
Schweizer Cloud-Plattform macht KI für Schulen zugänglich
Künstliche Intelligenz stellt die Schulen in der Schweiz vor erhebliche Herausforderungen. Zugleich bietet sie Chancen für neue Formen der Unterrichtsgestaltung und ermöglicht individuellere Lernprozesse. Die beiden Primarschulen in Feldbrunnen-St.Niklaus (SO) und in Bonstetten (ZH) berichten von ersten Erfahrungen, die sie derzeit im Rahmen von Pilotprojekten sammeln.
Viele Kinder nutzen heute zu Hause ChatGPT, Copilot oder andere KI-Tools, obwohl sie erst ab 16 Jahren einen eigenen Account besitzen dürften. Doch dies liegt in der Verantwortung ihrer Eltern. Schulen hingegen sind verpflichtet, personenbezogene Daten von Schülerinnen und Schülern zu schützen, wenn sie im Unterricht künstliche Intelligenz einsetzen. Um dies zu gewährleisten, nutzt die Primarschule Feldbrunnen-St.Niklaus (SO) die KI-Anwendungen der Schweizer Cloud-Plattform Hazu. Diese entspricht dem Schweizer Datenschutzgesetz und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), da keine Rückschlüsse auf die Namen und die IP-Adressen der Kinder möglich sind. Zudem werden sämtliche Nutzerdaten ausschliesslich in der Schweiz gehostet und nicht für das Training der KI-Modelle verwendet.
«Auf der Hazu-Plattform können die Lehrpersonen zwischen verschiedenen KI-Modellen auswählen und bei Bedarf künftig eines davon als KI-Assistent für die Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse freischalten», erklärt Juna Steiner, pädagogische ICT-Support-Verantwortliche (PICTS) der Primarschule Feldbrunnen. So könnten die Kinder mit der Unterstützung der KI etwa einen Vortrag vorbereiten, ohne dass ihnen diese alles vorgibt. Es lässt sich jeweils nur ein KI-Lerncoach aktivieren. Da die Hazu-Plattform als Onlineversion verfügbar ist, können die Schülerinnen und Schüler auch zu Hause darauf arbeiten. Bisher nutzt die Primarschule die Plattform jedoch nur auf Schulleitungs- und Lehrpersonenebene. Dazu hat sie im Sommer 2025 ein Pilotjahr mit Hazu gestartet, an dem acht der zwölf Lehrpersonen mitarbeiten und im Rahmen dessen sie an mehreren Weiterbildungen teilnehmen. Das Pilotprojekt wird von der Gemeinde unterstützt und finanziell getragen.
Lehrplanbezüge mit einem Klick
Ein zusätzlicher Vorteil der Hazu-Plattform besteht darin, dass ihr KI-Assistent den Lehrplan 21 hinterlegt hat. Dies entlastet die Lehrpersonen bei der Unterrichtsvorbereitung. Wenn Schülerinnen und Schüler etwa einen Lernfilm zum Stromkreislauf erstellen sollen, kann die Hazu-KI mit einem Klick abgleichen, welche Kompetenzen dadurch erworben werden und ob Querverbindungen zu anderen Fächern bestehen. «Das gibt den Lehrpersonen mehr Sicherheit. Anderenfalls müssten sie sehr aufwendig für jedes Thema im Lehrplan heraussuchen, welche der 363 Fachkompetenzen damit gestärkt werden», betont Rebekka Vetsch, die Schulleiterin der Primarschule Feldbrunnen.
Zudem bietet die Hazu-Plattform eigene Vorschläge für projektbasiertes Arbeiten an. So kann der Unterricht abwechslungsreicher und das Lernen motivierender gestaltet werden. «Bisher wurden die Lernziele nicht kompetenzorientiert, sondern an den offiziellen Lehrmitteln entlang geplant. Nun kann die Jahres-, Quartals-, Semester- und Projektplanung ebenso unabhängig von diesen erstellt werden, auf Wunsch auch altersdurchmischt und fächerverbindend», ergänzt Christine Trachsler, Schulleiterin der Primarschule Bonstetten (ZH). An ihrer Schule arbeiten die beiden Lehrkräfte der altersdurchmischten Mittelstufenklassen seit Januar 2025 mit der neuen Plattform. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt dieses Pilotprojekt mit einer Medienpädagogin bis zum Sommer 2026.
«Der KI-Assistent ermöglicht personalisierte Lerninhalte anstatt einheitlicher Übungsblätter für alle.»
Kompetenzorientierte Beurteilung
Bereits durchgeführte Unterrichtsprojekte lassen sich beispielsweise in Form von PDF-Dateien, Videos und Sprachnotizen der Kinder in Hazu hochladen und mit dem Lehrplan 21 verbinden. Der KI-Assistent analysiert dann, welche Lernziele eines Themas bereits abgedeckt sind und welche Kompetenzen noch gefördert werden sollten. So können die Leistungen einer gesamten Klasse, aber auch jedes einzelnen Kindes kompetenzorientiert beurteilt werden.
Die Ergebnisse in den einzelnen Fächern lassen sich in Form einer Spidergrafik, eines Kuchen- oder eines Balkendiagramms darstellen. «Diese Visualisierungen bilden die Lernprozesse der Kinder stets transparent in Bezug auf den Lehrplan 21 ab und eignen sich gut für Elterngespräche», betont Melanie Schweizer, eine der PICTS der Primarschule Bonstetten. «Das hat auch unsere Schulpflege überzeugt.» Wird zu jedem Kind ein Steckbrief in Hazu angelegt, dann kann mithilfe des KI-Assistenten die Aufgabenstellung gezielt an seinen individuellen Lernstand und seine Interessen angepasst werden. «Das ermöglicht eine Unterrichtsgestaltung mit personalisierten Lerninhalten, anstatt dass wie bisher alle Kinder zur gleichen Zeit am selben Übungsblatt arbeiten», resümiert Juna Steiner.
Zahlen und Fakten
Die Primarschule Feldbrunnen-St.Niklaus (SO) führt vier Doppeljahrgangsklassen. Das Kollegium umfasst zwölf Lehrpersonen für 76 Schülerinnen und Schüler. Für den IT-Support sind eine technische und eine pädagogische ICT-Verantwortliche zuständig.
Die Primarschule Bonstetten (ZH) besuchen 526 Schülerinnen und Schüler, die von 62 Lehrpersonen unterrichtet werden. Die Unter- und Mittelstufe bestehen aus 17 Regelklassen sowie zwei altersdurchmischten Klassen. Für den ICT- und Datenschutzbereich sind zwei Leitungspersonen sowie zwei technische und vier pädagogische ICT-Zuständige verantwortlich.