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Wie die Stadt Uster ihre Umweltbelastungen senkt

Uster (ZH) trägt seit 2016 das Label «Energiestadt Gold» und zählt zu den aktivsten Schweizer Gemeinden im Bereich der kommunalen Energie- und Klimapolitik. Im Rahmen eines «Energiestadt»-Re-Audits entstand die Idee, einen Leitfaden für die nachhaltige Beschaffung zu erarbeiten. «Der Leitfaden sollte uns helfen, den Energieverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen weiter zu senken», erklärt Sarina Laustela, Leiterin der Leistungsgruppe Abfall und Umwelt der Stadt Uster. «Zugleich bot er die Möglichkeit, das Thema Nachhaltigkeit besser in der Verwaltung zu verankern.» Fast zwei Jahre lang dauerte die Erarbeitung der Einkaufsempfehlungen. Das mag erstaunen, konnte die Gemeinde Uster doch auf bestehende «Energiestadt»-Unterlagen sowie Merkblätter der «Toolbox Nachhaltige Beschaffung Schweiz» zugreifen (siehe Box). «Die Toolbox diente uns als Nachschlagewerk und Inspiration für die Auswahl von Grundsätzen, Massnahmen und Kriterien», sagt Projektleiterin Sarina Laustela. «Wir wollten der Verwaltung aber nicht einfach einen fertigen Katalog vorlegen, sondern die Mitarbeitenden in den Prozess einbeziehen. Die Empfehlungen müssen praktikabel sein. Wenn man sie einfach vorgibt, funktioniert das nicht. Also klärten wir im Austausch mit unseren rund 30 verantwortlichen Einkäuferinnen und Einkäufern, wie die Einkäufe bisher getätigt wurden, wo Optimierungspotenzial besteht und welche Punkte in den Empfehlungen aufgenommen werden sollen.» Die Verwaltungsleitung und der Stadtrat genehmigten schliesslich die definitive Version. «Die Empfehlungen müssen praktikabel sein. Wenn man sie einfach vorgibt, funktioniert das nicht.» Sarina Laustela, Leiterin der Leistungsgruppe Abfall und Umwelt der Stadt Uster (ZH) Der Leitfaden enthält Einkaufsempfehlungen für die Bereiche Büro, Hygiene, Textilien, Nahrungsmittel, Anlässe, Fahrzeuge, Geräte/Werkzeuge, Baustoffe/Bauten sowie Dienstleistungen. Dabei sind für jeden Bereich Grundsätze formuliert, die berücksichtigt werden sollen. Im Bereich Textilien etwa ist folgender Grundsatz festgehalten: «Bei der freihändigen Vergabe werden ökologische und soziale Kriterien in die Verhandlungen miteinbezogen. Beim Einladungsverfahren und höherstufigen Submissionen wird die Offenlegung der Produktionskette eingefordert und die aktuelle Bewertung der Lieferanten und Firmen gemäss Clean Clothes Campaign überprüft. Textilien weisen den Global Organic Textile Standard, den Oeko-Tex Standard 100 und/oder ein Label für fairen Handel auf.» Unter angegebenen Links finden die Beschaffenden jeweils Informationen, Hilfsmittel und Kontakte, welche die Umsetzung der Grundsätze erleichtern. Um auch eine Wirkung nach aussen zu entfalten, hat die Stadt Uster den Leitfaden in den Medien bekannt und für alle Interessierten zugänglich gemacht. Das lokale Gewerbe weiss also, was erwartet wird. Es kann sich bei Offerten auf die Leitlinien stützen und sich mit nachhaltigen Produkten bzw. Dienstleistungen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Einen rechtlich bindenden Charakter hat der Leitfaden indes nicht. Die Empfehlungen sind als Absichtserklärung zu verstehen. «Bei Bedarf könnte man sie auch als verbindlich erklären», sagt Sarina Laustela, «dazu braucht es aber einen politischen Entscheid.» In den letzten Jahren wurden einige Anforderungen in den Einkaufsempfehlungen verschärft, insbesondere bei den Fahrzeugen und den Gebäuden. Der Grund: Die Stadt Uster hat 2021 einen «Massnahmenplan Klima» verabschiedet. Darin sind die Zielsetzungen «Netto-Null» bis 2030 bei den kommunalen Fahrzeugen und «Netto-Null» bis 2040 bei den kommunalen Gebäuden verankert. Zudem plant die Verwaltung, das Thema Kreislauffähigkeit besser in die Empfehlungen zu integrieren. Insbesondere im Bereich Hochbau gibt es Optimierungspotenzial bei Themen wie grauer Energie, Rückbaubarkeit oder Wiederverwendung. «Der Leitfaden wird stetig weiterentwickelt», erklärt die Projektleiterin. «Wir machen jeweils Anfang Jahr ein Controlling, bei dem Umsetzungsfragen und allfälliger Anpassungsbedarf diskutiert werden.» Das Controlling zeigt, dass die Beschaffenden die Empfehlungen konsequent anwenden. So wird beispielsweise seit 2019 ausschliesslich «100%-Recyclingpapier» eingekauft; 2023 fand eine grosse Umrüstung auf LED-Technologie bei den städtischen Liegenschaften statt; und seit 2024 werden – je nach Verfügbarkeit – Kommunalfahrzeuge mit elektrischem Antrieb beschafft. Schwierig abzuschätzen sei, ob die externen Dienstleister die Kriterien einhielten, sagt Sarina Laustela. «Wir können nicht systematisch überprüfen, ob die Firmen ihre Selbstdeklarationen etwa bezüglich Mobilität, Recycling oder Produktwahl tatsächlich einhalten.» Die Projektleiterin ist aber überzeugt, dass der Leitfaden beim lokalen Gewerbe «einiges angestossen hat». Nicolas Gattlen

Mehr Biodiversität dank einer neuen Pachtvergabe

Manchmal bietet ein ganz gewöhnliches Ereignis Anlass für eine kleine Revolution. Vor vier Jahren liess sich in Möriken-Wildegg (AG) ein Landwirt pensionieren. Weil aus der Familie niemand den Betrieb weiterführen wollte, wurden drei Pachtparzellen der Ortsbürgergemeinde frei. Diese wollte ihr Land nun aber nicht mehr ohne Auflagen abgeben. Mit der Neuvergabe sollte eine zukunftsfähige, ökologisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft gefördert werden. Nur: Traditionellerweise wird die Vergabe von gemeindeeigenem Pachtland in Möriken-Wildegg – wie in vielen Schweizer Gemeinden – mit einem Griff in den Lossack entschieden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der beste Kandidat das Los bekommt, ist so also ziemlich gering. Deshalb entstand die Idee, die drei Parzellen über einen Wettbewerb zu vergeben. «Alle Bewerber sollten mit einheitlichen Zuschlagskriterien verglichen und bewertet werden», erklärt Gemeinderat Beat Fehlmann, Initiant des Projekts. Das neue Verfahren habe für Aufruhr unter den Landwirten gesorgt, sagt Beat Fehlmann. «Aber die Bevölkerung stand immer hinter uns.» Derart bestärkt, beschloss der Rat, das Verfahren auf sämtliche Landwirtschaftsparzellen der Ortsbürger- und der Einwohnergemeinde auszuweiten. Der Kanton Aargau unterstützte das Vorhaben und stellte seine Parzellen ebenfalls unter das neue Pachtregime. Insgesamt kamen so 50 ha Agrarland zusammen. Damit eröffnete sich eine grosse Chance für die Natur: Mit dem Einbezug aller Pachtflächen kann die Gemeinde nicht nur die nachhaltige Landwirtschaft auf ihrem Gebiet stärken, auch grossräumige Vernetzungen lassen sich einfacher realisieren. Auf den Sommer 2020 wurden alle Pachtverträge gekündigt und ein Wettbewerb ausgeschrieben. Um einen fairen, transparenten Prozess sicherzustellen, engagierte die Gemeinde ein externes Beratungsbüro. «Ohne Beratung durch Profis wären wir viel angreifbarer gewesen», erklärt Beat Fehlmann. «Die Agrofutura AG hat uns in pachtrechtlichen Belangen, aber auch bei der Erarbeitung des Kriterienkatalogs unterstützt.» Neu sollten die Bewerber auch ihre Strategie zur Förderung der Biodiversität und zur nachhaltigen Bewirtschaftung vorweisen. Der Katalog enthält mehrere Zulassungs- und Eignungskriterien. Am Wettbewerb zugelassen war zum Beispiel nur, wer bereit war, am kantonalen Vernetzungsprogramm Labiola teilzunehmen. Vernetzungen sieht auch das räumliche Gesamtkonzept der Gemeinde Möriken-Wildegg vor: Demnach soll für die Amphibien in der Ebene zwischen den Bünzauen und dem Chestenberg – einem Waldgebiet mit zahlreichen Bächen und Feuchtstellen – eine Querverbindung mit Tümpeln, Ast- und Steinhaufen geschaffen werden. Vorgesehen ist zudem, dass im Ackerbaugebiet typische Offenlandarten wie Feldhase und Feldlerche gefördert werden, etwa mit kräuterreichen Säumen und der «weiten Saat»: Diese führt zu breiteren Getreidereihen, in deren Lücken die Junghasen Schutz finden und die Feldlerchen nisten können. Beide Arten kamen früher im Gemeindegebiet recht häufig vor, sind heute aber kaum mehr anzutreffen. Damit diese Ziele erreicht werden können, hat Agrofutura ökologische Aufwertungen für einzelne Pachtflächen vorgeschlagen. Über entsprechende Bewirtschaftungsauflagen sollte sichergestellt werden, dass die Massnahmen auch umgesetzt werden. «Wer sich für das Land bewarb, wusste, was auf ihn zukommt», erklärt Gemeinderat Beat Fehlmann. «Wir wollten aber nicht alles bis ins letzte Detail vorgeben», ergänzt er. Die Landwirte sollten in ihren Bewerbungsdossiers selbst aufzeigen, welche Innovationen und Strategien sie verfolgen. Schliesslich bewarben sich sieben der neun im Dorf ansässigen Landwirte für das Pachtland. Dieses wurde in sieben «Filetpäckli» mit begehrtem Ackerland und sieben kleinere «Päckli» mit Klein- und Kleinstflächen aufgeteilt. Die Landwirte durften dann in der Reihenfolge der Rangliste je ein Filet- und «Kleinpäckli» aussuchen. «Es gab natürlich auch Verlierer», sagt Beat Fehlmann, «aber niemand hat die Legitimität des Verfahrens grundsätzlich infrage gestellt.» Auf einer Tour über die Möriker Ebene zeigt sich, was in den letzten zwei Jahren bereits realisiert wurde: Auf mehreren Parzellen stehen die Getreidereihen ungewöhnlich weit auseinander; mitten im Landwirtschaftsgebiet finden sich Tümpel, Kopfweiden, Hecken, Ast- und Steinhaufen. «Wir sind auf einem guten Weg», erklärt Gemeinderätin Brigitte Becker Steimen, die das Dossier Landschaft vor einem Jahr von Beat Fehlmann übernommen hat. Das Projekt stosse auch bei anderen Gemeinden auf Interesse, erzählt sie. «Die Gesellschaft wünscht sich schöne und artenreiche Landschaften. Als Verpächter von Landwirtschaftsland verfügen die Gemeinden über grosse Hebel.» Nicolas Gattlen

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