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«Die Vorbildwirkung der Gemeinden ist zentral»

Patrick Kutschera: Zunächst einmal: Die Lage ist nicht entspannt, aber weniger angespannt als befürchtet. Den grössten Beitrag dazu hat sicherlich der warme Winter geleistet. Die Einsparungen beim Strom haben rund fünf bis acht Prozent betragen, beim Gas waren es etwas mehr. In Zahlen ist das schwierig auszudrücken. Sicherlich trägt jede Massnahme zu den Sparbemühungen bei. Viel wichtiger als die eingesparten Kilowattstunden bei Gemeinden und Städten ist jedoch ihre Vorbildwirkung. Diese ist zentral. Wir haben viele Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die fragten, weshalb sie Energie sparen sollten, wenn die Gemeinde die Weihnachtsbeleuchtung doch aufhängt oder ein Gebäude die ganze Nacht beleuchtet. Die vielen Gemeinden, die sichtbare Massnahmen ergriffen haben, haben ein wichtiges Zeichen gesetzt. Wir wissen alle, dass die Weihnachtsbeleuchtung nur einen kleinen Teil des Energieverbrauchs einer Gemeinde ausmacht. Aber sie ist ein sehr emotionales, weil sichtbares Thema. Manche Menschen störten sich daran, dass sie in Zeiten einer möglichen Strommangellage trotzdem aufgehängt wurde, andere störten sich daran, dass es keine Beleuchtung gab. Viele Gemeinden haben hier sehr gute Lösungen gefunden, indem sie zum Beispiel die Dauer der Beleuchtung reduzierten, auf eine Beleuchtung wechselten, die weniger Energie verbraucht, oder auf Weihnachtsschmuck ganz ohne Stromverbrauch setzten. Die Bilanz ist sehr positiv. Die Gründungsmitglieder, darunter der Schweizerische Gemeindeverband (SGV), waren sehr schnell an Bord, und wir sind rasch gewachsen. Anfang Februar zählten wir rund 370 Mitglieder, darunter Gemeinden und Städte, alle Kantone sowie Verbände und Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Jeden Tag kommen neue Mitglieder dazu. Die Alliance ist wichtig, weil sie den Energiesparbemühungen Glaubwürdigkeit verleiht. Diese ist höher, wenn auch die Privatwirtschaft, Behörden und Verbände die Bemühungen stützen und nicht nur der Bund. Zudem haben die Mitglieder die Reichweite der Kampagne erhöht. Wir würden uns sehr freuen, wenn noch mehr Gemeinden Mitglied würden, weil sie diese wichtige Vorbildfunktion haben. Sie müssen aufführen, welche Energiesparmassnahmen sie planen oder umgesetzt haben – das ist alles. Die Mitgliedschaft kostet nichts. Die Gemeinden können im Gegenteil profitieren, zum Beispiel vom monatlichen Austausch zur Lage und zu guten Beispielen sowie vom positiven Image. In der Alliance sind sehr viele gute Ideen zusammengekommen. Exemplarisch drei Beispiele: Collombey-Muraz (VS) hat neben den Energiesparmassnahmen einen «Nachhaltigkeits-Botschafter» ernannt, der die verschiedenen Abteilungen unterstützt und das Thema Nachhaltigkeit immer wieder in Diskussionen einbringt. Bregaglia (GR) hat seine Strassenbeleuchtung durch dimmbare LEDs ersetzt. Horw (LU) wollte die Beleuchtung auf Gemeindeboden eigentlich bis 2030 ersetzen, hat das Projekt aber kurzerhand vorgezogen und das Budget dafür gesprochen. Die Gemeinde wird nun früher von tieferen Energiekosten profitieren. Der Vorteil freiwilliger Massnahmen ist, dass die Gemeinden sie dort umsetzen können, wo sie ihnen am meisten bringen – denn die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. «Der Vorteil freiwilliger Massnahmen ist, dass die Gemeinden sie dort umsetzen können, wo sie ihnen am meisten bringen – denn die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich.» Patrick Kutschera, Geschäftsführer Energie Schweiz Das Label gibt klar formulierte Ziele vor und ist deshalb für Gemeinden und Städte eine hilfreiche Struktur, um den Status zu erheben sowie Massnahmen zu planen und umzusetzen. Zudem ist es eine Bestätigung für den geleisteten Effort. Auch hier zählt wieder die Vorbildwirkung: In den meisten Städten und Gemeinden weist ein Schild am Ortseingang auf die Auszeichnung hin, oder das Label wird prominent auf der Homepage erwähnt. Wir werden im März Bilanz ziehen und die Kommunikationsmassnahmen vorerst herunterfahren. Wir denken aber bereits an den nächsten Winter. Denn die Lage bleibt angespannt, und der Winter 2023/2024 wird möglicherweise nicht so mild wie der vergangene, zudem wird das russische Gas fehlen, mit dem letztes Jahr die europäischen Speicher gefüllt wurden. Die Einsparungen sind auch im Sommer relevant, denn dann werden die Gasspeicher und die Speicherseen gefüllt. Für den nächsten Winter haben wir nun eine längere Vorlaufzeit und können auch technische Anpassungen vornehmen, um den Stromverbrauch zu reduzieren. So sind wir nicht allein auf Massnahmen angewiesen, die vom Verhalten der Menschen abhängen. Im Herbst werden wir bei Bedarf die Kommunikationsmassnahmen wieder hochfahren. Auf jeden Fall. Wir wollen den Austausch innerhalb der Energiespar-Alliance weiter pflegen, um uns optimal auf den nächsten Winter vorzubereiten, und sie wird weiter wachsen, zum Beispiel mit zusätzlichen Gemeinden, die sich hoffentlich anmelden. In diesem Rahmen ein grosses Dankeschön an das Engagement des Gemeindeverbandes und der Gemeinden. Sie sind ein wichtiges Puzzleteil für uns, weil sie so nahe an der Bevölkerung sind. Informationen: Wichtige Informationen zum Energiesparen für Gemeinden auf der Homepage des SGV: www.chgemeinden.ch Winter-Energiespar-Initiative des Bundes: www.nicht-verschwenden.ch Energiespar-Alliance: https://alliance2022-23.ch/ Nadja Sutter

Die Elektromobilität regional denken

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer kaufen sich ein Auto mit Elektroantrieb, die Zahl der E-Bikes nimmt zu, kurz: Die E-Mobilität boomt und entwickelt sich schneller als erwartet. 2021 hatten von den rund 242 000 neu zugelassenen Autos rund 32 000 einen reinen Elektroantrieb. Das entspricht einer Zunahme von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen. Was heisst das für die Gemeinden? «Wir müssen die E-Mobilität regional denken», findet Bänz Müller, Gemeindepräsident von Wohlen (BE). «Zum Beispiel bei den Ladestationen für E-Autos: Welche Distanz zwischen den Stationen ist sinnvoll? Wo werden diese gebraucht? Das sind Fragen, für die es eine gemeinsame Planung in der Region braucht.» Der Grossraum Bern sei ein Lebensraum, in dem die Gemeindegrenzen nicht sichtbar seien. Für die Bevölkerung zähle das Angebot und nicht, wie viele Ladestationen es in einer einzelnen Gemeinde gibt. Die Initiative Dekarbonisierung Region Bern engagiert sich in diesem Bereich. Sie ist ein loser Verbund der grösseren Gemeinden im Raum Bern, der sich für den Austausch und die Vernetzung im Bereich Nachhaltigkeit starkmacht. Dabei spielt die Elektromobilität eine wichtige Rolle. Denn der Verkehr ist gemäss einer Statistik des Bundesamtes für Umwelt nach wie vor der grösste Verursacher von CO 2 -Emissionen in der Schweiz. Was eine Gemeinde im Bereich Elektromobilität leisten kann, zeigt das Beispiel von Ittigen (BE). Die Gemeinde setzt sich seit vielen Jahren für die Nachhaltigkeit ein und ist seit dem Jahr 2000 mit der ISO-Norm 14001 zertifiziert, einem Industriestandard, der die Gemeinde zu kontinuierlichen Verbesserungen im Umweltbereich verpflichtet. Bereits in den 1990er-Jahren startete die Gemeinde einen Pilotversuch mit gemeindeeigenen Elektrofahrzeugen, gab das Vorhaben damals aber rasch wieder auf. «Es war zu teuer und die Fahrzeuge nicht besonders komfortabel», sagt Gemeindepräsident Marco Rupp. Jetzt allerdings rüstet die Gemeinde ihre Kommunalfahrzeuge auf Elektroantrieb um. Eine elektrische Wischmaschine ist seit Kurzem in Betrieb, und ein neues E-Kehrichtfahrzeug wird seinen Betrieb später im Jahr aufnehmen. «Es ist wichtig, dass man das Thema Elektromobilität mit einem klaren Konzept angeht», sagt Marco Rupp. Ittigen hat in mehreren Bereichen Abklärungen getroffen: Was kann die Gemeinde als Arbeitgeberin tun? Wo kann sie Anreize mit günstigen Rahmenbedingungen setzen? Und wie kann sie mit Partnern die Elektromobilität fördern? So hat sich die Gemeinde entschieden, ihre Fahrzeugflotte umzurüsten. Mit Beschaffungen könne die Gemeinde bereits viel bewirken, glaubt Rupp. Die Anschaffung von Elektrokommunalfahrzeugen sei zwar momentan noch teurer als von ähnlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Aber: «Wenn man nicht nur die Anschaffungskosten ansieht, sondern auch die Betriebskosten, so wird Elektromobilität plötzlich wirtschaftlich interessant.» «Wenn man nicht nur die Anschaffungskosten ansieht, sondern auch die Betriebskosten, so wird Elektromobilität plötzlich wirtschaftlich interessant.» Marco Rupp, Gemeindepräsident Ittigen (BE) In Ittigen fährt überdies seit letztem Jahr ein Ortsbus mit Elektroantrieb. Dieses Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem RBS (Regionalverkehr Bern-Solothurn) entstanden, die Gemeinde beteiligte sich finanziell daran, ebenso der Kanton Bern. Zudem hat Ittigen sein Baureglement dahingehend angepasst, dass die Vorbereitung für Ladestationen für Autos, aber auch E-Bikes in Mehrfamilienhäusern gefördert wird. Für die Besitzerinnen und Besitzer von Einfamilienhäusern sei die Installation einer Ladestation keine grosse Sache, so Marco Rupp. Doch für Mieterinnen und Mieter oder auch Stockwerkeigentümer stellten sich zahlreiche Herausforderungen. Dort sei nämlich auch die Zustimmung der (Mit-)Eigentümer nötig, und es müsse geklärt werden, wer die Kosten trägt. Die Bemühungen von Ittigen im Bereich Nachhaltigkeit würden sich lohnen, ist Marco Rupp überzeugt. Auch die Bevölkerung trage sie mit und habe beispielsweise dem Kredit für das E-Kehrichtfahrzeug ohne grössere Diskussion genehmigt. «Das Engagement über 25 Jahre zahlt sich aus. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Ittigen erwarten von uns, dass wir uns für die Umwelt einsetzen.» Bänz Müller, Marco Rupps Amtskollege aus Wohlen bei Bern, glaubt an die Vorbildfunktion der Gemeinden. «Die Information der Bevölkerung und das Beantworten von Fragen ist eine unserer Hauptaufgaben im Bereich Elektromobilität.» Daneben könne eine Gemeinde natürlich die Fahrzeugflotte umrüsten und günstige Rahmenbedingungen schaffen. Bänz Müller sieht aber auch Grenzen des Engagements: «Sobald viel Geld in die Hand genommen werden muss, wird es schwierig. Da sind die Möglichkeiten einer Gemeinde rasch ausgeschöpft.» «Die Information der Bevölkerung und das Beantworten von Fragen ist eine unserer Hauptaufgaben im Bereich Elektromobilität.» Bänz Müller, Gemeindepräsident Wohlen (BE) Wohlen hat ebenfalls bereits erste Schritte in Sachen Elektromobilität unternommen, und zwar mit einem Car-Sharing-Angebot auf Gemeindeboden. In Wohlen, Hinterkappelen und Uettligen steht je ein Elektroauto bereit, das die Einwohnerinnen und Einwohner nutzen können. Eine Stunde Fahrt kostet fünf Franken. Neben der Ladestation für das Car-Sharing-Angebot hat die Gemeinde eine weitere Ladestation eingerichtet, die Private nutzen dürfen. «Die Elektroautos sind beliebt und werden extrem gut genutzt, sie bleiben kaum einen Tag stehen», so Bänz Müller. Auch Wohlen will seine Fahrzeugflotte auf Elektroautos umstellen. «Wir sind daran, ein umfassendes Konzept zur Elektromobilität für die Gemeinde zu erarbeiten», sagt Bänz Müller. Denn nicht nur Elektroautos gehörten dazu, sondern auch andere Verkehrsformen, die es nicht gegeneinander auszuspielen gelte, sondern vielmehr aufeinander abzustimmen. Dafür brauche es auch die Koordination mit den umliegenden Gemeinden. «Wir müssen uns genau überlegen, welche Bedürfnisse wo bestehen», ist Bänz Müller überzeugt. «Laden die Leute ihre Autos und Velos zu Hause auf? Oder am Arbeitsort? Oder besteht womöglich das Bedürfnis nach einer Ladestation an einem Knotenpunkt, wo sie auf den öV umsteigen?» Viele Fragen, die es in den nächsten Jahren zu klären gilt. Denn die Elektromobilität wird immer beliebter. Nadja Sutter

Ein besonderes Modell für Forstmaschinen

Es brummt und knackt an diesem Vormittag im Wald am Nordhang des Schwybergs oberhalb von Plaffeien (FR). Eine Equipe des Forstbetriebs Schwyberg ist hier an der Arbeit. Sie hat im steilen Gelände einen mobilen Seilkran installiert. Zwei Arbeiter fällen Bäume und bereiten sie für den Transport vor. Ein weiterer Arbeiter steht oben am Hang. Per Funk dirigiert er den Laufwagen, der an einem Stahlseil hoch über dem Waldboden hängt, an die richtige Stelle, um einen Baumstamm daran fixieren zu können. Danach zieht der Laufwagen den Stamm den Hang hinunter zur Forststrasse. Hier übernimmt Stefan Raemy per Funk den Laufwagen. Er lässt den Stamm behutsam zu Boden, löst die Fixierung und schickt den Laufwagen wieder hinauf zu seinem Kollegen – alles per Knopfdruck. «Die Forstarbeit in unserem Gebiet ist ohne Seilbahn kaum möglich», sagt Peter Piller, Betriebsleiter des Forstbetriebs Schwyberg. In diesem Teil der Freiburger Voralpen ist das Gelände nicht nur steil, der Boden ist auch sehr nass, schwere Maschinen kommen nicht in den Wald. Deshalb werden die Arbeiten von den befestigten Forststrassen aus ausgeführt. Die Seilbahn zieht das Holz durch Schneisen zu den Strassen. Der Forstbetrieb Schwyberg bewirtschaftet die 728 Hektar Wald der beiden Gemeinden Plaffeien und Plasselb – zu 94 Prozent Schutzwald, wie Peter Piller erklärt. Der Wald schützt vor allem vor Murgängen und Überschwemmungen, indem er das Wasser zurückhält. «Die Schutzfunktion hat oberste Priorität», so Peter Piller. Weitere Funktionen umfassen die Holznutzung sowie die Förderung der Biodiversität – und der Wald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Wegen der so wichtigen Schutzfunktion werden in den Wäldern von Plaffeien und Plasselb keine flächigen Schläge vorgenommen, wie man sie zum Teil im Mittelland sieht. «Wir achten darauf, dass immer Wald da ist, unsere Eingriffe gering sind und wir nicht mehr Bäume rausnehmen als nötig ist.» Auf diese Weise habe es Bäume jeden Alters im Wald, und wenn ein Sturm einmal ein paar grössere Bäume fälle, seien bereits jüngere da, die nachkommen. Damit die jungen Bäume wachsen können und dafür genug Licht und Platz haben, ist es nötig, Holz zu schlagen. So wie das momentan geschieht – Schutzwaldpflege eben. Um seine Aufgaben erfüllen zu können, ist der Forstbetrieb Schwyberg auf einen modernen Maschinenpark angewiesen. Doch der Forstbetrieb selbst besitzt nur ein Raupenfahrzeug mit Seilwinde, einen Teleskoplader und einige Geländewagen. Die richtig grossen Maschinen gehören den Mitarbeitenden, zum Beispiel Vorarbeiter Stefan Raemy. Der Forstbetrieb mietet die bis zu 600 000 Franken teuren Maschinen von den Mitarbeitenden und örtlichen Unternehmen. Stefan Raemy arbeitet seit der Gründung des Forstbetriebes Schwyberg 2008 für diesen, davor war er für den Forstbetrieb der Gemeinde Plaffeien tätig. Nach dem Sturm Lothar habe der Forstbetrieb in Plaffeien eine der Maschinen nicht mehr ersetzen wollen. «Mir war aber klar, dass wir eine Forstmaschine für unsere Arbeit brauchen. Also habe ich mich erkundigt, ob die Gemeinde die Maschine von mir mieten würde, wenn ich diese kaufe.» Dieses Modell hat funktioniert – und wird vom Forstbetrieb Schwyberg weitergeführt. «Der Forstbetrieb garantiert, dass die Maschinen im Betrieb eingesetzt werden können. So lohnt sich das für mich», sagt Stefan Raemy. Er kümmert sich auch um Unterhalt und Reparaturen, dies ist für den Forstbetrieb im Mietpreis inbegriffen. Peter Piller und Stefan Raemy betonen: Beide Seiten profitieren. «Dieses Modell funktioniert wahrscheinlich nicht überall, aber bei uns ist es so gewachsen und hat sich etabliert», sagt Peter Piller. Er ist überzeugt, dass dadurch auch das Team profitiert und die Effizienz steigt. «Die Mitarbeitenden haben grosses Interesse, dass der Forstbetrieb gute Zahlen schreibt, und akquirieren auch selbst Aufträge.» Neben der Waldpflege für die beiden Gemeinden übernimmt der Forstbetrieb auch Holzereiarbeiten für private Waldbesitzer, leistet Spezialeinsätze am Fels, pflegt einen grossen Teil der Wanderwege der Gemeinde Plaffeien, ist spezialisiert auf das forstliche Bauwesen, verkauft Rundholz, Holzbrunnentröge, Sitzbänke und Weiteres. «Durch diese Diversifizierung sind wir nicht nur vom Holzpreis abhängig, und es bringt Abwechslung in unsere tägliche Arbeit», sagt Peter Piller. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist nicht nur ein moderner Maschinenpark nötig. Der Forstbetrieb Schwyberg setzt auch auf Digitalisierung. Die Aufträge werden in einer App erfasst, ebenso die Arbeitszeit. «Wir brauchen kaum noch Papier», sagt Peter Piller. In der App sind Arbeitsaufträge mit Notfallkonzept enthalten. «Wir haben den schönsten Beruf, er ist aber auch gefährlich. Die Arbeitssicherheit hat deshalb oberste Priorität», betont der Betriebsleiter. «Jede Gefahr, die wir sehen, eliminieren wir. Wenn das nicht möglich ist, führen wir die Arbeit nicht aus.» Die zunehmende Automatisierung habe vieles erleichtert. In der Führerkabine einer Maschine sei man geschützt, wenn es zum Beispiel darum gehe, Baumstämme zu stapeln. Das zeigt Stefan Raemy an diesem Vormittag eindrücklich. Mit seinem Skidder mit Prozessorkopf verarbeitet er den Baum, der eben per Seilkran den Hang hinunterschwebte. Dieser wird entastet und in rund vier Meter lange Stücke geschnitten. Die verteilt Stefan Raemy auf verschiedene Stapel. Der grösste Teil des Holzes geht zu einer Sägerei, ein Teil wird zu Papier verarbeitet, und ein Teil gibt Energieholz – und Äste werden zu Haufen im Wald aufgeschichtet, wo kleine Säugetiere ein Zuhause finden. So wird auch die Biodiversität gefördert. Nadja Sutter

Der Friedhof ist in der Moderne angekommen

Der Friedhof Friedental in Luzern empfängt die Besuchenden mit mächtigen, klassizistischen Gebäuden am Eingang, gebaut anlässlich dessen Gründung im 19. Jahrhundert. Doch der Eindruck täuscht: Obwohl der Tradition verpflichtet, ist auf dem Friedhof die Moderne eingezogen. Das zeigt sich bei einem Rundgang mit Pascal Vincent, Leiter Friedhöfe der Stadt Luzern. Auf dem Friedhof Friedental finden sich die unterschiedlichsten Gräber. Von den Prunkgräbern bedeutender Familien aus dem 19. Jahrhundert bis zu einfachen Gemeinschaftsgräbern sind sie Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes, aber auch individueller Wünsche. Eines aber ist ihnen gemein: das viele Grün rund um die Gräber, Wiesen, Hecken, Sträucher und Bäume sowie Blumen auf und neben den Gräbern, entweder gepflanzt von Gärtnern oder mitgebracht von Angehörigen. «Ich glaube, die Menschen schätzen die Friedhöfe als multifunktionalen Raum, gerade weil sie Orte der Stille und der Stadtgeschichte sind.» Pascal Vincent, Leiter Friedhöfe, Stadt Luzern Die Friedhöfe sind denn auch Teil von Stadtgrün Luzern. «Als Mitglied von Grünstadt Schweiz sind wir der Nachhaltigkeit verpflichtet», sagt Pascal Vincent. Der Friedhof setzt deshalb seit einigen Jahren konsequent auf biologische Bepflanzung und auf Nützlinge statt auf chemische Schädlingsbekämpfung. Pascal Vincent zeigt auf einen Nistkasten an einer grossen Eiche: «Früher hat man die Mäuse auf dem Friedhof mit Gaspatronen bekämpft. Heute versuchen wir, Vögel anzuziehen, welche die Mäuse jagen.» Einige Meter weiter bleibt Pascal Vincent vor einem Grab stehen, vor dessen Grabstein sich ein grüner Pflanzenteppich ausbreitet. Das Laienauge macht Walderdbeeren aus. «Wir pflanzen als Grabschmuck einheimische und robuste Pflanzen aus biologischer Produktion.» Diese seien nicht nur länger haltbar, sie bedürften auch weniger Pflege und leisteten einen Beitrag zur Biodiversität. Zudem können die Gärtnerinnen und Gärtner jene Pflanzen auswählen, die auch den veränderten Klimabedingungen – Stichwort Trockenheit – standhalten. Der Nachteil: Sie blühen nicht immer so schön bunt, wie dies ausländischer Wechselflor tut, der alle paar Monate ersetzt werden muss. «Die meisten Menschen haben Verständnis für unseren Ansatz. Wir versuchen, offen zu kommunizieren und zu erklären, warum wir so vorgehen. Das kommt in der Regel gut an.» Gute Kommunikation und Vertrauen aufbauen – das ist für Pascal Vincent das A und O für die Arbeit auf dem Friedhof. Nebst dem Unterhalt des Friedhofs und der Gräber beinhaltet die Aufgabe des Friedhofs auch die Administration, die sich um die Anmeldung der Todesfälle und die Organisation von Beisetzungen kümmert. Wenn jemand stirbt, ist der Friedhof Friedental die zentrale Anlaufstelle in der Stadt Luzern. «Die Menschen befinden sich in einer emotional schwierigen Lage, wenn sie bei uns anrufen, um einen Todesfall anzumelden. Da ist es wichtig, dass sie sich aufgehoben fühlen und bei der Beerdigung alles reibungslos abläuft. » Die Anforderungen der Menschen an eine Bestattung haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Das klassische Begräbnis mit Grabstein oder die Urnenbeisetzung in einem Gemeinschaftsgrab sind zwar immer noch gefragt. Doch immer mehr Menschen sehnen sich nach einem naturnahen Begräbnis – gerade solche, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen. Aus diesen Gründen hat der Friedhof das Grabangebot auf die veränderten Bedürfnisse angepasst, zum Beispiel mit sogenannten Themengräbern. Pascal Vincent zeigt das Themengrab «Wald» auf dem Friedhof Staffeln, einem Quartierfriedhof am Waldrand. Urnen können dort individuell, also nicht in einem Gemeinschaftsgrab, beigesetzt werden. Der Ort der Beisetzung wird markiert mit einer einfachen Steinplatte mit einer Inschrifttafel. Darauf können die Angehörigen Blumen oder kleine Erinnerungsstücke platzieren. Die Erinnerungsorte verteilen sich auf einer sanft abfallenden Wiese, bestückt mit verschiedenen Bäumen. «Für viele Angehörige ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie der Verstorbenen gedenken können und wo sie einen persönlichen Ablageort haben.» Dieses Bedürfnis wird mit den Themengräbern erfüllt. Pascal Vincent betont, dass dieses an sich einfache Konzept auch auf kleineren Friedhöfen – wie der Friedhof Staffeln einer ist – gut umsetzbar sei. Der Aufwand für die Friedhofsgärtner sei überschaubar: Zwar müssen sie die Wiese um die Gräber herum mähen. Dafür entfällt eine aufwendige Pflege von Pflanzen wie auf einem traditionellen Grab. Zurück in seinem Büro beim Friedhof Friedental stellt Pascal Vincent – der ausgebildeter Landschaftsgärtner ist – seinen Computer an. Darauf öffnet er eine interaktive Karte des Friedhofs mit verschiedenen Grünschattierungen und vielen kleinen orangen Vierecken. «Wir verfügen über einen digitalen Plan, auf dem genau hinterlegt ist, was wo gepflanzt ist.» Auf den Friedhöfen sind sämtliche Gräber eingezeichnet, mit dem Vermerk, ob sie belegt oder frei sind. Das digitale Tool ermöglicht es den Gärtnerinnen und Gärtnern, bei Bepflanzungen gezielt vorzugehen. Sie können so auch genau ausrechnen, wie viel Prozent der Fläche beispielsweise naturnahe Wiesen sind. Andererseits ermöglicht das Tool auch einen Service für die Besuchenden des Friedhofs: die digitale Grabsuche. Wer ein Grab auf dem weitläufigen Friedhof Friedental oder auf einem anderen städtischen Friedhof sucht, gibt den Namen des Verstorbenen ein und erhält dann eine Karte, auf der markiert ist, wo sich das Grab befindet. «Wir beobachten, dass die digitale Suche hohe Zugriffszahlen hat. Wer sie nutzt, sucht oft mehr als ein Grab», sagt Pascal Vincent. Längst besuchen aber nicht nur trauernde Angehörige die Friedhöfe. Diese sind gerade während der Coronapandemie ein beliebtes Naherholungsgebiet geworden. Pascal Vincent freut das: «Wir finden es schön, wenn die Friedhöfe nicht nur als Stätten der Trauer gesehen werden, sondern als die schönen, grünen Oasen mit hoher Biodiversität, die sie sind.» Klar brauche es gewisse Regeln – Besuchende müssten die Ruhe respektieren. Das sei aber bisher kein Problem gewesen. «Ich glaube, die Menschen schätzen die Friedhöfe als multifunktionalen Raum, gerade weil sie Orte der Stille und der Stadtgeschichte sind.» Nadja Sutter

Öffentliche Beschaffungen: Tools und Informationen

Nadja Sutter

Mit Partizipation zu einem neuen Kraftwerk

Die Chance, dass der Strom aus der Schweizer Steckdose mit Wasserkraft erzeugt wurde, ist gross. Rund 57 Prozent der inländischen Stromproduktion werden in Wasserkraftwerken produziert, dies gemäss Angaben des Bundesamtes für Energie. 682 Kraftwerke produzieren pro Jahr durchschnittlich rund 37’172 Gigawattstunden Strom. Viele davon stehen in den Bergkantonen – und viele gibt es schon seit mehr als hundert Jahren. Der Wasserkraftwerkpark der Schweiz ist grösstenteils gebaut. Dennoch gibt es neue Projekte oder Bestrebungen für den Ausbau bestehender Werke. Ein grösserer Bau wurde in den vergangenen Jahren im südöstlichsten Zipfel der Schweiz geplant, im Puschlav. Das Pumpspeicherkraftwerk Lagobianco soll dereinst den Lago Bianco auf der Berninapasshöhe mit dem Lago di Poschiavo im Tal verbinden. Durch einen 18 Kilometer langen Druckstollen soll in Zeiten des Stromüberschusses Wasser vom Tal auf die Passhöhe gepumpt werden, heisst es auf der Homepage der Betreibergesellschaft Repower. Wenn der Strom benötigt wird, fliesst das Wasser von oben nach unten und generiert Strom. Die Leistung wird mit rund 1000 Megawatt Strom pro Jahr angegeben; die Investitionskosten belaufen sich auf ungefähr 2,5 Milliarden Franken, die Bauzeit wird auf sechs bis sieben Jahre geschätzt. Die Betreibergesellschaft Repower hat für die Planung des Projekts auf Partizipation gesetzt. Bereits bei der Machbarkeitsstudie waren Gemeinden und Umweltverbände miteinbezogen worden. Gian Paolo Lardi, Leiter Assetmanagement Produktion bei Repower, erklärt: «Wir hatten zuvor bei einem Ausbauprojekt ohne Partizipationsverfahren schlechte Erfahrungen gemacht. Der Fall landete vor Bundesgericht.» Repower habe sich daraufhin entschieden, mit allen Beteiligten an einen Tisch zu sitzen: Gemeinden, Kanton und Umweltorganisationen. Gerade die Gemeinden spielen in Graubünden eine wichtige Rolle, denn sie verfügen über die Gewässerhoheit und müssen zunächst eine Konzession erteilen, wenn Kraftwerkbetreiber das Wasser nutzen wollen. Der Kanton entscheidet danach definitiv über ein Konzessionsgesuch. Eine erste Machbarkeitsstudie wurde von allen Involvierten unterzeichnet. Danach entwickelte Repower das Projekt. «Wir hatten den Lead, standen aber während des ganzen Prozesses im Austausch mit allen Involvierten.» Gemeinde- und Verbandsvertreter seien über den Stand der Dinge informiert worden und hätten Inputs liefern können. Involviert waren neben den Konzessionsgemeinden Pontresina, Poschiavo und Brusio auch die Umweltorganisationen WWF, Pro Natura, Pro Bernina Palü und die Greina-Stiftung. Mittendrin war Alessandro Della Vedova. Er war während der Konzessionsverhandlungen 2009 und 2010 Präsident des Regionalverbandes Valposchiavo, von 2011 bis 2018 Gemeindepräsident von Poschiavo und ist heute Grossrat der Mitte-Partei. «Es war sehr komplex und sehr zeitintensiv, aber insgesamt eine sehr gute Erfahrung», erinnert er sich und fügt an: «Wir hatten enorm viele Sitzungen.» Die Gemeinden waren wichtige Partner und einerseits auf politischer Ebene mit Exekutivmitgliedern, andererseits auf operativer Ebene mit Verwaltungsmitarbeitenden vertreten; insbesondere aus dem Bau- und Grundbuchamt. An Informationsveranstaltungen wurde die Bevölkerung der drei betroffenen Gemeinden orientiert. Denn sie musste 2010 und 2011 über die Konzessionsgenehmigung abstimmen. «Das war sehr wichtig», sagt Della Vedova. Gian Paolo Lardi von Repower erinnert sich: «Ich habe die Bevölkerung als sehr interessiert erlebt; es kamen jeweils viele Leute an die Veranstaltungen.» Die Mehrheit der Bevölkerung war dafür; rund zwei Drittel stimmten bei der Abstimmung für das Projekt. «Das Projekt versprach Arbeitsplätze, das ist für ein abgelegenes Seitental wie das Puschlav sehr wichtig», begründet Alessandro Della Vedova die zustimmende Haltung der Bevölkerung. «Es ist eine Chance, junge, gut ausgebildete Menschen im Tal zu behalten.» Zudem seien die Wasserzinsen eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. Und die Gemeinden erhielten Strom zu günstigen Konditionen zugesprochen. «Das Projekt versprach Arbeitsplätze, das ist für ein abgelegenes Seitental wie das Puschlav sehr wichtig.» Alessandro Della Vedova, ehemaliger Gemeindepräsident von Poschiavo und Grossrat «Es gab aber auch Gegner, und es war gut, dass sich diese gemeldet haben, denn so konnten wir Verbesserungen erzielen», sagt Della Vedova. Einige befürchteten Schäden für die Umwelt, andere wiederum monierten, dass Repower zu mächtig im Tal wird. Beides Einwände, die er verstehen könne, so Della Vedova. «Man muss aber auch sehen: Wir müssen hier im Tal leben und wohnen können. Für die Bevölkerung birgt das Projekt viele Vorteile.» 2014 genehmigte der Kanton das Konzessionsgesuch. Im März 2015 reichte Repower das Projektgenehmigungsgesuch ein, und im Oktober 2016 erteilte der Kanton Graubünden die Projektgenehmigung. Gian Paolo Lardi von Repower zieht heute eine positive Bilanz. Ein partizipativer Prozess sei zwar kompliziert, langwierig und teuer; es brauche viele Sitzungen. «Man investiert am Anfang viel, aber am Schluss ist dieses Vorgehen möglicherweise schneller, weil man viel weniger Einsprachen riskiert», sagt er. Sowieso sei es wichtig, als Betreibergesellschaft den Austausch mit Gemeinden und Kanton zu pflegen. «Das Wasser gehört den Gemeinden, wir sind deshalb auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen.» Und auch weil Repower zahlreiche Mitarbeitende in der Region hat, welche die Kraftwerke betreiben. Das Pumpspeicherkraftwerk Lagobianco ist allerdings noch nicht gebaut. Die unsichere Lage und die tiefen Strompreise liessen eine solch grosse Investition aktuell nicht zu, begründet Repower. Für die Bevölkerung eine Enttäuschung, sagt Alessandro Della Vedova. Er hofft, dass das Projekt in den nächsten Jahren dennoch realisiert werden kann. Nadja Sutter

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