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  • 9 | 2022 1
Aktive Filter: Autor: Regina Witter Ausgabe: 9 | 2022 Alle Filter entfernen
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Bahnhof Liestal – eine Verkehrsdrehscheibe im Wandel

Als 2017 die Plangenehmigungsunterlagen zum Vierspurausbau des Bahnhofs Liestal öffentlich aufgelegt wurden, war klar: Hier kommt etwas Grosses auf die Kleinstadt Liestal zu. Mit ihren mehr als 15’000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Liestal die Kantonshauptstadt von Basel-Landschaft und ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt auf der Schienenverbindung Basel–Olten. Es handelt sich aber nicht nur um einen regionalen Umsteigeknoten, sondern auch um einen Ort mit zunehmender städtebaulicher Dynamik. Dies hat Liestal frühzeitig erkannt und bereits 2002 die Entwicklung des Bahnhofgebiets ganzheitlich in die Hand genommen. Die Planungen der Stadt sind in das Gesamtverkehrskonzept des Agglomerationsprogramms Basel eingebettet, in dem Liestal Zentrum des Entwicklungskorridors Ergolztal-Frenkentäler ist und der Bahnhof Liestal als wichtiger Entwicklungsschwerpunkt gilt. Der Bahnhof Liestal wird damit künftig eine noch grössere Rolle als Verkehrsdrehscheibe spielen, das heisst als Knoten, an dem Arbeitspendlerinnen und -pendler, Freizeitreisende oder Studierende bequem das Verkehrsmittel wechseln. Der Vierspurausbau soll die Kreuzungskonflikte im Bahnhof Liestal reduzieren und einen reibungslosen Bahnverkehr auf der Linie Basel–Olten ermöglichen. Zusammen mit dem Bau eines neuen Wendegleises ist der Ausbau die Voraussetzung für die Einführung des Viertelstundentakts der S-Bahn ab 2025. Neben dem Bau eines neuen Mittelperrons und der Verschiebung der angrenzenden Waldenburgerbahn sind auch neue Personenunterführungen notwendig. Diese sollen nicht nur die Perronzugänge verbessern, sondern auch die von den Gleisen getrennten Quartiere miteinander verbinden. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes im Rahmen der Agglomerationsprogramme realisiert die Stadt eine grosszügige Velostation und attraktive Fuss- und Veloverbindungen. Teil des «Verkehrskonzepts Stadtkern» sind zudem neue Zufahrten zum Bahnhof sowie ein Ersatz der Parkplätze für Park and Rail. Allerdings haben die Bewohnerinnen und Bewohner von Liestal und dessen Einzugsgebiet heute schon gute Alternativen zum Auto, um zum Bahnhof zu gelangen. Der 2015 fertiggestellte Busbahnhof ist Ankunfts- und Abfahrtsort von neun regionalen Linien. Drei davon werden ab 2023 neu als Stadtbusse geführt, um Liestal und die angrenzenden Gemeinden untereinander zu verbinden. Doch Verkehrsdrehscheiben sind mehr als Umsteigepunkte. Sie sind auch wichtige öffentliche Räume, die zum Verweilen einladen sollen. Die Bedeutung einer städtebaulich guten Gestaltung von Bahnhöfen haben verschiedene Umfragen bestätigt. Und um die optimale verkehrliche Anbindung von Verkehrsdrehscheiben zu nutzen, sollte in ihrem Umfeld gewohnt und gearbeitet werden. SBB-Immobilien und die Stadt haben deshalb den Bau eines neuen Bahnhofgebäudes und zweier Neubauten mit Arbeitsplätzen und Wohnraum vereinbart. Dem Quartierplan und dem hierzu notwendigen Verkehrskonzept hat die Stimmbevölkerung von Liestal 2017 mit 70 Prozent Jastimmen zugestimmt. In den angrenzenden Quartieren geht ebenfalls buchstäblich die Post ab. Die Stadt nutzt den Neubau des Postgebäudes und die Arealentwicklung auf der Nordseite des Bahnhofs zur Aufwertung des öffentlichen Raums an der Nahtstelle von Bahnhof und Altstadt. Wo das Bild heute vor allem von Parkplätzen geprägt ist, soll mit der Renaturierung des Orisbachs ein neuer Stadtpark entstehen. Auf der anderen Seite der Gleise unterstützt die nun verbesserte Erschliessung der Quartiere die Entwicklung: Ein Wohnquartier aus den 1970er-Jahren wurde kürzlich im Zuge seiner Sanierung verdichtet. Das Ergebnis ist ein lebenswertes und beliebtes Quartier. Nicht immer verliefen die ersten Jahre seit Baubeginn reibungslos. Die Bevölkerung der Stadt Liestal ist noch mindestens bis 2026 den Verkehrs- und Lärmbelastungen einer Grossbaustelle ausgesetzt. Umwege und Behinderungen müssen in Kauf genommen werden. Auch sind nicht alle über die grossvolumigen Neubauten glücklich. Hier ist vor allem das Geschick der zuständigen Behörden gefragt. Vorsichtig, motiviert, beständig und immer mit einem offenen Ohr für die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner: So könnte man die Arbeit der Stadt Liestal beschreiben. Thomas Noack, Raumplaner und Bereichsleiter in der Abteilung Hochbau und Planung von Liestal, sieht seine Gemeinde «im Wandel vom beschaulichen Stedtli zur Stadt». Damit bringt er die Herausforderungen zum Ausdruck, vor denen auch andere Schweizer Gemeinden heute stehen. Informationen: Forschungsprojekt Co-Creating Mobility Hubs (CCMH) – ein transdisziplinäres Forschungsprojekt der SBB zusammen mit der ETH Zürich und der EPF Lausanne. Regina Witter

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