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  • 9 | 2021 1
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Kultur – ein Schlüssel zur Entwicklung der Gesellschaft

Von zu Hause aus hat Christine Bouvard Marty einen barrierefreien Zugang zu Kultur mitbekommen, wie sie sagt. Durch Begegnungen mit Bekannten ihrer Eltern, auf Reisen oder bei Museumsbesuchen hat sie schon in jungen Jahren vielfältige Formen kultureller Ausdrucksweisen kennengelernt. Und ein weiteres wesentliches Element in ihrem heutigen Gesamtbild von Kultur hat für die klinische Heilpädagogin ihre frühere Arbeit mit schwerst- und mehrfachbehinderten Menschen gebracht. Als Christine Bouvard Marty vor über 30 Jahren ins Entlebuch zog, fand sie über ihr Mitwirken im Kirchenchor und in der Entlebucher Kantorei rasch den Anschluss zur Bevölkerung. Eher per Zufall hat sie später einen Sitz in der gemeindlichen Musikschulkommission übernommen, der zuvor von einem Mitglied des Jodlerklubs gehalten wurde. «Die Musikvereine stellen bei uns die Kommissionsmitglieder. Als ich merkte, dass ich auf dem sitze, empfand ich das als Auftrag, mich mit dem reichen musikalischen und kulturellen Geschehen unserer Region über meine eigenen Vorlieben hinaus zu beschäftigen», sagt die passionierte Sängerin. So hat sie im Rahmen dieser Kommissionsarbeit die musikalische, kulturelle und künstlerische Vielfalt im «klingenden Tal»* kennengelernt. Und daraus hat sie als Politikerin umgekehrt einen weiten Zugang zum Thema Kultur erhalten. Als Gemeindepräsidentin ist Christine Bouvard Marty gefordert, dabei die Finanzen im Auge zu haben. Aber: «Es geht nicht nur darum, hin-, sondern auch dahinterzuschauen», sagt sie. Wie meint sie das? «Ob Musikschule oder regionales Kulturhaus, die Frage lautet, warum wir uns engagieren.» Da ist er, der ganzheitliche Ansatz: «Ich bin der festen Überzeugung, dass kulturelle Bildung und Teilhabe wesentliche Schlüssel zur Entwicklung unserer Gesellschaft sind.» Das sind grosse Worte. Doch Christine Bouvard Marty kann für sich in Anspruch nehmen, dass sie auf vielfältige Weise entsprechende Erfahrungen gemacht hat. Für sie steht fest, dass Kultur den Zusammenhalt der Gesellschaft fördert. Über verschiedene Kulturformen – auch vermehrt dank dem Austausch über Nationalitäten hinaus – gelingt es ihrer Meinung nach, Aufmerksamkeit und Verständnis zwischen Generationen, zwischen Stadt und Land, zwischen professioneller und Amateurkultur zu wecken. Ein Schwarz-Weiss-, Elite-Laien- oder Hotspot-Provinz-Denken sind ihr fremd. Ein solch breiter Zugang zu Kultur aber muss erlernt werden, Menschen müssen den Zugang dazu finden können. Dazu braucht es Vermittlung. «Wir müssen die Sprache der Kultur verstehen lernen.» Nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit der Studie des Bundesamts für Kultur über den Einfluss der Urbanisierung auf die Kulturförderung (siehe Kasten ) wurde für die Gemeindepolitikerin klar: «Wir haben es in der Hand, die Gesellschaft über den Zugang zu Kultur zu gestalten. Und ja, es ist die öffentliche Hand, die diesen Zugang für alle gewährleisten muss. Und das kostet Geld.» Denn, davon ist Christine Bouvard Marty überzeugt, der Zugang zu Kultur und Kulturvermittlung dürfe nicht vom Einkommen der Familien oder vom Wohnort abhängen. Der Frage des Berner Ständerats Hans Stöckli (SP), welche Unterschiede zwischen den Kulturräumen der Stadt, Agglomeration und Landschaft bestehen und ob sich daraus Anforderungen für die Kulturförderung ergeben, hält Christine Bouvard Marty nicht zuletzt aus ihrer breiten Erfahrung mit Kulturschaffen im ländlichen Raum eine differenzierte Antwort entgegen. Eine hohe Mobilität ermöglicht es der ländlichen Bevölkerung problemlos, professionelle Kultur in Städten zu besuchen. Auf dem Land umgekehrt würden regionale Kultureinrichtungen ebenso bedeutende Aufgaben übernehmen. Nebst den grossen Traditionen bieten regionale Kulturzentren Zugang zu bildender oder darstellender Kunst, die für das Publikum vor Ort ein reichhaltiges Angebot schafft – was wiederum den Zusammenhalt der Gemeinschaft im ländlichen Raum stärke. Dafür müsse in einer Gemeinde oder Region entsprechend Infrastruktur zur Verfügung gestellt und Geld in die Hand genommen werden, sagt Christine Bouvard Marty. Man kann sich leicht vorstellen, mit welchem Engagement sie sich in einer Gemeinderats- oder Kommissionssitzung dafür stark macht. Früh hat Christine Bouvard Marty Interesse daran bekommen, wie andere Menschen ihre Umgebung wahrnehmen und das Geschehen verarbeiten. So ist sie in Kontakt mit Kunst- und Kulturschaffenden gekommen und hat dabei viel mehr über «den Menschen» gelernt als durch lange Abhandlungen. Darum ist es für sie wichtig, während und sicher auch wieder nach den politischen Jahren, hinzugehen und zu schauen, wenn Kultur einen Beitrag dazu leistet, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Informationen: * «Das klingende Tal», Geschichte der Musik, des Musizierens und der musikalischen Institutionen im Entlebuch, ISBN 978-3-907821-59-6 Martin Spilker

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