
Sie bringen Menschen zusammen
In der Zuger Gemeinde Risch stärken Fachpersonen der Gemeindeanimation das Zusammenleben. Sie sind für unterschiedliche Anspruchsgruppen da – von Jugendlichen bis zu Seniorinnen und Senioren. Das bedingt einen engen Austausch, bringt aber auch neue Chancen mit sich. Einblick in den Arbeitsalltag des Teams «Generationen und Gesellschaft».
Heute gehört der Generationenraum im Zentrum Dorfmatt in Rotkreuz ganz den Jugendlichen. Rund 40 Teenager von der fünften bis zur neunten Klasse werden an diesem Mittwochnachmittag ein- und ausgehen. Einige sitzen zusammen und diskutieren, am Billardtisch klackern die Kugeln, eine Mädchengruppe hat sich in den separaten «Chillraum» zurückgezogen. Im «Jugi», wie die Jugendlichen den Raum nennen, ist eine Kultur des Miteinanders spürbar.
Ein Team für alle Anspruchsgruppen
Der multifunktionale Raum in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ist das Herz der Gemeinwesenarbeit der Gemeinde Risch, zu der auch die Ortschaften Buonas, Holzhäusern und Rotkreuz gehören. Anders als in anderen Gemeinden wird der Raum nicht nur von den Jugendlichen, sondern von verschiedensten Gruppen genutzt. Am Vormittag lud die Frauengemeinschaft Jung und Alt zum gemeinsamen Spielen ein. Und übermorgen findet in derselben Lokalität das Seniorencafé statt. Die Vielseitigkeit des Generationenraums zeigt beispielhaft, wie vernetzt die Gemeinde Risch das soziale Zusammenleben angeht. Ob Alter, Kind und Familie, Jugend, Freiwilligenarbeit, Sozialraum oder Integration: Das siebenköpfige, interdisziplinäre Team des Bereichs «Generationen und Gesellschaft» ist für all diese Themen und für verschiedenste Zielgruppen zuständig.
Unspektakulär und wichtig
Seit drei Jahren gehört Patrick Bütikofer zum Team. Während seiner Ausbildung zum Gemeindeanimator HF in Luzern erwarb er das theoretische Rüstzeug für sein breit gefächertes Tätigkeitsfeld. Heute trägt er die Hauptverantwortung für die Dossiers Jugendarbeit und Sozialraum. Gemeinsam mit Rahel Heini, Gemeindeanimatorin in Ausbildung, coacht er an diesem Nachmittag die Jugendlichen im Jugendtreff.
Was die beiden tun, wirkt auf den ersten Blick unspektakulär: eine Runde Billard mit einer Jugendlichen, ein spontanes Uno-Spiel, Gespräche mit Einzelnen. Die Teenager fühlen sich ganz offensichtlich wahrgenommen. «Es ist einfach cool, hier zu sein», sagt eine Jugendliche. «Ich treffe meine Freundinnen, wir chillen oder spielen.» Er komme jeden Mittwoch und Freitag, sagt ein anderer. «Zu Hause würde ich nur gamen.» Erleben die Jugendlichen die anwesenden Fachpersonen nicht als «Polizisten»? Kopfschütteln. «Es ist gut, dass Patrick und Rahel da sind. Sonst wäre hier Chaos», meint eine Jugendliche und lacht. Die Gemeindeanimatorinnen und -animatoren übernehmen zwar gewisse Aufsichtspflichten. Doch vor allem treten sie in Kontakt mit den Teenagern, bauen Beziehungen auf, nehmen Bedürfnisse wahr, unterstützen Initiativen für Aktivitäten und Projekte, setzen sich in der Gemeinde für die Interessen der Jugendlichen ein oder beraten bei Sorgen und Herausforderungen. Vertrauen ist das Fundament ihrer soziokulturellen Arbeit, die zum Ziel hat, Menschen zu aktivieren, das soziale und kulturelle Zusammenleben aktiv mitzugestalten.
Vernetzt denken und handeln
Patrick Bütikofer und Rahel Heini sind verantwortlich für die Jugendarbeit. Gleichzeitig sind sie Teil eines grösseren Teams, das auch für andere Anspruchsgruppen da ist. Das bedinge zwar Austausch und Koordination. «Doch unsere Vernetzung ist ein grosser Gewinn», sagt Patrick Bütikofer. Der erfahrene Gemeindeanimator erzählt vom Jugendpolittag, an dem die Jugendlichen ins Gespräch mit dem Gemeindepräsidenten kamen und sich direkt einbringen konnten. Oder von einem generationenübergreifenden Kochprojekt, das dank der eingespielten Zusammenarbeit zum Erfolg wurde.
Fachlich gestärkt dank HF
Die angehende Gemeindeanimatorin Rahel Heini fühlt sich durch ihr berufsbegleitendes HF-Studium bei Artiset Bildung gut auf diese Arbeit vorbereitet. Die Kombination von ein bis zwei Tagen Studium und drei Tagen Praxis sei ideal, um eine fachlich gefestigte Haltung zu entwickeln. «Wir lernen viele Methoden der soziokulturellen Arbeit kennen, die ich direkt und angepasst an die jeweiligen Anspruchsgruppen anwenden kann.»
Was aber gewinnt die Gemeinde durch professionelle Gemeindeanimation? Patrick Bütikofer verweist auf aktuelle Herausforderungen der Gemeinde Risch: das rasche Bevölkerungswachstum, den Wandel ehemaliger Dorfstrukturen oder die vielen Expats, die zum Teil in eigenen «Bubbles» lebten. «In der soziokulturellen Arbeit sind wir ganz nahe bei den Menschen, ihrem Alltag und ihren Bedürfnissen», erklärt er. «Mit unseren niederschwelligen Angeboten ermöglichen wir Teilhabe und Dialog. Davon profitiert die gesamte Gemeinde.»
«Wir sind ganz nahe bei den Menschen, ihrem Alltag und ihren Bedürfnissen.»
Höhere Fachschulen für Gemeindeanimation
Drei Schulen in der Schweiz bilden Gemeindeanimatorinnen und -animatoren auf der Stufe Höhere Fachschule (HF) aus: Artiset Bildung Luzern hfg, TDS Aarau, esede Lausanne. Voraussetzung für das Studium ist eine abgeschlossene Berufslehre oder ein anderer Abschluss auf Sekundarstufe II sowie eine Anstellung im Berufsfeld. Das berufsbegleitende Studium dauert in der Deutschschweiz drei Jahre (mit berufsspezifischer Vorbildung) beziehungsweise vier Jahre.
Informationen zum Studium: https://artiset.ch/hfg
Faktenblatt für Gemeinden: https://artiset.ch/files/artiset/px_pdf/gemeinden_factsheet_hfg.pdf