Leonie Koch am Schalter der Gemeindeverwaltung Hasle (LU), wo sie ihre Lehre absolviert hat.

«Auf der Gemeinde habe ich fürs Leben gelernt»

14.03.2023
3 l 2023

Leonie Koch hat kürzlich ihre KV-Lehre in der Gemeinde Hasle (LU) abgeschlossen. Sie findet, dass die Ausbildung nicht nur eine gute Basis für ihre berufliche Karriere ist, sondern auch eine optimale Schule fürs Leben.

Als Leonie Koch zum Interviewtermin im Gemeinderatszimmer in Hasle (LU) erscheint, ist es für sie ein Heimkommen. Im vergangenen Sommer hat sie hier, auf der Gemeindeverwaltung Hasle, ihre Lehre als kaufmännische Angestellte mit Berufsmatura erfolgreich abgeschlossen. Ihre drei Lehrjahre waren eine Zeit, auf die sie sehr gerne zurückblickt, wie im Gespräch rasch deutlich wird. «Ich bin während der Lehre erwachsen geworden und habe auf der Gemeinde fürs Leben gelernt», resümiert sie.

Dabei war sich Leonie Koch am Ende ihrer Schulzeit gar nicht so sicher, wo der weitere Weg hinführen soll. «Ich habe mir einerseits überlegt, die Kantonsschule zu besuchen und nachher die Ausbildung zur Lehrerin zu machen», sagt sie. «Andererseits hat mich auch eine Lehre angesprochen.» Leonie Koch schnupperte in der Folge in verschiedenen Berufen: auf der Gemeinde, bei Banken, aber auch in einer Bäckerei. «Bei der Gemeindeverwaltung hat es mir am meisten Spass gemacht, und so fiel der Entscheid. Zum Glück entschied sich dann auch die Gemeinde für mich als Lernende», sagt sie mit einem Lachen.

Kontakt mit der Bevölkerung

Die Gemeinde dürfte dies nicht bereut haben, hat Gemeindeschreiber Marco Studer doch nur lobende Worte für seine ehemalige Lernende: «Leonie ist sehr ehrgeizig und hat ihre Aufgaben stets sehr gewissenhaft erledigt.» Der jungen Frau ihrerseits gefiel die Abwechslung auf der Verwaltung der Gemeinde mit rund 1700 Einwohnerinnen und Einwohnern besonders gut. Sie hatte Einblick in die verschiedenen Abteilungen und war unter anderem beim Steueramt, auf der Einwohnerkontrolle, im Bau- und Finanzamt, hat Aufgaben für den Gemeinderat erledigt und war auch für eine kurze Zeit auf dem Zivilstandsamt in Wolhusen.

Natürlich arbeitete sie auch am Gemeindeschalter, nahm Anrufe entgegen und beantwortete Mails und hatte so engen Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. «Das hat mir wahnsinnig gefallen. Dabei habe ich gelernt, mit Menschen in den verschiedensten Situationen umzugehen und auch zu schlichten. Denn nicht alle Menschen, die zum Gemeindeschalter kommen, sind zufrieden, das war nicht immer einfach.» Zu lernen, damit umzugehen, helfe auch im Privatleben, findet Leonie Koch.

«Ich habe gelernt, mit Menschen in den verschiedensten Situationen umzugehen und auch zu schlichten.»

Leonie Koch, ehemalige Lernende Gemeinde Hasle (LU)

Sie hat es geschätzt, für die Gemeinschaft zu arbeiten. «Ich bin in Hasle aufgewachsen und wohne immer noch hier. Indirekt habe ich mit meiner Arbeit etwas gemacht, das allen hier dient.» Und nicht zuletzt habe sie ganz praktische Dinge gelernt, die ihr im weiteren Leben helfen. «Ich weiss zum Beispiel ziemlich genau, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.» Sie schmunzelt und fügt an: «Jetzt helfe ich Freundinnen und Freunden dabei, sie auszufüllen.»

Unterstützung des Teams

Gab es denn etwas, das ihr an der Lehre nicht gefallen hat? Leonie Koch überlegt lange. «Nein, ich bin immer gerne arbeiten gegangen.» Schliesslich fügt sie an: «Ich habe parallel zur Lehre die Berufsmatur absolviert. Das war zeitweise schon sehr intensiv, ich musste mich durchbeissen. Aber es hat sich gelohnt.» Sie sei in der strengen Zeit sehr froh über die Unterstützung aus dem Team gewesen, insbesondere über die von Gemeindeschreiber Marco Studer. «Ich durfte zwischendurch Aufgaben für die Schule während der Arbeitszeit erledigen. Das hat wirklich geholfen.» Sie fügt an: «Ich erinnere mich gerne an meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zurück. Ein gutes Team ist etwas vom Wichtigsten bei der Arbeit und kann einen richtig pushen.»

Trotz all den guten Erinnerungen zieht es sie vorerst weg von der Gemeinde. Sie beginnt demnächst die Ausbildung zur Primarlehrerin. «Das war immer mein Traum. Ich möchte noch enger mit Menschen zusammenarbeiten.» Sie glaubt, dass ihr die Erfahrungen auf der Gemeinde helfen werden, insbesondere der Umgang mit Menschen in den verschiedensten Situationen. Dennoch: Sie kann sich vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt zur Gemeindeverwaltung zurückzukehren. «Ich bin froh, stehen mir in Zukunft zwei Wege offen.»

Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten

Was könnten Gemeinden aus ihrer Sicht tun, damit junge Leute auch nach der Lehre bleiben? «Sie müssen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung innerhalb der Gemeinde bieten», sagt Leonie Koch bestimmt. «Weiterbildungen und die persönliche Weiterentwicklung sind sehr wichtig für junge Menschen. Man erwartet das auch von unserer Generation.» Mit Weiterbildungsmöglichkeiten könnten Gemeinden verhindern, dass sie Leute verlieren – aber es gebe ihnen auch viel zurück, ist die junge Frau überzeugt.

Junge Menschen für die Lehre auf der Gemeinde begeistern

Der Fachkräftemangel ist auch im Kanton Luzern stark zu spüren. «Besonders Kaderstellen sind schwierig zu besetzen. Zudem wechseln viele Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger von Gemeindeverwaltungen in die Privatwirtschaft», sagt Marco Studer, Gemeindeschreiber von Hasle (LU) und Vorstandsmitglied des Gemeindeschreiber- und Geschäftsführerverbandes Luzern (GGV). Deshalb hat der GGV im Jahr 2021 die Initiative ergriffen. An einem Workshop zum Thema Fachkräftemangel entstand die Idee eines Imagevideos – parallel dazu plante auch LUnited, ein Netzwerk für Lehrstellen in Luzerner Gemeinden, eine Videoproduktion. «Wir beschlossen kurzerhand, das Projekt zusammen anzugehen», erinnert sich Marco Studer. Auch der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) mit Direktor Christoph Niederberger brachte sich in die Planung ein, und die Stiftung des SGV leistete einen finanziellen Beitrag für die Realisierung.

«Unser Ziel ist es, mit dem Video über die Lehrstellen zu informieren, den Gemeinden ein modernes Image zu geben und so hoffentlich mehr junge Leute zu motivieren, eine Lehre bei einer Gemeinde zu absolvieren», fasst Marco Studer zusammen. Die Luzerner sind mit ihrer Initiative nicht allein: Auch im Kanton Bern wurde ein ähnliches Projekt realisiert.

«Unser Ziel ist es, mit dem Video über die Lehrstellen zu informieren, den Gemeinden ein modernes Image zu geben und so hoffentlich mehr junge Leute zu motivieren, eine Lehre bei einer Gemeinde zu absolvieren.»

Marco Studer, Gemeindeschreiber Hasle (LU) und Vorstandsmitglied des Gemeindeschreiber- und Geschäftsführerverbandes Luzern (GGV)

Marco Studer und dem GGV ist bewusst, dass es mit einem Imagevideo allein nicht getan ist. Der GGV hat weitere Massnahmen ergriffen: Er organisiert Kurse für Quereinsteiger, die neu für eine Gemeinde arbeiten. «Der erste Kurs fand im Januar 2023 statt und war ein grosser Erfolg, wir wurden überrannt von Interessierten», sagt Marco Studer. Dementsprechend ist geplant, die Kurse weiterzuführen. Die Quereinsteigerkurse vermitteln Grundkenntnisse in den Bereichen Politik, Recht und Verwaltung und werden von Spezialisten unterrichtet, die auch Lernende unterrichten.

Um den Fachkräftemangel zu entschärfen, müssten die Gemeinden auch bei sich selbst ansetzen, ist Marco Studer überzeugt. Interessante Arbeitsplätze seien nötig, dazu brauche es ein modernes, digitales Umfeld mit einem guten Arbeitsklima. «Das geht natürlich nicht überall so einfach, das ist mir bewusst», gibt der Gemeindeschreiber zu. «Aber wir kommen nicht darum herum, uns dem Lauf der Zeit anzupassen.»

Nadja Sutter
Chefredaktorin «Schweizer Gemeinde»