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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 7-8 | 2026 Alle Filter entfernen
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Frauenverein Igis: eine ernst zu nehmende Stimme in der Gemeinde

Als der Frauenverein Igis 1933 gegründet wurde, war der Auftrag klar: der Unterhalt des Kindergartens und die Bezahlung der Kindergärtnerin. Die Frauen strickten dafür, organisierten Guezliverkäufe und Lotterieveranstaltungen. Heute ist der Kindergarten längst in der Verantwortung der Gemeinde. Doch der Frauenverein existiert noch immer, und seine Mitglieder machen viel mehr als stricken. Sie übernehmen wichtige Aufgaben für die Gemeinschaft in Igis, einem Ortsteil der Gemeinde Landquart (GR). «Wir sind kein Plauschverein, sondern unterstützen da, wo es Lücken im System hat», sagt Präsidentin Katharina Hoppeler. Sie übt diese Funktion seit rund zehn Jahren aus. «Meine Mutter war bereits Mitglied», erzählt sie. «Als ich zurück nach Igis zog, hat sie mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Frauenverein Vorstandsmitglieder sucht.» Katharina Hoppeler und einige weitere Frauen machten sich daran, das Angebot anzupassen. «Es ist wichtig, sich an den Bedürfnissen der Mitglieder zu orientieren. Sind die Strukturen zu starr und formalisiert, ist es schwierig, Nachwuchs zu finden.» Heute ist der Frauenverein Igis mit rund 400 Mitgliedern der grösste Frauenverein in Graubünden und einer der grössten der Schweiz. Er richtet sich an verschiedene Zielgruppen: Junge Familien profitieren von der Krabbelgruppe, der Kinderkleiderbörse und dem Kinderturnen. Dazu gibt es Kurse wie Yoga oder Klangschalenmeditation und regelmässige Vorträge, in denen berufstätige Frauen aus ihrem Alltag erzählen. In der ReparierBar werden Gegenstände geflickt, und die Essbar verteilt gratis Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch gut sind. Ein Highlight für die Seniorinnen und Senioren ist der monatliche Seniorenzmittag. Und diese Auflistung umfasst nur einen Teil des Angebots. Wie stemmt der Verein im 3700-Seelen-Dorf all diese verschiedenen Aufgaben? Katharina Hoppeler erklärt: «Wir sind in verschiedene Gruppen unterteilt, die sehr selbstständig agieren: etwa eine Gruppe für den Krabbeltreff, eine andere fürs Seniorenzmittag und wieder eine für die Essbar. Die Gruppenleiterinnen sind jeweils einem Vorstandsmitglied unterstellt.» Durch diese Strukturen und eine gute Vernetzung können die Mitglieder rasch Projekte auf die Beine stellen. Das hat sich besonders in der Zeit der Covid-Pandemie bewährt. Als die Gemeinde anklopfte, organisierte der Frauenverein innert kürzester Zeit eine Nachbarschaftshilfe. «Seither werden wir nicht mehr belächelt, sondern als ernst zu nehmende Stimme in der Gemeinde wahrgenommen.» 2023 wurde der Frauenverein überdies für sein Engagement mit dem Prix Benevol des Kantons Graubünden ausgezeichnet. Der Verein finanziert sich selbst durch verschiedene Aktionen wie die Kinderkleiderbörse oder den Verkauf von Capuns und erhält keine direkte finanzielle Unterstützung der Gemeinde. «Weil wir weder ein Sport- noch ein Kulturverein sind, fehlt die gesetzliche Grundlage dafür», erklärt Katharina Hoppeler. Wie die anderen Vereine der Gemeinde kann er jedoch Räumlichkeiten gratis nutzen, und ist Mitglied der IG Vereine der Gemeinde, die mehrmals pro Jahr Netzwerktreffen organisiert. 2020 wurde Katharina Hoppeler, damals bereits Vereinspräsidentin, in den Gemeindevorstand von Landquart gewählt. «In meiner Tätigkeit für die Gemeinde profitiere ich enorm von meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk des Frauenvereins», sagt sie. Dies auch, weil im Verein noch immer frühere Präsidentinnen aktiv sind, die ebenfalls politisch tätig waren – und eine Art Mentorinnen für die Jüngeren sind. «Wir Frauen sind füreinander da.» Die Aktivmitgliedschaft und gewisse Aktivitäten des Frauenvereins sind denn auch nach wie vor Frauen vorbehalten. Doch Männer können Passivmitglieder werden und helfen auch in diversen Gruppen mit. Katharina Hoppeler möchte das Präsidium nach zehn Jahren demnächst abgeben. Sie blickt zuversichtlich in die Zukunft: Der Vorstand hat sich in den letzten Jahren verjüngt, und durch die Aktivitäten für junge Familien fördert der Verein aktiv den Nachwuchs. Die Angebote und Kurse erfreuen sich im Dorf grosser Beliebtheit – und der Frauenverein ist in den letzten Jahren sichtbarer geworden. «Er war schon früher immer da, aber kaum jemand wusste, dass er hinter gewissen Aktivitäten steckte», sagt Katharina Hoppeler. Mit der konsequenten Platzierung des Logos auf Flyern und eigenen T-Shirts und Jacken tritt der Frauenverein heute selbstbewusster auf. «Die Identifikation der Frauen mit ihrem Verein ist stark.» «Die Identifikation der Frauen mit ihrem Verein ist stark.» Katharina Hoppeler, Präsidentin Frauenverein Igis (GR) Nadja Sutter

«Vereine gehören zur DNA der Schweiz»

Genaue Angaben zur Zahl der Vereine in der Schweiz gibt es nicht, da diese nicht zentral erfasst werden. Studien zeigen aber, dass die Zahl der Vereine sowie das freiwillige Engagement in den letzten Jahren stabil geblieben sind. In der Schweiz sind die Rahmenbedingungen für die Rechtsform Verein so attraktiv, dass viele Vereine gegründet werden. Das heisst aber nicht, dass es nicht Verschiebungen gibt: Vereine fusionieren, und andere, deren Angebot nicht mehr dem Zeitgeist entspricht, lösen sich auf. Während manche Vereine florieren, haben andere Mühe, sich zu finanzieren oder genügend Freiwillige zu finden. Eine sehr grosse. Der letztjährige Freiwilligen-Monitor hat gezeigt, dass sich in der Schweiz rund fünf Millionen Menschen, die über 15 Jahre alt sind, freiwillig engagieren und dabei 590 Millionen freiwillige Arbeitsstunden leisten. Würde man diese Arbeit mit einem Stundenansatz von 50 Franken bezahlen, entspräche das einer Summe von 30 Milliarden Franken – also einem Drittel des Bundesbudgets. Vereine gehören zur DNA der Schweiz: Von der Geburt in einem vereinsgeführten Geburtshaus bis zur im Verein organisierten Sterbebegleitung begleiten sie uns unser ganzes Leben lang. Sie sind zentral für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Studien zeigen, dass freiwillig engagierte Menschen auch eher in der Politik aktiv werden. Vereine stärken somit nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern auch die demokratischen Institutionen. Und da sie sehr nahe an den Menschen sind, können sie den Gemeinden Befindlichkeiten in der Bevölkerung aufzeigen. Ich kann nicht für alle Gemeinden sprechen. Wir beobachten aber, dass die Zusammenarbeit zwischen grossen Städten und ihren Vereinen eher formalisiert ist, während man sich auf dem Land kennt und die Wege kürzer sind. In den Agglomerationen sind die Leute sehr mobil, und die Städte mit ihrem grossen Angebot sind nah – da ist es für die Vereine herausfordernd, an die Leute zu gelangen, und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen. Wertschätzung zu zeigen, ist zentral. Dies kann zum Beispiel mit einem jährlichen Anlass für die Vereine oder einer Preisverleihung geschehen. Aber auch finanzielle Unterstützung ist wichtig, ebenso die Bereitstellung von Infrastruktur für die Vereine. Auch in der Kommunikation können Gemeinden helfen, beispielsweise indem sie Vereinen Sichtbarkeit in der Gemeindezeitung, auf der Website oder in den Aushangkästen verleihen. Sie können entlasten und ergänzen, indem sie Leistungen anbieten, die nicht im Aufgabenkatalog einer Gemeinde enthalten sind oder die die Gemeinde selbst nicht übernehmen kann. In solchen Fällen hat sich eine einfache, gemeinsam aufgesetzte Leistungsvereinbarung bewährt. Sie gibt sowohl der Gemeinde als auch dem Verein Sicherheit. «Mit starken Vereinen können wir zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit die Stirn bieten.» Fanni Dahinden, Leiterin der Fachstelle Vitamin B Vereine und Gemeinden haben teilweise sehr unterschiedliche Abläufe und dadurch auch eine andere Sprache. Das kann zu Missverständnissen führen. Auch abrupte Wechsel können zu Konflikten führen, wenn zum Beispiel eine langjährige Ansprechperson bei der Gemeinde weggeht und jemand Neues kommt. Oder wenn Reglemente geändert werden, ohne dass die Vereine sich vorgängig einbringen konnten und ihr Aufwand dadurch grösser wird. Eine Kommunikation auf Augenhöhe mit gegenseitiger Wertschätzung hilft, ebenso wie klare Strukturen, Transparenz und feste Ansprechpersonen: Sowohl die Gemeinde als auch Vereine sollten wissen, wer wofür zuständig ist und wen sie bei Anliegen kontaktieren können. Gemeinden können zudem koordinieren und die Vereine untereinander vernetzen. So kann zum Beispiel verhindert werden, dass die Musikgesellschaft und der Turnverein am gleichen Wochenende ein grosses Fest organisieren. Ich wünschte mir, dass es in jeder Gemeinde ein Ressort für «gesellschaftlichen Zusammenhalt» gibt, das Vereine unterstützt und inspiriert. Mit starken Vereinen können wir zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit die Stirn bieten: der zunehmenden Polarisierung, Individualisierung und Einsamkeit. Nadja Sutter

e-ID: Gemeinden fordern an SGV-Generalversammlung mehr Informationen

«Wenn es gelingt, die e-ID zu integrieren, stärken wir das Vertrauen der Bevölkerung in die Verwaltung, aber auch in die digitalen Behördendienstleistungen.» Mit diesen Worten eröffnete Mathias Zopfi, Ständerat und Präsident des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV), den Fachteil der Generalversammlung des SGV, die dieses Jahr am 18. Juni im Rahmen der Messe «Suisse Public» in Bern stattfand. Er gab damit gleich das Schwerpunktthema der GV vor – der elektronische Identitätsnachweis e-ID – und unterstrich dessen Bedeutung für die Gemeinden. Das Thema interessierte: Mehr als 200 Teilnehmende folgten der Einladung an die GV und brachten sich rege in die Diskussion ein. «Wenn es gelingt, die e-ID zu integrieren, stärken wir das Vertrauen der Bevölkerung in die Verwaltung, aber auch in die digitalen Behördendienstleistungen.» Mathias Zopfi, Ständerat und Präsident «Schweizerischer Gemeindeverband» Dass Aufklärungsbedarf besteht, war bereits im Vorfeld der GV klar geworden. In der alljährlichen Gemeindeumfrage zur Digitalisierung des SGV und des Vereins Myni Gmeind hatten rund 70 Prozent der teilnehmenden Gemeinden angegeben, zu wenige Informationen zur e-ID zu haben ( siehe zur Umfrage auch den Artikel in der Juni-Ausgabe der «Schweizer Gemeinde» ). Rolf Rauschenbach, Informationsbeauftragter für die e-ID vom Bundesamt für Justiz, nahm den Ball in seinem Keynote-Referat sogleich auf: «Offensichtlich trägt unsere Arbeit noch nicht die Früchte, die wir uns wünschen. Heute soll sich das ändern.» Die e-ID sei nichts anderes als eine digitale Form der ID oder des Passes, erklärte er. Ausgestellt wird sie vom Bund und kommt danach in eine digitale Brieftasche, die sogenannte swiyu-App. In Zukunft kann sie zum Beispiel als digitale Signatur, zur Eröffnung eines Bankkontos oder zur Nutzung von digitalen Behördendienstleistungen verwendet werden. Die e-ID ist für die Bürgerinnen und Bürger nicht verpflichtend. Gemeinden müssen die e-ID aber akzeptieren, wenn sich jemand damit ausweisen will. Gemäss Rolf Rauschenbach gibt es dafür zwei Möglichkeiten: eine Prüf-App, ähnlich jener, die für die Prüfung der Impfzertifikate während der Coronapandemie zum Einsatz kam, oder das Prüfverfahren wird in die eigene digitale Infrastruktur der Gemeinden integriert. Ob die e-ID wie vorgesehen am 1. Dezember 2026 eingeführt wird, ist noch unklar. Eine bundesinterne Testphase wurde verschoben. «Vielleicht wird auch die Einführung der e-ID verschoben», sagte Rolf Rauschenbach. Genauere Angaben wollte er auch auf Nachhaken von Moderatorin Nathalie Christen nicht machen. Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion nahmen den Verzug mit Verständnis zur Kenntnis. Michael Steiner, Gemeindeschreiber von Dulliken (SO), sagte etwa: «Ich bin selbst in IT-Projekten tätig und weiss, dass das vorkommen kann.» Eva-Maria Boretti vom Thurgauer Kompetenzzentrum für Digitale Verwaltung wies auf die hohe Komplexität des Projektes hin. Anne Rizzoli von der Abteilung Bevölkerung und Digitalisierung der Stadt Yverdon-les-Bains (VD) zeigte sich bezüglich der Einführung der e-ID skeptisch: «Ich finde es schwierig, mir vorzustellen, dass wir die Einführung bis im Dezember umsetzen können. Wir brauchen mehr Informationen, was wir machen müssen, wenn jemand am Schalter mit der e-ID auftaucht.» Rolf Rauschenbach kündigte an, dass der Bund daran sei, eine grosse Informationskampagne vorzubereiten – für die Bevölkerung, aber auch für die Behörden. «Wir haben kein Interesse daran, jemanden ins kalte Wasser zu werfen.» Er stellte in Aussicht, dafür eng mit den Gemeinden beziehungsweise dem SGV zusammenarbeiten zu wollen. SGV-Vorstandsmitglied Gérald Strub, ehemaliger Gemeindepräsident von Boniswil (AG), schlug vor, die Gemeinden als Informationshub für die Bevölkerung aktiv zu nutzen. Und er plädierte für eine Zusammenarbeit der Gemeinden und den gemeinsamen Aufbau von Know-how in Digitalisierungsfragen. Das Projekt «GemeindeConnect» des SGV biete hier einen vielversprechenden Ansatz. Anne Rizzoli von der Stadt Yverdon pflichtete ihm bei: «Im Digitalen ist es unmöglich, ganz allein zu arbeiten.» Im Anschluss an die Podiumsdiskussion ergriffen zahlreiche Gemeindevertreterinnen und -vertreter die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Bei den Fragen wie auch in der Diskussion kristallisierte sich rasch heraus: Weniger die Technik wird die Herausforderung bei der Einführung der e-ID sein, sondern die Kommunikation zwischen den Staatsebenen und mit der Bevölkerung. Der SGV erwartet denn auch, dass die angekündigte Information der Gemeinden vor einer Orientierung der Öffentlichkeit erfolgt, damit die kommunalen Behörden in der Lage sind, bereits bei der Ankündigung der Einführung der e-ID kompetent auf die Fragen und Bedenken ihrer Bevölkerung einzugehen. Der SGV steht für die Weiterleitung dieser unverzichtbaren Informationen an die Gemeinden und ihre kantonalen Gemeindeverbände zur Verfügung. Im Vorfeld der Fachveranstaltung fand der statutarische Teil der Generalversammlung des SGV statt. Direktorin Claudia Kratochvil konnte eine positive Rechnung präsentieren. Sämtliche Geschäfte wurden einstimmig angenommen. Zudem wurden zwei Vorstandsmitglieder verabschiedet: Ihren Rücktritt gaben Jean-Michel Karr, ehemaliger Gemeindepräsident von Chêne-Bougeries (GE), nach zehn Jahren und Beat Bucheli, abtretender Gemeindepräsident von Werthenstein (LU), nach neun Jahren Vorstand. Neu in den Vorstand wählten die Delegierten Mathias Buschbeck, Vizestadtpräsident von Vernier (GE), und Gabriel Macedo, Stadtpräsident von Amriswil (TG). Nadja Sutter

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