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Aktive Filter: Kategorie: Institution Gemeinde Autor: Fredy Gilgen Alle Filter entfernen
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Interlaken hat gleich zwei Gemeindeschreiberinnen

«Eine ideale Lösung für alle Betroffenen», freuen sich die beiden Gemeindeschreiberinnen von Interlaken (BE) gleichermassen. Die Lösung lag allerdings nicht einfach auf dem Tisch. Als Interlakens langjähriger Gemeindeschreiber Philipp Goetschi Ende 2020 in Pension gegangen war, blieben die Stellenausschreibungen für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zunächst erfolglos. Gemeindepräsident Philippe Ritschard erinnert sich: «Der Gemeinderat hatte sich im Zuge der Ablösung unseres langjährigen, verdienten Gemeindeschreibers für eine externe Begleitung entschieden.» Nachdem auch die Sachbearbeiterin und die Stellvertreterin des Gemeindeschreibers ihre Kündigung eingereicht hatten, eröffnete sich nach Ritschard eine nicht voraussehbare Option, die auch mit den Geschäftsleitungsmitgliedern abgesprochen wurde. Mit den zwei besten Bewerbungen wurden in der Folge vertiefte, erfolgreiche Gespräche geführt, die zur aktuellen Doppellösung führten: die Lösung mit Brigitte Leuthold und Barbara Iseli. Die 60-jährige Brigitte Leuthold war zuvor über viele Jahre als Gemeindeschreiberin in bernischen Gemeinden tätig, die 48-jährige Barbara Iseli in der bernischen Kantonsverwaltung. Interlaken hat nun also zwei gleichberechtigte Gemeindeschreiberinnen, eine zu 100 Prozent, die andere zu 90 Prozent, dafür ist die Sachbearbeiterstelle aufgehoben worden. Die beiden Damen teilen sich zwei Stellen, es ist also kein Jobsharing. «Aus der Not geboren ist der falsche Ausdruck», findet Ritschard. «Der Gemeinderat hat im Frühling 2022 die einmalige Chance wahrgenommen, eine erfahrene Gemeindeschreiberin zu verpflichten, die jedoch altersbedingt nur noch wenige Jahre zur Verfügung stehen wird, und ihr gleichzeitig eine jüngere Kraft zur Seite zu stellen, die sich noch in das Gemeindeschreibermetier einarbeiten muss.» Vermutlich wohl eher nicht. «Der Gemeinderat erhofft sich, dereinst eine nahtlose Ablösung in der Gemeindeschreiberei und eine Rückkehr zur herkömmlichen Organisation mit einer Gemeindeschreiberin und einer Sachbearbeitung/Stellvertretung Gemeindeschreiberei zu erreichen», sagt Ritschard. Die aktuelle Lösung sei innerhalb des Evaluationsausschusses aufgrund der Konstellation entstanden. «Besonders wichtig ist der stetige Austausch, damit beide immer auf dem gleichen Informationsstand sind.» Barbara Iseli, Co-Gemeindeschreiberin Interlaken (BE) «Gut», finden die beiden Co-Gemeindeschreiberinnen Brigitte Leuthold und Barbara Iseli unisono. «Grundsätzlich machen wir beide alles. Bei gewissen Sachen wechseln wir uns ab, zum Beispiel tageweise wie bei der Bearbeitung der E-Mails an die Gemeindeschreiberei oder je nach freien Kapazitäten wie bei der Aufnahme von Siegelungsprotokollen.» Andere Aufgaben sind fix zugeteilt, so die Verantwortung für die Sitzungen des Gemeinderats und des Grossen Gemeinderats (GGR). Da Barbara Iseli derzeit den Diplomlehrgang für bernische Gemeindeschreiberinnen und -schreiber besucht und die meisten Kurstage auf einen Mittwoch fallen, wenn auch die Gemeinderatssitzungen stattfinden, hat sie für dieses Jahr die Hauptverantwortung für den GGR übernommen, während Brigitte Leuthold für den Gemeinderat zuständig ist. Die weitere Arbeitsteilung: Beide übernehmen jeweils die Vertretung bei Abwesenheit oder wenn die Kollegin aufgrund anderer Termine verhindert ist. Ansonsten haben sie die verschiedenen Kommissionen, die von der Gemeindeschreiberei betreut werden, zwischen sich aufgeteilt. Barbara Iseli hat zudem die Verantwortung für den Bereich Wahlen und Abstimmungen sowie für die Lernende in der Gemeindeschreiberei. Dies wegen der Bürosituation. Brigitte Leuthold kümmert sich um alle Belange im Zusammenhang mit der EDV. «Besonders wichtig ist der stetige Austausch, damit beide immer auf dem gleichen Informationsstand sind», sagen Brigitte Leuthold und Barbara Iseli übereinstimmend. Die Koordination sei auch nötig bei den Geschäften des GGR, die zuerst im Gemeinderat behandelt werden. Das Ziel sei, den Austausch stärker zu institutionalisieren, um dem Aspekt des vorausschauenden Planens und Handelns mehr Gewicht geben zu können. Mit zunehmender Erfahrung und Kenntnissen der Abläufe in der Gemeinde Interlaken – auf eine Legislatur ausgerichtet – werde sich auch die Aufteilung und Koordination noch besser einspielen. «Zugute kommt uns, dass wir 75 bis 80 Prozent der Zeit zusammen im Büro arbeiten.» In der Regel länger als die vorgesehenen 42 Stunden. «Eine wichtige Voraussetzung für eine Co-Leitung ist zudem, dass die Zusammenarbeit auf der persönlichen, menschlichen Ebene gut funktioniert. Und das ist bei uns der Fall», sagen beide mit Überzeugung. «Eine wichtige Voraussetzung für eine Co-Leitung ist zudem, dass die Zusammenarbeit auf der persönlichen, menschlichen Ebene gut funktioniert. Und das ist bei uns der Fall.» Brigitte Leuthold, Co-Gemeindeschreiberin Interlaken (BE) Auch hier sind sich die Co-Gemeindeschreiberinnen Brigitte Leuthold und Barbara Iseli einig: «Die gegenseitige Information und Koordination sind relativ zeitaufwendig – aber sie sind Bedingung für eine gute gegenseitige Stellvertretung.» Eine zusätzliche Erschwernis kam durch die besondere Situation der Gemeindeschreiberei Interlaken hinzu. Sie besteht aus den zwei Co-Leiterinnen plus einer Lernenden im ersten Lehrjahr, die alle im Sommer 2022 neu angefangen haben. Da brauchte es doch eine längere Einarbeitungszeit. Allerdings wäre dies auch der Fall gewesen, wenn Gemeindeschreiberin und ein Stellvertreter Sachbearbeiter gemeinsam neu angefangen hätten. Die wichtigsten Vorteile der Lösung Interlaken mit einer Co-Leitung des Bereichs Gemeindeschreiberei fassen Brigitte Leuthold und Barbara Iseli wie folgt zusammen: Die Verantwortung wird geteilt. Die Vor- und Nachbereitung der Sitzungen von Gemeinderat und Grossem Gemeinderat durch die Gemeindeschreiberei können flexibler gehandhabt werden. Der Know-how-Transfer von der erfahrenen Gemeindeschreiberin zur Neueinsteigerin ist optimal. Fredy Gilgen

Wenn Gemeinden Sportanlagen gemeinsam betreiben

Manchmal finden auch sperrige Worte Eingang in den populären Sprachgebrauch oder werden sogar Kult. Maschendrahtzaun war so ein Begriff. Dass es das Gemeindesportanlagenkonzept (Gesak) ebenfalls in die Hitparade schafft, ist wohl eher unwahrscheinlich. In den Regionen und Gemeinden hört man den Begriff Gesak aber doch immer häufiger. Teilen ist ein urchristliches Tun. Wer nichts oder wenig hat, der wird unterstützt von jenen, die viel oder sehr viel haben. In der Wirtschaft hat das Konzept der Sharing Economy, das eine geteilte Nutzung von ganz oder teilweise ungenutzten Ressourcen ermöglichen soll, in den letzten zwölf Jahren eine stetig steigende Bedeutung bekommen. Auf Gemeindeebene geht es pragmatischer zu. Aktuell steht vor allem das gemeinsame Betreiben von Infrastrukturanlagen, hauptsächlich von Sportanlagen, im Vordergrund. Dies auf Basis eines Gesak. Weit fortgeschritten sind die entsprechenden Projekte der Laufentaler und Thiersteiner Gemeinden in den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn. Geplant ist, die oft defizitären regionalen Sport- und Freizeitangebote in ein überregionales Konstrukt zu überführen. Die Existenz der bestehenden Anlagen soll so gesichert werden. Dann gelte es, eine gezielte und regional abgestimmte Entwicklung der Sport- und Freizeitinfrastruktur zu ermöglichen und konkrete Mehrwerte für die in der Region lebenden Menschen zu schaffen. «Die Freizeitmöglichkeiten tragen nämlich entscheidend zu einer attraktiven Region bei», erklärt Rita Stoffel-Meury, regionale Standortförderin. «Gewiss, hinter dem überregionalen Konstrukt steckt ein Solidaritätsgedanke, aber nicht nur», sagt der Laufner Stadtrat Mathias Christ: «Nebst den gemeinsam getragenen Kosten soll in der Tat auch die Standortattraktivität der Region gestärkt werden.» Gesunde Ernährung und Sport seien zudem wichtiger denn je. «Wir müssen auch zu unserem breiten Vereinswesen Sorge tragen», sagt der Gemeindepolitiker, der sich Synergien sowohl für Freizeitanlagen als auch für das Vereinswesen erhofft, und vor allem auch Raum für neue Ideen. «Nebst den gemeinsam getragenen Kosten soll in der Tat auch die Standortattraktivität der Region gestärkt werden.» Mathias Christ, Stadtrat von Laufen In einer ersten Phase soll die Existenz bestehender Anlagen von regionaler Bedeutung und mit Alleinstellungsmerkmal gesichert werden. Dies durch eine regionale Finanzierung. Die Regionalisierung umfasst den Betrieb und die zukünftigen Investitionen. Die Region bestimmt künftig über das Schicksal dieser Anlagen und nicht nur die Standortgemeinde. Wer mitbezahlt, soll auch über die Zukunft der Anlagen mitbestimmen dürfen, lautet die Devise. Die neu geschaffene Trägerorganisation soll in einer zweiten Phase in die Lage versetzt werden, weitere bestehende Anlagen wie Turnhallen, Sportplätze oder allenfalls auch aus anderen Bereichen, etwa aus der Kultur, in die eigenen Strukturen zu integrieren. Daraus sollen Mehrwerte geschaffen werden. Turnhallen könnten beispielsweise Auswärtigen zugängig gemacht werden oder ein gemeinsames Eintrittssystem könnte aufgebaut werden. Neues ermöglichen: In einer dritten Phase wird die neu geschaffene Trägerorganisation in die Lage versetzt, eigene, neue Anlagen zu errichten und regional nicht mehr benötigte Anlagen entweder weiter durch die Kommunen betreiben zu lassen oder zu schliessen. Das Konstrukt hat mittlerweile einen Namen bekommen und nennt sich Sport- und Freizeitregion Laufental Thierstein. Die Projektgruppe dieser Organisation hat entschieden, welche Anlagen miteinbezogen werden sollen und wie das Finanzierungsmodell aussehen soll. Über die Organisationsform wird noch beraten. Angedacht ist unter anderem ein Online-Tool zur Auslastung der Turnhallen, eine regionale Standortbestimmung für das Problem des Babyschwimmens und eine finanzielle Unterstützung im Fall des Skateparks Thierstein. Die Initiatoren sind überzeugt, dass die Sport- und Freizeitregion Laufental Thierstein ab Anfang 2023 umgesetzt werden kann, wenn die Gemeindeversammlungen dem Kooperationsprojekt Ende 2022 zustimmen. Was angesichts des breiten Rückhalts bei Vertretern aus Politik, Sport und Wirtschaft für dieses Projekt sehr wahrscheinlich ist. Einigermassen stolz verweisen die Mitbeteiligten der neuen Organisation auf den Pioniercharakter ihres Projekts. «Meines Wissens gibt es noch keine solchen regionalen Zusammenarbeiten in unserer Region», sagt Standortförderin Rita Stoffel-Meury. Ganz allein auf weiter Flur ist die Sport- und Freizeitregion Laufental Thierstein allerdings nicht. Zumindest ähnliche Projekte sind in anderen Regionen durchaus vorhanden. So haben die drei Glarner Gemeinden Glarus, Glarus Süd und Glarus Nord bereits vor fünf Jahren ein Gemeindesportanlagenkonzept beschlossen, zu dem der Kanton zunächst 20 Millionen Franken beisteuerte und in das er aktuell weitere 2 Millionen Franken investieren will. Um das Sportangebot weiterzuentwickeln, haben sich die Luzerner Gemeinden Nottwil, Oberkirch, Schenkon und Sursee zusammengetan. Der Fokus bei diesem Projekt richtet sich dabei auf Fussball und Tennis. Der regionale Sportcluster soll etappenweise bis 2032 entstehen. Noch heuer sollen künftige Trägermodelle ausgearbeitet und in der Folge eine oder mehrere Projektierungsgesellschaften gegründet werden. Schon vor etwas mehr als einem Jahr ist ein interkommunaler Vertrag zwischen der politischen Gemeinde Dietlikon und der politischen Gemeinde Wangen-Brüttisellen betreffend den Betrieb des Hallen- und Freibades Faisswiesen durch die Sportanlagen Faisswiesen AG an der Urnenabstimmung genehmigt worden. Auch die Gemeinden der Region Uzwil haben sich für eine gemeinsame Lösung bei der Finanzierung von Sport- und Freizeitanlagen entschieden. Uzwil zeigt sich dabei gegenüber den Nachbargemeinden als grosszügig: Die Kostenbeteiligung an den Uzwiler Freizeitanlagen ist freiwillig. Auf lokaler Ebene ist die Appenzeller Gemeinde Teufen aktiv geworden. Mit dem Gemeindesportanlagenkonzept (Gesak) will sie eine Gesamtsicht über die Entwicklung der Sportanlagen der Gemeinde erarbeiten. Im Zusammenhang mit dem Gesak will sie auch regionale Synergien prüfen. Fredy Gilgen

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