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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 3 | 2026 Alle Filter entfernen
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Neuer Verein will junge Menschen für die Gemeindepolitik begeistern

Gemeindepolitik ist nicht das, womit sich eine Mehrheit der Generation Z in ihrer Freizeit beschäftigt. Im Gegenteil, der Gemeindemonitor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat gezeigt, dass das Durchschnittsalter in Schweizer Gemeinderäten 54 Jahre beträgt. Dennoch haben sich einige junge Studierende der Berner Hochschule der Künste (HKB) letztes Jahr dem Thema angenommen – warum? «Wir haben uns gefragt, wo wir in unserer globalisierten Welt etwas bewegen können», sagt Simon Rauber, einer der Gründer des Vereins. «Zudem wurden damals gerade die Resultate des Gemeindemonitors zum Alter von Gemeinderatsmitgliedern publik, und in den Medien wurde der Amtszwang für Gemeindeämter diskutiert.» Seine Kollegin Milena Ambauen ergänzt: «Die Gemeindepolitik ist eine riesige Chance für junge Menschen, etwas zu bewirken.» «Die Gemeindepolitik ist eine riesige Chance für junge Menschen, etwas zu bewirken.» Milena Ambauen, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Das Projekt entstand im Rahmen ihres Studiums der Politischen Kommunikation an der HKB. Die Gruppe entwickelte ein Kartenspiel, das jungen Menschen zwischen 16 und 35 auf humorvolle Weise Informationen zur Gemeindepolitik vermitteln soll. Zudem veranstalteten sie einen Netzwerkanlass in Biel, wo sich junge Gemeinderätinnen und Gemeinderäte mit jungen Interessierten austauschten. Rund 80 Personen kamen – und zahlreiche Medienschaffende. «Dass ein Beitrag im «10 vor 10» dazukam, macht uns schon stolz», sagt Simon Rauber. Auch das Kartenspiel ist beliebt, und vor allem Lehrpersonen kommen mit grossem Interesse auf den Verein zu. Nach dem Beginn als Studienprojekt hat sich der Verein «Generation Gemeinderat» professionalisiert und seit Anfang Jahr eine Geschäftsstelle aufgebaut. Zu Simon Rauber und Milena Ambauen aus dem Pilotprojekt sind mit Silja Elsener und Konradin Franzini zwei neue Projektleitende dazugekommen. Sie möchten Gemeinden bei der Suche nach jungem Nachwuchs für Ämter und Kommissionen unterstützen. Aktuell seien sie noch in der Konzeptionsphase, sagen die vier. Doch Ideen haben sie viele. So möchten sie etwa Gemeinden bei der Feier für die Jungbürgerinnen und Jungbürger unterstützen. In St. Gallen haben sie das bereits getan. «Wir haben ein Quiz durchgeführt, bei dem es attraktive Preise zu gewinnen gab, und mit verschiedenen Aktionen den jungen Menschen die Gemeindepolitik niederschwellig nähergebracht», sagt Milena Ambauen. «Junge für die Gemeindepolitik zu begeistern, braucht Zeit, mit einem Anlass allein ist es meist nicht getan.» Simon Rauber, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Zudem ist der Verein in Gesprächen mit der Gemeinde Laupen (BE) für ein längerfristiges Projekt namens «Road to Gemeinderat», wie Simon Rauber ergänzt. «Junge für die Gemeindepolitik zu begeistern, braucht Zeit, mit einem Anlass allein ist es meist nicht getan. Deshalb möchten wir in Zusammenarbeit mit der Gemeinde mehrere Massnahmen ausprobieren und umsetzen.» Ziel sei es, das Konzept anschliessend auch in anderen Gemeinden umzusetzen. Geplant ist auch eine Informationsplattform, die in einfacher Sprache Informationen zur Gemeindepolitik und zu einer Kandidatur erklären soll. Zudem wollen sie eine Vernetzungsplattform aufbauen, die junge Gemeinderatsmitglieder und Interessierte zusammenbringen soll. Silja Elsener ergänzt: «Uns ist es wichtig, dass wir möglichst niederschwellig informieren und eine zugängliche Sprache nutzen, sodass sich junge Interessierte aufgehoben fühlen.» Der Verein will sowohl jungen Menschen konkret einen Weg aufzeigen, wie sie sich engagieren können, als auch die Gemeinden dabei unterstützen, junge Menschen gezielter anzusprechen. «Uns ist es wichtig, dass wir möglichst niederschwellig informieren und eine zugängliche Sprache nutzen.» Silja Elsener, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Ein Vorstandsmitglied des Vereins ist selbst in einem Gemeinderat tätig, und Simon Rauber von der Geschäftsstelle hat in seiner Gemeinde eine junge Liste gegründet, die Anfang März erstmals an der Wahl für das Gemeindeparlament teilnahm. Der junge Verein betont: Um die Jungen in einer Gemeinde zu erreichen, gibt es nicht eine einfache Lösung, sondern es braucht eine umfassende Strategie und einen klaren Willen für den Einbezug der Jugend. Konradin Franzini: «Wichtig sind flexible Strukturen, die eine Teilhabe auf Gemeindeebene auch möglich machen, wenn man zum Beispiel in einer anderen Stadt studiert.» So sei es möglich, den Kontakt zu halten. Denn viele Junge würden sich gerne in ihrer Heimatgemeinde engagieren. Simon Rauber ergänzt: «Es braucht einen echten Dialog. Wenn Jugendliche befragt werden, ist es wichtig, dass ihre Ideen ernst genommen und weiterverfolgt werden.» «Wichtig sind flexible Strukturen, die eine Teilhabe auf Gemeindeebene auch möglich machen, wenn man zum Beispiel in einer anderen Stadt studiert.» Konradin Franzini, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat» Der Verein «Generation Gemeinderat» möchte seinen Teil dazu beitragen, indem er das Selbstbewusstsein der jungen Generation stärkt. Denn viele Jüngere trauen sich ein Amt nicht zu. Daher auch der Slogan des Vereins: «Du chasch das imfau oh» – «Du kannst das übrigens auch». Nadja Sutter

Walliser Gemeinden professionalisieren Personalsuche

Das Wallis erlebt einen Boom: In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Fachkräfte in den Gebirgskanton gezogen. Das spüren die Gemeinden bei der Personalsuche, wie Joachim Rausis, Präsident der Antenne Région Valais Romand sowie Gemeindepräsident von Orsières sagt. Die Antenne Région Valais Romand ist ein Kompetenzzentrum im Dienste der französischsprachigen Walliser Gemeinden und fungiert als Schnittstelle zwischen Gemeinden und Kanton. «Der Boom ist an sich erfreulich, er sorgt für mehr Ressourcen in den Gemeinden», sagt Joachim Rausis. Gleichzeitig bedeute die aktuelle Situation aber auch, dass die Gemeinden mit der Privatwirtschaft um die Fachkräfte konkurrenzierten – und gerade in sehr spezialisierten Positionen gebe es bei der Entlöhnung grosse Unterschiede. Ein weiterer Faktor, den das Wallis zum Spezialfall macht, ist seine periphere Lage. «Im Mittelland oder auch der Genferseeregion sind die Menschen mobiler. Ins Wallis zu ziehen für die Arbeit ist ein grösserer Schritt», sagt Joachim Rausis. Besonders die Gemeinden in den Seitentälern, die im Winter nur mit einem 4x4-Fahrzeug erreichbar sind, hätten da einen Nachteil. Das Wallis und seine Gemeinden haben die Problematik erkannt und sind aktiv geworden. Seit einigen Jahren berät die Plattform «Valais4you» Menschen, die neu ins Wallis ziehen. Sie bietet praktische Infos für Neuzuzüger und hebt die Vorteile eines Lebens im Gebirgskanton hervor. Florence Gessler, Fachspezialistin für Wirtschafts- und Tourismuspolitik bei der Antenne Région Valais Romand, beobachtet zudem, dass viele Gemeinden in den letzten Jahren die Personalsuche professionalisiert haben: «Auch immer mehr kleine Gemeinden haben heute spezialisierte HR-Verantwortliche.» Das bestätigt auch eine Umfrage der «Schweizer Gemeinde» bei den Gemeinden Savièse und Riddes sowie der Stadt Sion. Die Personalverantwortlichen aller drei Gemeinden schreiben, dass sie zwar momentan genug Personal finden, dafür aber grössere Anstrengungen unternehmen müssen – und nicht selten Absagen in letzter Minute erhalten. Besonders schwierig sei die Suche in technischen Berufen, in der Kinderbetreuung sowie bei sehr spezialisierten Posten. Sie alle betonen, wie wichtig es ist, dass Gemeinden in ihre Personalrekrutierung investieren. «Wir streben eine reelle Professionalisierung der Funktion HR in der Gemeinde an. Es geht nicht mehr nur darum, sich einfach um die Löhne zu kümmern, sondern den Menschen ins Zentrum zu stellen», schreibt Lorena Steiner-Conti, HR-Verantwortliche der Gemeinde Riddes. «Gemeinden müssen in der aktuellen Situation ihre Praktiken anpassen und proaktiv in der Kommunikation werden», schreibt Sévérine Stalder, HR-Verantwortliche von Savièse. Die befragten Gemeinden bieten ihren Angestellten flexible Arbeitsmodelle und Weiterbildungsmöglichkeiten an, und versuchen ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, indem sie die Arbeit ihrer Angestellten wertschätzen und eine klare Kommunikation pflegen. Die Gemeinde Riddes setzt dazu auch auf die Ausbildung und Begleitung der Kader. Seit Anfang 2026 haben die Angestellten dort zudem die Möglichkeit, eine externe Vertrauensperson zu kontaktieren – dies zusätzlich zu den bestehenden internen Strukturen. Die Stadt Sion nennt ähnliche Massnahmen, und hat ihr Personalreglement überarbeitet. Zudem investiert sie auch in das Image der Stadt als Arbeitgeberin. Sie hat Videos gedreht, in denen sie die verschiedenen Berufe bei der Stadt vorstellt. «Wir haben dazu sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, aber auch von unseren Mitarbeitenden, die sehr stolz waren, ihre jeweiligen Berufe zeigen zu können», schreibt Ludovic Bruchez, Dienstchef des Bereichs HR. Sion setzt auch auf Videos auf Social Media, um junge Leute für eine Ausbildung oder eine Stelle bei der Stadt zu motivieren. Proaktiv zu kommunizieren, heisst auch, die Vorteile der Arbeit bei einer Gemeinde hervorzuheben: Dazu gehört laut den Befragten nicht nur die Sicherheit der Stelle, sondern vor allem die sinnstiftende Arbeit für die Bevölkerung. «Mit einfachen und kostengünstigen Aktionen ist es möglich, viel zu tun, um die Marke der Gemeinde als Arbeitgeberin zu stärken», ist Ludovic Bruchez überzeugt. Joachim Rausis aus Orsières fügt an: «Als Gemeinden in einem peripheren Kanton haben wir keine Wahl, wir müssen aktiv etwas tun für unsere Attraktivität als Arbeitgeberinnen.» Nadja Sutter

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