
Walliser Gemeinden professionalisieren Personalsuche
Seit einigen Jahren erlebt das Wallis einen regelrechten Wirtschaftsboom. Das hat auch Auswirkungen auf die Gemeinden: Bei der Rekrutierung von Fachkräften spüren sie die Konkurrenz der Privatwirtschaft. Um dennoch genügend Personal zu finden und auch zu halten, setzen die Gemeinden auf verschiedene Strategien. Klar ist: Sie müssen proaktiv werden und zeigen, was die Vorteile einer Anstellung bei einer Gemeinde sind.
Das Wallis erlebt einen Boom: In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Fachkräfte in den Gebirgskanton gezogen. Das spüren die Gemeinden bei der Personalsuche, wie Joachim Rausis, Präsident der Antenne Région Valais Romand sowie Gemeindepräsident von Orsières sagt. Die Antenne Région Valais Romand ist ein Kompetenzzentrum im Dienste der französischsprachigen Walliser Gemeinden und fungiert als Schnittstelle zwischen Gemeinden und Kanton.
«Der Boom ist an sich erfreulich, er sorgt für mehr Ressourcen in den Gemeinden», sagt Joachim Rausis. Gleichzeitig bedeute die aktuelle Situation aber auch, dass die Gemeinden mit der Privatwirtschaft um die Fachkräfte konkurrenzierten – und gerade in sehr spezialisierten Positionen gebe es bei der Entlöhnung grosse Unterschiede. Ein weiterer Faktor, den das Wallis zum Spezialfall macht, ist seine periphere Lage. «Im Mittelland oder auch der Genferseeregion sind die Menschen mobiler. Ins Wallis zu ziehen für die Arbeit ist ein grösserer Schritt», sagt Joachim Rausis. Besonders die Gemeinden in den Seitentälern, die im Winter nur mit einem 4x4-Fahrzeug erreichbar sind, hätten da einen Nachteil.
Mehr spezialisierte HR-Verantwortliche
Das Wallis und seine Gemeinden haben die Problematik erkannt und sind aktiv geworden. Seit einigen Jahren berät die Plattform «Valais4you» Menschen, die neu ins Wallis ziehen. Sie bietet praktische Infos für Neuzuzüger und hebt die Vorteile eines Lebens im Gebirgskanton hervor. Florence Gessler, Fachspezialistin für Wirtschafts- und Tourismuspolitik bei der Antenne Région Valais Romand, beobachtet zudem, dass viele Gemeinden in den letzten Jahren die Personalsuche professionalisiert haben: «Auch immer mehr kleine Gemeinden haben heute spezialisierte HR-Verantwortliche.»
Das bestätigt auch eine Umfrage der «Schweizer Gemeinde» bei den Gemeinden Savièse und Riddes sowie der Stadt Sion. Die Personalverantwortlichen aller drei Gemeinden schreiben, dass sie zwar momentan genug Personal finden, dafür aber grössere Anstrengungen unternehmen müssen – und nicht selten Absagen in letzter Minute erhalten. Besonders schwierig sei die Suche in technischen Berufen, in der Kinderbetreuung sowie bei sehr spezialisierten Posten.
Sie alle betonen, wie wichtig es ist, dass Gemeinden in ihre Personalrekrutierung investieren. «Wir streben eine reelle Professionalisierung der Funktion HR in der Gemeinde an. Es geht nicht mehr nur darum, sich einfach um die Löhne zu kümmern, sondern den Menschen ins Zentrum zu stellen», schreibt Lorena Steiner-Conti, HR-Verantwortliche der Gemeinde Riddes. «Gemeinden müssen in der aktuellen Situation ihre Praktiken anpassen und proaktiv in der Kommunikation werden», schreibt Sévérine Stalder, HR-Verantwortliche von Savièse.
Flexible Arbeitsmodelle
Die befragten Gemeinden bieten ihren Angestellten flexible Arbeitsmodelle und Weiterbildungsmöglichkeiten an, und versuchen ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, indem sie die Arbeit ihrer Angestellten wertschätzen und eine klare Kommunikation pflegen. Die Gemeinde Riddes setzt dazu auch auf die Ausbildung und Begleitung der Kader. Seit Anfang 2026 haben die Angestellten dort zudem die Möglichkeit, eine externe Vertrauensperson zu kontaktieren – dies zusätzlich zu den bestehenden internen Strukturen.
Die Stadt Sion nennt ähnliche Massnahmen, und hat ihr Personalreglement überarbeitet. Zudem investiert sie auch in das Image der Stadt als Arbeitgeberin. Sie hat Videos gedreht, in denen sie die verschiedenen Berufe bei der Stadt vorstellt. «Wir haben dazu sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, aber auch von unseren Mitarbeitenden, die sehr stolz waren, ihre jeweiligen Berufe zeigen zu können», schreibt Ludovic Bruchez, Dienstchef des Bereichs HR. Sion setzt auch auf Videos auf Social Media, um junge Leute für eine Ausbildung oder eine Stelle bei der Stadt zu motivieren.
Proaktiv zu kommunizieren, heisst auch, die Vorteile der Arbeit bei einer Gemeinde hervorzuheben: Dazu gehört laut den Befragten nicht nur die Sicherheit der Stelle, sondern vor allem die sinnstiftende Arbeit für die Bevölkerung. «Mit einfachen und kostengünstigen Aktionen ist es möglich, viel zu tun, um die Marke der Gemeinde als Arbeitgeberin zu stärken», ist Ludovic Bruchez überzeugt. Joachim Rausis aus Orsières fügt an: «Als Gemeinden in einem peripheren Kanton haben wir keine Wahl, wir müssen aktiv etwas tun für unsere Attraktivität als Arbeitgeberinnen.»
Pragmatische Ansätze bei der Rekrutierung
Joachim Rausis, Präsident von Orsières und der Antenne Région Valais Romand beobachtet pragmatische Ansätze bei der Rekrutierung in Walliser Gemeinden: Kleinere Gemeinden bildeten sogenannte «intercommunalités», um gemeinsam eine Stelle zu besetzen, die für mehrere Gemeinden zuständig ist. Dadurch werde der Posten attraktiver für spezialisierte Fachkräfte und könne auch besser entlöhnt werden. Es komme auch vor, dass kleine Gemeinden gewisse Aufgaben an private Firmen auslagerten. Nicht zuletzt sei der persönliche Kontakt gerade in Randregionen zentral: «In Orsières hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, für eine Stelle direkt Bekannte im Umfeld anzusprechen.»