Ausgejammert – Arbeitskräftemangel ist eine Chance

28.02.2026
3 | 2026

Fachkräftemangel? Ja. Aber statt zu klagen, frage ich mich: Was können wir tun? Der Mangel ist real – aber kein Schicksal. Er ist eine Einladung, neu zu denken.

Es fehlt längst nicht nur an Fachkräften, sondern an Arbeitskräften generell – in der Pflege, im Gewerbe, in der Verwaltung. Das ist kein Problem, das ist eine Chance. Zuerst einmal für unsere Sozialämter, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Und eine Chance für jene, die bislang zu schlechten Bedingungen gearbeitet haben, nun aber bessere Perspektiven erhalten.

Natürlich ist es auch für Verwaltungen, Werkhöfe und öffentliche Betriebe schwieriger geworden, passende Mitarbeitende zu finden. Doch es gibt Wege: über Lehrstellen, Weiterbildungen und mutige Quereinstiege. Bei uns arbeitet heute eine ehemalige Zimmerin in der Buchhaltung – sie hat sich das nötige Know-how Schritt für Schritt angeeignet. Unsere Bauverwaltung wird in Co-Leitung von zwei Müttern geführt – Fachkräfte, die wir ohne flexibles Modell kaum gewonnen hätten. Und unsere Ratsschreiberin? Sie studiert nebenbei. Klar, das braucht Koordination. Aber genau darin liegt die Chance: Neue Modelle schaffen Lösungen – und oft mehr Qualität, Motivation und Teamgeist.

Was es braucht? Eine klare Strategie. Mehr Flexibilität, mehr Zutrauen, mehr Mut. Teilzeit, Jobsharing, Potenzial statt Perfektion. Wenn wir bestehende Strukturen hinterfragen, entstehen Lösungen – und Chancen für alle.

2026 ist für mich das Jahr des Perspektivwechsels. Wir könnten jammern – oder wir können gestalten. Und wir haben uns entschieden: Wir haben ausgejammert.

Mathias Müller
Stadtpräsident Lichtensteig (SG)