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Mehrzweckverband: eine Sensler Antwort auf die zunehmende Komplexität

Zwischen den Städten Freiburg und Bern liegt der Sensebezirk, der einzige rein deutschsprachige Bezirk im Kanton Freiburg, bestehend aus 15 eher ländlich geprägten Gemeinden. Diese haben in den letzten Jahren als Antwort auf die steigenden Anforderungen und die zunehmende Komplexität einen Mehrzweckverband gegründet. Dieser übernimmt jene Aufgaben, die die Gemeinden von Gesetzes wegen sowieso gemeinsam angehen müssen: die Feuerwehr, das Gesundheitswesen, den Tourismus, die Raum- und Mobilitätsplanung sowie den Betrieb der Orientierungsschulen (Sekundarstufe I). «Der Mehrzweckverband ist keine weitere Staatsebene, sondern gehört den Gemeinden», sagt Co-Geschäftsführer David Köstinger. «Wir übernehmen nur Aufgaben, die uns von Gemeinden übertragen werden, und werden nicht selbst aktiv», ergänzt der zweite Co-Geschäftsführer Simon Ruch. «Der Mehrzweckverband ist keine weitere Staatsebene, sondern gehört den Gemeinden.» David Köstinger, Co-Geschäftsführer Mehrzweckverband Sensebezirk Weshalb aber diese «Superorganisation» eines Mehrzweckverbandes? «Es ging erstens darum, die Anzahl Mandate für die Milizgemeinderäte zu verringern», sagt David Köstinger. Denn zuvor bestanden für die gemeinsam zu bewältigenden Aufgaben diverse verschiedene Gemeindeverbände, was zahlreiche Sitzungen und Delegiertenversammlungen nach sich zog. Ein zweiter Grund: die Professionalisierung. Mit einer Organisation können Synergien genutzt und Themen wie gerade die Raumplanung mit eigenen Fachpersonen professioneller angegangen werden. Und drittens gibt der Kanton Freiburg in zahlreichen Bereichen eine Regionalisierung vor: Die Gemeinden müssen also von Gesetzes wegen zusammenarbeiten. Wobei David Köstinger bemerkt: «Der Begriff ‹Region› ist nicht immer gesetzlich definiert, und wie die Gemeinden die Regionalisierung angehen, ist ihnen überlassen. Das führt dazu, dass wir in den verschiedenen Bezirken sehr unterschiedliche Lösungen haben.» Um Kostenersparnisse geht es hingegen nicht. «Wir können zwar Synergien nutzen wie gemeinsame Büros, aber das fällt kaum ins Gewicht», sagt David Köstinger. Die grossen Kostentreiber seien der Bereich Bildung – die Löhne für Lehrpersonen in der OS sind kantonal vorgegeben – sowie die Kosten im Zusammenhang mit der Alterung der Bevölkerung. Daran lasse sich kaum etwas ändern. «Ohne die Zusammenarbeit im Verband wäre es für die Gemeinden noch teurer», gibt Simon Ruch zu Bedenken. Kosten, die gar nicht erst entstehen, seien aber schwieriger zu vermitteln als Einsparungen. In der Kommunikation sehen die beiden Geschäftsführer drei Jahre nach der Gründung des Verbands denn auch die hauptsächlichen Herausforderungen. «Der Erfolg unserer Arbeit misst sich an dem, was nicht passiert», sagt Simon Ruch. Er nimmt den regionalen Richtplan als Beispiel: «Ist dieser sauber aufgegleist, kommt es später zu keinen Problemen in den Ortsplanungen – das merken wir aber erst in zehn Jahren.» Sichtbarer ist die Arbeit im Bereich Mobilität, wie David Köstinger ausführt: «In den letzten drei Jahren haben wir uns intensiv mit den Gemeinden, dem Kanton und den Transportdienstleistern ausgetauscht. Dadurch konnten wir die ÖV-Verbindungen im Bezirk auf den nächsten Fahrplanwechsel hin massiv verbessern.» Dennoch: Mit der Identifikation der Gemeinden mit dem Mehrzweckverband hapert es noch. «Die Gemeinden sprechen von uns wie von einer zusätzlichen Staatsebene, dabei arbeiten wir für die Gemeinden», sagt Köstinger. Zudem erregen die «gebundenen Ausgaben», die nun für den einen Verband grösser ausfallen, regelmässig Kritik. «Die Kosten würden für die Gemeinden aber auch ohne den Verband anfallen, denn sie müssten auch so die Feuerwehr oder Gesundheitskosten finanzieren», gibt Simon Ruch zu bedenken. «Ohne die Zusammenarbeit im Verband wäre es für die Gemeinden noch teurer.» Simon Ruch, Co-Geschäftsführer Mehrzweckverband Sensebezirk Der Verband versucht nun, gezielter zu kommunizieren, und hat zum Beginn der neuen Legislatur im Juni 2026 kurze Erklärvideos produzieren lassen, die die Rolle des Verbands erläutern. Zudem sind die Prozesse bewusst transparent gestaltet. «Insbesondere unser mehrstufiger Budgetprozess mit dem Einbezug aller Gemeinden ist sehr aufwendig, wir erhalten darauf aber positive Rückmeldungen», sagt David Köstinger. Auch das Argument des Demokratieverlusts lassen die beiden nicht gelten: So ist das Instrument einer bezirksweiten Initiative vorgesehen. Dieses wurde bereits einmal genutzt, und so haben die Sensler Wahlberechtigten im Juni über ein neues Freizeitbad abgestimmt. Nadja Sutter

Christian Jott Jenny: «Vermutlich hat mich der Wahnsinn geküsst …»

Ich wurde am 7. Oktober 2018 um 11.38 Uhr im zweiten Wahlgang zum Gemeindepräsidenten gewählt. Vermutlich hat mich der Wahnsinn geküsst … Nein, im Ernst: Der Wunsch nach Veränderungen hier oben war im Volk deutlich spürbar. Es wollten sich aber keine echten Eingeborenen zur Wahl stellen – also musste ein fremder «Fötzel» her. Dieser war ich. Aber so fremd war ich ja gar nicht … Ich habe vor über 20 Jahren das «Festival da Jazz» gegründet und aufgebaut. Unterdessen gilt das Festival als grösster Sommerevent in Graubünden. Es bespielt das Engadin in einer Zeit, die damals noch nicht so als «Hochsaison» klang. Dies gab mir das nötige Vertrauen im Volk – und umgekehrt. Sie wussten, dass ich ein Macher bin. Es war etwa gleich schlimm für mich wie die vier Jahre bis zur Matura, notabene mit ähnlichen Figuren im «Lehrerzimmer»: diejenigen die einem gutgesinnt und stets da waren, und die anderen, die einen immer rausschmeissen wollten. Glücklicherweise hat sich das mit der zweiten Amtsperiode deutlich verbessert. Konkret: Die Widersacher im Kabinett wurden vom Volk abgewählt. Dass letztendlich trotzdem alles etwas anders ist, als man es sich so vorstellt. Glücklicherweise weiss man nicht, was auf einen zukommt. Sonst würde sich wohl niemand mehr für so eine Aufgabe zur Verfügung stellen! Mit Ideen und Visionen! Aber der Dorfarzt hat mir bald einmal gesagt, dass man mit Visionen lieber einen Psychiater aufsuchen sollte. Spass beiseite! Ich lernte bald: Wenn man nicht fähig ist, seine Ideen und Visionen in anständige Anträge zu verwandeln, ist man in der Realpolitik schnell einmal verloren. Das ständige Misstrauen gegenüber mir als «fremdem Fötzel» – was ja irgendwie auch logisch war – , interne Machtkämpfe und die diversen, andersartigen Erwartungen an das Amt und an mich. Es war die allerbeste und schönste zweite Ausbildung in meinem Leben. Näher kommt man wohl nicht an die Menschen in all ihren Facetten ran. Ich bin enorm dankbar und demütig, dass das Volk mir für acht Jahre diese Möglichkeit gegeben hat. Es war mir eine Ehre, dieser Gemeinde dienen zu dürfen. «Ich bin enorm dankbar und demütig, dass das Volk mir für acht Jahre diese Möglichkeit gegeben hat.» Christian Jott Jenny, abtretender Gemeindepräsident von St. Moritz (GR) Das kann und konnte ich schon immer. Man muss sich im Moment einfach fokussieren können. Als «Super-ADHSler» kann ich das sehr gut (lacht). Eine gute Stimmung in die Gemeinde zu bringen, eine Stimmung im Sinne von: «Ja, wir können das!» Ich wollte für Aufbruchstimmung sorgen. Wichtig war mir auch, zuzuhören – den einfachen Bürgerinnen und Bürgern mit ihren Sorgen, aber auch dem Multimilliardär. Und dann vermittelte ich zwischen den Fronten. Hier ging es mir darum, Verständnis zwischen den beiden Polen St. Moritz als einfaches Dorf und dem Welt-Brand St. Moritz herzustellen. Wir haben Dreiviertel der grossen Abstimmungen durchgebracht und gewonnen. Aber vor allem spricht man heute in der Schweiz wieder mit einem Lächeln über unsere Gemeinde. Vielleicht konnte ich St. Moritz ein etwas selbstironisches «Ich» zurückgeben. Das würde mich sehr freuen. Sie steht finanziell und auch imagetechnisch so gut wie selten da. Ich werde täglich danach gefragt: Was machen Sie ab dem 1. Januar 2027? Die Antwort lautet jeweils: «Dasselbe wie bis anhin auf dem Amt: nichts!» Fabrice Müller

Vier Fragen zu Burgdorf, Kanton Bern

«Trotz seiner Nähe zu Bern hat Burgdorf seine ganz eigene DNA.» Stefan Berger, Stadtpräsident Burgdorf (BE) Stefan Berger ist seit 2017 Stadtpräsident von Burgdorf (BE) im Vollamt. Von Amtes wegen sitzt der SP-Politiker in der Geschäftsleitung der Regionalkonferenz Emmental und präsidiert dort den Agglomerationsausschuss sowie die Kulturkommission. Der studierte Chemiker hat mehrere Start-ups im Bereich Chemie und Biotechnologie gegründet. Als nächste Gemeinde hat er Glarus ausgewählt.

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