magnete, der jedes Jahr knapp eine Million Besucherinnen und Besucher anziehen. «Das Verkehrshaus mit seiner schweizweiten Ausstrahlung bringt unserer Stadt wie auch dem Kanton eine hohe Wertschöpfung auf verschiedenen Ebenen», bestätigt Letizia A. Ineichen, Leiterin Kultur und Sport der Stadt Luzern, die Bedeutung des Verkehrshauses. Dieses wird – neben dem Lucerne Festival, dem Luzerner Theater, dem Luzerner Sinfonieorchester und dem Kunstmuseum Luzern – jährlich mit einem namhaften Subventionsbeitrag unterstützt. Regelmässig stehen die Behörden, darunter auch der Stadtrat, in Kontakt mit der Direktion des Verkehrshauses. Zwischen den Stadtbehörden und dem Verkehrshaus gibt es – so Letizia A. Ineichen – zahlreiche Schnittstellen zwischen Kultur, Sport, Raumplanung, Immobilien und Mobilität. Zudem verfügt das Verkehrshaus über ein Baurecht der Stadt Luzern. Vor allem die Verkehrs- und Raumplanung beschäftigen die Direktion des Verkehrshauses und die Behörden intensiv. «Aufgrund der Lage und der Ausrichtung des Verkehrshauses braucht es massgeschneiderte Rahmenbedingungen für nachhaltige und flexible Lösungen etwa in den Bereichen Verkehr, Lärmbelastung oder auch bei baulichen Veränderungen», sagt Letizia A. Ineichen. Derzeit sind die Behörden daran, eine Sonderzone für das Verkehrshaus zu erarbeiten, weil die Jugendherberge neu in das Verkehrshaus verlegt werden soll. Verkehrsmässig ist das Verkehrshaus mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestens angebunden. Besonders an Wochenenden kann es vorkommen, dass die Parkkapazitäten nicht ausreichen, wie Letizia A. Ineichen berichtet. «Eine Erweiterung der Parkplätze ist in den Gesprächen mit der Stadt immer wieder ein Thema.» Auf politischer Ebene ist die Entlastung der Hauptachse entlang des Seebeckens vom Verkehrshaus in die Stadt immer wieder Thema politischer Vorstösse. In den kommenden Jahren steht die Sanierung der Schienenhallen 2 und 3 und somit eine längere Bauphase auf dem Programm. «Bei diesem Projekt werden die Stadtbehörden vor allem in den Bereichen Bau und Raumplanung involviert sein», sagt Letizia A. Ineichen. Informationen : www.connyland.ch, www.atzmaennig.ch , www.verkehrshaus.ch Fabrice Müller

Abenteuer Schulweg statt Elterntaxis

«Sagt mal, wer von euch hat den weitesten Schulweg?» In Windeseile schnellen viele Hände in die Höhe. Manuelas Weg zur Schule sei etwa einen Kilometer lang, erzählt sie. Dominik braucht zehn Minuten, kommt aber am liebsten mit dem Velo oder Trotti. Saambavi sei ebenfalls zehn Minuten unterwegs, betont sie, allerdings zu Fuss. Die Klasse 1/2c von Sheila Kehrli von der Primarschule in Roggwil im Kanton Bern sitzt im Kreis vor der Wandtafel. Sie sind Feuer und Flamme, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Schulweg zu berichten. Mia schwärmt von der regelmässigen Begegnung mit einem Hund, den sie streicheln kann. Auch Niklas freut sich über die tierischen Begegnungen, genauer gesagt mit der Katze Jacky. Manuela wie auch viele andere ihrer Klasse schätzen es, zusammen mit anderen Kindern den Schulweg zu gehen und dabei Spass zu haben. Zurzeit nimmt die Klasse im Unterricht die Schnecken durch. Was liegt näher, als auf dem Schulweg nach Schnecken Ausschau zu halten? Wenn es um Schulwege geht, hat die Klasse von Sheila Kehrli sozusagen die Nase vorn. Sie landete zusammen mit der Schule von Seelisberg im Kanton Uri und der Schule von Männedorf im Kanton Zürich auf dem Podest der Aktionswochen «walk to school» des VCS. Kinder, aber auch Eltern und Lehrkräfte werden durch diese Aktion dazu animiert, sich mit den Themen Verkehrssicherheit und Schulweg auseinanderzusetzen. Ziel ist es, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler permanent mit eigener Muskelkraft in den Kindergarten beziehungsweise zur Schule gehen – ohne Elterntaxis. Bei den Aktionswochen, die zwischen den Sommer- und Herbstferien vorgesehen sind, gehen die Schulkinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse während zwei Wochen selbstständig zu Fuss zur Schule. Wenn es um Schulwege geht, hat die Klasse von Sheila Kehrli sozusagen die Nase vorn. Sie landete zusammen mit der Schule von Seelisberg im Kanton Uri und der Schule von Männedorf im Kanton Zürich auf dem Podest der Aktionswochen «walk to school» des VCS. Kinder, aber auch Eltern und Lehrkräfte werden durch diese Aktion dazu animiert, sich mit den Themen Verkehrssicherheit und Schulweg auseinanderzusetzen. Ziel ist es, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler permanent mit eigener Muskelkraft in den Kindergarten beziehungsweise zur Schule gehen – ohne Elterntaxis. In den Aktionswochen, die zwischen den Sommer- und Herbstferien vorgesehen sind, gehen die Schulkinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse während zweier Wochen selbstständig zu Fuss zur Schule. Sie können Punkte sammeln und tolle Preise gewinnen. Jede angemeldete Lehrperson erhält im Vorfeld für ihre Klasse ein Starterpaket mit Informationen und Materialien für den Unterricht. Zudem können die Klassen kreativ sein: Sheila Kehrli und ihre Klasse haben einen Herbstbummel im Wald durchgeführt und ein Spiel zum Thema Schulweg entwickelt. Sheila Kehrli hat sich für eine Teilnahme an dieser Aktion entschieden, weil sie immer wieder beobachtet hat, wie viele Kinder von ihren Eltern zur Schule gefahren wurden. Seit zehn Jahren bereits lanciert der VCS jährlich die Aktion «walk to school». Doch warum braucht es sie überhaupt? «Der Schulweg ist für Kinder ein wichtiger Lern- und Erlebnisort», betont die Kampagnenverantwortliche Nadja Mühlemann, «die Kinder üben dort das richtige Verkehrsverhalten, schliessen Freundschaften und bewegen sich regelmässig an der frischen Luft.» Leider gilt das nicht für alle Kinder: «Die Elterntaxi-Problematik ist heute aktueller denn je», bestätigt Nadja Mühlemann. Auffällig sei, dass die Gemeinden sehr unterschiedlich davon betroffen seien. Während in einigen Gemeinden regelmässig ein hohes Aufkommen an Elterntaxis rund um die Kindergarten- und Schulstandorte zu verzeichnen ist, kennen andere Gemeinden das Phänomen so gut wie gar nicht. Ausserdem stellt Nadja Mühlemann einen Unterschied zwischen den Sprachregionen fest: «In der Deutschschweiz sind Elterntaxis gemäss unseren Beobachtungen weniger häufig als in der Romandie und im Tessin.» «Die Gründe für solche Bring- und Holfahrten sind aus unserer Sicht sehr vielfältig», sagt die Kampagnenleiterin des VCS und zählt Sicherheitsbedenken, lange oder schwierige Schulwege, soziale beziehungsweise kulturelle Aspekte, das Wetter und Zeitmanagement als mögliche Einflussfaktoren auf. In Roggwil wohnen einige Kinder laut Sheila Kehrli weit ausserhalb des Dorfzentrums. Dies sei ein Grund, weshalb sie von den Eltern zur Schule chauffiert werden. Andere steigen in einer Aussenstation in den Zug ein und fahren ins Zentrum. «Wir haben auch schon angeregt, dass die Eltern, die weit ausserhalb des Dorfes wohnen, die Kinder nur ein Stück weit ins Dorf fahren und sie den Rest zur Schule zu Fuss zurücklegen lassen», erzählt die Lehrerin. Dies werde jetzt immer häufiger umgesetzt. «Gemeinden können ebenfalls einen wertvollen Beitrag leisten, um die Schulwege sicherer zu machen», ist Nadja Mühlemann überzeugt. Der VCS arbeitet im Rahmen der «VCS Mobilitätskonzepte Schule» mit den Gemeinden zusammen, um die Schulwegsicherheit nachhaltig zu erhöhen. «Ziel dieses Angebots ist, die bestehende Infrastruktur der Gemeinde aus Sicht der Kinder zu analysieren und entsprechend anzupassen.» Für die Aktion «walk to school» werden jeweils im Frühling alle Schulen, Bildungs- und Gesundheitsämter sowie die Pädagogischen Hochschulen mit Informationen bedient. Auch hier können die Gemeinden zusammen mit den Schulen den Anstoss für eine Teilnahme geben. Aufgrund ihrer Nähe zur Bevölkerung beziehungsweise zu den Eltern könnten die Gemeinden und Schulen den direkten Kontakt zu den Eltern suchen, sie zum Thema Schulwegsicherheit sensibilisieren und mehr über die Beweggründe für Elterntaxis erfahren. Welche Erfahrungen macht der VCS mit der Aktion «walk to school»? Laut Nadja Mühlemann steigt das Interesse an der Aktion stetig. 2019 nahmen fast 10 000 Kinder teil. Im vergangenen Jahr gingen die Zahlen hingegen Corona-bedingt etwas zurück. «Für dieses Jahr konnten wir bereits wieder mehr Anmeldungen verzeichnen», freut sich die VCS-Vertreterin. Sie wünscht sich allerdings noch mehr Teilnehmende aus den ländlichen Kantonen. «Ich bin überzeugt, dass die Aktionen durchaus ihre Wirkung zeigen und die Kinder es schätzen, ihren Schulweg zu Fuss zurückzulegen.» In Roggwil hat die Aktion ein positives Echo ausgelöst, wie Sheila Kehrli berichtet. «Dass wir auf dem Podest gelandet sind, hatte sicher eine gewisse Signalwirkung. Viele Eltern von Kindern aus meiner Klasse haben die Bedeutung dieser Aktion erkannt und schicken ihre Kinder bewusst zu Fuss in die Schule.» Für eine nachhaltige Wirkung brauche es eine regelmässige Aufklärung der Eltern und Kinder. Sheila Kehrli schlägt zudem vor, den Elternrat ins Boot zu holen. Nadja Mühlemann plädiert für eine repetitive Sensibilisierung aller involvierten Interessengruppen. Informationen: www.verkehrsclub.ch www.schulwege.ch www.schule-roggwil.ch Fabrice Müller

Schöne Ortseingänge: Der erste Eindruck zählt

An Aufmerksamkeit und Medienpräsenz mangelt es Brienz/Brinzauls (GR) im Grunde genommen nicht. Das 130-Seelen-Dorf gehört zur Gemeinde Albula/Alvra und hat in den letzten Monaten vor allem wegen des starken Hangrutsches und eines befürchteten Bergsturzes national für Schlagzeilen gesorgt. Dabei hat das Dorf, auf einer Sonnenterrasse im Albulatal auf 1100 Metern über Meer gelegen, auch anderes zu bieten – zum Beispiel die schönen Dorfeingänge. Im Zusammenhang mit dem Kulturkonzept, aus dem unter anderem ein Kulturweg entstanden ist, erhielt Brienz/Brinzauls zwei Skulpturen am Dorfeingang. Diese wurden durch den einheimischen Metallkünstler Roman Platz aus Alvaneu erstellt. «Wir machten uns damals grundsätzlich Gedanken darüber, wie wir unser Dorf verschönern könnten», erzählt der ehemalige Gemeindepräsident Rico Liesch. Dabei sei man auf die Idee gekommen, die Dorfeingänge speziell zu gestalten. «Viele Dörfer stellen irgendetwas an ihren Eingängen auf. Wir wollten etwas, das den Leuten in Erinnerung bleibt.» In Zusammenarbeit mit Roman Platz entstand die Idee einer Skulptur aus Stahl und Holz. Die Skulptur setzt sich aus drei typischen Elementen zusammen, die das Dorf widerspiegeln: der restaurierten Burgruine Belfort, der Sonne – die Gemeinde erhielt 1991 als erste der Schweiz den Schweizer Solarpreis – und schliesslich den Baumstämmen, die das Dorf vor Bergrutschen schützen. Bevor Roman Platz mit der Umsetzung starten konnte, musste die Bevölkerung dem Kredit an der Gemeindeversammlung zustimmen. Ausserdem benötigte das Vorhaben laut Rico Liesch die Bewilligung vom Amt für Raumentwicklung und vom kantonalen Tiefbauamt, da die Skulpturen ausserhalb der Bauzone und an der Kantonsstrasse liegen. «Es braucht einen entsprechenden Abstand vom Strassenrand, damit genügend Platz für die Schneeräumungsfahrzeuge und LKWs vorhanden ist», erklärt Rico Liesch. Die 2 Meter hohe und 1 Meter 40 breite Skulptur schmückt seit 2013 die beiden Dorfeingänge von Brienz. Wie der ehemalige Gemeindepräsident erklärt, haben die Skulpturen nur positive Reaktionen ausgelöst. «Sie schaffen für die Einheimischen eine Identifikation mit dem Dorf und sorgen gleichzeitig für einen gewissen Wow-Effekt.» Davon profitiert übrigens auch die Partnergemeinde Brienz im Kanton Bern: Sie erhielt ein Miniaturmodell dieser Skulptur als Geschenk überreicht. Keine Skulpturen, dafür eine harmonische Einbettung in die umliegenden Weinberge und Jurahügel mit Hecken und Obstbäumen. So präsentieren sich die Dorfeingänge von Schinznach-Dorf wie auch von Oberflachs, das seit Januar 2014 zu Schinznach-Dorf gehört. Laut Christine Neff, Geschäftsleiterin des Juraparks Aargau, besitzt Schinznach-Dorf einen der schönsten Dorfeingänge der Schweiz. Beide Orte sind stark vom Rebbau geprägt. Als Mitglieder seit zehn Jahren des Juraparks Aargau wird zudem grosser Wert auf die Vernetzung von Ökonomie und Ökologie gelegt. Davon zeugen zum Beispiel die sanierten Trockensteinmauern rund um das Schloss Kasteln und am Rebhang. Die Weinbautradition geht laut Gemeindeammann Urs Leuthard bereits auf das 17. Jahrhundert zurück. Mit insgesamt 50 Hektaren besitzen Schinznach-Dorf und Oberflachs das grösste Rebbaugebiet im Kanton Aargau. Neben einer Weinbaugenossenschaft sind acht selbstständige Kelterer in der Gemeinde aktiv. Das Ortsbild gilt als national schützenswert. Die historischen Gebäude entlang der Dorfstrasse sind als Strassenzeile denkmalgeschützt. Nur alle vier Jahre putzt sich das Dorf an seinen Ortseingängen ganz besonders heraus: Anlässlich des traditionellen Jugendfestes werden grosse Bögen aufgestellt und mit Tannenästen, Blumen und Bildern geschmückt – je nach Motto des Jugendfests. Gelangt man von Chall her zum Dorfeingang, treibt der «Mattegumper» in Röschenz (BL) sein Unwesen. Zumindest sorgt er für eine gewisse Aufmerksamkeit bei all jenen, die an ihm vorbeifahren oder -gehen. Der «Mattegumper» ist ein Grashüpfer und gleichzeitig der Übername für die Röschenzer. Laut Gemeindepräsident Holger Wahl wurden sie so genannt, weil die Bauern des Dorfes früher in den umliegenden Gemeinden Land dazupachteten und so wie eben die «Mattegumper» sehr beweglich sein mussten, um die weit auseinander liegenden Felder zu bewirtschaften. Davon hat sich der einheimische Künstler Daniel Weber inspirieren lassen, als er von der Gemeinde den Auftrag erhielt, eine Skulptur für den Dorfeingang zu kreieren. Entstanden ist eine Grashüpferskulptur aus Stein und Stahl, die zum Schmunzeln einlädt. Aber auch die anderen zwei Dorfeingänge wurden verschönert. «Zusammen mit einigen Einwohnern entstand die Idee, unsere Gemeinde, die ja je einen Anschluss Richtung Laufen, Kleinlützel und Metzerlen hat, an diesen Eingängen aufzuwerten», berichtet Holger Wahl. Dabei wollte man nicht einfach nur ein Willkommensschild aufstellen, sondern den Charakter des Dorfes abbilden. «Da Röschenz ein altes Steinhauerdorf ist, sollten Steinhauer aus dem Dorf insgesamt drei Skulpturen gestalten.» Alle drei Röschenzer Künstler hatten bei ihren Ideen freie Hand. Neben dem «Mattegumper» von Daniel Weber schuf Stefan Schnell, dessen Firma in Nenzlingen daheim ist, eine Skulptur aus Naturstein und Stahl. Sie stellt mit den symbolisch dargestellten Blättern und Bäumen den Bezug zur Natur und zum Wald her. In der Nacht wird diese Stehle beleuchtet. Die dafür benötigte Stromleitung wurde laut Holger Wahl letztes Jahr im Rahmen der Erneuerung der Kantonsstrasse gelegt. Die Gebrüder Thomann Natursteinwerke in Liesberg schliesslich entschieden sich für eine Skulptur aus Kalkstein, die gleichzeitig Elemente aus dem Gemeindewappen übernimmt – die Rose und die Welle des Baches Lützel – als auch den Sonnenhügel symbolisiert. Dieses Kunstwerk steht am Dorfeingang, wenn man von Kleinlützel her kommt. Alle drei Skulpturen wurden am Banntag am 30. Mai 2018 mit einem grossen Fest eingeweiht. Über 200 Personen nahmen daran teil. Die Skulpturen stossen auf positive Resonanz: «Wir haben dieses Projekt vor allem für unsere Einwohner umgesetzt. Die Skulpturen sollen ein ‹Heimkommen› ermöglichen und die Identifikation mit unserem schönen Dorf stärken», ergänzt Holger Wahl. Beim Ortseingang von Appenzell, dem Innerrhoder Kantonshauptort, erregen gleich zwei Installationen die Aufmerksamkeit der Passanten. Es soll sogar Leute geben, die reisen eigens für diese Kunstwerke nach Appenzell, wie Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AI, berichtet. Doch worum handelt es sich denn? Der international bekannte Appenzeller Künstler Roman Signer, ein wichtiges Aushängeschild für die ganze Region, realisierte für den Bezirk Appenzell nahe des Hauses, in dem er aufwuchs, zwei Werke, die für Bewegung sorgen. Da wäre zum einen die sich im Boden drehende Scheibe auf dem Adlerplatz, am Eingang der Hauptgasse und Fussgängerzone gelegen. Die Scheibe mit einem Durchmesser von drei Metern dreht sich in drei Minuten einmal um sich selbst. Wer will, kann sich auf die Scheibe stellen und dabei den Blick 360 Grad wandern lassen: von der historisch-farbigen Hauptgasse hinüber zur Burgruine Clanx, zum augenfälligen Bergpaar Kamor und Hoher Kasten zurück ins Dorfzentrum. Im Rahmen von Ortsführungen werden auf der Drehscheibe Apéros durchgeführt. Weil auch Autos oder Lastwagen zeitweise über die Drehscheibe fahren, muss sie aufgrund der Gewichtsbelastung hin und wieder repariert werden, wie Guido Buob sagt. Das zweite Kunstwerk von Roman Signer bewegt sich ebenfalls und bringt zudem noch das Wasser mit ins Spiel. Genauer gesagt geht es hier um einen Metalltisch direkt am Ufer der Sitter, aus dessen vorderen Beinen alle drei bis vier Minuten ein Wasserstrahl herausschiesst. Durch den hohen Druck des Wassers hebt sich der Tisch in einem Winkel von 45 Grad, und das Wasser spritzt in einem schönen Bogen in die Sitter. Dieses Spektakel kann vom Strassenrand aus mitverfolgt werden. «Beide Kunstwerke sind zu Magneten geworden und sprechen insbesondere ein kunstaffines Publikum an», beobachtet Guido Buob. Dass sich das Appenzellerland mit zeitgenössischer Kunst präsentiere, sei jedoch eher untypisch und als Nische zu betrachten. Denn normalerweise stehen Tradition und Brauchtum im Zentrum der Appenzeller Kultur. Informationen: www.albula-alvra.ch www.schinznach.ch www.roeschenz.ch www.appenzell.ch Fabrice Müller

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