Menü
Logo Logo
  • DE
  • FR
  • IT
  • Energie und Umwelt 1
  • Institution Gemeinde 1
  • Manuel Fischer 2
  • Heinz Habegger 1
  • Karin Ingold 1
  • Kurt Lanz 1
  • 10 l 2023 1
  • 6 | 2021 1
Aktive Filter: Autor: Manuel Fischer Alle Filter entfernen
Es wurden 2 Ergebnisse in 3 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 2 von 2.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Land- und Energiewirtschaft aus einer Hand

Mist ist farbenfroh – grün für Rüstabfälle, braun für Hühnermist, hellbraun für Rindermist. Auf dem Deponieplatz der Biogasanlage auf dem Hof Unterbuck der Familie Christian und Andrea Müller in Thayngen (SH) türmen sich Berge, die anschliessend durch einen Schredder verkleinert in die sechs Meter tiefen Gärbehälter gelangen. Ein Traktorführer eines Nachbarbetriebs ist gerade dabei, einen Anhänger voller Flüssigjauche zu entleeren. Das Gitter der Füllklappe ermöglicht einen Blick in die blubbernde, homogene schwarzbraune Masse. «Wir mixen hier unsere Gemüsesuppe mit diversen Zutaten», scherzt Landwirt Christian Müller, der zusammen mit seiner Frau diese gross dimensionierte Anlage erstellen liess. Die Mikroorganismen müssen richtig ernährt sein, damit sie das gewünschte Biogas produzieren. Am Rande der Biogasanlage steht eine Remise, woraus brummende Geräusche entweichen. Hier ist das Blockheizkraftwerk (BHKW) installiert. Bei maximaler Auslastung arbeiten zwei vom Biogas angetriebene Gasmotoren an der Umwandlung in elektrischen Strom. Was hier eindrucksvoll steht und jeden Tag reibungslos funktionieren muss, hat eine lange Vorgeschichte. Das Motiv: Nebst der Rindfleischproduktion und dem Kartoffel- und Maisanbau soll dem Landwirtschaftsbetrieb der Einstieg in die Energiewirtschaft gelingen. Eine erste Idee entwarf das Betriebsleiterpaar bereits 2006. 2012 gründeten die beiden dann die Müller Energie GmbH und legten los. Der primäre Nutzen der Biogasanlage ist die Stromproduktion. Ebenso wichtig sind aber zwei weitere Vorteile. Zu nennen ist der Ausgleich der Nährstoffbilanz für zehn weitere Höfe in der Region. Landwirte mit sehr hohen Viehbeständen an Hühnern oder Kühen bringen viel Substrat, holen aber nur geringfügig Gärrückstände zurück. Andererseits sind Gemüse- und viehlose Betriebe an den nährstoffreichen Gärresten sehr interessiert. Denn die Gärrückstände wirken sich sehr positiv auf die Qualität der Ackerkulturen aus, da die Pflanzen daraus die Nährstoffe sehr gut aufnehmen. Das Bereitstellen von Wärme für den nahe gelegenen Siedlungskern von Thayngen ist der zweite wichtige Ertrag aus der Anlage. Hierbei nahmen die Müllers ein unternehmerisches Risiko auf sich und bauten für rund zwei Millionen Franken ein inzwischen 2,5 Kilometer langes Nahwärmenetz, das via kommunale Strassen und private Grundstücke zu den Abnehmern verlegt wurde. Mittlerweile sind 300 Wohneinheiten, ein Schulhaus und drei Gewerbebetriebe ans Wärmenetz angeschlossen. Die Wärmeversorgung aus erneuerbarer Quelle trägt dazu bei, dass sich die Gemeinde Thayngen mit dem Label «Energiestadt» schmücken darf. Zwar kann mit dem ganzjährig anfallenden Biogas Bandenergie zur Verfügung gestellt werden. Dennoch bedarf es eines klugen Energiemanagements, um die Bedarfsschwankungen bezüglich der Strom- und Wärmenachfrage auszugleichen. So dient ein gross dimensionierter Warmwasserspeicher von 85 000 Litern dem Ausgleich der täglichen Fluktuation des Wärmebedarfs der Netzteilnehmer – morgens oder abends wird geduscht, mittags läuft der Geschirrspüler, nachts ist der Heizungsbedarf gering. Ebenso grosszügig wurde der Gasspeicher konzipiert. Dem regionalen Stromversorger EKS ist es erlaubt, je nach Bedarf im Netz den Strom der Müller Energie GmbH aus ihrer hofeigenen Fotovoltaikanlage und den Gasmotoren-BHKW ins Netz einzuspeisen oder nötigenfalls dies zu unterbrechen. Das Gaslager der Biogasanlage leistet mit seiner Speicherfähigkeit einen Beitrag zur Lastregelung und Stabilität des Stromnetzes. Im Sommer kann überschüssige Wärme dank Netzanschluss an die Autowaschanlage abgegeben werden. Im Sommer 2022 lancierte der Hof Unterbuck eine weitere Premiere: Dann ging nämlich die erste landwirtschaftliche Biogas-Tankstelle der Schweiz in Betrieb. Die Biogasaufbereitung zu Treibstoffqualität steigert nochmals die Gesamteffizienz des auf Biomasse beruhenden Energiesystems. Mit dem Treibstoff der Biogas-Tankstelle lassen sich nicht nur die Felder klimaneutral bestellen. Auch der lokale Entsorger nutzt den Treibstoff vor der Haustür für seine Sammeltour, sodass die Kehrichtabfuhr von Thayngen CO 2 -neutral wird. Mit Blick zurück auf das bisher Geleistete sagt das innovative Betriebsleiterpaar: «Die Landwirtschaft ist prädestiniert für solche Projekte. Mit der Kopplung von Lebensmittelproduktion und Energieertrag leistet sie einen wichtigen Beitrag hin zu geschlossenen Kreisläufen und zur Versorgungssicherheit.» Manuel Fischer, Kurt Lanz

Gegner und Befürworter von Projekten leichter erkennen

Schweizer Gemeinden sind für unzählige umwelt- und infrastrukturbezogene Projekte verantwortlich. Gemeinden sind bei der Planung und Umsetzung von solchen Projekten mit Herausforderungen wie den zunehmenden Ansprüchen von Bund und Kantonen, vermehrten Einsprachen und Beschwerden, Mangel an Personal oder sonstigen Ressourcen oder der rapiden technologischen Entwicklung konfrontiert. Anspruchsgruppen wie lokale Umweltschutzorganisationen, Quartierverbände, lokale Wirtschaftsorganisationen, Planungsfirmen, Bauunternehmen oder kantonale Verwaltungsstellen sind wichtige Partner für Infrastrukturprojekte in Gemeinden. Gewisse Anspruchsgruppen können im Falle von Widerstand ein Projekt jedoch auch verzögern, blockieren oder verteuern. Eine sorgfältige und frühzeitige Planung des Einbezugs der richtigen Anspruchsgruppen zum richtigen Zeitpunkt kann diese Risiken verringern, insbesondere bei konfliktträchtigen Projekten. Nicht alle Gemeinden verfügen jedoch über genügend Ressourcen, um diese Prozesse professionell zu planen und durchzuführen. Auch ist es den Gemeinden möglicherweise nicht immer genau bekannt, wer wichtige Anspruchsgruppen sind und mit wem ein frühzeitiger Austausch relevant wäre. Mithilfe von PlaNet können partizipative Prozesse besser geplant und umgesetzt und damit verbundene Risiken besser abgeschätzt werden. Projektrisiken im Zusammenhang mit Anspruchsgruppen können reduziert und möglicherweise hohe Projektkosten eingespart werden. Auch erfüllt PlaNet die häufig mit einer Ko-Finanzierung verbundenen, obligatorischen Anforderung an eine Anspruchsgruppenanalyse von höheren Stellen bei Kanton oder Bund. Nach sieben einfachen Schritten erhält man als Resultat eine Visualisierung als bekannte Einfluss-Betroffenheits-Matrix oder als Netzwerk. Im Netzwerk befindet sich die projektleitende Gemeinde in der Mitte der Illustration, und die Anspruchsgruppen sind je nachdem näher oder weiter von der Projektleitung entfernt. In der Matrix gibt es 19 Anspruchsgruppen; die näherstehenden sind vom Projekt betroffen, die weiter entfernten sind vom Projekt weniger betroffen. Die fünf roten Punkte repräsentieren die Projektgegner, die vier grünen Punkte für Befürworter des Projekts. Grosse Punkte entsprechen einflussreichen Anspruchsgruppen, kleinere Punkte haben weniger Einfluss auf das Projekt. Die Art der Verbindung – durchzogen oder gestrichelt – zeigt auf, ob schon Kontakte bestehen; und die Breite der Verbindung steht für die Intensität der Zusammenarbeit, wie sie im Projekt geplant ist. Neben verschiedenen grafischen Darstellungsoptionen und der Möglichkeit zum Download der Daten und Resultate stellt das Tool gewisse generelle Empfehlungen zur Verfügung, wie die Planung der Partizipation von Anspruchsgruppen angegangen werden könnte. Die hier präsentierten Visualisierungen stammen von einem Hochwasser- und Renaturierungsprojekt einer Gemeinde in der Berner Agglomeration, die wegen des noch laufenden Prozesses nicht genannt werden möchte. Der Bauverwalter der Gemeinde betont, dass er die einfache Handhabung sowie den geringen Zeitaufwand für das Ausfüllen der Fragen sehr geschätzt habe. Er hat ungefähr eine Stunde bei der ersten Benutzung, weniger bei Nachfolgeprojekten investiert. Aus Sicht des Bauverwalters bildet das vom Tool gelieferte Resultat, also die Visualisierung und die Empfehlungen, eine gute Grundlage für die Ausgangsanalyse eines Projektes und die Abschätzung von Risiken. Genau das will PlaNet sein: ein nützliches Tool zur Planung von Infrastrukturprojekten, das bei bei geringem Aufwand einen potenziell grossen Nutzen für die frühzeitige Planung der Zusammenarbeit mit verschiedenen Anspruchsgruppen bringt. Informationen: https://planet.eawag.ch Karin Ingold, Manuel Fischer, Heinz Habegger

  • 1
  • Abos
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Mediadaten
  • PDF-Archiv
  • Cookies
© Schweizerischer Gemeindeverband
  • Home
  • Suche
  • Archiv
  • Abos
  • Firmenverzeichnis
  • Mediadaten
  • Datenschutz
  • Impressum
Schliessen