Gemeindemitarbeitende als Schlüsselfaktor für Cybersicherheit
Mehrere Vorfälle in der Vergangenheit haben gezeigt: Aufgrund der grossen Abhängigkeiten von der Informatik kann bei einem Cybervorfall die Handlungsfähigkeit einer Gemeindeverwaltung rasch und nachhaltig beeinträchtigt werden. Bei einem erfolgreichen Cyberangriff können nicht nur sensible Daten abfliessen, sondern auch hohe Kosten entstehen: Nebst Wiederherstellungskosten entsteht ein hoher Aufwand, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger wiederzuerlangen. Eine im Mai 2022 veröffentlichte Studie der Hochschule Luzern, der Mobiliar und von Economiesuisse zeigte einmal mehr: Cyberrisiken werden oft als reines IT-Problem behandelt und somit häufig unterschätzt. Doch organisatorische Massnahmen sind genauso bedeutend. So spielt bei Cyberangriffen der Mensch häufig eine zentrale Rolle. Deshalb sind mitarbeiterbezogene (Sensibilisierungs-)Massnahmen von hoher Wichtigkeit. Das Ziel dieser Massnahmen ist die Bewusstseinsförderung gegenüber Cyberrisiken. Idealerweise kennen die Mitarbeitenden die verschiedenen Angriffsmethoden und Angriffsvektoren in ihrem Arbeitsumfeld und wissen, wie sie sich im Falle eines Angriffs verhalten müssen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Cybersicherheit regelmässig auf Geschäftsleitungsebene thematisiert wird und entsprechende Massnahmen festgelegt und umgesetzt werden. Neben der Mitarbeitersensibilisierung gibt es weitere technische und organisatorische Massnahmen, die es umzusetzen gilt. Eine der häufigsten Angriffsmethoden ist das sogenannte Social Engineering. Dabei informieren sich Kriminelle im Vorfeld über die Verwaltungsstruktur. Dies geschieht durch öffentlich zugängliche Informationen, die zum Beispiel auf der Website der Gemeindeverwaltung auffindbar sind. Daraufhin wird eine Zielperson ausgesucht und mit einem auf sie zugeschnittenen Szenario konfrontiert. Die Angriffe erfolgen meist per E-Mail oder Telefon. Kriminelle missbrauchen in ihren E-Mails oder Anrufen beispielsweise die Namen von Verwaltungseinheiten, zum Beispiel der Steuerverwaltung. Als Spezialform ist hier der sogenannte CEO-Betrug bekannt. Betrüger geben sich hier als Mitglied der Geschäftsleitung oder Mitarbeitende der Finanzabteilung aus und weisen die kontaktierte Person an, Zahlungen auf ein bestimmtes Konto auszuführen. Die Opfer werden verunsichert, indem Faktoren wie Dringlichkeit, Autorität, Engpässe oder finanzielle Nachteile geltend gemacht werden, sofern das Opfer nicht wie gewünscht agiert. Andere häufig verwendete Angriffsmethoden für Gemeinden sind erpresserische Angriffe mittels Ransomware. (Wortmix aus «Ransom», also Lösegeld, und «ware» von Malware). Wird ein Computer oder ein Netzwerk mit Ransomware infiziert, werden meist die Daten verschlüsselt. Cyberkriminelle verlangen anschliessend von ihren Opfern Lösegeld, um die Daten wieder freizugeben. Dieser Betrag soll meist in einer Kryptowährung bezahlt werden. Angreifer gehen aktuell vermehrt dazu über, Daten nicht nur zu verschlüsseln, sondern diese im Vorfeld zu kopieren und das Opfer danach zusätzlich mit deren Veröffentlichung zu erpressen. Diese sogenannte Double Extortion hat sich bei den aktuellen Angriffen etabliert. Aber auch Kunden, Partner oder Lieferanten der Opferfirma können von den Angreifern direkt mit der Veröffentlichung von Daten erpresst werden, insbesondere wenn sensible Kundendaten vorhanden sind. Weiterführende Informationen: Konkrete Empfehlungen und Massnahmen zum Thema Social Engineering , Ransomware sowie allgemeine Informationen für Behörden finden Sie auf der Website des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit (NCSC): www.ncsc.ch Der Angriffsvektor «Nachrichteneingang» wurde in der diesjährigen schweizweiten Sensibilisierungskampagne des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit (NCSC) und der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) thematisiert. Weiterführende Informationen sind auf der Kampagnenwebsite aufgeschaltet: www.s-u-p-e-r.ch . Der Schadenskalkulator von CyberSafe ermöglicht es, die möglichen Kosten im Falle eines Cyberangriffs kalkulierbar zu machen: https://demo.cyber-safe.ch/new/ Sandra Lüthi