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Zwei Familien, die sich gefunden haben

Anna Meier* hat gerade verschiedene Packungen mit Getreide aus der Küche geholt: Haferkleie, Buchweizen und Dinkel. Gemeinsam mit Nina* versucht sie, das deutsche Wort für ein ukrainisches Getreidegericht herauszufinden. Es gelingt ihnen nicht restlos – aber man sieht beiden an, dass ihnen das Fachsimpeln über die Sprache Freude macht. Sie sprechen Französisch miteinander, eine Sprache, die die Familie Meier* gut beherrscht und Nina* an der Universität studiert hat. Die Ukrainerin wohnt mit ihrem Mann Igor* und den beiden Kindern seit Anfang März im obersten Stock des Hauses der Meiers* in Hagendorn (ZG). Ihren Nachnamen möchten die Geflüchteten lieber nicht in der «Schweizer Gemeinde» lesen. Aber sie erzählen von ihrer Reise in die Schweiz und dem Zusammenleben mit der Gastfamilie. Dass Nina* und Igor* in Hagendorn gelandet sind, ist reiner Zufall. Als Russland die Ukraine angriff, weilte Igor* für seine Arbeit im Ausland. Nina* und die Kinder reisten bald aus dem ostukrainischen Charkiw zu ihm, und über Umwege gelangten sie nach Norditalien zu Verwandten. Dort konnten sie jedoch nicht bleiben. Sie meldeten sich im nahe gelegenen Chiasso im Bundesasylzentrum an. Danach ging alles schnell. Nur gerade drei Tage war die Familie im Zentrum in Chiasso, bis sie an die Gastfamilie vermittelt worden war und zu ihr zog. Den Schutzstatus S erhielt sie innerhalb weniger Tage; die Kinder konnten bereits nach weniger als einer Woche im Kanton Zug zur Schule gehen. «Am Freitagmorgen haben wir das Formular in der Schule abgegeben, am Dienstag konnten die Kinder zur Schule gehen», erinnert sich Anna Meier*. Mittlerweile haben Nina* und Igor* Arbeit gefunden, über Freunde der Meiers*. Sie betreuen geflüchtete ukrainische Kinder mit Beeinträchtigungen an einer Schule in der Nähe. Nina* hat bereits in der Ukraine als Lehrerin für Kinder mit Beeinträchtigungen gearbeitet. «Ich bin sehr froh, dass wir arbeiten können», sagt sie. Für die Familie Meier* war rasch klar, dass sie sich als Gastfamilie zur Verfügung stellen möchte. «Der Krieg hat uns sehr bewegt», erzählt Anna Meier*. «Wir haben uns gesagt: Warum nicht, wir haben den Platz, um Geflüchtete aufzunehmen.» Die Meiers* haben zuvor bereits im Ausland gelebt, haben Erfahrungen mit WGs und gern Leute um sich. Die Familie registrierte sich bei Campax, einer Organisation, die mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe zusammenarbeitet. Rund drei Wochen dauerte es, bis der Bescheid kam, dass eine passende Familie gefunden wurde. «Diese Zeit war gut, so konnten wir uns vorbereiten», sagt Anna Meier*. «Unsere Tochter hat mir gerade heute gesagt, dass sie es cool findet, andere Leute zu Hause zu haben», sagt Peter Meier*. Es passt auch, weil die Kinder von Nina* und Igor* im selben Alter sind wie die Kinder der Meiers* – während des Besuchs der «Schweizer Gemeinde» bemalen die beiden Töchter zusammen Vasen. Und auch die Eltern verstehen sich gut. «Nach dem ersten Abend habe ich zu meinem Mann gesagt: Das ist eine Familie genau wie wir, nur dass sie in Charkiw gelebt hat und wir hier. Es ist wirklich ein Glücksfall.» Ein Glücksfall war für die beiden Familien auch der Kontakt mit den Behörden. «Es ging alles sehr schnell und war relativ unkompliziert», sagt Anna Meier*. Die Familien erhielten nach wenigen Tagen Besuch von der Caritas Luzern, die im Kanton Zug Gastfamilien betreut. «In unserem Fall gibt es keine Probleme, aber es ist sicher gut, eine Ansprechperson ausserhalb der Familie zu haben, falls es zu Unstimmigkeiten kommen sollte.» Jetzt ergeben sich für die Familien aber neue Fragen. Wie ist es zum Beispiel mit den Versicherungen, jetzt wo Nina* und Igor* Arbeit gefunden haben? «Die Gemeinde Cham hat uns eben gerade eine konkrete Ansprechperson zugeteilt, und wir hoffen, dass sie uns dabei unterstützen kann», sagt Anna Meier*. Die beiden Familien schlossen im Vorfeld einen Vertrag zum Zusammenleben ab. Zu Konflikten kam es bisher aber kaum. «Wir sind Erwachsene und können miteinander sprechen», sagt Nina*. Anna Meier* fügt hinzu: «Wir lassen einander auch einfach machen.» Das sei wichtig, denn die Gewohnheiten sind teils doch anders. Gerade beim Essen, wie Nina* mit einem Lachen sagt. Die Ukrainerinnen und Ukrainer haben nicht viel für Schweizer Birchermüesli und Konfibrot zum Frühstück übrig. Bei ihnen isst man salzig am Morgen: zum Beispiel Reis oder Spaghetti. Anna Meier* hat angefangen, Ukrainisch zu lernen, um besser mit der Familie kommunizieren zu können. Bis sie nach einigen Wochen gemerkt hat: Nina* und Igor* sprechen gar nicht Ukrainisch, sondern Russisch miteinander. So wie viele Ukrainerinnen und Ukrainer aus dem Osten des Landes. Beide sprechen aber ebenfalls Ukrainisch – und Anna Meier* verfolgt ihre Sprachstudien vorerst weiter. Trotz der guten Zeit, welche die Familien miteinander verbringen: Nina* und Igor* möchten so bald wie möglich wieder nach Hause. «Wir haben eine Katze und einen Hund, aber die mussten wir bei meinen Eltern lassen, es wäre sonst zu kompliziert geworden», sagt Nina*. Und sie erinnert sich daran, dass sie noch zwei Christbäume in der Wohnung stehen hat. Sie lässt sie immer gerne lange stehen und wollte mit deren Entsorgung warten, bis Igor* aus dem Ausland zurückgekehrt war. Doch dann brach der Krieg aus. «Ich weiss wirklich nicht, in welchem Zustand wir unsere Wohnung antreffen werden, wenn wir zurückkommen», sagt sie. Nina* hält auch an ihrem Psychologiestudium fest. Wegen der Covid-Pandemie hat sie dieses bereits online begonnen und kann nun von der Schweiz aus damit weiterfahren. Die Professoren sind noch immer in Charkiw. «Manchmal höre ich bei einer Vorlesung Explosionen im Hintergrund», sagt sie. «Die Professoren sagen uns, wir sollen dranbleiben, wenn die Internetverbindung unterbricht. Sie haben ein Notfall-Wifi eingerichtet.» Sie fügt an: «Unsere Professoren sind die wahren Helden.» Sie ist überzeugt: Mit dem Krieg gibt es in der Ukraine einen grossen Bedarf an Psychologinnen und Psychologen. «Wir haben Projekte für die Zukunft. Aber momentan nehmen wir jeden Tag so, wie er kommt. Wir müssen uns immer wieder neu anpassen.» *Die Namen wurden auf Wunsch der Beteiligten nach der Veröffentlichung des Artikels anonymisiert. (17.12.2024) Nadja Sutter

Virtueller Gemeinderat Remo hilft bei der Planung der Alterspolitik

Remo, unser virtueller Helfer, ist der durchschnittlichste Gemeinderat der Schweiz. In seiner 3000-Seelen-Gemeinde ist er unter anderem für die Alterspolitik zuständig. Es freut ihn, Behördenmitglieder und Gemeindemitarbeitende durch seine Gemeinde und seine Überlegungen zur strategischen Planung der Alterspolitik zu führen. Und dies zu jeder Tages- oder Nachtzeit und unabhängig vom Wochentag und vom Monat. Remo tut dies im digitalen Bildungsmodul «Strategische Altersplanung», das die Fachstelle Alter und Familie des Kantons Aargau in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gemeindeverband, der Fachhochschule OST und der Stiftung Vita entwickelt hat. Im Kanton Aargau sind die 200 Gemeinden für die Umsetzung der Alterspolitik zuständig. Die Pflegepolitik und die Langzeitversorgung sind auf kantonaler Ebene gesetzlich geregelt. Die Gemeinden haben somit eine Richtschnur, wie sie im Bereich der ambulanten und stationären Pflege in Anbetracht der demografischen Alterung planen können. Der Bereich der Seniorenpolitik liegt hingegen vollständig im Gestaltungsspielraum der Gemeinden. Im Jahr 2021 wurden die Gemeinden im Kanton Aargau zu ihrer Alterspolitik befragt. Die Umfrage mit einer Rücklaufquote von 78 Prozent der Gemeinden ergibt ein gutes Bild der Aktivitäten der Aargauer Gemeinden. 65 Prozent der Gemeinden geben an, eine aktive Alterspolitik zu betreiben, und die meisten engagieren sich bereits heute in mehreren Bereichen. Die grössten Herausforderungen für die zukünftige Alterspolitik identifizieren die Aargauer Gemeinden bei den Themen Information, gesellschaftliches Leben sowie Wohnen im Alter. Diese Themen und die Frage, welche Möglichkeiten eine Gemeinde diesbezüglich überhaupt hat, stellen viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte vor grosse Herausforderungen. Aus diesem Grund hat der Kanton Aargau die Fachstelle Alter und Familie ins Leben gerufen. Die Aufgabe der Fachstelle ist es, die Gemeinden fachlich zu unterstützen und zu vernetzen. Auf der Website der Fachstelle werden sämtliche Hilfsinstrumente, Anleitungen, Broschüren und Veranstaltungen publiziert und sind jederzeit abrufbar. Mithilfe des zu Beginn jeder Legislatur versendeten Starterpakets «Willkommen in der Alterspolitik» erhalten die zuständigen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte einen Einblick in die demografische Alterung ihrer Gemeinde und einen Überblick über die Instrumente, die ihnen zur Verfügung stehen. Die Fachstelle arbeitet nach dem Motto «Nicht jede Gemeinde muss das Rad neu erfinden» und bemüht sich, für die Gemeinden ein tragfähiges Netzwerk zu pflegen. Dies mit dem Ziel, die Kraft, die Energie und das Wissen, die in 200 Gemeinden in die Alterspolitik investiert werden, zu bündeln und den Austausch zum Wohl der älteren Bevölkerung so zu gestalten, dass die Gemeinden voneinander lernen können. Eine Herausforderung, die viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte beschreiben, ist es, sich in neue Themen einzuarbeiten. Die Schwierigkeit kommt nicht nur von der fehlenden Zeit, sondern auch davon, dass wenig Informationen gesammelt zu finden sind. Oft muss sich jede Person in einer Gemeinde die Informationen selbst zusammensuchen und analysieren. Dies war die Motivation, in einem neuen, kurzweiligen und interaktiven Format die grundlegenden Informationen zu zwei Themenfeldern zu sammeln: «Wohnen im Alter» und «Strategische Altersplanung». Im Online-Modul «Wohnen im Alter» wird von einem älteren Paar durch die Fragestellungen und Themen rund um das Thema Wohnen im Alter geführt. Insbesondere werden die verschiedenen Wohnformen aufgezeigt, und es wird besprochen, welche Rolle die Gemeinde in der Thematik einnehmen kann. Die Informationen werden erzählt, können gelesen und spielerisch getestet werden. Auch viele zusätzliche Informationen können abgerufen werden, wenn ein Thema für die eigene Gemeinde von speziellem Interesse ist. Im Online-Modul «Strategische Altersplanung» führt Remo, der virtuelle Gemeinderat, durch das Modul. In diesem Modul richtet sich der Fokus auf die Rollen der Gemeinden im alterspolitischen Bereich und auf die verschiedenen Instrumente (Vernetzung, Bedarfsanalyse, Informationsmittel), welche die Gemeinde nutzen kann. Die Module erlauben es, in 20 Minuten eine ausreichende Informationsbasis zu erhalten, um sich weiter in die Themen einarbeiten zu können, falls diese für die eigene Gemeinde relevant sind. Die Gemeinden sind im Kanton Aargau die Gestalterinnen der zukünftigen Alterspolitik. Die kommunale Autonomie erlaubt es, die Ausgestaltung in jeder Gemeinde genau auf den Bedarf der Bevölkerung abzustimmen. Zentral ist dabei, dass nicht jede Gemeinde alles selbst entwickeln und aufarbeiten muss. Deshalb nutzt der Kanton Instrumente wie die digitalen Module als Erstinformation für Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. In Beratungen, Vernetzungsveranstaltungen und mithilfe von dokumentierten Praxisbeispielen können die Gemeinden aufbauend eine für sie passende Alterspolitik entwickeln und von anderen lernen. Informationen: www.ag.ch/wohnenimalter www.ag.ch/willkommenalterspolitik Christina Zweifel

Thunerinnen und Thuner hören sich die Sorgen von Mitmenschen an

«Angefangen hat eigentlich alles bei mir zu Hause auf dem Sofa. Immer wieder haben mir Freunde und Bekannte, die zu Besuch waren, erzählt, was sie gerade so beschäftigt, und ihren Kropf bei mir geleert. Mit der Zeit begann ich, mich zu fragen: Weshalb ist das so? Offenbar konnte ich etwas ganz gut, nämlich zuhören. Da kam mir zum ersten Mal die Idee, dass ich das Zuhören nach draussen verlegen könnte – auf eine Bank, irgendwo in der Stadt. Meine erste ‹Bänklisitzung› fand in Thun an der Aare in der Nähe des Schwäbisbads statt. Also ziemlich im Zentrum. Ich hatte eine ganze Liste mit Notfallnummern, etwa der Suchtberatung, dabei, da ich keine Ahnung hatte, was mich erwarten würde. An der Bank befestigte ich ein Schild mit folgendem Hinweis: Möchtest Du etwas erzählen? Ich höre Dir zu! So einfach das alles tönt: Es braucht Mut, sich mit diesem Schild auf eine Bank zu setzen und abzuwarten, was passiert – oder nicht passiert. Bei meiner ersten Aktion blieb es denn auch sehr ruhig, doch kurz bevor ich diese abbrechen wollte, setzte sich eine Frau zu mir. Sie war an diesem Tag von Basel nach Thun gereist, um herauszufinden, ob sie wieder in die Stadt ziehen wollte, in der sie schon einmal gelebt hatte. Von dem Moment an war mir klar: Ich will weitermachen! Seit dieser Begegnung sind ein paar Jahre vergangen, und mittlerweile hat sich das ‹Zuhörbänkli› in Thun etabliert. Ich bin nun nicht mehr der einzige Zuhörer. Wir sind ein ganzes Team, das, verteilt über die Woche, den Menschen zuhört. Das Projekt wird jetzt vom Verein Generationentandem und mir gemeinsam geführt. Wir Zuhörerinnen und Zuhörer engagieren uns freiwillig. Einen therapeutischen Anspruch haben wir nicht. Vielmehr geht es darum, Menschen, die etwas zu berichten haben, zuzuhören, ohne das Erzählte zu werten, ohne Ratschläge zu erteilen und ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Das tönt jetzt einfacher als es ist. Viele Menschen können sich heute nicht mehr zurücknehmen und sich vorurteilsfrei anhören, was jemand anderes zu sagen hat. Ich bin überzeugt, dass es auf unserer Erde anders aussehen könnte, wenn man sich besser zuhören, das Eigene mal hintanstellen würde. Mit jemandem in Kontakt zu sein, heisst heute für viele, eine ‹Gefällt mir›-Angabe auf einen Social-Media-Beitrag zu erhalten. Trotz Social Media sind viele Menschen einsam. Für sie bietet das ‹Zuhörbänkli› die Möglichkeit, endlich wieder mit jemandem reden zu können. Zu mir setzt sich beispielsweise oft und lange derselbe Mann. Andere Begegnungen sind kürzer. Alle diese Kontakte sind stets bereichernd. In Thun stehen bald zwei ‹Zuhörbänkli›. Eines befindet sich in der Bahnhofshalle, das andere soll dann hinter dem Rathaus zu stehen kommen. Das eine ‹Bänkli› war im vergangenen Jahr in Bern. Es gab viele engagierte Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Bank hat dann aber einem Plaudertisch Platz gemacht. Nun ist das ‹Bänkli› wieder zurück in Thun, wird aufgefrischt und ist dann bereit für neue Begegnungen.» Informationen: www.zuhörbänkli.ch https://www.generationentandem.ch Mireille Guggenbühler

Wohnen im Alter – innovativ mit Investoren

Gemäss Referenzszenario des Bundesamts für Statistik (BFS) wächst bis zum Jahr 2050 der Anteil der über 65-Jährigen von 18 auf 27 Prozent der Gesamtbevölkerung. In den meisten Gemeinden wird sich bis 2050 die heutige Zahl der 80-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner verdoppeln. Mehrere Hundert Gemeinden gehen gar auf eine Verdreifachung zu. Heutige Seniorinnen und Senioren sind im Vergleich zu früheren Generationen im dritten Lebensalter, das heisst mit circa 65 bis 79 Jahren, deutlich länger fit. Dennoch benötigen viele Menschen im vierten bzw. fragilen Lebensalter ab circa 80 Jahren Betreuung und Pflege. Dies findet idealerweise zu Hause, in der vertrauten Wohnung statt. Viele wohnen jedoch in nicht alterstauglichen Wohnungen oder zu grossen Einfamilienhäusern. Ein rechtzeitiger Umzug in ein neues Zuhause ist auch im Interesse einer Gemeinde. Einerseits wird dadurch Wohnraum für Steuern zahlende Familien frei, andererseits schonen ältere Menschen, die lange autonom und selbstständig in geeigneten Wohnungen leben, die Budgets der öffentlichen Hand. Eine aktuelle Studie des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) ortet bei unveränderter Versorgungspolitik bis 2040 rund 54 000 zusätzliche Betten in der Langzeitpflege und 900 zusätzliche Pflegeheime. Damit wächst der Druck auf die Gemeinden, Altersleitbilder mit Strategien zum Leben zu Hause (Aging in Place) kraftvoll umzusetzen. Will ein Gemeinwesen nachhaltig Einfluss nehmen, ist die Zusammenarbeit der Ressorts Planung/Bau sowie Gesundheit/Soziales unabdingbar. Die Beantwortung von Fragen zur Befriedigung künftiger Bedürfnisse in Betreuung und Pflege ist nur sinnvoll, wenn gleichzeitig eine Analyse der demografischen Entwicklung und Abschätzung der bereitzustellenden Räume stattfindet. So ist evaluierbar, in welcher Form ein langes Leben zu Hause überhaupt möglich ist und welche Rolle Wohnraumanbieter einnehmen müssen. Gemeindeverantwortliche erkennen so zum Beispiel, ob der investitionswillige Betreiber von Alterswohnungen mit Concierge-Konzept inklusive Notrufangebot ein geeigneter Partner ist oder ob darüber hinaus weiter gehende Angebote für fragile Menschen mit spezifischen Bedürfnissen in Palliative Care nötig sind. Oft treten Investoren von sich aus an Gemeinden heran und suchen eine Zusammenarbeit. Eine gute Ausgangslage ist, wenn beispielsweise eine Pensionskasse im Vorfeld einer Totalsanierung einer Siedlung den Kontakt zum in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Alterszentrum sucht und erfährt, dass aus Platznot das Anmieten von externen Räumen eine Option ist. Im konkreten Fall, einer Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft, steht gar die Frage im Raum, ob eine komplette Übernahme aller Mietwohnungen der Siedlung sowie die Einrichtung einer dringend benötigten Tagesstätte durch das Alterszentrum möglich ist. So fliessen betriebliche Bedürfnisse rechtzeitig in die Produktdefinition ein, und eine Machbarkeitsstudie zeigt die Realisierungsmöglichkeiten auf. Offenheit und Gesprächsbereitschaft bilden die Grundlage für langfristige und innovative Kooperationskonzepte. Wie weit die Zusammenarbeit einer Gemeinde mit Investoren gehen kann, zeigt der bereits 2011 gefällte Entscheid des Stadtrats Kriens (LU), gänzlich auf den Bau zusätzlicher Heime zu verzichten. Neue Wohn-, Betreuungs- und Pflegeangebote werden stattdessen im Wohnquartier integriert sein. In einer Investorenausschreibung der Stadt Kriens obsiegte das Projekt der eigens dafür gegründeten Genossenschaft «Wohnen im Alter in Kriens» (GWAK). Diese entwickelte gemeinsam mit Spitex Kriens und der Heime Kriens AG, einer 100-Prozent-Tochter der Stadt, den Wohnkomplex «Lindenpark». Drei Pflegewohngruppen für 21 Personen und 32 Alterswohnungen mit Dienstleistungen integrieren sich ins Quartier, ergänzt durch ein öffentliches Bistro, Gemeinschaftsräume und zahlreiche weitere Angebote. «Dank den im Gebäude ansässigen Dienstleistern, zum Beispiel der Spitex und der Heime Kriens AG, können die Bewohnenden darüber hinaus bedarfsgerecht auf zusätzliche Angebote zurückgreifen», sagt Adrian Achermann, Vorstandsmitglied der GWAK. Ein mutiger Entscheid, vorausschauende Planung, Einbindung geeigneter Partner aus Gesundheit und Immobilien waren ausschlaggebend für die erfolgreiche Realisierung. Heute ist der Lindenpark, der im neu gestalteten Krienser Zentrum in Gehdistanz zu öV und Einkaufsinfrastruktur liegt, voll vermietet. Schweizweit liessen sich gemäss Obsan rund zwei Milliarden Franken einsparen, würde der Eintritt in ein Pflegeheim ein Jahr später stattfinden. Knappe Finanzen, demografische Veränderungen und Kooperationschancen mit Investoren veranlassen immer mehr Gemeinden, Strategien zu entwickeln und Entscheide zur Sicherung von gutem Wohnraum für die ältere Bevölkerung zu fällen. David Fässler

Berner Gemeinden packen Gewaltprävention gemeinsam an

Einem jungen Mann wird wegen seiner dunklen Hautfarbe der Einlass in eine Disco verweigert. Eine Familie erhält eine Wohnung nicht, weil sie aus dem Ausland stammt. Eine Jugendgruppe trifft sich regelmässig auf einem öffentlichen Platz, es kommt zu einem Nutzungskonflikt mit verärgerten Anwohnenden. Eine Frau wird von einem Nachbarn rassistisch beschimpft. Das sind alles fiktive Beispiele, die aber so oder ähnlich bei der Beratungs- und Informationsstelle gggfon landen könnten. Die Abkürzung steht für «Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus», «fon» verweist auf die Hotline, als die das gggfon bei seiner Gründung im Jahr 2000 ursprünglich angedacht war. Heute spielen Telefonnummer und Mailadresse für die Meldung rassistischer Vorfälle oder von Konflikten im öffentlichen Raum noch immer eine wichtige Rolle. Hinzu kommen eine umfassende Beratung, Sensibilisierungsarbeit, Workshops, Kurse, die Moderation von runden Tischen für Behörden, Vereine und Schulen, Mediationen und weitere Angebote. Rund 40 Gemeinden aus dem Grossraum Bern, Burgdorf und Biel tragen das Projekt gemeinsam und können kostenlos und niederschwellig von den Beratungsdienstleistungen Gebrauch machen, wie Giorgio Andreoli erklärt, Leiter der Fachstelle und seit der Gründung mit dabei. Das gggfon geht auf eine Initiative aus Münchenbuchsee zurück. Es war im Frühling des Jahres 2000, als in der Berner Gemeinde eine Naziskin-Gruppe mehrere Übergriffe auf Menschen mit Migrationshintergrund verübte. Andere Jugendgruppen trafen sich auf dem Bahnhofplatz, was zu Nutzungskonflikten mit Anwohnenden führte. «Die Stimmung war angespannt», beschreibt Giorgio Andreoli die Situation. Und nicht nur in Münchenbuchsee: Am 1. August störten Rechtsextreme die Bundesfeier auf dem Rütli, im Nationalrat gab es einen Vorstoss zum Thema Rechtsextremismus und Rassismus. Die Gemeinde Münchenbuchsee fragte Giorgio Andreoli an, ein Konzept zu entwickeln. So entstand die Idee der Hotline gggfon. «Wir wollten möglichst nahe an der Bevölkerung sein und ein möglichst einfaches Angebot auf die Beine stellen.» Ziel sei es nicht nur gewesen, dass Betroffene Vorfälle melden konnten, sondern auch in der Bevölkerung Zivilcourage aufzubauen. Die Meldungen beim gggfon erlaubten es, auf mehrere Vorfälle zu reagieren und Verbesserungen zu erzielen. «Wir wollten möglichst nahe an der Bevölkerung sein und ein möglichst einfaches Angebot auf die Beine stellen.» Giorgio Andreoli, Leiter gggfon «Wir haben aber bald gemerkt, dass die Problematik an den Gemeindegrenzen nicht haltmacht», erzählt Giorgio Andreoli. Bald gingen Meldungen aus anderen Gemeinden beim gggfon ein. 2002 wurde das gggfon deshalb regionalisiert. 25 der 26 Mitgliedergemeinden des damaligen Vereins Region Bern, der heutigen Regionalkonferenz Bern Mittelland, schlossen sich an. Als 2015 das neue Integrationsgesetz des Kantons Bern in Kraft trat, erhielt das gggfon einen kantonalen Auftrag mittels einer Leistungsvereinbarung zur Beratung von Privatpersonen. Heute funktioniert die Trägerschaft der 40 Mitgliedergemeinden losgelöst von der Regionalkonferenz Bern Mittelland. Die Projektleitung liegt beim Verein für soziale und kulturelle Arbeit Bern (Juko); Sitzgemeinde des gggfon ist Meikirch, die unter anderem das Sekretariat führt. Lela Gautschi Siegrist ist Vizegemeindepräsidentin von Meikirch und Vorsitzende der Begleitgruppe des gggfon. In der Begleitgruppe sitzen verschiedene Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter. «Das Bewusstsein und die Unterstützung der Politik für das gggfon sind sehr gross, und zwar in sämtlichen politischen Lagern», sagt sie. Die Gemeinden schliessen jeweils für vier Jahre eine Leistungsvereinbarung mit dem gggfon ab. «Alle vier Jahre verpflichten sich also rund 40 Gemeinden in der Region Bern bewusst, sich gegen Gewalt und Rassismus einzusetzen.» «Das Bewusstsein und die Unterstützung der Politik für das gggfon sind sehr gross, und zwar in sämtlichen politischen Lagern.» Lela Gautschi Siegrist, Vizegemeindepräsidentin Meikirch und Vorsitzende der Begleitgruppe gggfon Sie ist überzeugt, dass das gggfon bei der Sensibilisierung für Gewalt- und Rassismusproblematiken einen starken Beitrag leistet, bei den Behördenmitgliedern, in den Verwaltungen, aber auch in der Bevölkerung. «Das Angebot ist sehr niederschwellig.» Wenn es zum Beispiel an einer Schule ein Problem mit Mobbing gebe, so sei der Kontakt zum gggfon für eine Beratung rasch hergestellt. Auch Giorgio Andreoli schätzt die Rolle der Gemeinden für die Sensibilisierung sehr hoch ein. Der Kampf gegen den Rassismus sei ein Prozess, bei dem die ganze Bevölkerung miteinbezogen werden müsse und der Zeit brauche. «Es geht nicht nur um strukturelle Veränderungen. Es geht darum, dass sich im Kopf und in den Herzen der Menschen etwas ändert.» Die Themen, mit denen die Menschen an das gggfon gelangen, sind heute breit gelagert. Die Beratungs- und Informationsstelle pflegt enge Beziehungen zu Sozialdiensten, weiteren Institutionen und Fachstellen. «Im Bereich Gewalt gegen Frauen beispielsweise gibt es spezialisiertere Stellen als uns. Wenn wir Anfragen zu dem Thema erhalten, verweisen wir die Menschen weiter und versuchen, sie so weit zu begleiten, dass die Kontaktaufnahme dann auch tatsächlich stattfindet», sagt Giorgio Andreoli. Denn gerade bei Fällen häuslicher Gewalt brauche es für die Betroffenen viel Mut, um sich Hilfe zu holen. Jedes Jahr macht das gggfon eine Auswertung der Meldungen. Diese ermöglicht es, Tendenzen frühzeitig zu erkennen. «Wir beobachten zum Beispiel seit rund vier Jahren, dass der Rechtsextremismus wieder zunimmt», sagt Giorgio Andreoli. Das ginge aus Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern, Eltern und Schulen hervor. Dieses Monitoring erlaube es, frühzeitig zu reagieren und Projekte auf die Beine zu stellen. «Das gggfon ist mittlerweile etabliert. Die Leute wissen, wo sie sich melden müssen, und tun das auch», sagt Giorgio Andreoli. Das zeige sich unter anderem daran, dass im Kanton Bern mehr Vorfälle gemeldet werden als in anderen Kantonen. Informationen: www.gggfon.ch Nadja Sutter

Gute Betreuung im Alter für alle ist machbar

Der Handlungsbedarf in der Betreuung im Alter zeichnet sich immer deutlicher ab. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden im Jahr 2050 doppelt so viele über 80-Jährige in der Schweiz leben als heute. Jeder zehnte Einwohnende wird über 80 Jahre alt sein. Damit nimmt auch die Zahl jener stark zu, die eine psychosoziale Betreuung benötigen, um möglichst lange selbstständig ihren Alltag zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Schon heute ist der Bedarf an zusätzlicher Betreuung gross. Potenziell fehlt es mehr als 620’000 Menschen über 65 Jahren an Unterstützung. Dies belegt die von BSS Volkswirtschaftliche Beratung erarbeitete Studie «Gute Betreuung im Alter – Kosten und Finanzierung». Es fehlen 20 Millionen Betreuungsstunden. Dies entspricht einem Gegenwert von 0,8 bis 1,6 Milliarden Franken. Gute Betreuung lässt sich bedarfsgerecht für alle älteren Menschen in der Schweiz finanzieren. Die von der Paul Schiller Stiftung publizierte Studie zeigt mehrere Modelle auf. Eine Möglichkeit ist ein Betreuungsgeld, das Stundenkontingente für Menschen mit Betreuungsbedarf vorsieht – und so die finanzielle Belastung für die Betroffenen reduziert. Und zwar unabhängig davon, ob jemand zu Hause oder in einem Heim lebt. Zudem finanziert das Modell den Ausbau und die Qualitätssicherung des Betreuungsangebots und stärkt die aufsuchende Arbeit. So erhalten auch ältere Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln Zugang zu qualitativ guten Betreuungsleistungen und können möglichst lange selbstständig, eigenbestimmt und mitten in der Gesellschaft leben. Mit dem skizzierten Finanzierungsmodell können die heutigen Lücken geschlossen werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht besonders wichtig ist auch der Aspekt der Entlastung der betreuenden Angehörigen durch gute, zugängliche Betreuungsangebote. So bleibt die Begleitung der Eltern und Schwiegereltern vereinbar mit dem beruflichen Engagement – das bei den immer noch überdurchschnittlich in Betreuung engagierten Frauen heute oft deutlich höher liegt als früher. Dass wir diese Vereinbarkeit sicherstellen, wird in den nächsten Jahrzehnten genauso wichtig sein, wie es die Bemühungen zur Vereinbarkeit von Kindern und Beruf in den vergangenen Jahrzehnten waren. Zahlreiche Schweizer Gemeinden verfügen über wertvolles Wissen und Erfahrungen im Bereich gute Betreuung im Alter. Die Paul Schiller Stiftung will die im «Wegweiser für gute Betreuung im Alter» und in der Studie «Kosten und Finanzierung für eine gute Betreuung im Alter in der Schweiz» publizierten Erkenntnisse mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik, Verwaltung und Fachwelt vor Ort prüfen und weiter vertiefen. Den Anfang für diese Reihe von sogenannten Stadtgesprächen haben Thalwil und St. Gallen gemacht: Lokale Fachpersonen haben über bestehende Lücken in der Betreuung und mögliche Lösungen diskutiert. Dabei zeigte sich, dass Gemeinden heute schon Möglichkeiten haben, die Betreuung älterer Menschen zu verbessern: Bedürfnisse der älteren Menschen und von deren Angehörigen für eine gute Betreuung im Alter klären Bedarf an Betreuungsleistungen und Kreis der Anbieter bestimmen Abklärungsinstrument erarbeiten und Anlaufstelle definieren Form des Betreuungsanspruchs festlegen (Geld, Zeitgutschrift, Leistungsgutschrift) Tarifierung konkretisieren: Leistungen und deren Kosten müssen definiert werden Finanzierung der Betreuungsleistungen sicherstellen («Restfinanzierung») Aufsuchende Soziale Arbeit fördern, um vulnerable ältere Menschen zu erreichen Klar ist: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Wenn die Schweiz nichts tut, droht eine Unterversorgung für diejenigen älteren Menschen, die Betreuung benötigen. Herbert Bühl, Präsident der Paul Schiller Stiftung, warnt vor den Folgen: «Wenn die richtige Unterstützung fehlt, laufen ältere Menschen Gefahr, zu vereinsamen sowie zu verwahrlosen, und ihre Gesundheit leidet. Sie müssen vermehrt notfallmässig ins Spital, oder es kommt zu vermeidbaren Heimeintritten.» Informationen: www.gutaltern.ch Maja Nagel Dettling

Ein autonomes Leben auch im hohen Alter

Rosette Pasche stellt einen Topf mit einer Fuchsia wieder gerade hin, nachdem ihn der Wind umgeblasen hat. Dann giesst sie sorgfältig die anderen Pflanzen auf ihrem Balkon und zupft da und dort ein welkes Blatt weg. Rosa Nelken, bunte Stiefmütterchen, Papyrus, aber auch Basilikum und Schnittlauch: Rosette Pasche hat einen grünen Daumen. Es war ihr wichtig, in ihrer neuen Wohnung genug Platz zu haben, um ihrer Leidenschaft weiterhin nachzugehen. Diesen Herbst feiert sie ihren 90. Geburtstag. Und es wird ein Jahr her sein, dass sie aus ihrem grossen Haus in Lavey gezogen ist, wo sie geboren wurde und ihr ganzes Leben verbracht hat. «Noch vor einem Jahr habe ich dort meinen Gemüsegarten gepflegt.» Nach Jahrzehnten des Glücks mit ihrem Ehemann wurde Rosette Pasche vor elf Jahren zur Witwe. «Wenn man plötzlich alleine ist, ist das nicht so einfach», sagt sie. Das Haus und der grosse Garten brauchten viel Arbeit. Das wurde ihr im Laufe der Jahre zu viel. Deshalb hat sie beschlossen, in eine Wohnung der betreuten Wohnsiedlung «Les Barmottes» zu ziehen. «Ich habe diese Entscheidung ganz alleine getroffen. Das war ein grosser Schritt. Aber ich bereue ihn wirklich nicht.» In ihrer Wohnung in Bex (VD) ist sie auf bekanntem Terrain, denn sie kennt den Ort von ihrer Arbeit und ihrer Tätigkeit in Vereinen. Sie schätzt die Lage ihres Wohnhauses, denn von dort kann sie zu Fuss einkaufen, ins Dorfzentrum und zum Bahnhof gehen. Gleichzeitig hat sie eine schöne Sicht auf die Berge. Rosette Pasche liebt es zu spazieren und findet viele schöne Routen in der Umgebung. Zum Beispiel in den Weinbergen, die sie vom Fenster aus sieht. «Ich beklage mich nicht, ich habe noch meinen Kopf und meine Beine», wirft sie ein. Die Waadtländerin war zeitlebens sehr sportlich: Sie wanderte, fuhr Ski und schwamm. Sogar mit über 80 Jahren turnte sie noch. Rosette Pasche kocht sich jeden Tag selbst ihre Mahlzeiten. Allerdings schafft sie es wegen ihrer Arthrose nicht mehr, all ihren handwerklichen Hobbys von früher nachzugehen, so etwa der Töpferei, Knüpfarbeiten, dem Sticken oder Mosaiklegen. Aus ihrem Haus hat sie zahlreiche Schätze mitgebracht, die von ihrer Kreativität zeugen und wertvolle Erinnerungen enthalten: eine mit Wiesenblumen bestickte Tischdecke, mit Baumblättern bemalte Servietten, einen mit Muscheln verzierten Untersetzer. Und an der Wand hängt ein Wandteppich mit tapferen Pferden, an dem sie mehrere Jahre gearbeitet hat. Natürlich hat sie nur einen Teil ihres alten Haushalts mit in die neue Wohnung nehmen können. «Wenn man in einem grossen Haus wohnt mit viel Platz, hat man die Tendenz, unnütze Dinge anzuhäufen. Mit fünfmal weniger als zuvor habe ich immer noch mehr als genug.» Das Wichtigste ist für sie sowieso, die Kontakte zu ihrer Familie und ihren Freunden zu pflegen: ihre Nichten und Neffen oder die ehemaligen Nachbarn aus Lavey zu besuchen, an den Ausflügen des Bäuerinnenverbands aus der Region teilzunehmen oder mit den Freundinnen aus ihrer alten Turngruppe essen zu gehen. Rosette Pasche ist sehr unabhängig und hofft, noch lange in ihrer Wohnung bleiben zu können, statt in ein Pflegeheim zu müssen. «In meinem Alter will ich nicht mehr 36-mal umziehen. Hier fühle ich mich gut und aufgehoben. Es ist gemütlich und gut eingerichtet.» So sei zum Beispiel die Dusche gross und auch mit dem Rollstuhl befahrbar, wenn dies eines Tages nötig sein sollte. Momentan hat Rosette Pasche aber noch viel Energie. Wenn sie nichts zu tragen hat, lässt sie den Lift links liegen und nimmt die Treppe zu ihrer Wohnung im zweiten Stock. «Es sind 32 Stufen, ich habe sie gezählt», lacht sie mit einem Funkeln in ihren klaren Augen. Martine Salomon

Gemeinsam essen im Alter stärkt die Gesundheit

Nachdem ihr Mann gestorben war, mochte Rosa Schmid (Name geändert) nicht allein am Tisch essen. So ass sie nicht selten direkt aus der Pfanne, am Herd stehend und ohne richtigen Appetit. Nach einigen Wochen bemerkte sie, dass sie oft müde und nicht mehr so fit wie früher war, und bald wurde ihr klar, dass diese Veränderung mit ihrer Art zu essen zusammenhing. Deshalb nahm Frau Schmid, nachdem sie in ihrer Gemeinde einen Aufruf zur Gründung einer Tavolata gesehen hatte, an der allerersten Infoveranstaltung von Tavolata teil. Dies war im Jahr 2010. Zurück zu Hause, lud sie umgehend einige alleinstehende Personen aus der Nachbarschaft zum Spaghettiessen ein. Ihre Tischgemeinschaft besteht mittlerweile seit zwölf Jahren. Sie sagt: «Tavolata war das Beste, was mir passieren konnte.» Solche Geschichten weiss Daniela Specht, Leiterin der Geschäftsstelle von Tavolata und Koordinatorin der Tischgemeinschaften in der Deutschschweiz, zuhauf zu erzählen. Eine gesunde Ernährung beeinflusst die Gesundheit, Mobilität und Lebensqualität von älteren Menschen. Gerade Gemeinden können einen wichtigen Impuls setzen, wenn sie die Eigeninitiative fördern. Tavolata, aus dem Italienischen für «Tafelrunde», ist ein Projekt des Migros-Kulturprozents und damit Teil des gesellschaftlichen Engagements der Migros-Gruppe. Die Idee dahinter: Initiative, meist ältere Menschen gründen eine Tischrunde, und interessierte Personen schliessen sich der Runde an, um zusammen ausgewogen und genussvoll zu essen. Anregungen für schmackhafte, gesunde Mahlzeiten und deren Zubereitung erhalten sie über das Projektteam von Tavolata. Diese stützen sich auf die schweizerischen Ernährungsempfehlungen . Inspiration bieten darüber hinaus die zweimal jährlich erscheinende Tavolata-Zeitung «Bon Appétit» oder die regelmässig stattfindenden Online-Veranstaltungen unter dem Titel «Amuse bouche». Das Tavolata-Team unterstützt bei der Gründung und beim Erhalt von Tischgemeinschaften oder bei der Suche nach neuen Mitgliedern und vermittelt Interessierte an bestehende oder neu gegründete Gruppen. Bei der Organisation ihrer Treffen sind die Tischgemeinschaften weitgehend frei. Ob selbst gekocht wird oder nicht und, falls ja, gemeinsam oder abwechselnd, steht der Gruppe frei. Voraussetzung ist einzig die Bereitschaft, sich regelmässig an einem öffentlichen oder privaten Ort zu treffen. Als verbindlich gelten ausserdem sieben einfache Spielregeln , etwa dass Arbeiten und Kosten geteilt oder Geben und Nehmen ausgeglichen sind. Die meisten Menschen wollen geistig und körperlich leistungsfähig bleiben, um möglichst lange selbstständig zu Hause zu leben. Hier sind auch die Gemeinden gefordert. Sie nehmen eine wichtige Rolle ein, schaffen Rahmenbedingungen, koordinieren, vernetzen und informieren. Gemeinschaftliches Kochen und Mahlzeiten in Gesellschaft sind von wesentlicher Bedeutung, weil sie die Freude und den Genuss am Essen fördern. Im Alter verringern sich bei vielen Menschen die sozialen Kontakte. Neben den körperlichen Veränderungen im Alter kann auch Einsamkeit zu Appetitverlust führen und Mangelernährung begünstigen. Eine ausgewogene und genussvolle Ernährung ist darum gerade im Alter wichtig. Sie hilft, die Muskelmasse zu erhalten und mobiler und unabhängiger zu bleiben. Die Prävention von Diabetes, bestimmten Krebsarten sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist ein weiterer Effekt. Wer regionale Tavolatas fördert, trägt dazu bei, die Gesundheit, Lebensqualität und Autonomie der älteren Wohnbevölkerung zu stärken und damit die Attraktivität einer Gemeinde zu erhöhen. Bei Tavolata steht die Freude am gemeinsamen Kochen und Essen im Zentrum. Allerdings geht Tavolata weit darüber hinaus. Zahlreiche der rund 500 offiziellen Tavolatas in der ganzen Schweiz existieren bereits seit vielen Jahren. «Tavolata ist mehr als gemeinsam zu essen», bestätigt Margrit Eicher, Fachperson Prävention und Gesundheit bei LUNAplus, einem kostenlosen Beratungsangebot der Gemeinde Wallisellen (ZH) für Menschen ab 65 zur Förderung der Unabhängigkeit im Alter: «Oftmals sind die Mitglieder einer Tavolata auch im Alltag füreinander da. Sie fragen nach, wie es geht, schreiben sich Nachrichten via WhatsApp oder fahren sich gegenseitig zum Arzt.» Die Teilnahme an einer Tavolata bedingt eine Offenheit, die laut Margrit Eicher gerade auf ältere Menschen eine enorm belebende Wirkung hat. Schmunzelnd meint sie: «Es ist kein Zufall, dass so viele Tavolata-Teilnehmende bereits ein hohes Alter erreicht haben.» Bettina Husemann

Älterwerden in der Region Gantrisch – mit Franz und Vroni

Franz und Vroni wissen, was es bedeutet, älter zu werden, und wo es die passende Hilfe gibt. Die beiden fiktiven Figuren verkörpern somit die Ziele des Vereins Altersnetzwerk Region Gantrisch. Seniorinnen und Senioren möchten sich nach ihrer Pensionierung freiwillig engagieren oder suchen Freizeitaktivitäten. Mit zunehmendem Alter brauchen sie vielleicht Unterstützung und Pflege zu Hause oder überlegen sich, in ein Alters- und Pflegeheim einzutreten. Auf der diesen Frühling aufgeschalteten Website des Vereins Altersnetzwerk Region Gantrisch werden Franz und Vroni ab Herbst 2022 zeigen, wo ältere Menschen das passende Angebot finden. Ratsuchende können sich jedoch auch an eine reale Person wenden. Die Altersbeauftragte des Vereins, Lisa Loretan, beantwortet bereits jetzt Fragen am Telefon oder berät ältere Menschen und ihre Angehörigen persönlich. Damit die Seniorinnen und Senioren in der weitläufigen Gantrischregion gut informiert sind, braucht es sowohl digitale Kanäle wie auch persönliche Kontakte zu Menschen vor Ort. Im Moment baut der Verein deshalb ein Netz an Kontaktpersonen auf, über das Informationen verbreitet werden und umgekehrt Anliegen von älteren Menschen bei der Altersbeauftragten eintreffen. Doch wer steckt hinter dem 2020 gegründeten Verein Altersnetzwerk Region Gantrisch? Es sind die zehn Berner Gemeinden Guggisberg, Kaufdorf, Thurnen, Niedermuhlern, Riggisberg, Rüeggisberg, Rüschegg, Schwarzenburg, Toffen und Wald, die alle zum Naturpark Gantrisch gehören. Für alle war klar: Das gemeinsam erarbeitete Altersleitbild darf nicht in der Schublade verschwinden, wir wollen dafür sorgen, dass ältere Menschen die passende Unterstützung erhalten und sich an der Gesellschaft beteiligen können. Andrea Spring, Co-Präsidentin des Vereins, betont: «Uns war es wichtig, Dienstleister im Altersbereich wie Pflegeinstitutionen, Spitexorganisationen, Kirchen und Vereine miteinzubeziehen und den Seniorinnen und Senioren selbst eine Stimme zu geben. Deshalb entschieden wir uns, einen Verein zu gründen.» Die Gemeinden leisten einen Förderbeitrag von maximal vier Franken pro Person, Kollektivmitglieder können ihren Beitrag selbst bestimmen, und Einzelmitglieder bezahlen zwanzig Franken. Eine Mitgliedschaft soll für alle möglich sein. Wie gelingt es, dass zehn ländliche Gemeinden unterschiedlicher Grösse Ja sagen zu einer gemeinsamen Alterspolitik und sich in einem Verein zusammenschliessen? Regionale Zusammenarbeit muss wachsen. Die zuständigen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte kannten sich von Sitzungen der Vorgängerorganisation, der Alterskonferenz, und entwickelten gemeinsam ein Bewusstsein für die Herausforderungen des demografischen Wandels. Mit dem regionalen Altersleitbild legten die Gemeinden danach ein stabiles Fundament. In einem partizipativen Prozess konnten sich verschiedene Akteure und Einzelpersonen einbringen. Das Resultat war ein breit abgestütztes Grundlagenpapier mit einer gemeinsamen Vision: Seniorinnen und Senioren kennen die für sie relevanten Angebote und sind Teil von tragenden sozialen Netzwerken. Die Aufnahme in das Programm Socius 2 der Age-Stiftung kam gerade im richtigen Moment und verlieh der Gantrischregion den nötigen Schwung, um das Leitbild umzusetzen. Im Austausch mit anderen Teilnehmenden des Programms erkannte die Projektleitung, dass es handlungsfähige Strukturen braucht, um einer Vision näherzukommen. Innerhalb des Budgets handelt der Verein heute selbstständig. Die Altersbeauftragte ist in der ganzen Region unterwegs. Regelmässig ist sie im «Generationehuus» in Schwarzenburg anzutreffen. In diesem lebendigen neuen Haus mit Kita, Bistro, Jugendarbeit und Co-Working-Arbeitsplätzen begegnen sich Menschen aus verschiedenen Altersgruppen auf spontane Weise. Lisa Loretan freut sich etwa auf ein gemeinsames Projekt mit der Jugendarbeit. Dabei geht es um die Veränderung der Sprache. Verstehen sich Jung und Alt überhaupt noch? Das Altersnetzwerk ist gut unterwegs und zählt auch Kirchgemeinden, Institutionen und Einzelpersonen zu seinen Mitgliedern. Kürzlich konnte der Verein den Gantrisch-Innovationspreis entgegennehmen. Es gibt jedoch noch viele Fragen: Wie können wir einsame Menschen in abgelegenen Weilern erreichen? Wie finden wir genügend Freiwillige, die Seniorinnen und Senioren im Alltag unterstützen möchten? Unter welchen Umständen sind ältere Menschen bereit, Hilfe anzunehmen? Kurz: Wie gelingt es uns, in der Gantrischregion eine sorgende Gemeinschaft aufzubauen? Wir sind zuversichtlich, dass Franz und Vroni ihren Beitrag dazu leisten werden. Informationen: www.altersnetzwerkgantrisch.ch Kathrin Sauter

Geschulte Freiwillige bringen mehr Lebensqualität in Bergdörfer

Die starke Abwanderung aus den Alpentälern in die städtischen Zentren hat spürbare Folgen für die ältere Bevölkerung, die zurückbleibt: In ihrer Randregion schrumpft das Angebot der Grundversorgung, und das soziale Gefüge wird allmählich brüchig. Der kleine Ort Monte im Tessiner Muggiotal versucht mit einer innovativen Lösung, die Lebensqualität der älteren Bevölkerung zu erhalten und das Dorf für alle Generationen lebenswert zu machen. Das Pilotprojekt wurde durch Ergebnisse einer Untersuchung des Schweizer Seniorenrates aus dem Jahr 2018/19 angestossen. Diese Studie zeigte auf, dass die mehrheitlich alte Bevölkerung in den von Abwanderung betroffenen Bergdörfern möglichst lange in ihrem Zuhause und in ihrer Region bleiben möchte und dass die Pflege von sozialen Kontakten für ihr psychisches Wohlbefinden und für den Lebenssinn entscheidend ist. Aus der Untersuchung sind zehn Empfehlungen entstanden, die vom Abbau architektonischer Barrieren bis zur Förderung neuartiger Kommunikationstechnologien reichen. Die Südtessiner Gemeinde Castel San Pietro hat die Empfehlungen aufgegriffen, um sie im Weiler Monte umzusetzen. Das Dörfchen liegt ziemlich isoliert auf knapp 700 Metern Höhe auf der rechten Seite des Muggiotals, des südlichsten Tals des Tessins. Rund 100 Personen sind hier noch ansässig, relativ gleichmässig verteilt auf alle Altersschichten. «Zuerst haben wir uns auf die architektonischen Aspekte konzentriert», sagt Giorgio Cereghetti, der als Gemeinderat das Projekt anfänglich gepusht hat. Konkret bedeutet dies, dass bauliche Eingriffe vorgenommen werden sollen, die den älteren Bewohnern das Leben erleichtern und gleichzeitig die Kommunikation fördern, beispielsweise die Installation von Handläufen entlang steiler Wege oder Treppen oder die Gestaltung von Plätzen mit Bänken und Spielgeräten für verschiedene Altersgruppen. Die Arbeiten sind im Gang, wie sich im Mai bei einem Dorfrundgang mit den Architekten Rina Rolli und Tiziano Schürch zeigt. Die beiden zeichnen für die architektonischen Aspekte verantwortlich. An einem Platz wird ein Brunnen mit einem Bänkchen gebaut, an einer anderen Stelle werden Stufen seitlich einer Rampe verwirklicht, damit es Senioren leichter fällt, den Weg zum Friedhof zu gehen, vor dem ehemaligen Gemeindehaus wird ein Tisch gebaut, um gemeinsam Mahlzeiten einnehmen zu können. «Viele dieser architektonischen Eingriffe können banal erscheinen, aber sie sind es nicht», sagen die beiden Architekten. Am Ende gehe es darum, dass diese praktisch unsichtbar werden, so, als seien sie immer da gewesen. Ziel der architektonischen Eingriffe ist es, neue Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, die insgesamt ein Zugehörigkeitsgefühl zum eigenen Dorf fördern. Die Architekten haben in vielen Gesprächen mit Senioren die Geschichte des Dorfes nachgezeichnet. Wichtige Punkte im Dorf werden nun Erklärungstafeln erhalten, die diese Geschichten erzählen und der kollektiven Erinnerung dienen. Neue Begegnungsecken gesellen sich zu bereits vorhandenen Treffpunkten. Neben kleinen Plätzen gibt es bereits einen Dorfladen (La Butega) sowie eine Gastwirtschaft (Osteria La Montanara), was für ein Dorf dieser Grösse keine Selbstverständlichkeit ist. Im hinteren Teil des Dorfladens lädt eine kleine Kaffeebar zum Verweilen ein. Auch diese wird wohnlicher gestaltet. Die Präsenz von Laden und Osteria ist von grosser Bedeutung. «Wir sind hier in Monte auf fruchtbares Terrain gestossen», sagt Sozialvorsteherin Marika Codoni, die das Projekt von Giorgio Cereghetti übernommen hat und heute politisch leitet. Die Gemeinde zeigt sich im Übrigen bei der Unterstützung grosszügig: Im März 2021 wurde eine halbe Million Franken gesprochen, um die erste Hälfte der Empfehlungen umzusetzen. Von Vorteil ist natürlich, dass Castel San Pietro über ein gutes finanzielles Polster verfügt. Für das Projekt entscheidend ist die Ausbildung von sogenannten «community tutors». Es handelt sich um geschulte Freiwillige, die mit den Betagten in Kontakt treten und mithelfen, ein neues Nachbarschaftskonzept umzusetzen. Sie werden im Rahmen eines 50-stündigen Kurses ausgebildet. Unter anderem sollen sie auch helfen, Seniorinnen und Senioren bei der Verwendung von digitalen Medien zu unterstützen, etwa beim Schreiben einer E-Mail oder beim Abrufen von Internetseiten. Zwischen Ende April und Anfang Mai wurden zwei Informationsveranstaltungen in Castel San Pietro und Vacallo durchgeführt. «Wir befürchteten, dass niemand kommt, doch beide Male war der Saal voll», sagt Projektleiter Dieter Schürch mit sichtlicher Freude. Darüber hinaus beinhaltet das Pilotprojekt Massnahmen zum Erhalt von öffentlichen Verkehrsmitteln und zum Errichten von modernen IT-Zugängen, sodass das Dorf trotz peripherer Lage auch für Familien mit Kindern attraktiv ist und intergenerationelle Kontakte leicht möglich werden. Eine Begleitgruppe in der Gemeinde verfolgt die Umsetzung des Projekts. Am 30. September und am 1. Oktober findet dann im Rahmen eines Dorffestes in Monte die offizielle Einweihung statt. Bereits Ende Juni werden circa 15 Studierende der Universität Zürich, der Architekturakademie Mendrisio sowie der Höheren Architekturschule in Barcelona (UPC-ETSAB) das Projekt und die gesamte Region im Rahmen einer Summer School anschauen. «Die Architektur konzentriert sich heutzutage fast ausschliesslich auf die Gestaltung urbaner Räume, wir richten den Fokus auf Randgebiete und schwach besiedelte Regionen», sagt Tiziano Schürch, der selbst in Barcelona lehrt. Das Projekt hat im Dezember 2021 den «Eulen-Award» erhalten, der alle zwei Jahre von der Stiftung «generationplus» vergeben wird. Ausgezeichnet werden innovative und praxisbezogene Projekte für ältere Menschen. Auch das Bundesamt für Raumplanung (ARE) unterstützt das Projekt finanziell im Rahmen seines Programms der Modellvorhaben für eine nachhaltige Raumentwicklung 2020–2024. «Das Modell wird wahrscheinlich bald auch in anderen Gemeinden angewendet. Dies würden wir sehr begrüssen», erklärt das ARE auf Anfrage. Weitere Gemeinden im Kanton Tessin und andere Kantone seien interessiert. Dies bestätigt auch Projektleiter Dieter Schürch: «Insbesondere der Kanton Uri will nun ein eigenes Modelldorf bestimmen.» Gerhard Lob

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