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Altersvorsorge: Gerade Frauen sollten früh aktiv werden

Eine nicht seltene Situation: Kommt ein Kind zur Welt und arbeitet der Mann mit hohem Pensum weiter, unterbricht die Frau ihre Arbeitstätigkeit für Monate oder Jahre. Entsprechend fehlen ihr in dieser Zeit nebst dem Lohn auch Beiträge für die berufliche Vorsorge; denn nur wer entlöhnte Arbeit leistet, kann bei einer Pensionskasse mit Einzahlungen für das Alter vorsorgen. In der Schweiz sind besonders Frauen von Vorsorgelücken – und damit von tieferen Altersrenten – betroffen. Laut einer Studie des Bundes erhielten Frauen 2016 in der Schweiz durchschnittlich 37 Prozent weniger Rente als Männer. In der AHV lag das Rentengefälle bei nur rund 3 Prozent, was auf die in der 1. Säule vorgesehenen Kompensationsmassnahmen zurückzuführen ist. In der beruflichen Vorsorge (2. Säule) betrug die Rentendifferenz zwischen Frau und Mann – der sogenannte Gender Pension Gap – hingegen über 60 Prozent. Hauptgrund sind die unterschiedlichen Erwerbsbiografien. Frauen können während ihres Erwerbslebens oft weniger für die berufliche Vorsorge ansparen als Männer. Entsprechend steigt für sie das Armutsrisiko im Alter. Nebst dem Erwerbsunterbruch birgt auch die Teilzeitarbeit Vorsorgerisiken. Denn um bei einer Pensionskasse versichert zu sein, ist ein Jahreslohn von mindestens 21'510 Franken notwendig. Je nach Pensum und Lohn gelingt es nicht, diese Eintrittsschwelle zu erreichen. Zudem kann der Koordinationsabzug bewirken, dass der versicherte Lohn relativ gering ausfällt, was später eine tiefere Rente bedeutet: Vom Bruttojahreslohn werden gesetzlich vorgesehen nämlich 25'095 Franken abgezogen, um den versicherten Lohn zu berechnen. Auch eine Scheidung oder Trennung kann sich nachteilig auf die Altersvorsorge der Frau auswirken, etwa wenn die Kinderbetreuung vorwiegend bei ihr liegt, und sie deshalb nicht oder nur Teilzeit arbeiten kann. Gleiches gilt bei der unentgeltlichen Pflege von Angehörigen, wenn diese zum Unterbruch oder zur Reduktion der Erwerbstätigkeit führt. Um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, in die Altersarmut abzurutschen, gilt es – unabhängig vom Geschlecht –, Vorsorgelücken zu vermeiden und Verbesserungsmöglichketen zu prüfen. Ein Gespräch mit Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Gemeindeschreiberei der Einwohnergemeinde Spiez und Stiftungsrätin der Previs Vorsorge. Tanja Brunner: Es ist gerade bei erwerbstätigen Elternpaaren ein Thema. Sie haben beispielsweise mit der Herausforderung zu kämpfen, dass für sie bei Teilzeitarbeit oft der volle Koordinationsabzug zum Tragen kommt und damit der versicherte Lohn und die Rente reduziert werden. Oder je nachdem liegt bei Teilzeit die Eintrittsschwelle für die Pensionskasse zu hoch. Ganz grundsätzlich empfehle ich, sich eigenverantwortlich und möglichst frühzeitig Gedanken zur Altersvorsorge zu machen. Man kann nur Weichen stellen, wenn man noch die Möglichkeit dazu hat. Im Alter ist es oft zu spät, um Vorsorgelücken zu schliessen. Ganz zentral ist, dass man selber aktiv wird! Das Thema Vorsorge und allfällige Verbesserungsmöglichkeiten sollte man auch mit dem Arbeitgebenden besprechen können. Hat man beispielsweise zwei verschiedene Teilzeitstellen, lohnt es sich abzuklären, ob man sich über die Pensionskasse bei nur einem der beiden Arbeitgebenden versichern kann. Damit lässt sich vermeiden, dass der Koordinationsabzug zweimal zur Anwendung kommt. Oder das Zusammenrechnen der Löhne ermöglicht es überhaupt erst, die Eintrittsschwelle für die berufliche Vorsorge zu überwinden. Und natürlich gilt es immer darauf zu achten, dass man wenn möglich auch für die private Vorsorge sparen kann. «Ganz grundsätzlich empfehle ich, sich eigenverantwortlich und möglichst frühzeitig Gedanken zur Altersvorsorge zu machen. Man kann nur Weichen stellen, wenn man noch die Möglichkeit dazu hat.» Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Gemeindeschreiberei Einwohnergemeinde Spiez; Stiftungsrätin Previs Vorsorge In Zeiten des Fachkräftemangels sind attraktive Arbeitsbedingungen besonders wichtig – dazu zählt auch die berufliche Vorsorge. Aus meiner Sicht gibt es für Arbeitgebende verschiedene Ansätze. Beispielsweise können sie den Koordinationsabzug abhängig vom Anstellungsgrad ausgestalten. So handhabt es etwa meine Arbeitgeberin, die Einwohnergemeinde Spiez. Arbeitgebende können für gute Sparpläne sorgen oder die Eintrittsschwelle senken, auch wenn sie das natürlich ebenfalls etwas kostet. Wichtig scheinen mir zudem Arbeitsbedingungen, die mit Betreuungsaufgaben vereinbar sind. Dazu gehört zum Beispiel, dass auch in Kaderpositionen eine Teilzeitarbeit möglich ist – gerade auch für Männer, was mehr Spielraum gibt für Mütter, die arbeiten wollen. Und natürlich ist die Lohngleichheit von Mann und Frau zentral, um die berufliche Vorsorge von Frauen zu verbessern. Schliesslich haben Arbeitgebende immer die Möglichkeit, ihre Mitarbeitenden aktiv für die Altersvorsorge zu sensibilisieren. Dazu können Pensionskassen ebenfalls einen Beitrag leisten, indem sie den Arbeitgebenden die Bedeutung des Themas aufzeigen und sie unterstützen und beraten. Weitere Informationen sowie Tipps und Empfehlungen rund um das Thema Frauen und Vorsorge finden Sie unter www.previs.ch/frauen Kaspar Abplanalp

So gelingt die Integration in den Schulen

Der Sport, speziell Fussball, wird oft als Spiegel der Gesellschaft betrachtet. Wenn es im Fussball klappt, müsste es folglich auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen klappen. In der Politik etwa oder in den Schulen. Zum Beispiel bei der Integration von Spielern mit Migrationshintergrund in ein Team. Dies hat im Fussball unzweifelhaft geklappt. Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft war noch nie so erfolgreich wie in den letzten Jahren. Und noch nie waren im Team so viele Spieler mit Migrationshintergrund vertreten wie heute: Von der 24-köpfigen Truppe und dem Trainer haben nur zehn keinen sogenannten Migrationshintergrund. Noch nie hat sich Trainer Murat Yakin darüber beklagt, dass es in seinem Team zu viele Spieler mit Migrationshintergrund gebe und dass zu viele Sprachen gesprochen würden: «Wir verstehen uns problemlos. Bei allfälligen Verständigungsproblemen gibt es immer einen Spieler, der aushelfen kann. Und jeder versteht Fussball.» Das hiesse also, es kann eigentlich nicht genug Vielfältigkeit geben: Je diverser, desto besser. Ein Modell auch für die Schulen? Rechte Politiker möchten da lieber Grenzen ziehen. Die Kinder von in der Schweiz geborenen Eltern seien in den Schulen bereits in der Minderheit, klagt die SVP. In Europa verzeichne die Schweiz, abgesehen von Luxemburg, den höchsten Anteil von Schulkindern mit ausländischen Wurzeln. Da stosse die Integrationsarbeit an ihre Grenzen. Gerade die Schulen mit der grössten Diversität sehen diese Probleme allerdings nicht. Schon vor vier Jahren wehrte sich die aargauische Schule Neuenhof vehement gegen Vorurteile bezüglich der Integration: «Die schulischen und sozialen Probleme der Jugendlichen haben nichts mit der Herkunft zu tun», sagte Schulleiter Simon Wullschleger. «Entscheidend für den Erfolg ist eher die Frage, ob die Kinder durch Sprachförderung oder ein interessiertes Elternhaus unterstützt werden.» «Das Zusammensein der verschiedenen Kulturen führt automatisch zur Integration», betonte er: «Wir haben aufgrund des höheren Migrationsanteils nicht mehr Probleme als andere Schulen.» Wullschleger weiss, wovon der spricht: Der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in der Schule Neuenhof beträgt seit Jahren rund 80 Prozent. Gesprochen werden um die 40 Sprachen. «Diese vor vier Jahren gemachten Aussagen gelten auch heute noch», sagt die Neuenhofer Gesamtschulleiterin Renate Baschek. In Bezug auf die grundlegende Situation habe sich bis heute nichts Wesentliches verändert. Das «Multikulti» an der Schule Neuenhof sei weiterhin eine Qualität und keine Last. Doch die Anzahl an Schülerinnen und Schülern mit sozialen Schwierigkeiten und Problemen, sich anzupassen, habe zugenommen. Dies unabhängig von der Herkunft. Um die Integration zusätzlich zu fördern, hat die Schule die interne Fachstelle Integration geschaffen, die unter anderem ein Dolmetschernetz aufgebaut hat. Dies ist besonders wertvoll, weil Fragen etwa zum Schulsystem früh geklärt werden können. Des Weiteren werden Deutschkurse angeboten. Das «Café International» bietet allen Eltern aus fremden Kulturen zusätzlich die Möglichkeit, sich unkompliziert zu treffen und sich offen zu verschiedenen Themen auszutauschen. «Die Sprachkenntnisse spielen dabei keine Rolle, es geht vielmehr um den emotionalen Wert des Zusammenseins und darum, Vertrauen in die Schweizer Schule zu gewinnen», betont Renate Baschek. «Im ‹Café International› spielen die Sprachkenntnisse der Eltern keine Rolle, es geht vielmehr darum, Vertrauen in die Schweizer Schule zu gewinnen.» Renate Baschek, Gesamtschulleiterin Schule Neuenhof Die Schulleiterin würde es begrüssen, wenn noch zusätzliche Mittel in die Frühförderung fliessen würden. So wie beispielsweise in Basel, wo gewisse Kurse vor Schulantritt obligatorisch sind. Die basellandschaftliche Schule Bottmingen führt keine Statistiken bezüglich der Integration. «Auch wir kennen an unserer Schule aber ebenfalls keine Probleme mit dieser Thematik», sagt Colette Knecht von der Schulleitung der Schule Bottmingen. Der Vorteil: Im Kanton Basel-Landschaft werden viele Integrationsfragen auf Kantonsebene angepackt. So ist die interkulturelle Pädagogik ein integrativer Bestandteil der Volksschule. Ziel dieser Pädagogik ist es, die in der Schweiz lebenden Mehr- und Minderheiten zu berücksichtigen und ein respektvolles Zusammenleben zu fördern. Diese Pädagogik leiste einen Beitrag dazu, dass Anderssein anerkannt, Diskriminierung abgebaut, der respektvolle Umgang miteinander und Gleichberechtigung ermöglicht würden, heisst es auf der Homepage des Kantons. Konkret geschieht dies mittels Fremdsprachenintegrationsklassen oder Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur. Schülerinnen und Schüler mit ungenügenden oder fehlenden Deutschkenntnissen haben Anspruch auf den Besuch eines Förderangebotes für Fremdsprachige. Auch viele andere Kantone leisten einen beachtlichen Aufwand, die in der Schweiz lebenden Mehr- und Minderheiten zu integrieren und ein respektvolles Zusammenleben zu fördern. Der bevölkerungsreichste Kanton Zürich kennt spezielle Subventionen für Schulen, die einen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von mehr als 40 Prozent aufweisen. Im Behördenjargon spricht man hier von Quims-Schulen (Qualität in multikulturellen Schulen). Deren Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren zunächst stark gestiegen, in den letzten Jahren aber wieder leicht zurückgegangen. Laut Marion Völger, Leiterin des kantonalen Volksschulamts, bedeutet das nicht, dass in Zürich und der übrigen Schweiz Parallelgesellschaften entstehen. Im Gegenteil: «Die Aufteilung der Gesellschaft hat in den letzten Jahren abgenommen.» Nach dem neuen Zürcher Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) sind die Gemeinden aufgefordert, Strukturen zu schaffen, die die Teilnahme von neuzuziehenden Ausländerinnen und Ausländern am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und fördern. In einem Interview mit der Zeitschrift «Wir Eltern» bestätigt auch die Winterthurer Primar- und Religionslehrerin Magdalena Denzler, dass trotz der Tatsache, dass sie in Klassen mit bis zu 70 Prozent Ausländeranteil unterrichte, nur selten Integrationsprobleme aufgetreten seien: «Wenn wir uns offen und mit Respekt gegenüber der Kultur und der Religion der anderen zeigen, öffnen sich auch die Eltern von Schülern anderer Herkunft unserem Kulturerbe gegenüber.» Man müsse Respekt zeigen, ohne die eigene Kultur zu verleugnen. Fredy Gilgen

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