Der Schweizerische Gemeindeverband macht sich zusammen mit der SKO für die Anerkennung von Führungskompetenzen der Gemeinderäte stark. Exekutivpolitiker von SGV-Mitgliedgemeinden profitieren von einem ermässigten Tarif. 

Ein Zertifikat, das die Stärken der Milizpolitiker aufzeigt

17.09.2021
9 l 2021
  • Institution Gemeinde

Gemeinde-Exekutivpolitiker haben Fähigkeiten, die auch im Wirtschaftsleben und in Kaderfunktionen dringend gebraucht werden. Das gemeinsame Zertifikat von SKO und SGV macht diese sichtbar.

Marcel Allemann, Gemeindepräsident von Matzendorf (SO), nennt sich einen politischen Quereinsteiger, beruflich ist er Verkaufsleiter bei einer Lebensmittelfirma, in seiner Gemeinde aber bereits in der dritten Legislatur engagiert. Seine erste Erfahrung mit dem SKO-Zertifikat aus dem Militär hat ihn motiviert, sich ebenfalls für das Gemeinderatsamt zertifizieren lassen. Tatsächlich übernehmen Gemeindeexekutivmitglieder Verantwortung und investieren viel Zeit im Dienst ihrer Gemeinde. Dabei sammeln sie gleichzeitig wichtige Führungserfahrungen und-kompetenzen, für die es vielfach keinen Beleg gibt. Dieses Manko wiegt für die berufliche Karriere umso schwerer, als die Anforderungen an die Gemeinderatstätigkeit und die Erfahrungen in öffentlichen Ämtern oft unterschätzt werden. Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) und die Schweizer Kader Organisation (SKO) haben darum 2019, im «Jahr der Milizarbeit», eine Partnerschaft vereinbart, um die Anerkennung der Führungskompetenzen von Gemeinderätinnen und -räten im Berufsleben auf der Grundlage eines Führungszertifikats zu verbessern. Nachdem die SKO das Zertifikat bereits 2015 in der Romandie lanciert hatte, sollte es auch in der Deutschschweiz besser bekannt gemacht werden. Mit schönem Erfolg, wie SKO-Geschäftsleiter Jürg Eggenberger, sagt: Bis heute wurden schweizweit rund 250 Exekutivmitglieder zertifiziert. Rund 80 Prozent stammen aus der Westschweiz; in der Deutschschweiz wurde die SKO dank der Zusammenarbeit mit dem SGV richtig aktiv. Die Anfragen für Zertifizierungen kommen hauptsächlich aus kleineren bis mittelgrossen Gemeinden. Eggenberger sagt: «Es ist wichtig, Kompetenzen, für die es kein Zeugnis gibt, zu validieren, damit sie in einem Bewerbungsprozess eingesetzt werden können». Christoph Niederberger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands, bestätigt: «Gemeinde-Exekutivpolitiker haben Fähigkeiten, die auch im Wirtschaftsleben und in Kaderfunktionen dringend gebraucht werden».

Marc Allemann sagt im Rückblick auf den Zertifizierungsprozess, dass er sich gut vorbereiten, dokumentieren und viel überlegen musste, «was man warum gemacht hat, wo es gut und wo es vielleicht auch einmal schief gelaufen ist». Ein Zertifikat hole man sich nicht schnell und «easy», man müsse es sich erarbeiten. Er selber habe rund zwölf Stunden investiert, um die Dokumentationen bereitzustellen, und sich anschliessend noch mehrere Tage vorbereitet für das Evaluationsgespräch, «in dem ich richtg unter die Lupe genommen wurde». Ein lohnenswerter Aufwand, wie er findet, denn er habe sehr eingehend über seine Führungskompetenzen reflektiert. Die gezielten und fundierten Fragen seien für ihn eine Grundlage, Gutes zu verstärken und an gewissen Themen noch zu arbeiten. Alleman sagt: «Wenn man junge Leute fürs Milizsystem gewinnen und ihnen zeigen will, dass das Amt Spass macht, muss man selber gut darin sein. Das Milizsystem ist ein Privileg der Schweiz. Ich bin stolz darauf».

Das Engagement des Schweizerischen Gemeindeverbands

Die Zertifizierung der Führungskompetenzen von Gemeinderätinnen- und -räten ist einer der drei Pfeiler, auf der das Engagement des Schweizerischen Gemeindeverbands zur Förderung der Milizarbeit ruht: Vor dem Amt vor allem mit dem Fokus auf stärkere politische Bildung in der Schule, während des Amts mit der besseren Anerkennung der dadurch erworbenen Kompetenzen in der Ausbildung und nach dem Amt eben durch das Gemeinschaftsprojekt mit der SKO.

2019 hat der SGV zur Stärkung des ersten Pfeilers mit Unterstützung der Bank Julius Bär das erfolgreiche Kinderbüchlein «Meine Gemeinde, mein Zuhause» publiziert (es kann beim SGV bestellt werden). Die geplanten Besuche von Schulklassen im Beisein von Gemeinderäten wurden Opfer der Coronapandemie und können bis auf Weiteres nicht stattfinden. Auf den zweiten Pfeiler zielt das Postulat von SGV-Vorstandsmitglied und Nationalrätin Priska Seiler Graf. Es verlangt, dass die Führungsarbeit von Milizpolitikern an Lehrgänge an Schweizer Hochschulen angerechnet werden kann; es muss vom Nationalrat noch diskutiert werden. Die Zertifizierung der im Milizamt erworbenen Kompetenzen gemeinsam mit der SKO wiederum bringt SGV-Mitgliedern vorteilhafte Konditionen: Exekutivpolitiker in SGV-Mitgliedsgemeinden bezahlen für die SKO-Zertifizierung (Administration, Zertifikat, Evaluationsprozess, Interview, Bericht/Entscheid) einen Vorzugspreis von 850 Franken (statt 1000.-). Anfragen können an die SKO gerichtet werden: info@sko.ch. Von der Anfrage bis zum Versand der Zertifizierung vergehen rund 1.5 bis 2 Monate.

Erwerben kann das Zertifikat, wer über mindestens vier Jahre Erfahrung in einem schweizerischen Gemeinderat verfügt. Der zu beurteilende Kompetenzraster wurde zsuammen mit Gemeinderäten entwickelt, darin enthalten sind ausschliesslich für die Funktion relevante Führungskompetenzen: Verhandlungstechnik, Projektmanagement, Personalführung, Feedback geben und nehmen, Sitzungsleitung, Gruppendynamik, Stressmanagement, Auftrittskompetenz, Ganzheitliches Denken, Organisationsfähigkeit und Verantwortungssinn.