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  • 6 | 2022 1
Aktive Filter: Kategorie: Soziales Autor: Bettina Husemann Alle Filter entfernen
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Gemeinsam essen im Alter stärkt die Gesundheit

Nachdem ihr Mann gestorben war, mochte Rosa Schmid (Name geändert) nicht allein am Tisch essen. So ass sie nicht selten direkt aus der Pfanne, am Herd stehend und ohne richtigen Appetit. Nach einigen Wochen bemerkte sie, dass sie oft müde und nicht mehr so fit wie früher war, und bald wurde ihr klar, dass diese Veränderung mit ihrer Art zu essen zusammenhing. Deshalb nahm Frau Schmid, nachdem sie in ihrer Gemeinde einen Aufruf zur Gründung einer Tavolata gesehen hatte, an der allerersten Infoveranstaltung von Tavolata teil. Dies war im Jahr 2010. Zurück zu Hause, lud sie umgehend einige alleinstehende Personen aus der Nachbarschaft zum Spaghettiessen ein. Ihre Tischgemeinschaft besteht mittlerweile seit zwölf Jahren. Sie sagt: «Tavolata war das Beste, was mir passieren konnte.» Solche Geschichten weiss Daniela Specht, Leiterin der Geschäftsstelle von Tavolata und Koordinatorin der Tischgemeinschaften in der Deutschschweiz, zuhauf zu erzählen. Eine gesunde Ernährung beeinflusst die Gesundheit, Mobilität und Lebensqualität von älteren Menschen. Gerade Gemeinden können einen wichtigen Impuls setzen, wenn sie die Eigeninitiative fördern. Tavolata, aus dem Italienischen für «Tafelrunde», ist ein Projekt des Migros-Kulturprozents und damit Teil des gesellschaftlichen Engagements der Migros-Gruppe. Die Idee dahinter: Initiative, meist ältere Menschen gründen eine Tischrunde, und interessierte Personen schliessen sich der Runde an, um zusammen ausgewogen und genussvoll zu essen. Anregungen für schmackhafte, gesunde Mahlzeiten und deren Zubereitung erhalten sie über das Projektteam von Tavolata. Diese stützen sich auf die schweizerischen Ernährungsempfehlungen . Inspiration bieten darüber hinaus die zweimal jährlich erscheinende Tavolata-Zeitung «Bon Appétit» oder die regelmässig stattfindenden Online-Veranstaltungen unter dem Titel «Amuse bouche». Das Tavolata-Team unterstützt bei der Gründung und beim Erhalt von Tischgemeinschaften oder bei der Suche nach neuen Mitgliedern und vermittelt Interessierte an bestehende oder neu gegründete Gruppen. Bei der Organisation ihrer Treffen sind die Tischgemeinschaften weitgehend frei. Ob selbst gekocht wird oder nicht und, falls ja, gemeinsam oder abwechselnd, steht der Gruppe frei. Voraussetzung ist einzig die Bereitschaft, sich regelmässig an einem öffentlichen oder privaten Ort zu treffen. Als verbindlich gelten ausserdem sieben einfache Spielregeln , etwa dass Arbeiten und Kosten geteilt oder Geben und Nehmen ausgeglichen sind. Die meisten Menschen wollen geistig und körperlich leistungsfähig bleiben, um möglichst lange selbstständig zu Hause zu leben. Hier sind auch die Gemeinden gefordert. Sie nehmen eine wichtige Rolle ein, schaffen Rahmenbedingungen, koordinieren, vernetzen und informieren. Gemeinschaftliches Kochen und Mahlzeiten in Gesellschaft sind von wesentlicher Bedeutung, weil sie die Freude und den Genuss am Essen fördern. Im Alter verringern sich bei vielen Menschen die sozialen Kontakte. Neben den körperlichen Veränderungen im Alter kann auch Einsamkeit zu Appetitverlust führen und Mangelernährung begünstigen. Eine ausgewogene und genussvolle Ernährung ist darum gerade im Alter wichtig. Sie hilft, die Muskelmasse zu erhalten und mobiler und unabhängiger zu bleiben. Die Prävention von Diabetes, bestimmten Krebsarten sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist ein weiterer Effekt. Wer regionale Tavolatas fördert, trägt dazu bei, die Gesundheit, Lebensqualität und Autonomie der älteren Wohnbevölkerung zu stärken und damit die Attraktivität einer Gemeinde zu erhöhen. Bei Tavolata steht die Freude am gemeinsamen Kochen und Essen im Zentrum. Allerdings geht Tavolata weit darüber hinaus. Zahlreiche der rund 500 offiziellen Tavolatas in der ganzen Schweiz existieren bereits seit vielen Jahren. «Tavolata ist mehr als gemeinsam zu essen», bestätigt Margrit Eicher, Fachperson Prävention und Gesundheit bei LUNAplus, einem kostenlosen Beratungsangebot der Gemeinde Wallisellen (ZH) für Menschen ab 65 zur Förderung der Unabhängigkeit im Alter: «Oftmals sind die Mitglieder einer Tavolata auch im Alltag füreinander da. Sie fragen nach, wie es geht, schreiben sich Nachrichten via WhatsApp oder fahren sich gegenseitig zum Arzt.» Die Teilnahme an einer Tavolata bedingt eine Offenheit, die laut Margrit Eicher gerade auf ältere Menschen eine enorm belebende Wirkung hat. Schmunzelnd meint sie: «Es ist kein Zufall, dass so viele Tavolata-Teilnehmende bereits ein hohes Alter erreicht haben.» Bettina Husemann

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