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Ein Lebensmittelgeschäft, das den sozialen Zusammenhalt stärkt

Im Jahr 2019 beschloss die Familie, die den einzigen Laden in Ramosch (GR) betrieb, das Handtuch zu werfen. Die Einheimischen des Unterengadiner Dorfes, die ihrem Lebensmittelgeschäft sehr verbunden waren, mobilisierten sich. Sie gründeten den Verein «Società Butia Ramosch», dessen Mitgliedsbeiträge die Miete für den Laden decken sollten. Das Abenteuer begann 2020. Doch schon bald stand dem Projekt ein Hindernis im Weg: Die Eigentümer der Räumlichkeiten kündigten den Mietvertrag. Überzeugt von der sozialen Bedeutung einer solchen Einrichtung, schalteten sich die Gemeindebehörden ein. Im Zentrum des Ortes wurde ein Grundstück zur Verfügung gestellt und in aller Eile ein Gebäude errichtet. Es wurde im April 2023 eingeweiht. Neben einem Prima-Lebensmittelgeschäft und einem Café umfasst die Anlage ein Postamt und ein Touristeninformationszentrum. Diese Vielfalt soll insbesondere den sozialen Zusammenhalt fördern, da es das Ziel des Vereins ist, Ramosch als lebendiges Dorf zu erhalten. Patricia Michaud

Ausgejammert – Arbeitskräftemangel ist eine Chance

Fachkräftemangel? Ja. Aber statt zu klagen, frage ich mich: Was können wir tun? Der Mangel ist real – aber kein Schicksal. Er ist eine Einladung, neu zu denken. Es fehlt längst nicht nur an Fachkräften, sondern an Arbeitskräften generell – in der Pflege, im Gewerbe, in der Verwaltung. Das ist kein Problem, das ist eine Chance. Zuerst einmal für unsere Sozialämter, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Und eine Chance für jene, die bislang zu schlechten Bedingungen gearbeitet haben, nun aber bessere Perspektiven erhalten. Natürlich ist es auch für Verwaltungen, Werkhöfe und öffentliche Betriebe schwieriger geworden, passende Mitarbeitende zu finden. Doch es gibt Wege: über Lehrstellen, Weiterbildungen und mutige Quereinstiege. Bei uns arbeitet heute eine ehemalige Zimmerin in der Buchhaltung – sie hat sich das nötige Know-how Schritt für Schritt angeeignet. Unsere Bauverwaltung wird in Co-Leitung von zwei Müttern geführt – Fachkräfte, die wir ohne flexibles Modell kaum gewonnen hätten. Und unsere Ratsschreiberin? Sie studiert nebenbei. Klar, das braucht Koordination. Aber genau darin liegt die Chance: Neue Modelle schaffen Lösungen – und oft mehr Qualität, Motivation und Teamgeist. Was es braucht? Eine klare Strategie. Mehr Flexibilität, mehr Zutrauen, mehr Mut. Teilzeit, Jobsharing, Potenzial statt Perfektion. Wenn wir bestehende Strukturen hinterfragen, entstehen Lösungen – und Chancen für alle. 2026 ist für mich das Jahr des Perspektivwechsels. Wir könnten jammern – oder wir können gestalten. Und wir haben uns entschieden: Wir haben ausgejammert. Mathias Müller

Moutier: Der Kantonswechsel zieht viel Arbeit nach sich

Rund vier Jahre und fast 40 Abkommen hat es gebraucht, um den Kantonswechsel von Moutier Realität werden zu lassen. Seit dem 1. Januar 2026 gehört die Stadt offiziell zum Kanton Jura. Doch: «Die Übung war nicht einfach, und sie ist noch nicht zu Ende», sagt der Stadtpräsident Marcel Winistoerfer. Für Fragen rund um den Kantonswechsel hat der Kanton Jura einen eigenen Schalter eingerichtet, an den sich die Bevölkerung wenden kann. Bei der Schule ist der Kantonswechsel noch nicht vollzogen: Weil das Schuljahr im Sommer endet, gilt bis dahin noch das Berner Regime und erst danach die jurassischen Regelungen. Für den interkantonalen Finanzausgleich gilt eine Übergangsfrist, um die Stellung von Moutier innerhalb der jurassischen Gemeindelandschaft zu bestimmen. Für 2026 hat der Kanton Jura einen Betrag von rund drei Millionen Franken definiert, den Moutier erhält. Während der Übergangsfrist kommt der Betrag für Moutier aus einem Fonds, sodass die anderen jurassischen Gemeinden vorerst nicht betroffen sind. Alain Meyer

Personalmangel in Tessiner Gemeinden

Auch im Tessin wird es für Gemeinden zunehmend schwieriger, qualifiziertes Personal zu rekrutieren, vor allem für technische Berufe und Stellen mit viel Verantwortung. Laut der Abteilung für lokale Behörden beim Kanton Tessin handelt es sich nicht um eine akute Krise, aber um ein klares Warnsignal. Eine kantonale Kommission arbeitet an einer Strategie zur Stärkung der Attraktivität der Gemeinden als Arbeitgeber. Der Wandel der Arbeitswelt spielt dabei eine zentrale Rolle. Jüngere Generationen erwarten mehr Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten und moderne Führungsansätze. Starre Arbeitszeiten und klassische Routinen gelten zunehmend als Nachteil. Nur wenige Gemeinden äussern sich öffentlich. Arbedo-Castione berichtet von besseren Rekrutierungschancen dank Qualitätsmanagement. Gordola reagierte mit angepassten Arbeitsbedingungen, mehr Homeoffice und Förderung der Weiterbildung, was zu einer stabileren Personalsituation geführt hat. Marco Jeitziner

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