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Aktive Filter: Kategorie: Energie und Umwelt Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 5 l 2023 Alle Filter entfernen
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Ein besonderes Modell für Forstmaschinen

Es brummt und knackt an diesem Vormittag im Wald am Nordhang des Schwybergs oberhalb von Plaffeien (FR). Eine Equipe des Forstbetriebs Schwyberg ist hier an der Arbeit. Sie hat im steilen Gelände einen mobilen Seilkran installiert. Zwei Arbeiter fällen Bäume und bereiten sie für den Transport vor. Ein weiterer Arbeiter steht oben am Hang. Per Funk dirigiert er den Laufwagen, der an einem Stahlseil hoch über dem Waldboden hängt, an die richtige Stelle, um einen Baumstamm daran fixieren zu können. Danach zieht der Laufwagen den Stamm den Hang hinunter zur Forststrasse. Hier übernimmt Stefan Raemy per Funk den Laufwagen. Er lässt den Stamm behutsam zu Boden, löst die Fixierung und schickt den Laufwagen wieder hinauf zu seinem Kollegen – alles per Knopfdruck. «Die Forstarbeit in unserem Gebiet ist ohne Seilbahn kaum möglich», sagt Peter Piller, Betriebsleiter des Forstbetriebs Schwyberg. In diesem Teil der Freiburger Voralpen ist das Gelände nicht nur steil, der Boden ist auch sehr nass, schwere Maschinen kommen nicht in den Wald. Deshalb werden die Arbeiten von den befestigten Forststrassen aus ausgeführt. Die Seilbahn zieht das Holz durch Schneisen zu den Strassen. Der Forstbetrieb Schwyberg bewirtschaftet die 728 Hektar Wald der beiden Gemeinden Plaffeien und Plasselb – zu 94 Prozent Schutzwald, wie Peter Piller erklärt. Der Wald schützt vor allem vor Murgängen und Überschwemmungen, indem er das Wasser zurückhält. «Die Schutzfunktion hat oberste Priorität», so Peter Piller. Weitere Funktionen umfassen die Holznutzung sowie die Förderung der Biodiversität – und der Wald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Wegen der so wichtigen Schutzfunktion werden in den Wäldern von Plaffeien und Plasselb keine flächigen Schläge vorgenommen, wie man sie zum Teil im Mittelland sieht. «Wir achten darauf, dass immer Wald da ist, unsere Eingriffe gering sind und wir nicht mehr Bäume rausnehmen als nötig ist.» Auf diese Weise habe es Bäume jeden Alters im Wald, und wenn ein Sturm einmal ein paar grössere Bäume fälle, seien bereits jüngere da, die nachkommen. Damit die jungen Bäume wachsen können und dafür genug Licht und Platz haben, ist es nötig, Holz zu schlagen. So wie das momentan geschieht – Schutzwaldpflege eben. Um seine Aufgaben erfüllen zu können, ist der Forstbetrieb Schwyberg auf einen modernen Maschinenpark angewiesen. Doch der Forstbetrieb selbst besitzt nur ein Raupenfahrzeug mit Seilwinde, einen Teleskoplader und einige Geländewagen. Die richtig grossen Maschinen gehören den Mitarbeitenden, zum Beispiel Vorarbeiter Stefan Raemy. Der Forstbetrieb mietet die bis zu 600 000 Franken teuren Maschinen von den Mitarbeitenden und örtlichen Unternehmen. Stefan Raemy arbeitet seit der Gründung des Forstbetriebes Schwyberg 2008 für diesen, davor war er für den Forstbetrieb der Gemeinde Plaffeien tätig. Nach dem Sturm Lothar habe der Forstbetrieb in Plaffeien eine der Maschinen nicht mehr ersetzen wollen. «Mir war aber klar, dass wir eine Forstmaschine für unsere Arbeit brauchen. Also habe ich mich erkundigt, ob die Gemeinde die Maschine von mir mieten würde, wenn ich diese kaufe.» Dieses Modell hat funktioniert – und wird vom Forstbetrieb Schwyberg weitergeführt. «Der Forstbetrieb garantiert, dass die Maschinen im Betrieb eingesetzt werden können. So lohnt sich das für mich», sagt Stefan Raemy. Er kümmert sich auch um Unterhalt und Reparaturen, dies ist für den Forstbetrieb im Mietpreis inbegriffen. Peter Piller und Stefan Raemy betonen: Beide Seiten profitieren. «Dieses Modell funktioniert wahrscheinlich nicht überall, aber bei uns ist es so gewachsen und hat sich etabliert», sagt Peter Piller. Er ist überzeugt, dass dadurch auch das Team profitiert und die Effizienz steigt. «Die Mitarbeitenden haben grosses Interesse, dass der Forstbetrieb gute Zahlen schreibt, und akquirieren auch selbst Aufträge.» Neben der Waldpflege für die beiden Gemeinden übernimmt der Forstbetrieb auch Holzereiarbeiten für private Waldbesitzer, leistet Spezialeinsätze am Fels, pflegt einen grossen Teil der Wanderwege der Gemeinde Plaffeien, ist spezialisiert auf das forstliche Bauwesen, verkauft Rundholz, Holzbrunnentröge, Sitzbänke und Weiteres. «Durch diese Diversifizierung sind wir nicht nur vom Holzpreis abhängig, und es bringt Abwechslung in unsere tägliche Arbeit», sagt Peter Piller. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist nicht nur ein moderner Maschinenpark nötig. Der Forstbetrieb Schwyberg setzt auch auf Digitalisierung. Die Aufträge werden in einer App erfasst, ebenso die Arbeitszeit. «Wir brauchen kaum noch Papier», sagt Peter Piller. In der App sind Arbeitsaufträge mit Notfallkonzept enthalten. «Wir haben den schönsten Beruf, er ist aber auch gefährlich. Die Arbeitssicherheit hat deshalb oberste Priorität», betont der Betriebsleiter. «Jede Gefahr, die wir sehen, eliminieren wir. Wenn das nicht möglich ist, führen wir die Arbeit nicht aus.» Die zunehmende Automatisierung habe vieles erleichtert. In der Führerkabine einer Maschine sei man geschützt, wenn es zum Beispiel darum gehe, Baumstämme zu stapeln. Das zeigt Stefan Raemy an diesem Vormittag eindrücklich. Mit seinem Skidder mit Prozessorkopf verarbeitet er den Baum, der eben per Seilkran den Hang hinunterschwebte. Dieser wird entastet und in rund vier Meter lange Stücke geschnitten. Die verteilt Stefan Raemy auf verschiedene Stapel. Der grösste Teil des Holzes geht zu einer Sägerei, ein Teil wird zu Papier verarbeitet, und ein Teil gibt Energieholz – und Äste werden zu Haufen im Wald aufgeschichtet, wo kleine Säugetiere ein Zuhause finden. So wird auch die Biodiversität gefördert. Nadja Sutter

Der Friedhof ist in der Moderne angekommen

Der Friedhof Friedental in Luzern empfängt die Besuchenden mit mächtigen, klassizistischen Gebäuden am Eingang, gebaut anlässlich dessen Gründung im 19. Jahrhundert. Doch der Eindruck täuscht: Obwohl der Tradition verpflichtet, ist auf dem Friedhof die Moderne eingezogen. Das zeigt sich bei einem Rundgang mit Pascal Vincent, Leiter Friedhöfe der Stadt Luzern. Auf dem Friedhof Friedental finden sich die unterschiedlichsten Gräber. Von den Prunkgräbern bedeutender Familien aus dem 19. Jahrhundert bis zu einfachen Gemeinschaftsgräbern sind sie Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes, aber auch individueller Wünsche. Eines aber ist ihnen gemein: das viele Grün rund um die Gräber, Wiesen, Hecken, Sträucher und Bäume sowie Blumen auf und neben den Gräbern, entweder gepflanzt von Gärtnern oder mitgebracht von Angehörigen. «Ich glaube, die Menschen schätzen die Friedhöfe als multifunktionalen Raum, gerade weil sie Orte der Stille und der Stadtgeschichte sind.» Pascal Vincent, Leiter Friedhöfe, Stadt Luzern Die Friedhöfe sind denn auch Teil von Stadtgrün Luzern. «Als Mitglied von Grünstadt Schweiz sind wir der Nachhaltigkeit verpflichtet», sagt Pascal Vincent. Der Friedhof setzt deshalb seit einigen Jahren konsequent auf biologische Bepflanzung und auf Nützlinge statt auf chemische Schädlingsbekämpfung. Pascal Vincent zeigt auf einen Nistkasten an einer grossen Eiche: «Früher hat man die Mäuse auf dem Friedhof mit Gaspatronen bekämpft. Heute versuchen wir, Vögel anzuziehen, welche die Mäuse jagen.» Einige Meter weiter bleibt Pascal Vincent vor einem Grab stehen, vor dessen Grabstein sich ein grüner Pflanzenteppich ausbreitet. Das Laienauge macht Walderdbeeren aus. «Wir pflanzen als Grabschmuck einheimische und robuste Pflanzen aus biologischer Produktion.» Diese seien nicht nur länger haltbar, sie bedürften auch weniger Pflege und leisteten einen Beitrag zur Biodiversität. Zudem können die Gärtnerinnen und Gärtner jene Pflanzen auswählen, die auch den veränderten Klimabedingungen – Stichwort Trockenheit – standhalten. Der Nachteil: Sie blühen nicht immer so schön bunt, wie dies ausländischer Wechselflor tut, der alle paar Monate ersetzt werden muss. «Die meisten Menschen haben Verständnis für unseren Ansatz. Wir versuchen, offen zu kommunizieren und zu erklären, warum wir so vorgehen. Das kommt in der Regel gut an.» Gute Kommunikation und Vertrauen aufbauen – das ist für Pascal Vincent das A und O für die Arbeit auf dem Friedhof. Nebst dem Unterhalt des Friedhofs und der Gräber beinhaltet die Aufgabe des Friedhofs auch die Administration, die sich um die Anmeldung der Todesfälle und die Organisation von Beisetzungen kümmert. Wenn jemand stirbt, ist der Friedhof Friedental die zentrale Anlaufstelle in der Stadt Luzern. «Die Menschen befinden sich in einer emotional schwierigen Lage, wenn sie bei uns anrufen, um einen Todesfall anzumelden. Da ist es wichtig, dass sie sich aufgehoben fühlen und bei der Beerdigung alles reibungslos abläuft. » Die Anforderungen der Menschen an eine Bestattung haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Das klassische Begräbnis mit Grabstein oder die Urnenbeisetzung in einem Gemeinschaftsgrab sind zwar immer noch gefragt. Doch immer mehr Menschen sehnen sich nach einem naturnahen Begräbnis – gerade solche, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen. Aus diesen Gründen hat der Friedhof das Grabangebot auf die veränderten Bedürfnisse angepasst, zum Beispiel mit sogenannten Themengräbern. Pascal Vincent zeigt das Themengrab «Wald» auf dem Friedhof Staffeln, einem Quartierfriedhof am Waldrand. Urnen können dort individuell, also nicht in einem Gemeinschaftsgrab, beigesetzt werden. Der Ort der Beisetzung wird markiert mit einer einfachen Steinplatte mit einer Inschrifttafel. Darauf können die Angehörigen Blumen oder kleine Erinnerungsstücke platzieren. Die Erinnerungsorte verteilen sich auf einer sanft abfallenden Wiese, bestückt mit verschiedenen Bäumen. «Für viele Angehörige ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie der Verstorbenen gedenken können und wo sie einen persönlichen Ablageort haben.» Dieses Bedürfnis wird mit den Themengräbern erfüllt. Pascal Vincent betont, dass dieses an sich einfache Konzept auch auf kleineren Friedhöfen – wie der Friedhof Staffeln einer ist – gut umsetzbar sei. Der Aufwand für die Friedhofsgärtner sei überschaubar: Zwar müssen sie die Wiese um die Gräber herum mähen. Dafür entfällt eine aufwendige Pflege von Pflanzen wie auf einem traditionellen Grab. Zurück in seinem Büro beim Friedhof Friedental stellt Pascal Vincent – der ausgebildeter Landschaftsgärtner ist – seinen Computer an. Darauf öffnet er eine interaktive Karte des Friedhofs mit verschiedenen Grünschattierungen und vielen kleinen orangen Vierecken. «Wir verfügen über einen digitalen Plan, auf dem genau hinterlegt ist, was wo gepflanzt ist.» Auf den Friedhöfen sind sämtliche Gräber eingezeichnet, mit dem Vermerk, ob sie belegt oder frei sind. Das digitale Tool ermöglicht es den Gärtnerinnen und Gärtnern, bei Bepflanzungen gezielt vorzugehen. Sie können so auch genau ausrechnen, wie viel Prozent der Fläche beispielsweise naturnahe Wiesen sind. Andererseits ermöglicht das Tool auch einen Service für die Besuchenden des Friedhofs: die digitale Grabsuche. Wer ein Grab auf dem weitläufigen Friedhof Friedental oder auf einem anderen städtischen Friedhof sucht, gibt den Namen des Verstorbenen ein und erhält dann eine Karte, auf der markiert ist, wo sich das Grab befindet. «Wir beobachten, dass die digitale Suche hohe Zugriffszahlen hat. Wer sie nutzt, sucht oft mehr als ein Grab», sagt Pascal Vincent. Längst besuchen aber nicht nur trauernde Angehörige die Friedhöfe. Diese sind gerade während der Coronapandemie ein beliebtes Naherholungsgebiet geworden. Pascal Vincent freut das: «Wir finden es schön, wenn die Friedhöfe nicht nur als Stätten der Trauer gesehen werden, sondern als die schönen, grünen Oasen mit hoher Biodiversität, die sie sind.» Klar brauche es gewisse Regeln – Besuchende müssten die Ruhe respektieren. Das sei aber bisher kein Problem gewesen. «Ich glaube, die Menschen schätzen die Friedhöfe als multifunktionalen Raum, gerade weil sie Orte der Stille und der Stadtgeschichte sind.» Nadja Sutter

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