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Wie Gemeinden Wohnraum schaffen

Die Wohnraumknappheit hat sich in den letzten Jahren drastisch verschärft. Lange Warteschlangen bei Wohnungsbesichtigungen sind in grossen Städten wie Zürich oder Genf schon länger Realität. Nun spitzt sich die Lage aber auch in ländlichen Zentren und besonders in touristischen Berggemeinden zu. Das hat Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, wenn etwa potenzielle Arbeitskräfte keine Wohnung finden. Und schliesslich fehlen auch junge Familien mit Kindern, welche die Schulen in abgelegenen Regionen am Leben erhalten. Die gesunkene Leerwohnungsziffer hat also ganz konkrete Auswirkungen auf die Gemeinden. Wie diese damit umgehen und welche Lösungsansätze es auf Gemeindeebene gibt, zeigen wir in dieser Ausgabe: zum Beispiel mit dem Generationenhaus in der Walliser Gemeinde Saint Martin oder dem neuen Dorfzentrum mit Wohnraum in Entlebuch (LU). Der Gemeindepräsident von Gonten (AI) erklärt zudem, dass eine Leerwohnungsziffer von 0 nicht bedeuten muss, dass es gar keine freien Wohnungen gibt. Schliesslich haben wir auch auf oberster Ebene nachgefragt: Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, erläutert, welche Schritte der Bund gegen die Wohnraumknappheit unternimmt und weshalb die Gemeinden dabei eine so wichtige Rolle spielen. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre! «Die gesunkene Leerwohnungsziffer hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Gemeinden.» Nadja Sutter, Chefredaktorin «Schweizer Gemeinde» Nadja Sutter

«Die Wohnungsknappheit dehnt sich auf die Agglomerationen aus»

Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Wohnungsfragen. Seine Tätigkeit gliedert sich in drei Teilbereiche: das Forschungsprogramm zu Wohnthemen, das Mietrecht sowie die Wohnraumförderung, für die der Bundesrat erst Ende September zusätzliche Gelder gesprochen hat. Der Fonds de Roulement zugunsten des gemeinnützigen Wohnungsbaus soll demnach für die Jahre 2030 bis 2034 um 150 Millionen Franken aufgestockt werden. Martin Tschirren ist seit 2020 Direktor des BWO und beantwortet die drängendsten Fragen zur Wohnungsknappheit. Einerseits verzeichnen wir eine stetige Nachfrage nach Wohnungen, andererseits eine schwache Bautätigkeit. Letzteres beobachten wir bereits seit 2018. Gründe dafür sind unter anderem Raumplanungsvorgaben, teureres Bauland, komplexe Verfahren, Einsprachen sowie gestiegene Baukosten. In den grossen Städten ist die Lage schon länger angespannt. Bemerkenswert ist die Verschärfung in touristischen Berggemeinden, wo sich die Leerstände zwischen 2020 und 2023 halbiert haben. Seit ein, zwei Jahren beobachten wir zudem, dass sich die Wohnungsknappheit auch auf die Agglomerationen und kleinere Zentren ausdehnt. Die Wohnungsknappheit führt zu höheren Angebotsmieten. Wer eine neue Wohnung suchen muss und in den Städten keine bezahlbare Option mehr findet, weicht auf die umliegenden Gemeinden aus. Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis, das uns alle betrifft. Ein ungenügendes Wohnungsangebot hat einerseits soziale Folgen; eine Studie zeigt, dass 28 Prozent der Haushalte in der Schweiz sich den Umzug in eine vergleichbare Wohnung nicht leisten können, weil deren ausgeschriebener Mietzins zu hoch ist. Andererseits hat der Wohnungsmangel auch wirtschaftliche Folgen, wie man derzeit vor allem in den Tourismusgemeinden sieht: Es wird schwierig, Fachkräfte zu finden, wenn diese vor Ort keine Wohnung finden. Staatliche Akteure geben wichtige Rahmenbedingungen für die Bautätigkeit vor, so mit der Raumplanung, den Bauvorschriften oder dem Mietrecht. Der Bund hat auch einen Verfassungsauftrag, den Wohnungsbau zu fördern. Die Gemeinden sind von allen staatlichen Ebenen der Bevölkerung am nächsten. Sie können lenkend einwirken und zum Beispiel in Nutzungsplänen Vorgaben oder Anreize für den Bau von preisgünstigem Wohnraum schaffen. Sie können auch fördern und finanzieren, indem sie etwa die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft unterstützen, Land im Baurecht abgeben oder gar Mietzinsbeiträge leisten – das macht zum Beispiel die Stadt Basel. Die Gemeinden haben im Bereich der Raumplanung wichtige Kompetenzen und Aufgaben. Im Aktionsplan sind verschiedene Massnahmen definiert, die in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinden fallen. Das Thema Wohnungsbau ist sehr lokal geprägt, passende Lösungen sind lokal zu definieren. Gerade für kleinere Gemeinden geht es auch um die Zukunft: Fehlt der Wohnraum, ziehen junge Familien weg, oder es fehlen Fachkräfte. Konkret nennen kann ich die Arbeitshilfe zur Interessenabwägung oder eine Studie zu Einsprachen und Rekursen mit verschiedenen Vorschlägen auch für Gemeinden. Oder ein geplantes Beratungsangebot für Gemeinden zur Innenentwicklung. Die Umfrage zeigte, dass ungefähr die Hälfte der Massnahmen in Umsetzung ist. Die meisten Massnahmen sind mittel- bis langfristig ausgelegt und zielen auf eine Veränderung der Rahmenbedingungen – deshalb brauchen sie Zeit, um einen Effekt zu zeigen. Wir werden 2026 eine erneute Umfrage durchführen. Aufgrund dieser Resultate werden wir entscheiden, ob es Anpassungen braucht und ob erneut ein runder Tisch zum Thema durchgeführt werden soll. Die Wohnraumförderung direkt ist nicht betroffen, allerdings steht für die Forschung weniger Geld zur Verfügung als ursprünglich geplant. Das wird sich indirekt auf die Wohnungspolitik insgesamt auswirken, weil weniger Datengrundlagen zur Verfügung stehen werden. Nadja Sutter

Böden im Fokus: Pionierprojekte denken die Raumplanung neu

Die Gemeinden spielen eine Schlüsselrolle, um intakte Böden zu erhalten. Durabilitas hat konkrete Empfehlungen ausgearbeitet, wie der Bodenqualitätsindex (BodenQI) in die kommunale Planung integriert werden kann. Das Instrument macht Bodenfunktionen sichtbar und hilft, qualitativ und quantitativ Bodenverluste zu vermeiden. Beispiele wie Chamblioux-Bertigny (FR) oder die Region Morges (VD) zeigen, wie Gemeinden den BodenQI erfolgreich einsetzen – von GIS-Karten bis zu Planungsinstrumenten. Auf bodenqualität.ch finden Gemeinden praxisnahe Empfehlungen mit Praxisbeispielen, um die Bodenqualität nachhaltig zu sichern. Informationen: https://xn--bodenqualitt-qcb.ch/empfehlungen/ Carole Imhof

Vier Fragen zu Münchenbuchsee, Kanton Bern

«Münchenbuchsee ist eine Agglomerationsgemeinde in der Balance zwischen Stadt und Land.» Gemeindepräsident Manfred Waibel Manfred Waibel ist seit 2017 Gemeindepräsident von Münchenbuchsee. Er übt das Gemeindepräsidium im Hauptamt aus. Vor seiner Wahl war der SVP-Politiker in der Elektronikbranche als Leiter Qualitätssicherung tätig und sass zudem im Grossen Gemeinderat von Münchenbuchsee. Er ist überdies Präsident der Regionalversammlung der Regionalkonferenz Bern-Mittelland. Als nächste Gemeinde hat er Embrach (ZH) ausgewählt.

Sorgende Gemeinde Belp – gemeinsam für mehr Lebensqualität

Zu den Höhepunkten der sorgenden Gemeinde Belp (BE) zählen die zweimal jährlich durchgeführten Themenabende. Über 200 Personen hören Referate und diskutieren über Fragen wie Generationenwohnen, stille Heldinnen und Helden oder künstliche Intelligenz. «Wichtig ist, dass die Themen möglichst alle Altersgruppen ansprechen», sagt René Walker, Leiter der Fachstelle Generationen. Die meisten Teilnehmenden seien allerdings über 50 Jahre alt. Die 55- bis 65-Jährigen bilden auch die grösste Altersgruppe in Belp. Seit Mai 2025 sorgt das mobile «Plauderbänkli» für Begegnungen. Es wechselt regelmässig den Standort, und zu festgelegten Zeiten warten Zuhörerinnen und Zuhörer auf Gesprächspartnerinnen und -partner. «Daraus sind bereits Freundschaften entstanden», freut sich René Walker. Zahlen zur Wirkung liegen noch nicht vor. Doch er ist überzeugt: «Jeder Kontakt hilft, Freude und Sorgen zu teilen, Lösungen zu finden und die Gesundheit zu stärken.» In Belp funktioniert die Nachbarschaftshilfe mehrheitlich gut. Und über 60 Vereine sorgen für ein buntes Zusammenleben. Der Mehrwert der sorgenden Gemeinde liegt darin, diese Aktivitäten unter einem gemeinsamen Dach zu bündeln und die Förderung von Gesundheit, Teilhabe und Lebensqualität auf die gesamte Gemeinde auszuweiten. Gesundheitsförderung Schweiz bestätigt die Bedeutung sozialer Ressourcen für die Gesundheit und fördert daher die Arbeit des Netzwerks Caring Communities. Auch Belp hat vom Netzwerk und den Erfahrungen anderer Gemeinden profitiert. «Sorgende Gemeinschaft bedeutet, füreinander da zu sein – und das macht uns alle gesünder.» René Walker, Leiter der Fachstelle Generationen, Belp (BE) Die Idee entstand im Jahr 2016 bei der Überarbeitung des Altersleitbildes. Bald war klar: Von Unterstützung und Teilhabe sollen alle Generationen profitieren. Wichtig war, dass bestehende Angebote nicht verdrängt, sondern ergänzt und gestärkt werden würden. Gemeinsam mit den Kirchen, der Spitex AareGürbetal und dem Frauenverein entwickelte Belp die sorgende Gemeinde als generationenübergreifendes Gefäss. Rückenwind erhielt das Projekt durch den Kanton Bern und das Nationale Forschungsprogramm «Gesundheitsversorgung» NFP 74. Neben Münsingen (BE), Obfelden (ZH) und Schwamendingen (ZH) war Belp Pilotgemeinde im Projekt der Berner Fachhochschule. Diese Begleitung ermöglichte es, das Projekt sorgfältig aufzubauen, Bedürfnisse in den Quartieren systematisch zu erfassen und mit der Bevölkerung über 40 Projektideen zu entwickeln. Die Organisationen der ersten Stunde sind heute mit Freiwilligen im Ausschuss der Sozialkommission vertreten. Dieser trifft sich vier- bis fünfmal jährlich. Die Koordination liegt bei der Fachstelle Generationen, die 2021 geschaffen wurde und 20 bis 30 Stellenprozente dafür einsetzt. Nach einem anfänglichen Budget von 3000 Franken stehen heute rund 10 000 Franken pro Jahr zur Verfügung. Hinzu kommen personelle Ressourcen von der Gemeinde und Partnerorganisationen. Die Verankerung in den Legislaturzielen des Gemeinderats zeigt, dass das Thema politisch abgestützt ist. Silvie Burri, Mitglied der Belper Sozialkommission und Vorsitzende vom Ausschuss der sorgenden Gemeinde, freut sich, dass die Reise weitergeht: In fünf Jahren soll die sorgende Gemeinde Belp bekannter sein, mehr Belperinnen und Belper an die Themenabende locken und weitere Projektideen umsetzen. René Walker schwebt der Aufbau einer mobilen Sozialarbeit vor. So könnten auch die «Unsichtbaren» besser erreicht werden. Fanni Dahinden vom Netzwerk Caring Communities freut sich, dass das Konzept in der Schweiz an Bedeutung gewinnt: «Sowohl in kleinen als auch in grösseren Gemeinden wird erkannt, dass es neben Investitionen in Infrastrukturen auch soziale Investitionen braucht.» Heidi Kaspar von der Berner Fachhochschule hat den Prozess in Belp als Leiterin des Forschungsprojektes begleitet. Sie kennt viele Studien, die belegen, dass wohlwollende Begegnungen und verlässliche Beziehungen die Gesundheit in jedem Alter stärken, und weiss: «Sorgende Gemeinschaften schaffen Bedingungen für eine Kultur, die Menschen inspiriert und unterstützt, füreinander da zu sein – auch in schwierigen Lebenssituationen.» Für Belp hat sich der Aufbau der sorgenden Gemeinde in vielerlei Hinsicht gelohnt. Gemäss René Walker hat es sich bewährt, das Gespräch zu suchen, Kooperationen einzugehen und den Fokus auf ein bis zwei Ziele zu setzen. «So liessen sich erste Erfolge erreichen und Motivation gewinnen», bilanziert er. Dass Belp nun Vorbild ist, erfüllt alle Beteiligten mit Stolz. René Walker bringt es auf den Punkt: «Sorgende Gemeinschaft bedeutet, füreinander da zu sein – und das macht uns alle gesünder.» Diana Müller, Myriam Kleiner

Wohnraum in Gonten: wenn die Statistik trügt

Gonten ist eine kleine Gemeinde im Kanton Appenzell Innerrhoden. 1470 Menschen leben hier, eingebettet in eine Landschaft aus sanften Hügeln, satten Wiesen und alten Bauernhöfen mit Blick auf den Säntis. Wer in Gonten eine Wohnung sucht, braucht Geduld. Denn gemäss Bundesamt für Statistik gibt es in der Gemeinde keine freie Wohnung. Seit mehreren Jahren liegt die Leerwohnungsziffer bei 0,0 Prozent. Trotzdem möchte der regierende Bezirkshauptmann Urban Fässler nicht von einer Wohnraumknappheit sprechen. «Es gibt noch freie Wohnungen bei uns», sagt er und erklärt, dass die Statistik nur jene Wohnungen erfasse, die seit weniger als zwei Jahren leer stehen und aktiv beworben werden. In Gonten wird Wohnraum jedoch kaum klassisch auf dem Markt angeboten – weder online noch über Inserate. «Bei uns läuft vieles über Beziehungen», sagt Fässler, der seit 2017 im Bezirksrat sitzt und die Gemeinde seit 2021 als Hauptmann führt. «Man kennt sich im Dorf und weiss, wo etwas frei wird.» Allerdings muss auch er einräumen: «Die Zahl der leer stehenden Wohnungen hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen.» Im Jahr 2022 waren es noch 22 Wohnungen, 2025 sind es gerade einmal zwei. Nicht berücksichtigt sind dabei Wohnungen und Bauernhäuser, die seit mehr als zwei Jahren leer stehen. Aufgrund der Vorgaben des Bundesamtes für Statistik werden diese als Zweitwohnungen aufgeführt, und davon gibt es in Gonten einige. 116 an der Zahl, meist traditionelle Bauernhäuser, die teilweise dem heutigen Wohnstandard nicht mehr entsprechen. Manche Gebäude werden sporadisch genutzt, andere stehen ganz leer. «Ein Umbau oder gar Neubau ist bei solchen Häusern oft schwierig», sagt der Bezirkshauptmann. «Das liegt an den gesetzlichen Grundlagen, etwa am Denkmalschutz oder an baurechtlichen Einschränkungen.» Viele dieser Liegenschaften liegen ausserhalb der Bauzone oder gelten als schützenswert, was Sanierungen teuer und aufwendig macht. «Richtige Zweitwohnungen im Sinne von Ferienwohnungen gibt es bei uns nur wenige.» Gebaut wurde in Gonten in den vergangenen Jahren in überschaubarem Rahmen. Zwischen 2019 und 2025 ist der Wohnungsbestand der Gemeinde um rund 30 Einheiten gewachsen. Neue Mehrfamilienhäuser, Umbauten und sanierte Altliegenschaften haben den Bestand leicht erhöht. Dieser wird in nächster Zeit weiter wachsen. Im Gebiet «Schwarzenberg» sind derzeit vier Doppeleinfamilienhäuser geplant, und auch im Dorfzentrum tut sich einiges. Der grösste Bau ist das kürzlich eröffnete Wellnesshotel. Gleichzeitig entstehen auf demselben Areal barrierefreie Wohnungen für über 50-Jährige sowie drei Häuser mit Serviced Appartements und Wohnungen. Von einem Bauboom kann aber keine Rede sein. Und das ist durchaus im Sinne der Gemeinde. «Wir wollen nicht gross wachsen, aber ein bisschen müssen wir schon», sagt Fässler. Es gehe darum, Schule und Geschäfte im Dorf am Leben zu erhalten. Die Primarschule stehe gut da und habe stabile Schülerzahlen. Für die Oberstufe wechseln die Jugendlichen dann nach Appenzell. Der Bezirkshauptmann ist sich bewusst, dass einige junge Leute für Ausbildung, Arbeit oder Studium wegziehen. «Viele von ihnen kommen aber später, wenn sie eine Familie gründen oder gegründet haben, wieder in die Heimat und finden in der Regel eine Wohnung, auch wenn diese selten auf Immobilienplattformen ausgeschrieben sind.» «Wir wollen nicht gross wachsen, aber ein bisschen müssen wir schon.» Urban Fässler, Bezirkshauptmann von Gonten (AI) Viel ändern dürfte sich in Gonten bezüglich der Wohnraumsituation in den nächsten Jahren nicht. Die Ortsplanrevision ist zwar im Gange und wird demnächst der Standeskommission zur Vorprüfung vorgelegt. Viel Spielraum hat die Gemeinde dabei aber nicht: Bauland ist kaum mehr vorhanden, und neue Einzonungen sind in den kommenden 15 Jahren nur nach konsequenter Mobilisierung der inneren Nutzungsreserven und dem Nachweis eines Bedarfs möglich. Im neuen Ortsplan werden einzelne Parzellen von Wohn- in Freihaltezonen umgewandelt, um Grünflächen zu erhalten. «Bisher sind wir mit unserer Boden- und Wohnpolitik gut gefahren», sagt der Bezirkshauptmann, «und wir konnten die Nachfrage nach Wohnraum mehrheitlich gut abdecken.» Aber sie seien auch nicht überrannt worden, fügt er augenzwinkernd an. Die Bevölkerung ist in den vergangenen acht Jahren leicht gewachsen – von 1440 auf 1470 Einwohnerinnen und Einwohner. Ein moderates Plus, das zeigt, dass Gonten lebendig bleibt. Marion Loher

Die Macherinnen und Macher unserer Schweiz 

Ich bewundere Kolleginnen und Kollegen, die ihre Gemeinden prägen. Oft frage ich mich: Wie würde ich agieren, stünde ich in Ernen, Blatten oder St. Moritz? In Ernen trägt der Gemeindepräsident Verantwortung fürs Dorf und zugleich fürs Musikdorf – Kultur als Chefsache, seit vielen Jahren erfolgreich. In Blatten, vom Bergsturz verschüttet, wird schon die Rückkehr 2026 geplant – der Gemeindepräsident führt mit Mut und Klarheit durch eine existenzielle Krise und wehrt Zweifel an der Zukunft der Bergdörfer ab. In St. Moritz zeigt der Präsident, was es heisst, weltmännisch und authentisch zu führen – mit Kreativität, Innovationskraft, Ausstrahlung und im Einklang mit seinem Ort. Ich leide und fiebere mit, weil ich weiss: Die grossen Fragen werden nicht in Sitzungssälen bei Bund und Kantonen gelöst, sondern draussen, wo Strassen geräumt, Schulhäuser gestrichen und Brunnen repariert werden. Es gibt klare Entscheide und unmittelbare Verantwortung – immer mit dem direkten Blick in die Augen der Bevölkerung. Und dahinter steckt schlicht enorm viel Arbeit. Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten sind Brückenbauer – zwischen Verwaltung und Bevölkerung, zwischen Alltag und Zukunft. Sie sind Anpackerinnen und Anpacker – sie warten nicht, bis andere liefern. Sie handeln: konkret, greifbar, mutig, fürsorglich. Sie sind Vorbilder – unaufgeregt, aber mit grosser Wirkung. Und sie sind Vermarkterinnen und Vermarkter – sie erzählen die Geschichten ihrer Orte, machen Identität sichtbar und geben Strahlkraft nach aussen. Es gibt keinen schöneren Beruf. Hier zeigt sich, was unsere Demokratie stark macht – nah, menschlich, wirksam. Mathias Müller

Auch im Tessin gerät der Wohnungsmarkt unter Druck

Im Tessin gibt es keinen akuten Wohnungsmangel wie in den Ballungsräumen des Mittellandes: Im Gegenteil, einige Gebiete weisen hohe Leerwohnungsziffern auf, beispielsweise das Mendrisiotto mit Spitzenreiter Chiasso bei 7,58 Prozent. Diese Verfügbarkeit begünstigt niedrigere Preise, aber Qualität und Verträge entsprechen nicht immer den Erwartungen. In Lugano nimmt die Umwandlung von Wohnungen für Kurzzeitmieten (oder Airbnb) zu, wodurch das Angebot für langfristige Mietverträge sinkt und die Mieten steigen, was Familien teilweise in Richtung Bellinzona zügeln lässt. Darüber hinaus benachteiligt das Phänomen der «Kündigungs-Verkäufe» Mieter in älteren Gebäuden. Stadtrat Raoul Ghisletta befürchtet, dass sich die Situation verschlechtern könnte, zumal die Stadt Lugano im sozialen Wohnungsbau eher schwach aufgestellt ist. Einige Genossenschaften, wie Emmy und Vivere Lambertenghi, entwickeln Sozialwohnungsprojekte mit dem Ziel, bezahlbaren und solidarischen Wohnraum zu schaffen. Gerhard Lob

Wohnraum schaffen, Flächen sparen: Suffizienz konkret

Eingebettet in die grünen Hügel des ersten Biosphärenreservats der Schweiz liegt Entlebuch, knapp eine halbe Stunde von Luzern entfernt. Die Gemeinde mit rund 3400 Einwohnerinnen und Einwohnern kennt die Herausforderung: Besonders junge Leute fanden zeitweise keine Wohnung und zogen weg. Zugleich fehlte ein lebendiger Dorfkern. Dank vorausschauender Planung gelang es Entlebuch jedoch, beides anzugehen: Wohnraum zu schaffen und den Dorfkern zu beleben. Über ein Jahrzehnt tätigte die Gemeinde strategische Land- und Liegenschaftskäufe im Ortskern und sicherte so ein grosses, zusammenhängendes Areal. Verfolgt hat das Projekt Tanja Bieri, selbst aufgewachsen in Entlebuch und seit einigen Jahren Gemeinderätin. «Zu Beginn gab es einige kritische Stimmen, die Landkäufe nicht als Aufgabe der Gemeinde ansahen», erinnert sie sich, «doch ohne dieses weitsichtige Handeln wäre ein solches Vorhaben nicht möglich gewesen.» Im Laufe der Zeit gewann das Vorhaben breite Unterstützung. Nach einer umfassenden Mitwirkung der Bevölkerung führte die Gemeinde einen Wettbewerb für Investoren und Planungsbüros durch. Diese sind Inhaber der inzwischen errichteten Neubauten, die Gemeinde blieb jedoch Eigentümerin der Umgebungsflächen und des Dorfplatzes. So bestimmt diese nach wie vor, was im Dorfkern geschieht. 2023 wurde das Projekt «Dorfzentrum Marktplatz» fertiggestellt. Wo früher vereinzelt alte Häuser standen, ist heute ein neuer Dorfkern mit mehreren Neubauten und einem grosszügigen Dorfplatz, der als Treffpunkt, Markt und Bühne dient. Die Gebäude beherbergen alltägliche Dienstleistungen und Wohnungen verschiedener Typen und Grössen. Die Gemeinde zeigt sich zufrieden, so Tanja Bieri: «Im Dorfzentrum finden neben jungen Leuten auch ältere Einwohnerinnen und Einwohner ein neues Zuhause. So besteht die Möglichkeit, im Dorf zu bleiben. Zugleich können sie das Haus an Familien weitergeben, und es entsteht Platz für die nächste Generation.» «Der neue Dorfkern schafft einen gesunden Wechsel und ermöglicht es, die Leute hier im Dorf zu behalten.» Tanja Bieri, Gemeinderätin für Finanzen, Umwelt und Energie in Entlebuch (LU) Das Projekt zeigt, wie Wohnraum flächensparend und bedarfsgerecht umorganisiert werden kann: Ältere Dorfbewohnerinnen und -bewohner, die Haus und Garten nicht mehr bewirtschaften möchten, ziehen um, und unterbelegter Wohnraum wird frei. Das Projekt reduziert den Flächen- und Ressourcenverbrauch bei gleichbleibender oder sogar höherer Lebensqualität. Dies entspricht einem Beispiel erfolgreicher Suffizienzpolitik. Suffizienz hinterfragt, was es für ein gutes Leben braucht – und lädt dazu ein, Alltagsbereiche wie Wohnen oder Mobilität so zu gestalten, dass die Umwelt entlastet wird. Entlebuch zeigt mit einem weiteren Beispiel, wie Rahmenbedingungen ein suffizientes Leben und Wirtschaften erleichtern können: Im Dorfzentrum ist auch ein genossenschaftlich organisiertes Gesundheitszentrum untergebracht. Solche Angebote der Grundversorgung vor Ort verkürzen die Wege, was Ressourcen schont und die Lebensqualität erhöht. Neben Entlebuch haben Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) 45 weitere ländliche Gemeinden besucht und dabei zahlreiche kommunale Massnahmen identifiziert, die den Verbrauch natürlicher Ressourcen senken, die Lebensqualität verbessern und folglich als Suffizienzmassnahmen bezeichnet werden können. Befragt wurden Gemeinderätinnen und Gemeinderäte zum Stellenwert von Suffizienz, lokalen Initiativen, treibenden Kräften und Hindernissen. Insgesamt ist Suffizienz noch selten Thema in der kommunalen Politik. Das erklärt, weshalb die identifizierten Suffizienzmassnahmen meist nicht als solche bezeichnet werden. Oft geht es schlicht darum, konkrete Probleme zu lösen, die Lebensqualität zu fördern oder die lokale Wirtschaft zu stärken – und der Ressourcenverbrauch sinkt nebenbei. Die Beispiele aus Entlebuch und das Forschungsprojekt zeigen, dass ländliche Gemeinden durchaus Hebel besitzen, um Suffizienz lokal umzusetzen. Entscheidend sind engagierte Personen aus Politik und Bevölkerung, die frühzeitige Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner, die Vorbildrolle der Behörde sowie Pilotprojekte, die Vorteile sichtbar machen. Mit Suffizienzpolitiken entstehen so für Gemeinden neue Perspektiven, die weit über das konkrete Problem der Wohnraumfrage hinausreichen. Weitere «Beispiele bewährter Suffizienzmassnahmen» und Informationen zum Forschungsprojekt der WSL: Datenbank für Suffizienzmassnahmen Annika Müller, Tonja Iten

Finanzplanung und -analyse der Waadtländer Gemeinden

Der Kanton Waadt ist reich an Kontrasten: Er verfügt über dicht besiedelte Städte, eine dynamische Wirtschaft, aber auch die zweitgrösste landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz. Die Gemeindebehörden stehen vor vielfältigen Herausforderungen: Haushaltsdefizit, Verschuldung, Schwierigkeiten bei der Erhöhung der Steuern. Die Union der Waadtländer Gemeinden (UCV) hilft den Gemeinden bei der Finanzplanung und -analyse ( www.ucv.ch/afep ) und bietet massgeschneiderte Unterstützung an. Die Finanzanalyse ist im Wesentlichen rückblickend und fliesst in die Finanzplanung ein, die die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf die Gemeindefinanzen untersucht. Diese Studie ist bei Investitionsprojekten (Bau oder Renovierung von Schulen, Renovierung des Gemeindehauses, Bau von erschwinglichen Wohnungen) von entscheidender Bedeutung, aber auch, um die finanzielle Lage der Gemeinde ausserhalb des Investitionskontextes zu bestimmen. Die finanzielle Lage von Gemeinden, die sich an einem Fusionsprojekt beteiligen möchten, muss ebenfalls ermittelt werden. Eve Zeender

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