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Aktive Filter: Autor: Nadja Sutter Ausgabe: 7-8 | 2024 Alle Filter entfernen
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Mit der Post kam der Bundesstaat in die Gemeinden

Poststrasse, Postgasse, Postplatz: Die Post ist in den Schweizer Gemeinden allgegenwärtig. Längst hat nicht mehr jedes Dorf eine Post – doch die Namen haben überdauert. Als 1848 der Schweizerische Bundesstaat entstand, bestand bereits seit Jahrhunderten ein Postsystem. Dieses war aber dezentral geregelt: Um 1840 gab es 17 verschiedene Postverwaltungen auf dem Gebiet der Schweiz, was den Service langsam und teuer machte. Mit dem neuen Bundesstaat sollte sich das ändern, denn in der Bundesverfassung wurde das Postwesen zur Zuständigkeit des Bundes erklärt. 1849 wurde im Bundesgesetz über die Organisation der Postverwaltung die Post in elf Postkreise mit je eigener Direktion eingeteilt. Ihre Aufgaben: der Transport von Briefen und Paketen sowie der Personentransport mit der Postkutsche. Der Personentransport war der wichtigste Betriebszweig der Post. Reisten die Passagiere anfangs noch in Pferdekutschen, nahm die Post 1906 die erste Postautolinie zwischen Bern und Detligen in Betrieb. Die letzte reguläre Postkutsche fuhr bis 1961 in Graubünden auf der Linie Avers–Juf. Die Schweizerische Post hatte dank dem Personentransport, aber auch dank der Poststellen rasch eine grosse Präsenz im neuen Bundesstaat. Gab es um 1850 rund 1500 Poststellen in der ganzen Schweiz, wuchs diese Zahl bis 1912 auf 4000 an. Anfang des 20. Jahrhunderts verfügte also fast jede Gemeinde der Schweiz über eine oder sogar mehrere Poststellen. Die Bevölkerung musste in der Anfangszeit dank bis zu sechs Zustellungen pro Tag nicht besonders lange auf einen Brief oder ein Paket warten. Bis 1924 gab es sogar noch eine Zustellung am Sonntag. Möglich machten dies die unzähligen Postangestellten: 1850 waren es rund 2800. Die Post war damit eine der grössten Arbeitgeberinnen im Land. Die Post wurde zu einem wichtigen staatsbildenden Element im noch jungen Bundesstaat. Ihre Postkutschen und Poststellen trugen das Schweizer Kreuz in die hintersten Winkel des Landes, und sie war dank ihrer Dienstleistungen ein sehr direkter Berührungspunkt zwischen dem Bundesstaat und den Gemeinden und ihrer Bevölkerung. Das verdeutlichte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit zahlreichen repräsentativen Postbauten im ganzen Land: zum Beispiel mit den Postgebäuden in St. Gallen oder Genf, aber auch in kleineren Orten wie Sarnen oder Schwyz. Die Geschichte der Post ist eng verbunden mit technologischen Innovationen, aber auch dem Wandel der Gesellschaft. Das zeigen besonders die Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert. Von 1920 bis 1928 wurde die Post schrittweise mit der Telegrafen- und Telefonverwaltung des Bundes zusammengeführt, die PTT entstand. Sie prägte die Schweiz des 20. Jahrhunderts, bis sich 1998 die Wege mit der Gründung der Swisscom wieder trennten. Die Swisscom baut im 21. Jahrhundert die Grundversorgung mit dem Internet aus, was wiederum die Post betrifft: Die Kommunikation verlagert sich in die digitale Welt, es werden immer weniger Briefe verschickt. Der Paketversand nimmt hingegen insbesondere seit der Coronapandemie und dem Boom des Internethandels massiv zu. 2001 plante die Post erstmals einen grösseren Abbau von Poststellen, von 3500 auf 2500. In den Jahren darauf folgten weitere Schliessungen. 2023 gab es noch 769 eigenbetriebene Poststellen in der Schweiz, vor Kurzem kündigte die Post einen weiteren Abbau von 170 Poststellen an. Die Post setzt mehr und mehr auf Partnerschaften mit Dorfläden und punktuell auch Gemeindeverwaltungen, welche die Basisdienstleistungen der Post anbieten. Die Reduktion der Poststellen löste und löst immer noch grossen politischen Widerstand aus. Besonders die peripheren Gebiete fürchten, dass sie abgehängt werden. Das ist auch bei den zuletzt angekündigten Abbauplänen nicht anders: Eine Motion der nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen fordert derzeit, dass der Grundversorgungsauftrag der Post auf Gesetzesebene geklärt wird, bevor weitere Abbauschritte vorgenommen werden. Vor dem Hintergrund der Geschichte der Post dürfte dieser Widerstand nicht allein mit den wegfallenden Dienstleistungen zu tun haben. Mit den Poststellen fällt auch die Repräsentation des Bundesstaats in den Gemeinden weg. Was bleibt, sind die Strassennamen: Poststrasse, Postgasse, Postplatz. Quellen: Karl Kronig: «Post», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.1.2011. Online konsultiert am 12.07.2024. Karl Kronig, Bauen für eine Nation. Von Postpalästen, PTT-Bauten und Kunst am Bau, in: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK (Hrsg.), Kunst + Architektur in der Schweiz, Nummer 4/2020 (Zeitschrift). https://www.post.ch/de/ueber-uns/portraet/175-jahre-post/geschichte Nadja Sutter

Neu im Vorstand: Michael Götte, Nationalrat und Gemeindepräsident von Tübach (SG)

Tübach ist nach über 18 Jahre zu meiner Heimat geworden. Hier bin ich in der Region aufgewachsen, hier lebe ich mit meiner Familie und hier arbeite ich als Gemeindepräsident. Nähe und Verbundenheit machen das Leben lebenswert. Dazu müssen wir Sorge tragen. Als Gemeindepolitiker möchte ich dazu meinen Beitrag leisten. Das Besondere an der Schweiz ist, dass unser Gemeinwesen von unten nach oben gedacht ist. Gemeinden sind mehr als Vollzugsorgane. Die Durchsetzung der Gemeindeautonomie ist daher für mich von zentraler Bedeutung. Gerade auch in meiner Funktion als Nationalrat. Aktuell arbeiten wir an der Ortsplanung. Es gilt, bis 2027 die kantonalen Vorgaben umzusetzen. Die besondere Herausforderung liegt dabei im Spannungsverhältnis von Entwicklung und Bewahrung. Viele Einwohnerinnen und Einwohner sind mit dem Ist-Zustand sehr zufrieden. Gleichzeitig gilt auch in diesem Zusammenhang, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Nadja Sutter

Mathias Zopfi: Ein Grüner aus dem Dorf wird Präsident des SGV

Eine passende Analogie zum Thema der Generalversammlung des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV) 2024 «Gemeinden im Wandel der Zeit»: Als Hannes Germann 2002 in den Ständerat gewählt wurde, war Mathias Zopfi gerade volljährig geworden. Sechs Jahre später wurde Germann zum Präsidenten des Schweizerischen Gemeindeverbands gewählt. Und 22 Jahre später ist Mathias Zopfi selbst Ständerat, und tritt nun in die Fussstapfen von Hannes Germann als SGV-Präsident. Es sind grosse Fussstapfen: 25 Jahre lang war der Schaffhauser Ständerat im Vorstand des Schweizerischen Gemeindeverbands, davon 16 Jahre als Präsident. An der Generalversammlung des SGV in Neuhausen am Rheinfall (SH) vom 20. Juni blickten beide aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Gemeinden, ergänzt von einem Vortrag des Politgeografen Michael Hermann. Hannes Germann erinnerte an den Gemeindeartikel in der neuen Bundesverfassung, die 2000 in Kraft trat, also ein Jahr, nachdem er in in den Vorstand des Gemeindeverbands eintrat. Der Artikel garantiert den Gemeinden, und damit dem Verband, eine Mitsprache in der Bundespolitik. Seither hat der SGV unzählige Stellungnahmen zu politischen Geschäften verfasst und wirkt in zahlreichen Gremien auf Bundesebene mit. Zahlreiche Gemeinden befinden sich aktuell im Spannungsfeld zwischen Stadt und Land, wie der Vortrag von Politgeograf Michael Hermann aufzeigte. Zwar steigt in der Praxis der Druck auf die Städte, wie die aktuelle Wohnungsknappheit gerade in urbanen Gebieten zeigt. Gleichzeitig wünschen sich fast die Hälfte aller Schweizerinnen und Schweizer, auf dem Land zu wohnen. Jene, die das tun, möchten sich nicht primär in einer bestimmten Gemeinde niederlassen, sondern suchen nach ihrem Wunschhaus. «Sie ziehen nicht in eine Gemeinde, weil sie sich dort engagieren wollen oder Teil der Gemeinschaft sein möchten, sondern weil die Wohnung ideal gelegen ist», führte Michael Hermann aus. Das führe zu Herausforderungen für die Gemeinden. Der Politgeograf nannte diese Entwicklung eine «Entdörflichung des Dorfes». Gleichzeitig komme es zu einer Verdörflichung der Stadt, wo urbane Quartiere regelrechte Dorfplätze entwickeln und die Gemeinschaft pflegen. Michael Hermann plädierte in seinem Vortrag für einen Austausch der urbanen und ländlichen Gebiete, um diese Trends gemeinsam anzugehen. Ob er als Grüner nicht eher den urbanen Städteverband präsidieren müsse, fragte Moderatorin Nathalie Christen den neuen Präsidenten Mathias Zopfi. Er stamme aus einem Dorf, genauer Engi im Glarnerland, konterte dieser, und fügt an: «Solche Schubladisierungen sind interessant, wenn es um die Statistik geht, aber es gibt zum Glück auch Fälle, die aus der Statistik ausscheren.» Zopfi engagierte sich bereits als Jus-Student in der Gemeindepolitik. «Ich fühle mich dem Konkreten, Handfesten, Überparteilichen der Gemeindepolitik verbunden und verpflichtet.» In dieser Funktion lernte er auch früh mit Niederlagen umzugehen. Als Student war er gegen die Pläne für die grosse Fusion der Gemeinden in Glarus – von rund zwei Dutzend zu noch drei Gemeinden. «Ich war damals der Meinung, dass dadurch die Gemeindeautonomie verletzt würde.» Doch die Fusion kam, und Mathias Zopfi arrangierte sich damit, ja, er trat in den Gemeinderat der neuen Gemeinde Glarus Süd ein. Heute sieht er die Vorteile der Fusion, gerade im Bereich Raumplanung, wo mit grösseren Strukturen sinnvoll geplant werden kann. Oder auch bei der Professionalisierung der Verwaltung. «Grundsätzlich sollten bei einer Fusion nicht die Kosten im Vordergrund stehen, sondern der Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger.» Seinen Hauptfokus möchte Mathias Zopfi in seiner neuen Funktion als SGV-Präsident auf die Gemeindeautonomie legen. «Diese gilt es immer wieder konsequent zu verteidigen.» Die Gemeinden und der Gemeindeverband dürften dabei durchaus selbstbewusst auftreten: «Nur wenn wir die Gemeindeautonomie konsequent einfordern, können wir sie auch verteidigen.» Thematisch liegt ihm die Nachhaltigkeit am Herzen. «Der SGV sollte gerade im Umgang mit dem Klimawandel eine Rolle spielen.» Hier, aber auch in anderen Themen sieht er den Verband in einer wichtigen Vermittlerrolle; er könne ein Forum für den Austausch zwischen den Gemeinden bieten und Menschen zusammenbringen. Das Überparteiliche reizt den neuen Präsidenten denn auch an seiner Aufgabe. «Der Vorstand ist breit aufgestellt. Wie in einem guten Gemeinderat, findet sich hier das ganze Parteienspektrum wieder. Man gewinnt und verliert als Team, als Kollegialbehörde.» Nadja Sutter

Neu im Vorstand: Georges Schmid, Präsident SVBK

Als Mitglied des Burgerrates und Burgermeister meines Heimatortes Visp erkannte ich den Wert und den Nutzen der Burgergemeinden für unser Staatswesen. Die über eintausendsechshundert Bürgergemeinden und Korporationen schaffen Identität. Sie fördern und leben gemeinnütziges Engagement. Für deren Erhalt und Stärkung setzte ich mich ein. Gleich wie in den Einwohnergemeinden ist es schwierig, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für die Exekutivorgane zu finden. Dies, obwohl bei unseren Mitgliedern mehrheitlich nach dem Majorzsystem gewählt wird. Die Leistungen der Bürgergemeinden und Korporationen für die Allgemeinheit gelten als selbstverständlich und geniessen nicht die Wertschätzung, die sie verdienen. Der Verband will mit einem nationalen Tag der Bürgergemeinden und Korporationen am 14. September der allgemeinen Bevölkerung die Bürgergemeinden und Korporationen und deren Leistungen für das Gemeinwohl bekannt machen. Georges Schmid wurde am 20. Juni in den Vorstand des SGV gewählt, zusammen mit Marie-France Roth Pasquier , Chantal Weidmann-Yenny sowie Michael Götte . Nadja Sutter

4 Fragen zu Binn Kanton Wallis

«Das Binntal war früher ein wichtiger Übergang nach Italien. Vielleicht sind die Binner darum so aufgeschlossen.» Rudolf Jossen, Gemeindepräsident Binn Rudolf Jossen ist seit 2021 Gemeindepräsident von Binn im Milizamt. Der Bankkaufmann war unter anderem für verschiedene Banken und den Bund tätig. Zwölf Jahre lang war er Gemeindeschreiber in seiner Heimatgemeinde Mund (VS). Heute ist er pensioniert. Der Mitte-Politiker sitzt von Amtes wegen im Vorstand des Landschaftsparks Binn. Als nächste zu porträtierende Gemeinde hat er Port-Valais (VS) ausgesucht. Nadja Sutter

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