Das vom Verein entwickelte Kartenspiel richtet sich direkt an junge Menschen.

Neuer Verein will junge Menschen für die Gemeindepolitik begeistern

09.03.2026
3 | 2026

Wie können junge Menschen für die Gemeindepolitik gewonnen werden? Diese Frage hat sich eine Gruppe Studierender der Hochschule der Künste Bern gestellt und ist aktiv geworden. Sie hat den Verein «Generation Gemeinderat» gegründet, ein Spiel entwickelt und einen Netzwerkanlass auf die Beine gestellt. Geplant sind weitere Massnahmen in Zusammenarbeit mit Gemeinden sowie Vernetzungsmöglichkeiten für junge Gemeindepolitisierende.

Gemeindepolitik ist nicht das, womit sich eine Mehrheit der Generation Z in ihrer Freizeit beschäftigt. Im Gegenteil, der Gemeindemonitor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat gezeigt, dass das Durchschnittsalter in Schweizer Gemeinderäten 54 Jahre beträgt.

Dennoch haben sich einige junge Studierende der Berner Hochschule der Künste (HKB) letztes Jahr dem Thema angenommen – warum? «Wir haben uns gefragt, wo wir in unserer globalisierten Welt etwas bewegen können», sagt Simon Rauber, einer der Gründer des Vereins. «Zudem wurden damals gerade die Resultate des Gemeindemonitors zum Alter von Gemeinderatsmitgliedern publik, und in den Medien wurde der Amtszwang für Gemeindeämter diskutiert.» Seine Kollegin Milena Ambauen ergänzt: «Die Gemeindepolitik ist eine riesige Chance für junge Menschen, etwas zu bewirken.»

«Die Gemeindepolitik ist eine riesige Chance für junge Menschen, etwas zu bewirken.»

Milena Ambauen, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat»

Das Projekt entstand im Rahmen ihres Studiums der Politischen Kommunikation an der HKB. Die Gruppe entwickelte ein Kartenspiel, das jungen Menschen zwischen 16 und 35 auf humorvolle Weise Informationen zur Gemeindepolitik vermitteln soll. Zudem veranstalteten sie einen Netzwerkanlass in Biel, wo sich junge Gemeinderätinnen und Gemeinderäte mit jungen Interessierten austauschten. Rund 80 Personen kamen – und zahlreiche Medienschaffende. «Dass ein Beitrag im «10 vor 10» dazukam, macht uns schon stolz», sagt Simon Rauber. Auch das Kartenspiel ist beliebt, und vor allem Lehrpersonen kommen mit grossem Interesse auf den Verein zu.

Impressionen vom Netzwerkevent des Vereins «Generation Gemeinderat» am 21. Mai 2025 in Biel.

Impressionen vom Netzwerkevent von Generation Gemeinderat am 21. Mai 2025 in Biel.

Impressionen vom Netzwerkevent von Generation Gemeinderat am 21. Mai 2025 in Biel.

Impressionen vom Netzwerkevent von Generation Gemeinderat am 21. Mai 2025 in Biel.

Impressionen vom Netzwerkevent von Generation Gemeinderat am 21. Mai 2025 in Biel.

Viele Ideen

Nach dem Beginn als Studienprojekt hat sich der Verein «Generation Gemeinderat» professionalisiert und seit Anfang Jahr eine Geschäftsstelle aufgebaut. Zu Simon Rauber und Milena Ambauen aus dem Pilotprojekt sind mit Silja Elsener und Konradin Franzini zwei neue Projektleitende dazugekommen. Sie möchten Gemeinden bei der Suche nach jungem Nachwuchs für Ämter und Kommissionen unterstützen. Aktuell seien sie noch in der Konzeptionsphase, sagen die vier. Doch Ideen haben sie viele.

So möchten sie etwa Gemeinden bei der Feier für die Jungbürgerinnen und Jungbürger unterstützen. In St. Gallen haben sie das bereits getan. «Wir haben ein Quiz durchgeführt, bei dem es attraktive Preise zu gewinnen gab, und mit verschiedenen Aktionen den jungen Menschen die Gemeindepolitik niederschwellig nähergebracht», sagt Milena Ambauen.

«Junge für die Gemeindepolitik zu begeistern, braucht Zeit, mit einem Anlass allein ist es meist nicht getan.»

Simon Rauber, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat»

Zudem ist der Verein in Gesprächen mit der Gemeinde Laupen (BE) für ein längerfristiges Projekt namens «Road to Gemeinderat», wie Simon Rauber ergänzt. «Junge für die Gemeindepolitik zu begeistern, braucht Zeit, mit einem Anlass allein ist es meist nicht getan. Deshalb möchten wir in Zusammenarbeit mit der Gemeinde mehrere Massnahmen ausprobieren und umsetzen.» Ziel sei es, das Konzept anschliessend auch in anderen Gemeinden umzusetzen.

Geplant ist auch eine Informationsplattform, die in einfacher Sprache Informationen zur Gemeindepolitik und zu einer Kandidatur erklären soll. Zudem wollen sie eine Vernetzungsplattform aufbauen, die junge Gemeinderatsmitglieder und Interessierte zusammenbringen soll. Silja Elsener ergänzt: «Uns ist es wichtig, dass wir möglichst niederschwellig informieren und eine zugängliche Sprache nutzen, sodass sich junge Interessierte aufgehoben fühlen.» Der Verein will sowohl jungen Menschen konkret einen Weg aufzeigen, wie sie sich engagieren können, als auch die Gemeinden dabei unterstützen, junge Menschen gezielter anzusprechen.

«Uns ist es wichtig, dass wir möglichst niederschwellig informieren und eine zugängliche Sprache nutzen.»

Silja Elsener, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat»

Umfassende Strategie und klarer Wille sind nötig

Ein Vorstandsmitglied des Vereins ist selbst in einem Gemeinderat tätig, und Simon Rauber von der Geschäftsstelle hat in seiner Gemeinde eine junge Liste gegründet, die Anfang März erstmals an der Wahl für das Gemeindeparlament teilnahm.

Der junge Verein betont: Um die Jungen in einer Gemeinde zu erreichen, gibt es nicht eine einfache Lösung, sondern es braucht eine umfassende Strategie und einen klaren Willen für den Einbezug der Jugend. Konradin Franzini: «Wichtig sind flexible Strukturen, die eine Teilhabe auf Gemeindeebene auch möglich machen, wenn man zum Beispiel in einer anderen Stadt studiert.» So sei es möglich, den Kontakt zu halten. Denn viele Junge würden sich gerne in ihrer Heimatgemeinde engagieren. Simon Rauber ergänzt: «Es braucht einen echten Dialog. Wenn Jugendliche befragt werden, ist es wichtig, dass ihre Ideen ernst genommen und weiterverfolgt werden.»

«Wichtig sind flexible Strukturen, die eine Teilhabe auf Gemeindeebene auch möglich machen, wenn man zum Beispiel in einer anderen Stadt studiert.»

Konradin Franzini, Geschäftsstelle «Generation Gemeinderat»

Der Verein «Generation Gemeinderat» möchte seinen Teil dazu beitragen, indem er das Selbstbewusstsein der jungen Generation stärkt. Denn viele Jüngere trauen sich ein Amt nicht zu. Daher auch der Slogan des Vereins: «Du chasch das imfau oh» – «Du kannst das übrigens auch».

Informationen

Der Verein «Generation Gemeinderat» freut sich auf die Kontaktaufnahme interessierter Gemeinden und junger Gemeinderatsmitglieder unter www.generationgemeinderat.ch.

Nadja Sutter
«Schweizer Gemeinde»
Chefredaktorin