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Aktive Filter: Kategorie: Energie und Umwelt Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 4 l 2025 Alle Filter entfernen
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Die Zuger Gemeinden setzen auf E-Kehrichtfahrzeuge

In einer unscheinbaren Halle ganz am Ende der Industriezone Gulmmatt oberhalb von Baar (ZG) stehen sie: Die acht Kehricht- und Grüngutfahrzeuge mit Stromantrieb, die seit Januar 2025 in den elf Zuger Gemeinden unterwegs sind. Oberhalb der Lastwagen ist an der Decke der Halle ein Kasten angebracht, der je nach Status unterschiedlich leuchtet: Blau heisst, dass das Fahrzeug gerade geladen wird, und grün heisst, dass es fertig geladen ist. In den parkierten Fahrzeugen steckt ein schwarzer Stecker – genau wie er auch für Elektroautos verwendet wird, wie Reto Hürlimann anmerkt. Er ist Geschäftsführer der R. Hürlimann AG, welche die Mandate für die Kehricht- und Grüngutsammlung vom Zeba Zug erhalten hat. Der Zeba ist ein Zweckverband, der im Auftrag aller elf Zuger Gemeinden die Abfallbewirtschaftung verantwortet. Der Zeba und damit die Gemeinden gaben denn auch den Anstoss für die E-Kehricht- und E-Grüngutlastwagen, wie Geschäftsführerin Heidi Oswald erzählt. «Wir sehen uns als innovativen Zweckverband, und in unseren Leitlinien ist festgehalten, dass Ökologie genau so wichtig ist wie Ökonomie», sagt sie. «Wir möchten zudem als öffentliche Hand unsere Vorbildfunktion wahrnehmen.» Als es um die neue Ausschreibung der Abfallsammlung ging, hielt der Verband fest, dass als Antrieb nur Wasserstoff oder Strom aus erneuerbaren Quellen in der Schweiz infrage kommt. «Erste Pilotprojekte sind bereits erfolgreich gelaufen, die Technologie ist geprüft. Die Zeit ist reif für alternative Antriebe in der Abfallsammlung», fügt Heidi Oswald hinzu. Die R. Hürlimann AG gewann die Ausschreibung und machte sich sodann an die Beschaffung der Fahrzeuge. Acht neue Fahrzeuge zogen ein, vier Dreiachser sowie vier Vierachser mit einem Kran zum Leeren der Unterflurcontainer. Die Dreiachser sind Fahrzeugtypen, die regulär auf dem Markt erhältlich sind, die Vierachser mussten speziell für die Bedürfnisse in Zug hergestellt werden. «Die Zeit ist reif für alternative Antriebe in der Abfallsammlung.» Heidi Oswald, Geschäftsführerin Zweckverband Zeba Die Elektrofahrzeuge sind rund doppelt so teuer in der Anschaffung wie Dieselfahrzeuge. So kosteten die Dreiachser 500 000 Franken, die Vierachser mit Kran sogar 950 000 Franken. Im Unterhalt sind sie jedoch wesentlich günstiger als die Dieselfahrzeuge. «Wir haben eine Vollgarantie auf die Batterien für acht bis zehn Jahre, und der Service ist inbegriffen», erklärt Reto Hürlimann. Heidi Oswald ergänzt: «Über die ganze Lebensdauer der Fahrzeuge gerechnet sind die E-Lastwagen nicht teurer.» Für den Zeba sei der Preis gleich wie vorher mit Dieselfahrzeugen. «Dass sich die neue Technologie auch finanziell lohnt, hilft sicher, dass sie sich langfristig durchsetzen kann», glaubt Heidi Oswald. Der Strom für den Betrieb kommt von der grosszügigen Solaranlage im Industriepark Gulmmatt. Dort werden die Fahrzeuge jeweils über Nacht geladen – jene, die in der Nähe unterwegs sind, laden jeweils auch in der Mittagspause auf. Die Lösung ist allerdings noch nicht ideal, denn die Fahrzeuge sind tagsüber, wenn die Sonne scheint, mehrheitlich unterwegs. «Wir planen, eine Speicheranlage zu bauen, um den tagsüber produzierten Strom speichern und für die nächtliche Ladung der Fahrzeuge verwenden zu können», sagt Reto Hürlimann. Dafür brauche es aber noch Abklärungen. Sicher ist aber: Die Leistung der E-Fahrzeuge ist besser als jene, die mit Diesel betrieben sind. Und auch die Chauffeure sind zufrieden, wie Reto Hürlimann sagt: Sie lobten das neue Fahrgefühl. Für die Mitarbeitenden, die hinten mitfahren, sei es zudem angenehmer weil die Fahrzeuge leiser seien und keine Abgase produzierten. Feinjustierungen seien aber noch nötig, insbesondere bei der Fahrweise. Dazu bietet das Unternehmen Schulungen für seine Chauffeure an und hat auch bereits Anpassungen vorgenommen. Nicht ganz einfach ist die Planung, weil gerade beim Grüngut die Abfallmenge je nach Jahreszeit und Wetter stark variiert – und weil im Versorgungsgebiet laufend neue Unterflurcontainer dazukommen. «Wir möchten bis 2030 in allen Gemeinden ausschliesslich Unterflurcontainer und keine Rollcontainer mehr im Einsatz haben», sagt Heidi Oswald. Werden neue Unterflurcontainer in Betrieb genommen, heisst das auch, dass sich die Routen für die Abfallsammlung ändern. Zudem bedeutet diese Umstellung, dass die Fahrzeugflotte sowohl in der Lage sein muss, Rollcontainer als auch Unterflurcontainer zu leeren. «Wir müssen in diesem ersten Jahr nun Erfahrungen sammeln», fasst Reto Hürlimann zusammen. «Wir sind gut gestartet und meistern diese Herausforderung, haben aber noch Potenzial zur Optimierung.» Heidi Oswald pflichtet ihm bei: «Der Start und die Umstellung waren herausfordernd. Seither läuft es aber rund. Als Verband sind wir mit dieser Lösung sehr zufrieden.» Und auch aus der Bevölkerung gebe es viele positive Rückmeldungen. Nadja Sutter

Grenchen kämpft erfolgreich gegen Littering

Als Grenchen 2020 den ersten Clean-up-Day organisierte, traf die Solothurner Stadt offenbar einen Nerv. Mehr als 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen und halfen mit, Grenchen von achtlos weggeworfenem Abfall zu befreien. Drei Jahre später verzeichnete der Clean-up-Day sogar einen Teilnehmerrekord: 730 Personen waren 2023 mit dabei. Das grosse Engagement der Bevölkerung freut Sandra Marek, Sachbearbeiterin Stadtplanung und Energiestadtkoordinatorin bei der Stadt Grenchen. Sie ist bei der Baudirektion zuständig für das Thema Littering und hilft unter anderem mit, den Clean-up-Day zu organisieren. Dieser ist eine schweizweite Aktion der IGSU (Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt) und wird in zahlreichen Gemeinden und Städten durchgeführt. 2019 kam aus der Politik der Anstoss, diesen Tag auch in Grenchen umzusetzen. Und die Stadt legt sich seither besonders ins Zeug: 2021 gewann die Stadt sogar einen Preis der IGSU für den kreativsten Clean-up-Day. Mit dem gewonnenen Ausflugsgutschein besuchten die Teilnehmenden ein Entsorgungscenter und lernten Interessantes zum Thema Plastikrecycling. Jedes Jahr überlegt sich das OK eine besondere Aktion im Rahmen des Clean-up-Days, letztes Jahr zum Beispiel einen Gestaltungswettbewerb für die Schulen. Die Schulen seien ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen Littering, wie Sandra Marek erklärt. Sensibilisierungsmassnahmen gegen Littering sind fix im Stundenplan verankert. Im Turnus putzen Schulklassen einmal die Woche den Pausenplatz, und jährlich werden drei Schullektionen dem Umweltunterricht der Stiftung Pusch gewidmet. Darin geht es nicht nur um Littering, sondern allgemein um den Umgang mit Ressourcen. Ein weiterer Baustein im Kampf gegen Littering sind in Grenchen die Raumpatenschaften. Dabei verpflichten sich Freiwillige aus der Bevölkerung, einen bestimmten Ort in der Stadt – zum Beispiel eine Bushaltestelle, den Raum um eine Parkbank oder einen Spielplatz – regelmässig von Abfall zu befreien. Die Idee: Liegt kein Abfall herum, so ist die Hemmschwelle grösser, Müll achtlos auf den Boden zu werfen. 2021 startete das Projekt, heute betreuen 28 Raumpatinnen und Raumpaten 29 Gebiete. «Wir haben in diesem Programm sehr engagierte Leute, die uns immer wieder wertvolle Inputs geben», sagt Sandra Marek. Eine Familie, die regelmässig einen Spazierweg entlang eines Bachs von Abfall befreit, hat zum Beispiel selbst kleine Aschenbecher aus Blechdosen gebastelt und an den Parkbänken angebracht. Seither liegen auf dem Abschnitt deutlich weniger Zigarettenstummel am Boden. Bei anderen Raumpatinnen und Raumpaten haben die Aufräumaktionen die Situation so stark verbessert, dass ihr Einsatz gar nicht mehr nötig war – und sie sich ein neues Gebiet gesucht haben. «Uns ist es sehr wichtig, Wertschätzung für das grosse Engagement der Raumpatinnen und Raumpaten zu zeigen», sagt Sandra Marek. Regelmässig organisiert die Stadt deshalb ein Treffen. Das zeigt den Raumpatinnen und Raumpaten einerseits, dass sie mit ihrem Engagement nicht allein sind, und stellt andererseits den Kontakt zur Stadt sicher. Das Engagement der Stadt Grenchen zahlt sich aus. Seit 2023 trägt sie das No-Littering-Label der IGSU. Um das Label zu erhalten, muss eine Gemeinde mindestens fünf Massnahmen im Kampf gegen Littering umsetzen. Im Falle von Grenchen sind dies der jährliche Clean-up-Day, das Raumpatenprojekt, der Umweltunterricht sowie die «Pausenplatz-Putzete» in den Schulen. Dazu kommt eine jährlich wechselnde Massnahme, 2025 war dies ein zusätzlicher Clean-up-Day an der Aare zusammen mit dem Verein Abfalltaucher am 15. März. Rund 30 Taucher bargen mithilfe von Hebeballons eine grosse Menge an Abfall aus der Aare. Bootshelfer zogen die Fundstücke aus dem Wasser und übergaben sie an rund 60 Landhelfer. Unter den geborgenen Objekten befanden sich zwei Töffli, 25 Velos, 18 Reifen, etwa 300 Kilogramm Kupferkabel, ein Ruderboot, eine Büroeinrichtung, ein Sofa, zahlreiche Ölfässer, eine Matratze sowie eine Flaschenpost eines Kindergartens aus Studen. «Mit dem IGSU-Label können wir unser Engagement sichtbar machen», erklärt Sandra Marek. Die Stadt nutze das Label vor allem in der Kommunikation. «Wichtiger als das Label ist es für uns, die Massnahmen umzusetzen, mit dem Ziel eines sauberen und angenehmen Stadtbildes.» Und dass die Massnahmen nützen, erfährt der Werkhof ganz direkt. Zwar gebe es noch immer Littering-Hotspots, so Sandra Marek. Aber: «Im Grossen und Ganzen hat das Littering stark abgenommen.» Die Mitarbeitenden des Werkhofs haben weniger Arbeit mit achtlos weggeworfenem Abfall und dadurch mehr Ressourcen für andere Aufgaben. «Wichtiger als ein Label ist es uns, die Massnahmen umzusetzen, mit dem Ziel eines sauberen und angenehmen Stadtbildes.» Sandra Marek, Sachbearbeiterin Stadtplanung und Energiestadtkoordinatorin, Stadt Grenchen (SO) Nadja Sutter

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