Patrick Kutschera: Zunächst einmal: Die Lage ist nicht entspannt, aber weniger angespannt als befürchtet. Den grössten Beitrag dazu hat sicherlich der warme Winter geleistet. Die Einsparungen beim Strom haben rund fünf bis acht Prozent betragen, beim Gas waren es etwas mehr. In Zahlen ist das schwierig auszudrücken. Sicherlich trägt jede Massnahme zu den Sparbemühungen bei. Viel wichtiger als die eingesparten Kilowattstunden bei Gemeinden und Städten ist jedoch ihre Vorbildwirkung. Diese ist zentral. Wir haben viele Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die fragten, weshalb sie Energie sparen sollten, wenn die Gemeinde die Weihnachtsbeleuchtung doch aufhängt oder ein Gebäude die ganze Nacht beleuchtet. Die vielen Gemeinden, die sichtbare Massnahmen ergriffen haben, haben ein wichtiges Zeichen gesetzt. Wir wissen alle, dass die Weihnachtsbeleuchtung nur einen kleinen Teil des Energieverbrauchs einer Gemeinde ausmacht. Aber sie ist ein sehr emotionales, weil sichtbares Thema. Manche Menschen störten sich daran, dass sie in Zeiten einer möglichen Strommangellage trotzdem aufgehängt wurde, andere störten sich daran, dass es keine Beleuchtung gab. Viele Gemeinden haben hier sehr gute Lösungen gefunden, indem sie zum Beispiel die Dauer der Beleuchtung reduzierten, auf eine Beleuchtung wechselten, die weniger Energie verbraucht, oder auf Weihnachtsschmuck ganz ohne Stromverbrauch setzten. Die Bilanz ist sehr positiv. Die Gründungsmitglieder, darunter der Schweizerische Gemeindeverband (SGV), waren sehr schnell an Bord, und wir sind rasch gewachsen. Anfang Februar zählten wir rund 370 Mitglieder, darunter Gemeinden und Städte, alle Kantone sowie Verbände und Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Jeden Tag kommen neue Mitglieder dazu. Die Alliance ist wichtig, weil sie den Energiesparbemühungen Glaubwürdigkeit verleiht. Diese ist höher, wenn auch die Privatwirtschaft, Behörden und Verbände die Bemühungen stützen und nicht nur der Bund. Zudem haben die Mitglieder die Reichweite der Kampagne erhöht. Wir würden uns sehr freuen, wenn noch mehr Gemeinden Mitglied würden, weil sie diese wichtige Vorbildfunktion haben. Sie müssen aufführen, welche Energiesparmassnahmen sie planen oder umgesetzt haben – das ist alles. Die Mitgliedschaft kostet nichts. Die Gemeinden können im Gegenteil profitieren, zum Beispiel vom monatlichen Austausch zur Lage und zu guten Beispielen sowie vom positiven Image. In der Alliance sind sehr viele gute Ideen zusammengekommen. Exemplarisch drei Beispiele: Collombey-Muraz (VS) hat neben den Energiesparmassnahmen einen «Nachhaltigkeits-Botschafter» ernannt, der die verschiedenen Abteilungen unterstützt und das Thema Nachhaltigkeit immer wieder in Diskussionen einbringt. Bregaglia (GR) hat seine Strassenbeleuchtung durch dimmbare LEDs ersetzt. Horw (LU) wollte die Beleuchtung auf Gemeindeboden eigentlich bis 2030 ersetzen, hat das Projekt aber kurzerhand vorgezogen und das Budget dafür gesprochen. Die Gemeinde wird nun früher von tieferen Energiekosten profitieren. Der Vorteil freiwilliger Massnahmen ist, dass die Gemeinden sie dort umsetzen können, wo sie ihnen am meisten bringen – denn die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. «Der Vorteil freiwilliger Massnahmen ist, dass die Gemeinden sie dort umsetzen können, wo sie ihnen am meisten bringen – denn die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich.» Patrick Kutschera, Geschäftsführer Energie Schweiz Das Label gibt klar formulierte Ziele vor und ist deshalb für Gemeinden und Städte eine hilfreiche Struktur, um den Status zu erheben sowie Massnahmen zu planen und umzusetzen. Zudem ist es eine Bestätigung für den geleisteten Effort. Auch hier zählt wieder die Vorbildwirkung: In den meisten Städten und Gemeinden weist ein Schild am Ortseingang auf die Auszeichnung hin, oder das Label wird prominent auf der Homepage erwähnt. Wir werden im März Bilanz ziehen und die Kommunikationsmassnahmen vorerst herunterfahren. Wir denken aber bereits an den nächsten Winter. Denn die Lage bleibt angespannt, und der Winter 2023/2024 wird möglicherweise nicht so mild wie der vergangene, zudem wird das russische Gas fehlen, mit dem letztes Jahr die europäischen Speicher gefüllt wurden. Die Einsparungen sind auch im Sommer relevant, denn dann werden die Gasspeicher und die Speicherseen gefüllt. Für den nächsten Winter haben wir nun eine längere Vorlaufzeit und können auch technische Anpassungen vornehmen, um den Stromverbrauch zu reduzieren. So sind wir nicht allein auf Massnahmen angewiesen, die vom Verhalten der Menschen abhängen. Im Herbst werden wir bei Bedarf die Kommunikationsmassnahmen wieder hochfahren. Auf jeden Fall. Wir wollen den Austausch innerhalb der Energiespar-Alliance weiter pflegen, um uns optimal auf den nächsten Winter vorzubereiten, und sie wird weiter wachsen, zum Beispiel mit zusätzlichen Gemeinden, die sich hoffentlich anmelden. In diesem Rahmen ein grosses Dankeschön an das Engagement des Gemeindeverbandes und der Gemeinden. Sie sind ein wichtiges Puzzleteil für uns, weil sie so nahe an der Bevölkerung sind. Informationen: Wichtige Informationen zum Energiesparen für Gemeinden auf der Homepage des SGV: www.chgemeinden.ch Winter-Energiespar-Initiative des Bundes: www.nicht-verschwenden.ch Energiespar-Alliance: https://alliance2022-23.ch/ Nadja Sutter