Menü
Logo Logo
  • DE
  • FR
  • IT
  • Energie und Umwelt 2
  • Benedikt Vogel 1
  • Remo Bürgi 1
  • 1-2 | 2026 2
Aktive Filter: Kategorie: Energie und Umwelt Ausgabe: 1-2 | 2026 Alle Filter entfernen
Es wurden 2 Ergebnisse in 2 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 2 von 2.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Rechenzentrum als Chance und Herausforderung für Gemeinden

Roger Paillard: Ich habe 2020 zum ersten Mal davon gehört, als ich noch Gemeinderat war. Der damalige Gemeindepräsident hat uns bei einer Sitzung informiert, dass eine Firma auf einem seit Längerem brachliegenden Grundstück ein Rechenzentrum bauen will. Wir haben das damals so zur Kenntnis genommen und uns nicht gross Gedanken darüber gemacht. Ich gehe davon aus, dass die Verfügbarkeit eines geeigneten Grundstücks eine grosse Rolle gespielt hat. Zudem habe ich gehört, dass Beringen in der Nähe einer bedeutsamen Datenleitung quer durch Europa liegt. Die Schweiz ist ja aufgrund der hohen Sicherheit und der politischen Stabilität allgemein ein beliebter Standort für Rechenzentren. Es handelte sich um einen privaten Grundstückskauf, daher konnten wir nur aus Sicht der Raumplanung beurteilen, ob das geplante Gebäude punkto äusserer Abmessungen zonenkonform ist. Das Projekt selbst musste vom Kanton geprüft und bewilligt werden. Nicht zuletzt wegen des enormen Jahresstrombedarfs des Rechenzentrums – er beträgt bis zu 75 Prozent des Gesamtstrombedarfs des Kantons – wurde das Projekt auch im Kantonsrat diskutiert. Der Kanton hat dann bezüglich der Effizienz des Rechenzentrums Vorgaben gemacht. Uns war es wichtig, aktiv zum Projekt kommunizieren zu können. So haben wir zum Beispiel 2023 den jährlich stattfindenden Wirtschaftsapéro dem Projekt gewidmet. Weiter hat die SP-Ortspartei eine Podiumsdiskussion dazu durchgeführt. Nebst Vertretern von Gemeinde und Bauherrschaft waren dort auch der Kanton sowie Fachleute von Hochschulen präsent und konnten ihre Haltung darlegen. Wichtig war, dass sich die Bevölkerung informieren und ihre Bedenken äussern konnte. Die Stromversorgung lief über den Verteilnetzbetreiber, da waren wir nicht direkt beteiligt. Es wurde auf jeden Fall ein neues Unterwerk beim Rechenzentrum gebaut. Der Wasserbedarf wurde zum Thema, als man bei der Überarbeitung des Kühlkonzepts deutlich mehr Wasser zur Kühlung eingerechnet hat. Dieses Volumen mussten wir genauer regeln. Wir haben zusammen mit dem Versorger SH Power einen Wasserliefervertrag mit dem Betreiber des Rechenzentrums abgeschlossen. Darin ist genau definiert, wie viel Wasser wir ans Rechenzentrum liefern können. Wird mehr Wasser benötigt, muss der Betreiber eine Strafzahlung leisten. Und: Die Versorgungssicherheit der Gemeinde hat stets Vorrang. Der Kanton hat eine Machbarkeitsstudie durchführen lassen, um zu prüfen, wie die Abwärme eingesetzt werden kann. Klar ist, dass wir in Beringen einen Teil davon für das lokale Fernwärmenetz verwenden wollen – schliesslich ist die Abwärme eine kostengünstige und umweltschonende Energiequelle. Allerdings bleiben immer noch beträchtliche Mengen übrig. Derzeit laufen Abklärungen, ob die Stadt Schaffhausen ebenfalls Abwärme beziehen kann. Immerhin hat der Betreiber in einer Absichtserklärung dargelegt, dass er die Abwärme kostenlos zur Verfügung stellen wird. Übrigens wurde die gesetzliche Grundlage im Mai 2025 durch die Annahme des neuen kantonalen Energiegesetzes dahingehend angepasst, dass derart grosse Energieverbraucher künftig nachweisen müssen, was sie mit der Abwärme machen. «Grosse Energieverbraucher müssen im Kanton Schaffhausen künftig nachweisen, was sie mit der Abwärme machen.» Roger Paillard, Gemeindepräsident Beringen (SH) Es hat sich gelohnt, positiv auf die Betreiber zuzugehen und ihr Projekt nicht zu verurteilen. Dann war es sehr wichtig, dass wir zugeben konnten, dass wir uns mit vielen Aspekten dieses Projekts nicht auskennen. Es war richtig, dass wir uns Unterstützung geholt haben und uns haben beraten lassen. Wichtig ist sicher auch, dass man rasch den Kanton ins Boot holt und allenfalls auch das Bundesamt für Energie. Remo Bürgi

Fernwärme, nun aber ohne CO2-Emissionen

In Innenstädten und anderen dicht bebauten Gebieten ist die Nutzung von Umweltwärme in unmittelbarer Nähe des Gebäudes oft nicht möglich: Für die Verlegung von Erdwärmesonden fehlt die Bodenfläche, während Platzprobleme oder Lärmschutz gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sprechen. In urbanen Gebieten ist daher Fernwärme für eine umweltfreundliche Energieversorgung oft die beste Wahl. Aktuell herrscht ein eigentlicher Boom beim Ausbau bestehender bzw. dem Bau neuer Fernwärmenetze. Dies gerade auch in Städten wie Basel und Zürich, die bis 2037 bzw. 2040 das Netto-null-Ziel erreichen wollen. 'Netto null' bedeutet in der praktischen Umsetzung, dass die Wärme für Gebäudeheizung und Warmwasser ohne Ausstoss von Treibhausgasen erzeugt werden muss. Um dies zu erreichen, müssten die Fernwärmenetze ohne fossile Energieträger auskommen. Heute stammt Fernwärme zwar oft von Kehrrichtverwertungsanlagen und Holzheizwerken, doch auch Erdgas kommt zum Einsatz, insbesondere zur Deckung von Spitzenbedarfen an kalten Wintertagen. «Leider ist fossile Spitzenlastdeckung auch heute noch gang und gäbe, und ein Grossteil der Städte und Gemeinden, die neue Fernwärmenetze erstellen wollen, prüfen nicht einmal, ob es auch ohne fossile Energieträger ginge», sagt ZHAW-Professor Jürg Rohrer. Ein Irrweg, wie der Experte für erneuerbare Energien meint: «Die Wärmeerzeuger von Fernwärmenetzen haben eine Lebensdauer von 25, 30 Jahren. Wenn wir im Jahr 2050 bei 'netto null' sein wollen, muss der Bau solcher Systeme heute tabu sein.» Rohrer hat zusammen mit einem Team der ZHAW-Forschungsgruppe Erneuerbare Energien und der Netto-Null Beratung GmbH untersucht, wie fossilfreie Fernwärmesysteme aussehen könnten und wie sie bezüglich Kosten abschneiden. Wenn die ZHAW-Forschenden von 'fossilfrei' sprechen, schliessen sie Holz und Biogas aus, denn diese Energieträger seien nur bedingt klimaneutral und zudem begrenzt, so dass sie besser für Prozesswärme eingesetzt werden sollten. Das Forschungsprojekt mit dem Kürzel 'DecaTherm' wurde vom BFE unterstützt. Fernwärme hat ein grosses Potenzial. Sie könnte bis im Jahr 2050 je nach Studie 17 bis 22 TWh/a Wärme beisteuern, was 30 bis 40 Prozent des landesweiten Gebäudewärmebedarfs entspricht. Fernwärme hat also eine erhebliche Bedeutung; daher fällt es ins Gewicht, wenn für die Erzeugung auch nur teilweise fossile Energieträger eingesetzt werden, wie Jürg Rohrer betont: «Viele Leute denken, es seien im Jahresverlauf nur wenige Tage, an denen fossile Heizungen zur Spitzenlastdeckung eingesetzt werden. Tatsächlich sind es aber deutlich mehr: Untersuchungen zeigen, dass 20 bis 27 % der Jahresenergiemenge auf die Spitzenlast entfällt.» Nach Auskunft der DecaTherm-Studie würde ein «Weiter-wie-bisher» – also das Festhalten an der fossilen Spitzenlastdeckung auch bei neuen Fernwärmenetzen – im Jahr 2050 gesamthaft zu CO 2 -Emissionen von 800'000 t CO 2 pro Jahr führen. Eine Menge, die dem Netto-null-Ziel klar widerspricht. Doch es geht auch anders. Die DecaTherm-Studie hat schweizweit 38 Wärmewärmenetze untersucht, die ohne fossile Energien und ohne Biomasse auskommen. Als Wärmequellen dienen insbesondere Seewasser und Abwärme. Die darin enthaltene thermische Energie wird mit Wärmepumpen auf die erforderliche Temperatur gebracht. Die 38 Fernwärmenetze sind entweder schon realisiert oder geplant, oder für sie liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Bereits Wirklichkeit ist ein fossilfreies Fernwärmenetz zum Beispiel in Horgen (ZH). Dort betreibt die AEW Energie AG seit 2012 den Wärmeverbund Horgen-Promenade, der aus dem Zürichsee mittels drei Wärmepumpen (Gesamtleistung: 745 kW) Heizwärme und Warmwasser für über 130 Wohnungen sowie 4'800 m2 Büro- und Gewerbeflächen bereitstellt. Eine Elektroheizung stellt für das Warmwasser im Störfall ein Backup bereit. Ein Beispiel für ein geplantes fossilfreies Netz findet man in Thalwil: Dort soll ein bestehender Wärmeverbund, der Wärme aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) bezieht, in den kommenden Jahren zum 'Wärmeverbund Thalwil Süd' ausgebaut werden, betrieben durch die Stadt Thalwil und das Elektrizitätswerk des Kantons Zürich (EKZ). Im Endausbau sollen Gebäude mit 3'000 Personen versorgt werden. Neben der ARA-Wärme wird Wärme aus den Zürichsee genutzt und mit drei zentralen Gross-Wärmepumpen (insgesamt 6.8 MW Leistung) auf das erforderliche Temperaturniveau gebracht. Im grossen Stil soll Fernwärme ohne fossile Energien in Zukunft am linken Seeufer in Luzern genutzt werden. Bis 2040 sollen mit einer Wärmeleistung von 70 MW rund 1'200 Gebäude versorgt werden. Als Wärmequelle dient der Vierwaldstättersee, für den Energietransfer werden drei Energiezentralen mit Wärmepumpen erwogen. Aktuell laufen mehrere Machbarkeitsstudien. Vorgesehen sind nach jetzigem Stand ein zentraler (300 m 3 ) und zahlreiche dezentrale Wärmespeicher (insgesamt 3'300 m 3 ). Auch eine leistungsstarke Gasheizung ist angedacht, nicht aber zur Spitzenlastdeckung, sondern als redundantes System, das bei Störfällen zum Einsatz kommt. Fossilfreie Lösungen sind in der Fernwärme möglich, allerdings werden sie bisher erst selten umgesetzt. Der Grund dafür liegt gemäss einer Branchenumfrage, die im Rahmen des DeacTherm-Projekts durchgeführt wurde, bei der fehlenden Wirtschaftlichkeit. Wie hoch die Mehrkosten tatsächlich sind, wurde im Rahmen von DecaTherm auf Basis von realisierten Anlagen berechnet. Demnach liegen die Preise in fossilfreien Netzen bei heutigen Brennstoff- und CO 2 -Preisen im Durchschnitt 22 % höher als in Netzen, bei denen die Spitzenlast fossil abgedeckt wird oder die mit Biomasse betrieben werden (18.20 Rp./kWh gegenüber 14.90 Rp./kWh). Diese Zahlen beziehen sich auf die Kosten in der Gebäudekategorie 'grosse Mehrfamilienhäuser'. Die einmaligen Anschlusskosten ans Fernwärmenetz sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Im fossilfreien Wärmeverbund Thalwil – um ein Beispiel zu nennen – liegt der Preis noch etwas höher. Hier kostet die Kilowattstunde in einem Mehrfamilienhaus 21,7 Rp. (für das Jahr 2024). Dazu sagt David Bühler, Leiter Kalkulation beim EKZ: «Ein solcher Preis ist für fossilfreie Wärmeenergie nicht unüblich. Wir haben auch andere Wärmeverbünde mit vergleichbaren Preisen. Nach unseren Erfahrungen sind Kundinnen und Kunden bereit, saubere Fernwärme zu diesem Preis zu nutzen.» Die DecaTherm gibt auch Hinweise, was unternommen werden kann, damit die Kosten nicht Überhand nehmen. Das Autorenteam empfiehlt den Einsatz von Wärmespeichern und/oder betriebliche Optimierungen. Damit die Fernwärme mittelfristig ohne fossile Energien auskommt, seien in erster Linie Gemeinden und Städte in der Pflicht, sagt Jürg Rohrer: «Die Auftraggeber von Fernwärmenetzen müssen von Planern und Ingenieurbüros fossilfreie Lösungen einfordern, damit diese nicht aus Gewohnheit an gewohnten fossilen Anlagen wie einem ergänzenden Gaskessel festhalten.» Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit verweist Rohrer auf pragmatische Lösungen, wie sie zum Beispiel im Wärmeverbund der Gemeinde La Punt Chamues-ch (Oberengadin) gewählt wurde: Dort hilft gemäss vertraglicher Abmachung eine mobile Heizung aus, sollten die beiden Wärmepumpen tatsächlich eines Tages ausfallen. Auch mit einer zusätzlichen Wärmepumpe lasse sich Redundanz schaffen, sollte ein Gerät wegen einer Störung oder Wartungsarbeiten ausfallen. Benedikt Vogel

  • 1
  • Abos
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Mediadaten
  • PDF-Archiv
  • Cookies
© Schweizerischer Gemeindeverband
  • Home
  • Suche
  • Archiv
  • Abos
  • Firmenverzeichnis
  • Mediadaten
  • Datenschutz
  • Impressum
Schliessen