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Aktive Filter: Kategorie: Institution Gemeinde Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 7-8 l 2023 Alle Filter entfernen
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Wenn die Musik das Dorf zusammenbringt

Die rund 6000 Sängerinnen und Sänger im Kanton Freiburg führen eine lange Tradition weiter: Jene des Chorwesens, das im Westschweizer Kanton besonders ausgeprägt ist. In fast jeder Gemeinde gibt es einen Chor, der an Feiertagen auftritt – zum Beispiel am ersten August. «Die Tradition der Chöre in Freiburg reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert», weiss Carl-Alex Ridoré. Er ist Präsident der Freiburger Chorvereinigung und singt selbst in verschiedenen Formationen. Als ehemaliger Oberamtmann des Freiburger Saanebezirks kennt er auch die Welt der Gemeinden gut. Was sind die Gründe, weshalb die Chöre in Freiburg solch eine wichtige Stellung haben? Carl-Alex Ridoré sagt, dass die in Freiburg lange sehr präsente katholische Kirche eine wichtige Rolle gespielt habe. In der Kirche wurde gesungen – aber ebenso in der Schule. Lehrerinnen und Lehrer hatten früher auch immer eine Gesangsausbildung. Einzelne wichtige Persönlichkeiten haben die Freiburger Chorwelt massgeblich geprägt, allen voran Abbé Joseph Bovet (1879–1951), ein Pfarrer, Lehrer und Chordirigent, der das Chorwesen in Freiburg stark förderte. Er war in verschiedenen Teilen des Kantons aktiv, und dirigierte auf dem Land, aber auch in der Stadt Freiburg. Sowieso ist das Chorwesen im Kanton nicht allein eine ländliche Tradition. Auch in den Städten wie Freiburg und Bulle sind über die Jahre sehr viele Chöre entstanden. «Sie waren gerade früher sehr wichtig für die Gesellschaft, weil sie die verschiedensten Alter und Schichten zusammenbrachten.» Und wie ist das heute? Die Zahlen belegen, dass das Chorwesen in Freiburg immer noch sehr aktiv ist: Mehr als 215 Formationen gibt es im ganzen Kanton. Alle vier bis fünf Jahre treffen sich die Sängerinnen und Sänger am grossen Gesangsfest «Tutticanti», und auch daneben gibt es zahlreiche Festivals für Chöre. Dennoch: Die Welt der Chöre ändert sich. Einige Formationen tun sich schwer damit, neue Mitglieder zu finden. «Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, als früher», gibt Carl-Alex Ridoré zu bedenken. «Chöre waren gerade früher sehr wichtig für die Gesellschaft, weil sie die verschiedensten Alter und Schichten zusammenbrachten.» Carl-Alex Ridoré, Präsident der Freiburger Chorvereinigung Auch die Covid-Pandemie war ein schwerer Schlag für viele Chöre. Monatelang konnten sie weder proben noch auftreten. Einige Sängerinnen und Sänger haben nach dem Ende der Schutzmassnahmen nicht mehr zurück zu den Chören gefunden – teils auch altersbedingt. «Die Pandemie hat manche Entwicklungen beschleunigt», so Ridoré. Darum sei es nun umso wichtiger, den Nachwuchs zu pflegen. «Kinder- und Jugendchöre haben relativ viel Zulauf», sagt der Präsident der Chorvereinigung. Auch Kirchenchöre und gemischte Chöre mit älteren Mitgliedern erfreuten sich an Beliebtheit. «Was fehlt, ist ein Angebot dazwischen, für junge Erwachsene.» Carl-Alex Ridoré beobachtet allerdings, dass immer mehr neue, kleinere Formationen mit vier bis zehn Sängerinnen und Sängern entstehen, die moderne Musik wie Jazz interpretieren. Die Freiburger Chöre werden von verschiedenen Seiten unterstützt. Seit die musikalische Ausbildung in der Schule einen weniger grossen Raum einnimmt, ist das Freiburger Konservatorium eingesprungen. Dank Beiträgen der Loterie Romande kann es Kurse für Jugendliche organisieren. Neu bietet das Konservatorium auch spezifische Ausbildungen für ganze Chöre an und nicht nur für einzelne Sängerinnen und Sänger. «Das Interesse daran ist sehr gross», so Carl-Alex Ridoré. Wie wichtig die Stellung der Chöre in Freiburg ist, zeigt auch die finanzielle Unterstützung des kantonalen Kulturamts. Pfarreien und Gemeinden ihrerseits stellen Chören Räumlichkeiten für Proben und Auftritte zur Verfügung und fördern die Chorkultur auf diese Weise. «Für viele Gemeinden ist der Chor eine wichtige Institution im Dorf; eine, auf die man stolz ist», sagt Carl-Alex Ridoré. So treten die Chöre denn auch oft an Anlässen der Gemeinden auf und sorgen für die musikalische Begleitung. Umgekehrt sei es für die Chöre wichtig, dass sich der Gemeinderat an ihren Konzerten zeige. Das sei eine zentrale ideelle Unterstützung. Die Freiburger Chorvereinigung, die Carl-Alex Ridoré präsidiert, fördert den Austausch zwischen den Chören, aber auch zwischen den Chören und den politischen Behörden sowie dem Bistum. «Während der Covid-Pandemie stellten wir zudem den Informationsfluss zu den Chören sicher», ergänzt Ridoré. Er ist überzeugt, dass die Freiburger Chöre noch lange weitermusizieren werden. Ihm selbst jedenfalls gibt das Singen im Chor vieles: «Singen ist für mich wie atmen. Der eigene Körper ist das Instrument, das ist das Spezielle daran. Und im Chor muss man sich mit den anderen Menschen abstimmen, aufeinander hören. Das macht Spass – und tut gut.» Nadja Sutter

Kulturförderung: St. Galler Gemeinden arbeiten zusammen

Wer in der Gemeinde Andwil (SG) zum Beispiel ein Freilufttheater mit regionaler Ausstrahlung organisiert und dafür Fördergelder beantragen will, der kann sich künftig an den Verein «Kultur St. Gallen Plus» wenden. Der Verein ist ein Zusammenschluss von 17 Gemeinden aus dem Gebiet Fürstenland-St. Gallen-Bodensee und dem Kanton St. Gallen, der sich um die Kulturförderung in seinem Gebiet kümmert. Für die Förderung regionaler Anlässe sind also nicht mehr einzelne Gemeinden zuständig, sondern der Verein. Die Förderung kleinerer, kommunaler Anlässe bleibt hingegen weiterhin in der Verantwortung der Gemeinden. Toni Thoma, Gemeindepräsident von Andwil und Präsident von «Kultur St. Gallen Plus» ist vom Nutzen des neuen Vereins für die Gemeinden überzeugt. Dies nicht zuletzt, weil sich in St. Gallen schon andere Gemeinden zu einer Kulturregion zusammengeschlossen haben und damit gute Erfahrungen gemacht haben. «Die Kulturregionen ermöglichen es, eine kulturelle Identität über die Gemeindegrenzen hinaus zu entwickeln, und fördern die Qualität des regionalen Kulturschaffens.» Das Gebiet um die Stadt St. Gallen, in welcher der Verein nun entstanden ist, war die letzte Region im Kanton, die noch nicht über eine regionale Kulturförderung verfügte. Ein Grund dafür sei wahrscheinlich gewesen, dass die Stadt St. Gallen mit ihrem lebendigen Kulturleben schon seit Langem über eine eigene Kulturförderung verfüge, so Thoma. In einer regionalen Planungsgruppe sei das Thema aber auf den Tisch gekommen, und sie gab den Anstoss für die Schaffung des Vereins. Mit der Schaffung von «Kultur St. Gallen Plus» ist nun der ganze Kanton in fünf Kulturregionen aufgeteilt. «Die Kulturregionen entsprechen nicht politischen Einheiten, sondern sind so aufgeteilt, wie es aus kultureller Perspektive Sinn ergibt», erklärt Toni Thoma. So umfasst etwa der Verein ThurKultur mehrere Gemeinden in der Region Wil; darunter auch solche aus dem Kanton Thurgau. Toni Thoma sieht klare Vorteile in der gemeindeübergreifenden Kulturförderung: «Für die Kulturschaffenden gibt es einen Ansprechpartner und klare Richtlinien für die Vergabe von Fördergeldern.» Die Kulturschaffenden waren von Anfang an in den Prozess eingebunden und sind auch im Vorstand vertreten. Auch für die Gemeinden gebe es Vorteile: «Sie haben für grössere Anlässe eine Anlaufstelle, und die aufwendige Koordination unter den Gemeinden fällt weg.» So seien bei regionalen Anlässen früher Gesuche an mehrere Gemeinden eingegangen – diese mussten nicht nur die Gesuche beurteilen, sondern sich auch mit den Nachbargemeinden absprechen. Das fällt mit dem neuen Verein nun weg. Jede Gemeinde zahlt pro Kopf und Jahr Franken 1.25 in den Fonds zur Kulturförderung. Der Kanton St. Gallen zahlt den gleichen Betrag pro Kopf und Jahr ein. Damit sind nun bereits rund 450 000 Franken zusammengekommen. Die Beträge von Gemeinden und Kanton sind gekoppelt: Würde also eine Erhöhung des Betrags der Gemeinden beschlossen, erhöhte sich automatisch auch der Betrag des Kantons. Eine professionelle Geschäftsstelle, die bei der Kulturförderung der Stadt St. Gallen angesiedelt ist, kümmert sich um die administrativen Belange. Über Förderbeiträge von bis zu 5000 Franken entscheidet die Geschäftsstelle allein. Bei Beiträgen von 5000 bis 10 000 Franken entscheidet der Vorstand. Mehr als 10 000 Franken pro Projekt vergibt der Verein nicht. Ob die Gemeinden mit dem neuen Modell mehr oder weniger für die Kulturförderung ausgeben, sei schwierig zu sagen und hänge auch davon ab, wie viel die Gemeinden bisher für die Kulturförderung ausgegeben hätten, sagt Toni Thoma. «Ich denke, dass wir jeden Kulturförderfranken mit dem neuen Verein effizienter ausgeben, weil wir die Gesuche nun professionell beurteilen. Wir haben Freude an der Kultur und wollen unsere Budgets effizienter einsetzen.» Der Vereinspräsident ergänzt: «Wir wollen mit dem Verein die kulturelle Entwicklung auch in den kleineren Gemeinden fördern, zum Wohle der Bevölkerung und der Gemeinde.» Die Erfahrungen aus anderen Regionen hätten gezeigt, dass sich die Qualität des Kulturschaffens durch die regionale Förderstruktur verbessert habe und sich in eine gute Richtung entwickle. «Für unseren Kanton ist dieses System die beste Lösung», ist Toni Thoma überzeugt. St. Gallen ist nicht der einzige Kanton, der solche regionalen Kulturförderkonstrukte kennt; es gibt sie zum Beispiel auch im Thurgau. In anderen Kantonen ist die Kulturförderung auf Kantons- und Gemeindeebene organisiert, ohne regionale Ansprechpartner – die ideale Lösung hängt, wie so oft, von den kantonalen und kommunalen Eigenheiten ab. Nadja Sutter

Was die schönsten Schweizer Dörfer ausmacht

«Die Diversität der Schweiz überrascht mich immer wieder», sagt Kevin Quattropani. Der Präsident des Vereins «Die schönsten Schweizer Dörfer» muss es wissen: Er ist als Inhaber eines Reisebüros bereits um die halbe Welt gereist. In den letzten Jahren aber zog es ihn immer öfter in die Nähe, in die schönsten Schweizer Dörfer eben. Dies im Rahmen seines Engagements für den Verein, den er 2015 mit Gleichgesinnten ins Leben gerufen hat. «Ich bin auf meinen Reisen in Frankreich und Italien immer wieder auf die Auszeichnung gestossen; in diesen Ländern gibt es ähnliche Vereine schon länger. Da dachte ich mir: Warum nicht in der Schweiz?» Gesagt, getan. Bei den Gemeinden rannte Kevin Quattropani offene Türen ein; die Bereitschaft mitzumachen war sehr gross. Mittlerweile sind 48 Dörfer und Städtchen aus allen Landesteilen Mitglied und dürfen mit einem Schild am Ortseingang darauf hinweisen, dass sie zu den schönsten Schweizer Dörfern gehören. Zudem figurieren sie in einem eigens herausgegebenen Reiseführer. «Ein paar schön verzierte Häuser reichen nicht, die Gebäude müssen ein harmonisches Ganzes ergeben und sich in die Landschaft einfügen.» Kevin Quattropani, Präsident Verein «Die schönsten Schweizer Dörfer» Welche Kriterien müssen die Orte erfüllen, damit sie sich mit dem Titel schmücken dürfen? Kevin Quattropani: «Die Lage ist sehr wichtig – zum Beispiel wie Saint-Saphorin am Genfersee oder Soglio in der Bergeller Bergwelt.» Dazu kommt ein harmonisches Ortsbild. «Ein paar schön verzierte Häuser reichen nicht, die Gebäude müssen ein harmonisches Ganzes ergeben und sich in die Landschaft einfügen.» Auch sollte keine grosse Verkehrsachse das Dorf zerschneiden. Kevin Quattropani erwartet zudem ein gewisses Engagement der Gemeindevertreter. «Wir wünschen uns, dass sich die Mitglieder untereinander austauschen.» Ein weiteres Kriterium ist die Grösse: Die Gemeinde darf nicht mehr als 10 000 Einwohnerinnen und Einwohner haben. Dabei zählt die politische Gemeinde und nicht ein Ortsteil wie ein Weiler. Was aber wenn eine Gemeinde stark wächst oder fusioniert? Bei Fusionen drückt der Verband ein Auge zu: «Wenn der Ort bereits vor der Fusion Mitglied war und auch nach der Fusion sein einzigartiges Ortsbild behält, darf er Mitglied bleiben.» Für stark wachsende Orte hat Kevin Quattropani bereits ein nächstes Label in der Pipeline: «Swiss Historic Towns» soll in Zukunft einzigartige historische Städtchen auszeichnen, die auch mehr als 10 000 Einwohner haben dürfen. Der Verein spricht bei einer Mitgliedschaft gezielt die politischen Gemeinden an und nicht die Tourismusorganisationen. «Die Mitgliedschaft ist ein politischer Entscheid», sagt Kevin Quattropani. Dies einerseits, weil dem Verein auch die Lebensqualität in den Dörfern ein Anliegen ist. Andererseits ist das auch bei den Verbänden in anderen Ländern ein klar politischer Entscheid. Verbände, die der internationalen Föderation «Les Plus Beaux Villages de la Terre» angeschlossen sind, zu der auch der Schweizer Verband gehört. Kevin Quattropani pflegt einen regen Austausch mit den anderen Mitgliedern der internationalen Föderation. Was zeichnet die Schweizer Dörfer im internationalen Vergleich aus? «Ganz klar die Diversität auf kleinstem Raum», sagt Kevin Quattropani. Da gebe es etwa Ascona mit seinem mediterranen Flair und keine 40 Minuten Fahrt davon entfernt das urige Walserdorf Bosco Gurin. Oder die Region um den Bielersee mit den Städtchen Erlach, Le Landeron und La Neuveville, die auf engstem Raum zwei Sprachregionen, zwei Kantone und zwei Religionsgemeinschaften vereinten – wobei jeder Ort ein anderes, ganz eigenes Erscheinungsbild habe. Informationen: www.swissvillages.org Nadja Sutter

Die Badenfahrt feiert ihren 100. Geburtstag

Jede Stadt, jedes Dorf der Schweiz kennt es: ein Fest, eine Kilbi, einen Anlass, der alle zusammenbringt. Doch die Badenfahrt ist einzigartig in der Schweiz. Das Fest, das alle fünf Jahre im aargauischen Baden stattfindet, ist eines der grössten der Schweiz und sprengt alle Dimensionen: Mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher zählte die letzte Ausgabe 2017, unzählige Kulturschaffende von bildender Kunst über Musik bis zu Theater treten auf, zahlreiche Vereine organisieren Festwirtschaften und eigene Aktivitäten. Ist es Stadtfest, Open-Air-Festival, Kilbi? «Es ist einfach die Badenfahrt», sagt Nadine Stutz, Kommunikationsverantwortliche des Organisationskomitees der Badenfahrt. Die diesjährige Ausgabe ist eine spezielle, denn sie findet genau 100 Jahre nach der ersten Badenfahrt 1923 statt. Das erste Fest entstand aus einer schwierigen Zeit heraus: Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte eine gedrückte Stimmung, das Leben war für viele Menschen sehr hart. Die Bäderkultur Badens war im Niedergang. Eine Gruppe Badener wollte mit einem grossen Fest die Leute zusammenbringen, einen fröhlichen Moment schaffen und an die Hochzeit des Bädertourismus im 19. Jahrhundert erinnern, als die Menschen aus ganz Europa in den Heilkurort Baden strömten. Die Badenfahrt war geboren. Mit dem Motto «NEO-» will die Badenfahrt 2023 an die Vergangenheit anknüpfen – aber auch an die Zukunft, «denn wir befinden uns an der Schwelle zum zweiten Jahrhundert Badenfahrt», wie Nadine Stutz ausführt. «Und wiederum befinden wir uns im Jahr des Jubiläums in schwierigen Zeiten: Klimawandel, Krieg in der Ukraine und eine globale Pandemie, die wir eben hinter uns lassen.» Apropos Pandemie: Von dieser blieb das riesige Fest tatsächlich verschont. Bereits vor 2020 war klar, dass die nächste Badenfahrt nicht regulär 2022, sondern erst 2023 stattfinden soll, zum 100-Jahr-Jubiläum. «2022 hätten wir das Fest wegen der unsicheren Lage wohl nicht durchführen können», so Nadine Stutz. Vom 18. bis 27. August ist es in Baden wieder so weit. Auf drei offiziellen Bühnen werden Konzerte gespielt, rund 90 Foodstände verpflegen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, ein grosser Umzug als Hommage an das 100-Jahr-Jubiläum zieht an den beiden Sonntagen durch die Strassen. Und genau 100 Vereine werden mit Festwirtschaften präsent sein, wo sie zahlreiche kulturelle und kulinarische Highlights anbieten: von Kochkursen über Bouldern bis hin zu Schiffsfahrten auf der Limmat. «Die Vereine sind das Rückgrat des Fests und zeigen die lebendige Vereinskultur in der Schweiz. Ohne sie gäbe es keine Badenfahrt – ohne OK könnten die Vereine aber auch kein Fest in dieser Grösse organisieren», sagt Nadine Stutz. Und sie betont, wie viel an der Badenfahrt auf freiwilliger Basis organisiert wird. Dies mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt Baden, die sich um die Infrastruktur kümmert. Stadtammann Markus Schneider sagt: «Die Badenfahrt ist eine sehr wichtige Badener Tradtion. Sie steht für Kultur und sozialen Zusammenhalt. Und sie geht weit über die zehn Tage des Festes hinaus. Für das OK, die Vereine, die Beizbetreiberinnen – und betreiber, die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung und für zahlreiche Helfende beginnen bereits Monate vor dem Fest die Vorbereitungen. Dann spürt man die Vorfreude in der Luft. Die Badenerinnen und Badener kommen zusammen, es wird konzipiert und geplant, es werden kreative Bauten und Programme entwickelt.» Für einige sei das Mitmachen an der Badenfahrt neben dem Beruf ein erheblicher Mehraufwand, doch das bremse die Motivation nicht. «Als Stadtammann freut es mich immer zu sehen, wie so viele Menschen zusammenkommen und ihre Zeit und Energie investieren, um so etwas Grosses auf die Beine zu stellen.» Was macht die Badenfahrt so erfolgreich, so ikonisch, dass sie es auf die Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz geschafft hat? «Ich denke, es ist die Fähigkeit der Badenfahrt, sich treu zu bleiben und sich dennoch immer wieder an den Zeitgeist anzupassen», sagt Nadine Stutz. Das zeige sich auch an den Plakaten der bisherigen Ausgaben. Aktuelle Themen werden aufgenommen, deshalb ist keine Badenfahrt wie die andere. Und: Die Badenfahrt sei in der DNA vieler Badenerinnen und Badener. Sie werden als Kinder zur Badenfahrt mitgenommen, erleben die nächste Ausgabe als Teenager und kommen später mit ihrer eigenen Familie zurück. Informationen: www.badenfahrt.ch Nadja Sutter

Nach Brienzer Felssturz: «Die Solidarität war sehr gross»

Für unsere Verhältnisse ist die Lage relativ ruhig. Der Berg wird natürlich weiterhin eng überwacht. Der Gemeindeführungsstab ist noch aktiv. In den letzten Jahrzehnten rutschte das Dorf jeweils rund 5 bis 8 Zentimeter pro Jahr. 2017 zeigten Messungen plötzlich innerhalb weniger Monate Bewegungen von bis zu 40 Zentimetern. Da war klar, dass wir uns auf ein grösseres Ereignis vorbereiten und Massnahmen ergreifen müssen. Seither wird der Berg sehr engmaschig überwacht. Zusätzlich wurde der Sondierstollen, der vor zwei Jahren rund 630 Meter in den Felsen vorangetrieben wurde, mit etlichen Messinstrumenten ausgestattet. Die Rutschungen am Berg mit dem Teilbereich der Insel haben uns aber überrascht, es ging alles viel schneller als erwartet – bis sich die Insel in der Nacht auf den 16. Juni mit 1,2 Millionen Kubikmetern entleerte. Das war für die Gemeinde trotz guter Vorbereitung eine Herausforderung. Neben der Gemeinde war der Gemeindeführungsstab beteiligt, in dem die Blaulichtorganisationen vertreten sind, sowie der technische Dienst, der Forst und das Amt für Zivilschutz des Kantons Graubünden. Zudem der Vorsorgestab des Kantons, in dem Vertreter der Infrastrukturen des Kantons mit dabei sind, wie die Rhätische Bahn, das kantonale Tiefbauamt sowie Swissgrid und Elektrizitätsgesellschaften, deren Leitungen durch das Gebiet verlaufen. Wir haben bereits seit 2018 unterschiedliche Szenarien vorbereitet und immer wieder durchgespielt. Wir haben ein grundsätzliches Abspieldispositiv, das wir auf unterschiedliche Szenarien angepasst haben: einen grossen Bergsturz oder eine Teilrutschung sowie weitere mögliche Ereignisse. Während der Vorbereitung haben wir uns manchmal gefragt, ob es wirklich nötig ist, alles so genau im Detail zu planen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass sich dies ausbezahlt hat und auch darum alles gut abgelaufen ist. So wussten wir im Ernstfall genau, was zu tun war. Ein Beispiel: Die Absperrungen für die Kantonsstrasse standen seit drei Jahren neben der Strasse bereit. Als es dann so weit war, mussten wir nur hinfahren, die Absperrungen herausholen und aufstellen. «Während der Vorbereitung haben wir uns manchmal gefragt, ob es wirklich nötig ist, alles so genau im Detail zu planen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich dies ausbezahlt hat und auch darum alles gut abgelaufen ist.» Daniel Albertin, Gemeindepräsident Albula/Alvra Wir haben bereits in den Jahren zuvor regelmässig Informationsveranstaltungen durchgeführt, die auf reges Interesse gestossen sind. Monatlich hat die Gemeinde ein Bulletin zur Lage publiziert. Wir haben auch Sitzungen nur mit den Brienzerinnen und Brienzern durchgeführt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So konnten die Bewohner Anliegen in einem kleineren, geschützten Rahmen vorbringen. Als es mit der Evakuierung konkret wurde, hat die Gemeinde Kontakt mit den Zweitheimischen in der Lenzerheide aufgenommen, um abzuklären, ob sie den Brienzerinnen und Brienzern Wohnungen zur Verfügung stellen können. In kurzer Zeit wurden uns 130 Wohnungen angeboten – also mehr, als Brienz Einwohner hat. Die Gemeinde nahm 14 Wohnungen für Evakuierte in Anspruch, der Rest der Brienzerinnen und Brienzer kam privat unter. Das Rindvieh konnten wir in Ställen in Cazis unterbringen – auch das sowie den Transport der Tiere hatten wir bereits lange im Voraus organisiert. Die Bevölkerung wurde teilweise schon etwas überrumpelt von den Medien. Mitunter waren an die 30 Medienschaffende anwesend. Wir haben diese gesammelt informiert. Christian Gartmann kümmert sich für die Gemeinde um die Medienarbeit rund um den Brienzer Rutsch, sonst wäre das für uns als kleine Gemeinde nicht zu stemmen. Er beantwortet die Anfragen, soweit es geht, und ich als Gemeindepräsident beantworte Fragen, die eher politischer Natur sind. Wir haben das Spendenkonto Mitte April aufgeschaltet, sobald klar war, dass es wahrscheinlich eine Evakuierung geben wird. Die Solidarität war sehr gross; sowohl von Privatpersonen als auch von Gemeinden aus Graubünden und der ganzen Schweiz sind zahlreiche Spenden eingegangen. So konnten wir einfach und unkompliziert Soforthilfe leisten, als bei der Evakuierung ungeplante zusätzliche Kosten für die Brienzerinnen und Brienzer entstanden. Die Brienzerinnen und Brienzer, aber auch wir als Gemeinde hoffen, dass es am Berg ruhig bleibt und keine weiteren Evakuierungen nötig sind. Denn eine Evakuierung ist unglaublich belastend für die Betroffenen. In Planung ist derzeit ein 1650 Meter langer Entwässerungsstollen, der das Gebiet stabilisieren soll. Die Gemeindeversammlung stimmte am 14. Juli dem 40-Millionen-Franken-Projekt zu. Mitte August wird der Bündner Regierungsrat darüber entscheiden. Bund und Kanton werden rund 90 Prozent der Kosten des Stollens tragen. Weil Brienz derzeit eine Hangbewegung von mehr als zehn Zentimeter pro Jahr aufweist, steht es in einer sogenannten roten Zone, in der keine neuen Gebäude erstellt werden dürfen. Das ist schwierig für ein Dorf; Entwicklung ist kaum möglich. Wir hoffen, dass der Entwässerungsstollen für so viel Stabilität sorgt, dass Brienz wieder in der blauen Zone ist, was eine weitere Entwicklung des Dorfs möglich machen würde. Nadja Sutter

Mit einer Sauna das Seeufer im Winter aufwerten

Noch herrscht der Sommer an den Schweizer Seen: Kinder planschen und spielen in den zahlreichen «Badis» und Uferpärken, die Sportlichen ziehen ihre Runden im See, und die Gemütlichen sonnen sich. Doch spätestens im September dürfte Schluss sein mit dem Strandfeeling. «Badis» in unzähligen Schweizer Gemeinden verfallen dann für ein paar Monate in den Winterschlaf. Eigentlich schade, dass das Seeufer im Winter so wenig genutzt wird – schön bleibt es an den Schweizer Seen auch, wenn die Temperaturen fallen. Der Einwohnergemeinderat von Sachseln (OW) wollte das Ufer des Sarnersees im Winter attraktiver machen. Da kam die sogenannte HolzerSauna gerade recht: eine kleine mobile Sauna in einem Bauwagen, die am Seeufer steht und stundenweise gemietet werden kann. Florian Spichtig ist nicht nur Mitglied des Einwohnergemeinderats von Sachseln, sondern auch des Teams rund um die HolzerSauna. Er erzählt, wie es überhaupt zur Sauna gekommen ist: «Der Bauwagen diente einst den Holzarbeitern und Förstern rund um Sachseln als Pausenraum.» Als der Wagen in die Jahre kam und ersetzt werden musste, kamen die «Holzer» auf die Idee, ihm ein zweites Leben zu schenken, und sie bauten ihn zur Sauna um – der HolzerSauna eben. Der Bauwagen beglückte seit dem Winter 2018/19 Saunaliebhaberinnen und -liebhaber aus nah und fern an seinem Standort am Sarnersee. Zunächst war das Projekt nur für einige Wochen ausgelegt. «Die Gemeinde gab uns das Okay für das Aufstellen der Sauna am Seeufer», erinnert sich Florian Spichtig. Das Angebot schlug ein wie eine Bombe, die Betreiber konnten sich vor Buchungen kaum retten. «Die Sauna scheint einem echten Bedürfnis zu entsprechen», so Spichtig. An Ostern 2020 brannte die Sauna in einer Sturmnacht ab. Dank Crowdfunding und viel Handwerk entstand die neue HolzerSauna 2.0; mit dem angeeigneten Saunawissen der Holzer und aus Schweizer Holz. «Die Gäste schätzen vor allem das Unkomplizierte an der Sauna: Sie ist einfach, aber funktional, direkt am See und vor Blicken von aussen etwas abgeschirmt», sagt Florian Spichtig. Geheizt wird die Sauna mit Holz aus dem Sachsler Schutzwald. «Die Gäste schätzen vor allem das Unkomplizierte an der Sauna: Sie ist einfach, aber funktional, direkt am See und vor Blicken von aussen etwas abgeschirmt.» Florian Spichtig, Team HolzerSauna und Einwohnergemeinderat Sachseln Auch die Buchung ist sehr unkompliziert. Die Nutzerinnen und Nutzer mieten die Sauna pro Stunde, wofür sie 30 Franken bezahlen, egal wie viele Personen in der Sauna sitzen. Sie kommen aus der Zentralschweiz, aber auch von weiter her, dabei sind auch Reisende aus dem Ausland. «Einmal hatten wir sogar Gäste aus Hawaii.» Rund zwei Drittel der Buchungen kommen von Frauen. «Offensichtlich schätzen es insbesondere Frauen, eine private Sauna mieten zu können.» Reklamationen gab es aufgrund des neuen Angebots keine. «Was ich gehört habe, findet die Bevölkerung die Sauna sehr friedlich – es gibt keinen Lärm, und auch den Rauch aus dem Kamin riecht man kaum», führt Florian Spichtig aus. Rasch war klar: Die Sauna bleibt den ganzen Winter über stehen, also länger als drei Monate – und wurde somit bewilligungspflichtig, auch wenn sie als mobile Fahrnisbaute nur temporär dort steht. Die Gemeinde Sachseln erteilte die Bewilligung. Doch mit dem Kanton gibt es derzeit Diskussionen, wie Florian Spichtig ausführt. Es geht um den Abstand von 15 Metern zum See, der auch für Fahrnisbauten eingehalten werden muss. Florian Spichtig hofft, dass sich die Sache noch klären wird. Derzeit hat die HolzerSauna die Bewilligung der Gemeinde, bis Ende 2024 aufgestellt werden zu dürfen. Im Winter 2022/23 wurde die HolzerSauna 1650 Stunden vermietet. «Ein öffentliches Interesse ist also offensichtlich vorhanden», stellt Florian Spichtig fest. Die Holzer haben inzwischen bereits die mobile HolzerSauna 3.0 gebaut. Dafür wird zurzeit aktiv nach neuen Standorten in der Schweiz Ausschau gehalten. «Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, sie im Winter in einer ‹Badi› an einem anderen See aufzustellen.» So ein Standort sei ideal, denn die Saunabesucherinnen und -besucher schätzten es, wenn die Sauna etwas abgeschirmt sei. Derzeit laufen Gespräche. «Vonseiten der Gemeinden braucht es Offenheit – und auch etwas Mut.» Dann stehe einem unkomplizierten Saunaangebot nichts im Wege. Informationen: https://holzersauna.com Nadja Sutter

Drei Engadiner Gemeindeschreiber laden ein

La Punt Chamues-ch an einem Sommertag: Gemeindeschreiber Urs Niederegger und Verwaltungsangestellte Egzona Zyberaj unterhalten sich im Restaurant Krone direkt am Inn über das Programm des Gemeindeschreibertreffens, an dessen Organisation sie beteiligt sind. Rund 200 Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber aus der ganzen Schweiz haben sich auf die Einladung gemeldet und werden am letzten Oktoberwochenende nach St. Moritz reisen. «Das Ganze entstand aus einer spontanen Idee», erzählt Urs Niederegger. Bei einem Treffen mit seinen Kollegen aus S-chanf und St. Moritz, Carlo Planta Wildenberg und Ulrich Rechsteiner, sei die Idee aufgekommen, alle Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber der Schweiz ins Engadin einzuladen. «Wenn ich einmal eine Idee habe, dann ziehe ich es auch durch», sagt Niederegger mit einem spitzbübischen Lachen. Er ist seit 43 Jahren Gemeindeschreiber von La Punt Chamues-ch und kennt sein Metier wie wenige andere. Das Treffen sei auch eine Gelegenheit, herauszufinden, ob er tatsächlich der amtsälteste Gemeindeschreiber der Schweiz sei, fügt seine Mitarbeiterin Egzona Zyberaj schmunzelnd an. Das Ziel des Treffens sei kein politisches, betonen die beiden, und sie wollen auch der Konferenz der Stadt- und Gemeindeschreiber und deren jährlichem Treffen keine Konkurrenz sein. Es gehe vielmehr um ein informelles, geselliges Beisammensein, um den Austausch zwischen Berufskolleginnen und -kollegen sowie um das Kennenlernen des Engadins. Das Programm am Freitag soll inhaltliche Inputs geben und diverse Projekte vorstellen. Dazu haben sie verschiedene Rednerinnen und Redner eingeladen, darunter Nationalratspräsident Martin Candinas (siehe Box). Am Samstag dann steht Unterhaltung auf dem Programm. Ob das Treffen eine einmalige Sache bleibt, steht noch nicht fest. «Es wäre schön, wenn wir es alle paar Jahre in einer anderen Region der Schweiz durchführen könnten», sagt Urs Niederegger. «Aber nun freuen wir uns auf das erste Treffen im Herbst.» Nadja Sutter

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