Selber vorausschauen und je nach Situation den Kurs anpassen, das lohnt sich bei der Altersvorsorge besonders.

Altersvorsorge: Gerade Frauen sollten früh aktiv werden

12.10.2022
10 | 2022

Frauen erhalten deutlich tiefere Altersrenten als Männer. Dies, weil sie oft weniger für die berufliche Vorsorge ansparen können. Doch wer sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorge befasst, kann Verbesserungen erreichen.

Eine nicht seltene Situation: Kommt ein Kind zur Welt und arbeitet der Mann mit hohem Pensum weiter, unterbricht die Frau ihre Arbeitstätigkeit für Monate oder Jahre. Entsprechend fehlen ihr in dieser Zeit nebst dem Lohn auch Beiträge für die berufliche Vorsorge; denn nur wer entlöhnte Arbeit leistet, kann bei einer Pensionskasse mit Einzahlungen für das Alter vorsorgen. In der Schweiz sind besonders Frauen von Vorsorgelücken – und damit von tieferen Altersrenten – betroffen.

Laut einer Studie des Bundes erhielten Frauen 2016 in der Schweiz durchschnittlich 37 Prozent weniger Rente als Männer. In der AHV lag das Rentengefälle bei nur rund 3 Prozent, was auf die in der 1. Säule vorgesehenen Kompensationsmassnahmen zurückzuführen ist. In der beruflichen Vorsorge (2. Säule) betrug die Rentendifferenz zwischen Frau und Mann – der sogenannte Gender Pension Gap – hingegen über 60 Prozent. Hauptgrund sind die unterschiedlichen Erwerbsbiografien. Frauen können während ihres Erwerbslebens oft weniger für die berufliche Vorsorge ansparen als Männer. Entsprechend steigt für sie das Armutsrisiko im Alter.

Aufgepasst bei Teilzeitarbeit

Nebst dem Erwerbsunterbruch birgt auch die Teilzeitarbeit Vorsorgerisiken. Denn um bei einer Pensionskasse versichert zu sein, ist ein Jahreslohn von mindestens 21'510 Franken notwendig. Je nach Pensum und Lohn gelingt es nicht, diese Eintrittsschwelle zu erreichen. Zudem kann der Koordinationsabzug bewirken, dass der versicherte Lohn relativ gering ausfällt, was später eine tiefere Rente bedeutet: Vom Bruttojahreslohn werden gesetzlich vorgesehen nämlich 25'095 Franken abgezogen, um den versicherten Lohn zu berechnen. Auch eine Scheidung oder Trennung kann sich nachteilig auf die Altersvorsorge der Frau auswirken, etwa wenn die Kinderbetreuung vorwiegend bei ihr liegt, und sie deshalb nicht oder nur Teilzeit arbeiten kann. Gleiches gilt bei der unentgeltlichen Pflege von Angehörigen, wenn diese zum Unterbruch oder zur Reduktion der Erwerbstätigkeit führt.

Selber frühzeitig aktiv werden

Um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, in die Altersarmut abzurutschen, gilt es – unabhängig vom Geschlecht –, Vorsorgelücken zu vermeiden und Verbesserungsmöglichketen zu prüfen. Ein Gespräch mit Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Gemeindeschreiberei der Einwohnergemeinde Spiez und Stiftungsrätin der Previs Vorsorge.

Das Thema Frauen und Vorsorge ist in den Medien und in der politischen Diskussion sehr präsent. Wie nehmen Sie das in Ihrem Umfeld wahr?

Tanja Brunner: Es ist gerade bei erwerbstätigen Elternpaaren ein Thema. Sie haben beispielsweise mit der Herausforderung zu kämpfen, dass für sie bei Teilzeitarbeit oft der volle Koordinationsabzug zum Tragen kommt und damit der versicherte Lohn und die Rente reduziert werden. Oder je nachdem liegt bei Teilzeit die Eintrittsschwelle für die Pensionskasse zu hoch. Ganz grundsätzlich empfehle ich, sich eigenverantwortlich und möglichst frühzeitig Gedanken zur Altersvorsorge zu machen. Man kann nur Weichen stellen, wenn man noch die Möglichkeit dazu hat. Im Alter ist es oft zu spät, um Vorsorgelücken zu schliessen.

Wie können Frauen ihre Vorsorgesituation selber verbessern?

Ganz zentral ist, dass man selber aktiv wird! Das Thema Vorsorge und allfällige Verbesserungsmöglichkeiten sollte man auch mit dem Arbeitgebenden besprechen können. Hat man beispielsweise zwei verschiedene Teilzeitstellen, lohnt es sich abzuklären, ob man sich über die Pensionskasse bei nur einem der beiden Arbeitgebenden versichern kann. Damit lässt sich vermeiden, dass der Koordinationsabzug zweimal zur Anwendung kommt. Oder das Zusammenrechnen der Löhne ermöglicht es überhaupt erst, die Eintrittsschwelle für die berufliche Vorsorge zu überwinden. Und natürlich gilt es immer darauf zu achten, dass man wenn möglich auch für die private Vorsorge sparen kann.

«Ganz grundsätzlich empfehle ich, sich eigenverantwortlich und möglichst frühzeitig Gedanken zur Altersvorsorge zu machen. Man kann nur Weichen stellen, wenn man noch die Möglichkeit dazu hat.»

Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Gemeindeschreiberei Einwohnergemeinde Spiez; Stiftungsrätin Previs Vorsorge

Welche Möglichkeiten haben Arbeitgebende und Pensionskassen, um die berufliche Vorsorge insbesondere von Frauen zu verbessern?

In Zeiten des Fachkräftemangels sind attraktive Arbeitsbedingungen besonders wichtig – dazu zählt auch die berufliche Vorsorge. Aus meiner Sicht gibt es für Arbeitgebende verschiedene Ansätze. Beispielsweise können sie den Koordinationsabzug abhängig vom Anstellungsgrad ausgestalten. So handhabt es etwa meine Arbeitgeberin, die Einwohnergemeinde Spiez. Arbeitgebende können für gute Sparpläne sorgen oder die Eintrittsschwelle senken, auch wenn sie das natürlich ebenfalls etwas kostet. Wichtig scheinen mir zudem Arbeitsbedingungen, die mit Betreuungsaufgaben vereinbar sind. Dazu gehört zum Beispiel, dass auch in Kaderpositionen eine Teilzeitarbeit möglich ist – gerade auch für Männer, was mehr Spielraum gibt für Mütter, die arbeiten wollen. Und natürlich ist die Lohngleichheit von Mann und Frau zentral, um die berufliche Vorsorge von Frauen zu verbessern. Schliesslich haben Arbeitgebende immer die Möglichkeit, ihre Mitarbeitenden aktiv für die Altersvorsorge zu sensibilisieren. Dazu können Pensionskassen ebenfalls einen Beitrag leisten, indem sie den Arbeitgebenden die Bedeutung des Themas aufzeigen und sie unterstützen und beraten.

Previs Vorsorge – passende Lösungen für Gemeinden

Mit ihren beiden Vorsorgewerken Comunitas und Service Public bietet die Previs u. a. für Gemeinden und gemeindenahe Institutionen und Betriebe passende Lösungen; dazu zählt die grosse Flexibilität bei der Wahl und Ausgestaltung der Vorsorgepläne sowie der Bestimmung der Eintrittsschwelle und des Koordinationsabzugs. Aus dem genannten Sektor sind aktuell knapp 700 Kunden mit 12‘000 Versicherten bei der Previs angeschlossen.