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Aktive Filter: Kategorie: Energie und Umwelt Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 5 | 2026 Alle Filter entfernen
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Schadstoffe im Boden: Spielplätze und Kitas im Fokus

Seit dem 1. April 2025 ist im Bundesgesetz über den Umweltschutz festgehalten, dass öffentliche Kinderspielplätze und Grünflächen, deren Böden mit umweltgefährdenden Stoffen belastet sind und auf denen regelmässig Kleinkinder spielen, saniert werden müssen. Von welchen Stoffen im Boden sprechen wir? Rolf Kettler, Bundesamt für Umwelt: Bei stark erhöhten Belastungen handelt es sich in den meisten Fällen um Blei. Früher, als noch mit Kohle oder Holz geheizt wurde, wurde die Asche oft im Garten als Dünger ausgebracht. Wurde diese über viele Jahre hinweg immer an denselben Stellen verteilt, konnten sich die darin enthaltenen Schwermetalle – insbesondere Blei – im Boden anreichern. Ein anderes Problem betrifft den Boden rund um alte Eisenbahnschwellen, die in Gärten verbaut wurden. Darin befinden sich sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, die krebserregend sind. Studien haben gezeigt, dass insbesondere Blei die Hirnentwicklung von Kleinkindern beeinträchtigen kann. Die Gefährdung ist bis zum Kindergartenalter am grössten, denn die Kinder spielen in diesem Alter häufig am Boden, haben schmutzige Hände und nehmen Erde in den Mund. Sie werden durch die belasteten Böden nicht sofort sehr krank, aber das darin enthaltene Blei kann chronische Schäden verursachen. Das sind Flächen, die im öffentlich-rechtlichen Eigentum sind, und auf denen regelmässig Kleinkinder spielen. Betroffen sind also zum Beispiel Spielplätze auf öffentlichem Grund, Gärten und Spielplätze von gemeindeeigenen Wohnhäusern oder die Aussenflächen von kommunalen Kitas. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem in zentralen Lagen grösserer Orte, die bereits vor 1960 besiedelt waren. Auch ehemalige Industriestandorte haben ein höheres Risiko für Belastungen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass bei der Umgestaltung bestehender Spielplätze belastetes Material verbaut wurde – solche Fälle lassen sich im Nachhinein jedoch nur schwer nachvollziehen. Grundsätzlich bestehen kaum Belastungen bei Spielplätzen oder Parks, die in den letzten 30 bis 40 Jahren angelegt oder neu gestaltet wurden. Grundsätzlich ist im Bereich Altlasten der Kanton die zuständige Behörde. Die Kantone werden zeitnah die Gemeinden kontaktieren und zu möglicherweise belasteten Flächen befragen. Die Gemeinden können bereits jetzt aktiv werden und sich überlegen: Wo in unserer Gemeinde könnte es solche Flächen geben, und seit wann werden diese genutzt? Bevor die Gemeinden allerdings Bodenanalysen in Auftrag geben, sollten sie Kontakt mit dem Kanton aufnehmen. In einem ersten Schritt identifiziert die Gemeinde potenziell belastete Standorte. Anschliessend legt der Kanton fest, welche Standorte untersucht werden sollen. Die Gemeinde beauftragt daraufhin ein Umweltfachbüro mit der Analyse und übermittelt den Untersuchungsbericht an den Kanton. Auf Grundlage der Ergebnisse entscheidet der Kanton über das weitere Vorgehen und ordnet bei Bedarf Sanierungsmassnahmen an. Die Kostenzusammenstellung schickt der Kanton anschliessend an den Bund. Der Bund beteiligt sich mit dem sogenannten Vasa-Altlastenfonds an Altlastensanierungen. Er übernimmt 60 Prozent der Kosten der Untersuchungen und der Sanierungen von Spielplätzen auf öffentlichem Grund, und dies bis ins Jahr 2060. Die obersten 20 bis 30 Zentimeter des Bodens werden abgetragen und fachgerecht entsorgt. Anschliessend wird neuer, unbelasteter Boden ausgebracht. Eine Sanierung dauert rund zwei bis drei Wochen. Wir rechnen aktuell mit Sanierungskosten von rund 250 Franken pro Quadratmeter. Wie bereits erwähnt, beteiligt sich der Bund mit bis zu 60 Prozent an den Kosten und schafft damit einen wichtigen finanziellen Anreiz für Sanierungen. Dennoch können Gemeinden nicht daran gehindert werden, einen Spielplatz im Einzelfall zu schliessen. Im Zentrum steht letztlich der Schutz von Kleinkindern. Ob dies nun durch eine Bodensanierung oder durch eine Schliessung eines Spielplatzes geschieht, und ob letzteres für die Anwohnerschaft opportun ist, muss die Gemeinde entscheiden. Für private Grundeigentümerinnen und -eigentümer sind Untersuchung und Sanierung freiwillig. Sind die Grenzwerte überschritten und entschliesst sich ein privater Grundeigentümer zu einer Sanierung, beteiligt sich der Bund mit 40 Prozent an den Sanierungskosten. Nadja Sutter

Bern saniert den Boden des Spielplatzes «Alte Gärtnerei»

Gesundheitsgefährdende Schadstoffe in Böden: Ein Thema, das seit einigen Jahren öffentlich diskutiert wird und für grosse Unsicherheit sorgt. Da ist etwa die hohe Dioxin-Belastung der Böden in der Stadt Lausanne und Umgebung, ausgelöst durch eine ehemalige Kehrichtverbrennungsanlage. Ein grosses Sanierungsprojekt läuft derzeit auch in der bernjurassischen Gemeinde Reconvilier. Dort haben die langjährigen Aktivitäten einer Giesserei Spuren in Form von Schadstoffen in Privatgärten hinterlassen. Im Zuge dessen sind auch öffentliche Kinderspielplätze in den Fokus geraten. Denn gerade Kleinkinder spielen oft am Boden und nehmen Erde in den Mund. Ist diese von Schadstoffen belastet, kann das negative Folgen haben. Der Bund hat per 1. Dezember 2025 die Grenzwerte für Schadstoffe in Böden von öffentlichen Kinderspielplätzen sowie Kitas neu definiert. Das heisst, dass eine Sanierung heute bereits bei tieferen Grenzwerten nötig wird. Einige Städte und Gemeinden sind bereits daran, kritische Standorte zu überprüfen. Einen Schritt weiter ist die Stadt Bern: Dort wird ab Sommer 2026 der beliebte Spielplatz «Alte Gärtnerei» an der Neubrückstrasse im Länggassquartier komplett saniert und der Boden ersetzt. Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten. Wie der Name bereits verrät, wurde das Areal von 1930 bis 1987 als Gärtnerei genutzt. «Erfahrungsgemäss weisen intensiv genutzte Gartenbauböden erhöhte Belastungswerte auf», erklärt Simon Gfeller, Projektleiter bei Stadtgrün Bern. Weil der Spielplatz nun saniert werden soll, hat die Stadt den Boden beprobt – und festgestellt, dass die heute geltenden Grenzwerte für Blei und PAK (sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) in der östlichen Arealhälfte überschritten werden. «Der Spielplatz ist vor allem bei Eltern von Kleinkindern beliebt, weil er eingezäunt ist und die Spielgeräte auf diese Altersgruppe ausgerichtet sind», sagt Simon Gfeller, Projektleiter von Stadtgrün Bern. Kleinkinder sind aber just besonders gefährdet, wenn es um Schadstoffe in Böden geht. Deshalb haben Stadt und Kanton sofort gehandelt: Bis zur Sanierung überdeckt ein Rollrasen die belasteten Böden, um die spielenden Kinder zu schützen. «Rollrasen oder Gummimatten eignen sich für solche temporären Lösungen besonders gut», erklärt Nicole Schmidlin, Fachspezialistin Altlasten beim Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern. «Mit Holzschnitzeln oder Vlies haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, da sie die Kinder eher noch mehr zum Graben und Spielen am Boden animieren, wodurch sie in Kontakt mit dem kontaminierten Boden kommen könnten.» Die eigentliche Sanierung soll im Sommer 2026 beginnen. Dabei wird nicht nur der belastete Boden abgetragen und durch unbelasteten Boden ersetzt, sondern auch die in die Jahre gekommenen Spielgeräte werden ausgetauscht. Eine Bodensanierung an sich sei keine grosse Sache sofern genügend unbelasteter Ersatzboden zur Verfügung steht und meist innerhalb weniger Wochen durchgeführt, erklärt Nicole Schmidlin. Weil beim Spielplatz «Alte Gärtnerei» aber zahlreiche Bäume stehen, ist die Sanierung aufwendiger. «Grundsätzlich fällen wir keine Bäume ohne triftigen Grund», sagt Simon Gfeller von Stadtgrün Bern. Soweit dies möglich ist, wird der belastete Boden zwischen den Wurzeln abgesaugt. Einige Hainbuchen müssen trotzdem gefällt werden. «Sie ertragen keine Bodenveränderung und würden absterben», erklärt Simon Gfeller. «Um sicherzustellen, dass möglichst der gesamte belastete Boden entfernt und ersetzt wird, haben wir uns entschieden, die Hainbuchen zu entfernen. Nach der Sanierung werden sie durch neue Bäume ersetzt.» Nicole Schmidlin präzisiert das Vorgehen bei der Sanierung: «In Stammnähe zwischen den Wurzeln können wir circa fünf bis sieben Zentimeter Boden abtragen. Dieser wird später mittels Baumsubstrat und Rasenwaben wieder zu einem Rasen.» Weiter weg von den Bäumen wird mehr Boden abgetragen, nämlich zehn Zentimeter. Ausserhalb vom Wurzelbereich werden bis 40cm abgetragen. Darüber kommt künftig ein sogenannter Kiesrasen: «Dieser ist robuster und hält der intensiven Nutzung des Spielplatzes besser stand.» Die Sanierung dauert voraussichtlich bis zum Frühjahr 2027. Während der Arbeiten wird der Spielplatz gesperrt. Die Gesamtkosten für die Bodensanierung und die Neugestaltung des Spielplatzes belaufen sich auf rund 600'000 Franken. In einigen Fällen beteiligt sich sich der Bund gemäss Umweltschutzgesetz an Spielplatzsanierungen auf öffentlichem Grund. Nadja Sutter

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