Wie Spiez und Vordemwald Freiwilligenarbeit fördern
Die Freiwilligenarbeit hat in der Schweiz eine lange Tradition und ist die Grundlage für die Existenz zahlreicher Vereine und Organisationen. Ohne den Einsatz von engagierten Menschen wären viele Projekte und Angebote nicht möglich. Die UNO hat 2026 zum internationalen Jahr der Freiwilligen erklärt und würdigt somit das Engagement von Millionen Menschen, die sich unentgeltlich für das Gemeinwohl einsetzen, auch in der Schweiz: Fast 40 Prozent der Bevölkerung engagierten sich im Jahr 2024 auf freiwilliger Basis. Freiwilligenarbeit prägt auch das Zusammenleben in Gemeinden: Sie fördert die Wohn- und Lebensqualität, stärkt die politische Beteiligung, baut Brücken zwischen den Generationen und unterstützt die Integration von Neuzuzügerinnen und Neuzuzügern. Das freiwillige Engagement der Bevölkerung braucht aber die Unterstützung und Anerkennung durch die öffentliche Hand, damit es erhalten bleibt. Diese Erfahrung macht auch Michèle Métrailler, Leiterin der Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit in der Gemeinde Spiez (BE): «Das Vereinsleben in Spiez ist sehr aktiv und ein wichtiger Identitätsfaktor. Die Gemeinde ist sich aber bewusst, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich so viele Einwohnerinnen und Einwohner engagieren.» Deswegen stellt die Gemeinde seit 15 Jahren Ressourcen für die Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit zur Verfügung. «Die Gemeinde ist sich bewusst, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich so viele Einwohnerinnen und Einwohner engagieren.» Michèle Métrailler, Leiterin Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit, Spiez (BE) Michèle Métrailler unterstützt Vereine und Organisationen, genauso wie Privatpersonen, die spontan Hilfe benötigen. Sie rekrutiert und vermittelt Freiwillige, stellt Informationen zu möglichen Freiwilligeneinsätzen in Spiez zusammen, präsentiert diese am Neuzuzügeranlass – und porträtiert jeden Monat eine freiwillig engagierte Person im Gemeindemagazin. «Diese Artikel ermöglichen es uns, verschiedene Freiwillige und ihre Einsatzbereiche vorzustellen und weitere Personen für ein Engagement zu motivieren. Gleichzeitig sollen die Porträts auch unsere Anerkennung und unseren Dank zum Ausdruck bringen.» Um der Bevölkerung für ihren Einsatz zu danken, veranstaltet der Gemeinderat zudem jedes Jahr eine grosse Feier, zu der alle Freiwilligen eingeladen sind. Dieser Anlass findet jeweils rund um den 5. Dezember statt, den internationalen Tag der Freiwilligen, und stösst gemäss Métrailler auf grosses Interesse. Auch der aargauischen Gemeinde Vordemwald ist es ein Anliegen, die Freiwilligenarbeit im Dorf zu würdigen. Deswegen verleiht sie seit über 20 Jahren den sogenannten Gemeinschaftsförderungspreis. «Damit sollen die stillen Alltagsheldinnen und -helden geehrt werden, die sich für das Gemeinwohl in unserem Dorf stark engagieren oder engagiert haben», sagt Gemeindeammann Karin Berglas. Der Preis wurde in der Vergangenheit beispielsweise an Freiwillige verliehen, die sich um ukrainische Flüchtlinge kümmerten; an Einwohnerinnen und Einwohner, die nach dem Hochwasser im Jahr 2021 unermüdlich im Einsatz standen, oder an Personen, die mithalfen, den alten Friedhof in einen kleinen Naturpark zu verwandeln. Jedes Jahr an der 1.-August-Feier warten die Gäste gespannt auf die Bekanntgabe der Preisträgerin oder des Preisträgers. Wer es ist, ist ein gut behütetes Geheimnis. Die Geehrten seien in der Regel überwältigt und oft auch gerührt, erzählt Berglas. «Es kommt vor, dass die ausgezeichneten Personen etwas verlegen werden, denn mit dem Preis rechnen sie in aller Regel nicht und möchten oft auch gar nicht zu viel Publicity.» Wann immer es geht, nimmt Karin Berglas an den Generalversammlungen der Vereine teil – und ist beeindruckt davon, was die Vereine für die verschiedenen Anspruchsgruppen im Dorf leisten. «Der Zusammenhalt, der in den Vereinen gelebt wird, ist gewaltig.» Deswegen sei der Gemeinderat darum bemüht, die Vereine auch in Zukunft zu unterstützen, beispielsweise indem er Infrastruktur bereitstelle und unterhalte und ein offenes Ohr für die Anliegen der verschiedenen Organisationen habe. Karin Berglas betont: «Freiwilligenarbeit ist seit jeher das Rückgrat der Schweizerischen Milizgesellschaft. Unser Wohlstand wäre gar nicht möglich ohne dieses Engagement. Ich bin überzeugt, dass insbesondere die demografische Veränderung unsere Gesellschaft hinsichtlich Solidarität und Gemeinsinn noch sehr stark fordern wird. Freiwilligenarbeit kann nicht genug gewürdigt werden: nicht nur die Arbeit an sich, sondern auch das damit zusammenhängende soziale Miteinander und die gelebte Solidarität.» «Freiwilligenarbeit ist seit jeher das Rückgrat der Schweizerischen Milizgesellschaft.» Karin Berglas, Gemeindeammann Vordemwald (AG) Karin Freiermuth