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Mehr Hitzetage: Städte suchen mit Fachhochschule nach Lösungen

Die Klimaprognosen für die Schweiz zeigen deutlich: Hitzetage werden häufiger und dauern länger. Laut MeteoSchweiz nimmt die Zahl der Tage mit über 30 Grad insbesondere in Städten stark zu. Für Basel rechnen Klimaszenarien bis 2060 mit mehr als 50 Hitzetagen pro Jahr – heute sind es rund 15. Gleichzeitig steigt die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperaturen auch nachts nicht unter 20 Grad sinken. Für die Gesundheit kann anhaltende Hitze stark belastend sein. Hitze fordert in der Schweiz jährlich mehrere Hundert Todesopfer und verschärft Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Besonders gefährdet sind Menschen über 65 Jahre, Kleinkinder, Schwangere sowie Personen, die sich längere Zeit draussen aufhalten müssen, beispielsweise wohnungslose Personen. Der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter unterstützt in Basel Menschen ohne Dach über dem Kopf. Der Sommer sei für viele zwar die bevorzugte Jahreszeit, sagt Co-Geschäftsleiter Mats Müller: «Es ist länger hell, die Stadt lebt.» Gleichzeitig würden die gesundheitlichen Risiken von Hitze aber unterschätzt. Im Sommer verteilt der Verein Getränke und Sonnenhüte. Bei Hitzeperioden sei jedoch zusätzlicher Schutz notwendig – etwa Orte zum Abkühlen. Also Räume mit weniger als 24 Grad, die bei Hitzestress als wirksamste Sofortmassnahmen gelten. Hier setzt die Studie «Kühle Räume in der Stadt» an. Sie wurde von Tanja Herdt, Professorin für Städtebau am IRAP Institut für Raumentwicklung der OST – Ostschweizer Fachhochschule, geleitet. Die Untersuchung kombinierte Literaturrecherche, Interviews mit Fachpersonen und Betroffenen sowie eine Kartierung möglicher Standorte in besonders belasteten Quartieren. Die Auswertung zeigt, dass sich viele Städte und Kantone intensiver mit Hitze beschäftigen. Strategische Instrumente wie Hitzeaktionspläne sind jedoch noch nicht flächendeckend verbreitet. Gemäss der Studie verfügten 2024 erst sechs Kantone über entsprechende Pläne. Auch bei planerischen Grundlagen besteht Potenzial. In vielen Städten werden Hitzeinseln in Quartieren erstmals systematisch erfasst. Solche Hitzeinseln entstehen häufig in dicht bebauten Quartieren mit wenig Grünflächen, hohem Versiegelungsgrad und eingeschränkter nächtlicher Abkühlung. Langfristig können Klimaanpassungsmassnahmen wie mehr Grünräume und Beschattungen die Situation verbessern. Gleichzeitig benötigen Gemeinden auch gesundheitliche Sofortmassnahmen, etwa kühle Räume. Eine Möglichkeit besteht darin, bestehende öffentlich zugängliche Gebäude als sogenannte kühle Räume nutzbar zu machen. Dazu zählen etwa Quartiertreffpunkte, Bibliotheken oder Museen. Diese Orte sind vielen Menschen bereits vertraut und könnten bei Hitze als Rückzugsorte dienen. Im Rahmen der Studie wurden in Basel rund 120 potenzielle Einrichtungen identifiziert, davon wurden 52 vertieft untersucht. Dabei zeigte sich, dass viele Räume gewisse Anforderungen erfüllen, jedoch selten alle Kriterien. Einschränkungen bestehen bei der Klimatisierung, bei der Barrierefreiheit oder bei den Sommeröffnungszeiten. Aus Sicht der Forschenden liegt hier ein praktischer Ansatzpunkt: Bestehende Treffpunkte könnten gezielt ertüchtigt werden, um während Hitzeperioden als kühle Aufenthaltsorte zu dienen. In Basel-Stadt und anderen Städten sollen in einem Folgeprojekt kühle Räume pilotiert werden (siehe Kasten). Auf Grundlage der Untersuchung formulierte das Projektteam zehn Empfehlungen für Städte und Gemeinden. Dazu gehört eine klarere Definition besonders betroffener Bevölkerungsgruppen; wohnungslose Menschen werden heute nicht überall systematisch berücksichtigt. Zudem empfehlen die Forschenden, Hitzeaktionspläne zu entwickeln und Hitzebeauftragte zu ernennen. Sie könnten Massnahmen bündeln, Informationen koordinieren und den Austausch zwischen Verwaltung, Gesundheitswesen und sozialen Einrichtungen stärken. Langfristig wird der Umgang mit Hitze Teil der kommunalen Klimaanpassung sein. Während der Schutz vor Kälte traditionell gut organisiert ist, gewinnt auch der Hitzeschutz hierzulande an Bedeutung. Erfahrungen aus südeuropäischen Städten zeigen, dass Anpassungen im Städtebau, bei der Gestaltung öffentlicher Räume und im Alltag dazu beitragen können, mit der Hitze besser zurechtzukommen. Sebastian Keller

Genf testet städtische Lösungen gegen Hitze

Angesichts zunehmender Hitzewellen startete der Kanton Genf 2019 das Projekt «Cool City», um städtische Räume dem Klimawandel anzupassen. Fünf Pilotprojekte von 2019 bis 2023 zeigten praxisnah, wie versiegelte Flächen entsiegelt, Grünflächen und Wasser gezielt integriert oder Pausenplätze angenehmer gestaltet werden können. Fachpersonen aus Stadtplanung, Architektur und Umweltwissenschaften entwickelten gemeinsam Methoden, die in Stadtquartieren, aber auch in Schulen anwendbar sind. Der Kanton arbeitete dabei eng mit der Universität Genf, der Hochschule für Landschaft, Ingenieurwesen und Architektur Genf, mehreren Partnergemeinden sowie einem Beratungsbüro zusammen. «Cool City» liefert nun konkrete Werkzeuge für Gemeinden: mikroklimatische Diagnosen, Indikatoren für Schatten, Vegetation und Materialien sowie klimaintegrierte Planungsrichtlinien. Delia Fontaine

Unterstützung für Gemeinden beim Aufbau von Ladestationen

Die drei Gemeinden Kloten (ZH), Twann (BE) und Ascona (TI) haben das kostenlose Beratungsangebot «Lade-Impuls» von EnergieSchweiz, dem Programm für Energieeffizienz und erneuerbare Energien des Bundesamts für Energie, genutzt und erzählen von ihren Erfahrungen. Kloten hat die Dekarbonisierung der Mobilität in seiner Energiestrategie verankert. Bis 2030 sollen 40 Prozent der immatrikulierten Personenwagen batterieelektrisch sein. Basierend auf Szenarien von EnergieSchweiz prüfte Kloten den Ladebedarf. Das Ergebnis: Lademöglichkeiten sind vor allem am Wohnort gefragt. Ergänzend soll auch die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Ladestationen in Quartieren und Schnellladestationen betrachtet Kloten als Gemeindeaufgabe. Daniel Martinelli, Energie- und Umweltberater der Stadt Kloten, betont: «Es braucht Ladeinfrastruktur in Quartieren für jene, die zu Hause keine Ladestation installieren können, weil sie keinen eigenen Parkplatz haben oder Vermietende dies nicht ermöglichen.» «Dank Lade-Impuls konnten wir die Bausteine der Ausschreibung Schritt für Schritt vorbereiten.» Daniel Martinelli, Energie- und Umweltberater der Stadt Kloten (ZH) Gemeinsam mit Fachpersonen führte die Stadt eine Standortevaluation mit Verkehrsmodellen, Erschliessungsszenarien und Kostenschätzungen durch. Das Ergebnis: Zwölf mögliche Standorte wurden definiert. Bei der Umsetzung setzt Kloten auf zwei Modelle. Das erste Modell ist die Direktvergabe, bei der private Betreiberinnen und Betreiber die Erschliessung und Ladeinfrastruktur selbst finanzieren. Im Gegenzug erhalten sie ein exklusives Flächennutzungsrecht über 10 bis 15 Jahre. Parkgebühren fliessen weiterhin an die Stadt. Beim zweiten Modell hat die Stadt die gesamte Basisinfrastruktur vorfinanziert. Der Betrieb läuft autonom über einen externen Anbieter gegen eine Konzession. «Dank Lade-Impuls konnten wir die Bausteine der Ausschreibung Schritt für Schritt vorbereiten», sagt Daniel Martinelli. Mit gut 500 Einwohnerinnen und Einwohnern im historischen Dorfkern Twann hat die Gemeinde Twann-Tüscherz ganz andere Voraussetzungen als Kloten. Dennoch setzt die Gemeinde am Bielersee, geprägt von Weinbau und Tourismus, seit 2015 auf Elektromobilität. Als die bestehenden Ladestationen erneuert werden sollten, passte der Contracting-Vertrag nicht mehr. Verschiedene Betreibermodelle wurden abgewogen, und der Gemeinderat entschied sich in der Lade-Impuls-Beratung für die Variante C: Selbstfinanzierung und Eigenregie durch die Gemeinde. Mittlerweile betreibt Twann-Tüscherz sechs Ladestationen in beiden Ortsteilen. Die Gemeinde legt den Preis für den Strom selbst fest und kann Vorzugskonditionen für die eigene Bevölkerung anbieten. Denn immer mehr Anwohnende sind mit E-Fahrzeugen unterwegs und benutzen die öffentlichen Ladeplätze. In Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen wurde das Projekt in nur neun Monaten umgesetzt. Das Resultat: Anwohnende und Tagestouristinnen und -touristen laden ihre Fahrzeuge, und die Einnahmen aus dem Stromverkauf fliessen direkt aufs Gemeindekonto, wo sie die getätigten Investitionen refinanzieren und den laufenden Unterhalt der Infrastruktur tragen. Daniel Schaller, Gemeinderat in der Gemeinde Twann-Tüscherz, beurteilt das Modell als lohnend und leicht reproduzierbar. Ausserdem sei die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich höher, wenn die Einnahmen direkt der Gemeinde zugutekämen. Ascona zeigt: Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Baustein der nachhaltigen Mobilität. Während Schulbusse und Dienstwagenflotte elektrifiziert wurden, entstand in der Beratung auch die Idee, kommunalen Mitarbeitenden am Arbeitsplatz Parkplätze mit Ladestationen zu einem Pauschalpreis anzubieten. Das erhöht die Attraktivität und erleichtert den Umstieg. Ergänzend baut Ascona weitere öffentliche Ladestationen und schafft für die Bevölkerung Anreize mit Rabatten auf Car-Sharing-Abos, E-Bikes und Ladestationen. Die Dekarbonisierung des Verkehrs und die Förderung des Langsamverkehrs helfen nicht nur beim Erreichen der Klimaziele, sondern tragen auch dazu bei, den Charme des Promenadenstädtchens langfristig zu erhalten. Die Praxisbeispiele zeigen: Ladeinfrastruktur ist machbar. Unabhängig von Gemeindegrösse und vorhandenen finanziellen Mitteln können unterschiedliche Lösungsansätze entwickelt werden. Wer jetzt handelt, kann Mobilität und Energie zusammendenken, attraktive Rahmenbedingungen schaffen und den Wandel aktiv mitgestalten. Robin Becker

Burgergemeinde Visp übernimmt Verantwortung für das Klima

Mit ihren rund 900 Burgerinnen und Burgern verfolgt die Burgergemeinde Visp im Oberwallis unter der Führung von Burgermeister Samuel Wyer eine Strategie, die auf Reduktion und Kompensation von Treibhausgasen basiert. Sie hat sich ein klares und ambitioniertes Ziel gesetzt: «Wir möchten als erste Burgergemeinde eine möglichst ausgeglichene Treibhausgasbilanz erreichen und damit auch eine Vorbildfunktion einnehmen», sagt Burgermeister Samuel Wyer. «Wir möchten als erste Burgergemeinde eine möglichst ausgeglichene Treibhausgasbilanz erreichen und damit auch eine Vorbildfunktion einnehmen.» Samuel Wyer, Burgermeister von Visp (VS) Eine zentrale Grundlage dieses Engagements bildet der umfangreiche Waldbesitz der Burgergemeinde. Insgesamt 589 Hektar Wald befinden sich in ihrem Eigentum. Dieser Wald erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Er ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und vor allem Schutzwald. Für das Städtchen Visp ist er von essenzieller Bedeutung, da er vor Naturgefahren wie Steinschlag, Murgängen und Lawinen schützt. Gleichzeitig spielt er eine Schlüsselrolle im Klimaschutz, da Wälder grosse Mengen CO 2 speichern. Um den Weg zur Senkung der Emissionen fundiert zu planen, hat die Burgergemeinde die Organisation Swiss Climate beauftragt, eine umfassende Treibhausgasbilanz zu erstellen. Diese Analyse erfasst sämtliche relevanten Emissionsquellen und zeigt klar auf, wo die grössten Belastungen entstehen. Die identifizierten Hotspots liegen insbesondere in den Bereichen IT, Heizung und Verkehr sowie bei Veranstaltungen und Anlässen. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden konkrete Massnahmen definiert. Ein zentraler Ansatz ist der Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energiequellen. Heizsysteme sollen schrittweise umgestellt werden, um den CO 2 -Ausstoss deutlich zu reduzieren. Auch im Bereich Mobilität wird ein Umdenken angestrebt. Statt individueller Autofahrten soll vermehrt der öffentliche Verkehr genutzt werden. Zudem wird bei Anlässen verstärkt auf Nachhaltigkeit geachtet, etwa durch regionale Produkte, Abfallvermeidung und energieeffiziente Organisation. Neben der Reduktion von Emissionen setzt die Burgergemeinde auch auf Kompensation im eigenen Wald und damit über lokale Ressourcen vor Ort. Dabei spielt das «Wald-Klimaschutzprojekt Oberwallis» eine zentrale Rolle. Dieses Projekt ist nach internationalen ISO-Standards zertifiziert und umfasst insgesamt 22 264 Hektar Wald im Oberwallis. Ein grosser Teil dieser Flächen befindet sich im Besitz von Burgergemeinden und eignet sich besonders gut für Klimaschutzmassnahmen. Durch gezielte Pflege und nachhaltige Bewirtschaftung wird die Biomasse im Wald erhöht, wodurch zusätzliches CO 2 gebunden werden kann. Insgesamt ergibt sich daraus ein Einsparpotenzial von rund 788 000 Tonnen CO 2 . Diese Leistung macht deutlich, welches Potenzial im regionalen Wald steckt und wie wichtig nachhaltige Forstwirtschaft für den Klimaschutz ist. Die Erlöse aus dem Verkauf von Zertifikaten gehen an die Burgergemeinden und müssen zwingend für die Pflege und Erhaltung der burgereigenen Wälder verwendet werden. Swiss Climate begleitet die Burgergemeinde Visp nicht nur bei der Analyse, sondern auch bei der Umsetzung der Massnahmen. Dazu gehört unter anderem die Prüfung eines Vertrags zur Nutzung von CO 2 -Zertifikaten aus dem Waldprojekt. Gleichzeitig wird grosser Wert auf Transparenz gelegt. Die Due-Diligence-Prüfung ist öffentlich zugänglich und ermöglicht es, die getroffenen Massnahmen nachvollziehbar zu überprüfen. Die Strategie der Burgergemeinde basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz. Emissionen sollen so weit wie möglich reduziert werden. Unvermeidbare Restemissionen werden durch den Kauf von Zertifikaten kompensiert. Dieser Ansatz verbindet ökologische Verantwortung mit pragmatischem Handeln und ermöglicht es, die angestrebten Ziele realistisch zu erreichen. Mit ihrem Engagement zeigt die Burgergemeinde Visp, dass auch kleinere Körperschaften eine Rolle im Klimaschutz übernehmen können. Samuel Wyer: «Wir nutzen unsere lokalen Ressourcen gezielt, insbesondere den Wald, und kombinieren traditionelle Strukturen mit modernen Nachhaltigkeitskonzepten.» Damit verfolgt die Burgergemeinde Visp ein Modell, das weit über die Region hinaus als Beispiel dienen kann und die Bedeutung lokaler Initiativen im globalen Klimaschutz unterstreicht. Georges Schmid

Hier wächst Zukunft: Innenentwicklung als Chance für Klimaanpassung

In Zusammenarbeit mit vier Pilotgemeinden erarbeitete der Kanton Aargau 2021 den digitalen Leitfaden «Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung». Er zeigt, wie Gemeinden das Thema aktiv umsetzen können. Da Windisch (AG) mehrere Standorte auf dem Gemeindegebiet identifizieren konnte, die wegen ihres hohen Versiegelungsanteils im Sommer als heiss empfunden werden, beteiligte man sich am Pilotprozess. «Wir wollten Erfahrungen sammeln und von anderen Kommunen lernen, solange die Situation vor Ort noch nicht so extrem ist», berichtet Roland Schneider, Leiter der Abteilung Planung und Bau, Windisch. 2023 ging die Gemeinde mit gutem Beispiel voran und wertete zwei eigene Flächen auf. Vor dem Gemeindehaus stanzte sie vier Bodenquadrate aus dem Hartbelag und bepflanzte sie mit Bäumen, Stauden und Kletterrosen. So kann Regenwasser versickern, der Platz erwärmt sich weniger und bleibt dennoch barrierefrei begehbar. Den nahen Brunnenplatz, eine zuvor versiegelte Fläche von 200 Quadratmetern, gestaltete die Gemeinde neu mit Pflanzen und einem sickerfähigen Kiesbelag. «Unsere Gemeinde schätzt diese grünen Oasen, die auch in Zukunft eine hohe Aufenthaltsqualität bieten werden», so der Abteilungsleiter. Beim Neubau der Schulanlage Dohlenzelg achtete die Gemeinde darauf, eine grosse zusammenhängende Freifläche zu schaffen. Zwei bepflanzte Retentionsmulden, in die sauberes Niederschlagswasser eingeleitet wird, dienen als Freiluftlabore. Zudem reduzieren sie den Oberflächenabfluss und verbessern das Mikroklima. Steinbänke unter einem Baumdach bieten zusätzlichen Unterrichtsraum. Rund 80 Bäume bilden einen parkartigen Zugang zum Schulgebäude und spenden künftig Schatten. Um die Bäume zu schützen und Wärmeinseln zu vermeiden, stehen sie in einer Kiesfläche. Nur für die Wege wurde Sickerasphalt eingesetzt. «Auch wenn dies höhere Unterhaltskosten verursacht, da mehr Schmutz in die Innenräume gelangt», kommentiert Roland Schneider. Bei privaten Bauprojekten kann die Gemeinde beispielsweise im Rahmen von Gestaltungsplänen Einfluss nehmen. «Die in unserer Bau- und Nutzungsverordnung festgelegte Grünflächenziffer von 0,4 Prozent in der Wohnzone 2 ist ambitioniert, besonders bei Innenentwicklungsprojekten mit hohem Ausnutzungsdruck. Aber sie hilft, die Hitzebelastung im Siedlungsraum zu reduzieren», erklärt der Abteilungsleiter. «Grünflächenziffern von 0,4 Prozent sind ambitioniert, helfen aber, die Hitzebelastung zu reduzieren.» Roland Schneider, Leiter der Abteilung Planung und Bau, Windisch (AG) Bei der Planung der Überbauung «Sonne» mit zwei bis zu fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern wurden frühzeitig ein Landschaftsarchitekt hinzugezogen und eine Mikrosimulation durchgeführt, um Kaltluftströme zu untersuchen. Die Gebäude wurden dann so angeordnet, dass die Luft weiterhin zirkulieren kann und der Strassenlärm nicht verstärkt wird. Weiter entstand ein grüner Hof mit wasserdurchlässigem Mergelbelag und fünf Schatten spendenden Grossbäumen. Für die Fassaden wählte die Bauherrschaft Materialien mit einer geringen Wärmeabsorption, und die Flachdächer sind unterhalb der Photovoltaikanlagen begrünt. Zum Grundstück gehören auch fünf Bäume entlang der Kantonsstrasse. Sie stehen in einer durchgehenden Grünrabatte und haben dadurch einen grossen Wurzelraum zur Verfügung. Dies wirkt sich positiv auf ihre Wasserversorgung sowie die Umgebungstemperaturen aus. Die nach dem Pilotprozess in Windisch umgesetzten Projekte dienen der Bevölkerung als Anschauungsobjekte. Sie machen sicht- und erlebbar, wohin sich die Gemeinde mit ihrem 2024 erstellten Klimakonzept entwickeln möchte. «Denn der Gemeinderat bewilligt die Mittel für Hitze mindernde Massnahmen nur, wenn die Bevölkerung auch deren Nutzen sieht», hält der Leiter Planung und Bau fest. Schwierig sei dabei, dass dieser meist nicht sofort messbar sei, sondern sich – wie etwa beim Pflanzen von Bäumen – erst in 20 Jahren zeige. «Darum ist es wichtig, zu betonen, dass sich eine klimabewusste Freiraumgestaltung auch positiv auf Naturschutz, Regenwasserbewirtschaftung, Energieplanung und Ortsbild auswirkt», resümiert Roland Schneider. Allfällige Zielkonflikte, etwa mit dem Lärmschutz, der Barrierefreiheit oder den Unterhaltskosten, gilt es, frühzeitig zu erkennen. Das ermögliche integrierte und kosteneffiziente Lösungen. Yvonne Kiefer-Glomme

Gordola spart Wasser dank innovativer Technologie

Gordola (TI) verfügt über 16 Quellen, die aus den Felswänden in der Nähe der Ortschaft entspringen und die gesamte Gemeinde mit Wasser versorgen. «Sogar das chinesische Staatsfernsehen hat im Rahmen des Weltwassertags unser Aquädukt als Beispiel für innovatives und nachhaltiges Management vorgestellt», erklärt Bruno Storni, Nationalrat der SP und Gemeinderat von Gordola, der dieses Projekt vor rund 20 Jahren ins Leben gerufen hatte. In jedem Haushalt hat Storni einen Zähler installiert, der meldet, wenn im Aquädukt Wasser verloren geht. Dank dieser Methode verzeichnet Gordola trotz des wärmeren Klimas im Tessin und der zahlreichen Ferienwohnungen einen der niedrigsten Wasserverbräuche der Schweiz. Nora Hesse

Biel sucht Lösungen für seine Hitzeinsel

Die Esplanade vor dem Kongresshaus in Biel ist ein grosser urbaner Platz mitten in der Stadt, ein bewusster Freiraum, auf dem regelmässig Märkte, Konzerte und sonstige Veranstaltungen stattfinden. Als dieser Ort geplant wurde, haben die Behörden aber noch nicht mit den Auswirkungen des Klimawandels gerechnet. Im Sommer heizt sich der asphaltierte Platz regelmässig auf, und gerade in Tropennächten wurden rund sechs Grad mehr gemessen als im ländlichen Umland der Stadt. Biel versucht, Lösungen für seine Hitzeinsel zu finden, doch das ist nicht so einfach. Denn unter dem Platz befindet sich eine Tiefgarage, weshalb der Boden eines grossen Teils des Platzes nicht tief genug ist, um Bäume zu pflanzen – nur am Rand war dies möglich. Somit bleibt nur die Option, den Platz mittels grosser bepflanzter Töpfe zu begrünen, was aber teuer ist. Alain Meyer

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