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Biel sucht Lösungen für seine Hitzeinsel

Die Esplanade vor dem Kongresshaus in Biel ist ein grosser urbaner Platz mitten in der Stadt, ein bewusster Freiraum, auf dem regelmässig Märkte, Konzerte und sonstige Veranstaltungen stattfinden. Als dieser Ort geplant wurde, haben die Behörden aber noch nicht mit den Auswirkungen des Klimawandels gerechnet. Im Sommer heizt sich der asphaltierte Platz regelmässig auf, und gerade in Tropennächten wurden rund sechs Grad mehr gemessen als im ländlichen Umland der Stadt. Biel versucht, Lösungen für seine Hitzeinsel zu finden, doch das ist nicht so einfach. Denn unter dem Platz befindet sich eine Tiefgarage, weshalb der Boden eines grossen Teils des Platzes nicht tief genug ist, um Bäume zu pflanzen – nur am Rand war dies möglich. Somit bleibt nur die Option, den Platz mittels grosser bepflanzter Töpfe zu begrünen, was aber teuer ist. Alain Meyer

La Ressourcerie: Secondhand und Upcycling in Yverdon

Was nicht mehr gebraucht wird, aber noch in gutem Zustand ist, erhält in der Ressourcerie gleich bei der Abfallsammelstelle von Yverdon-les-Bains (VD) eine Chance auf ein zweites Leben. Tausende von gebrauchten Objekten werden dort mit viel Liebe zum Detail gesichtet, gereinigt, bei Bedarf geflickt sowie umgestaltet – und anschliessend weiterverkauft. Seit 2012 bietet die Einrichtung Arbeitsplätze für Menschen in schwierigen Lebenslagen und leistet dabei einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Neben dem klassischen Secondhandhandel werden auch Geräte und Möbel einem Upcyclingprozess unterzogen, um ihnen eine längere Lebensdauer zu verleihen. Doch bei elektrischen Geräten sind strenge gesetzliche Normen zu beachten. Die Zusammenarbeit mit Partnern und spezialisierten Fachkräften gewährleistet für sie eine sichere und umweltgerechte Wiederverwertung. Informationen (auf Französisch): www.laressourcerie.ch Alain Meyer

Wie der Klimawandel den Winterdienst verändert

In La Chaux-de-Fonds (NE) auf rund 1000 Metern über Meer türmte der Winterdienst noch vor rund 15 Jahren regelrechte Schneemauern entlang der Hauptverkehrsachse auf. Zahlen zeigen, dass der Schneefall in den letzten Jahren abgenommen hat. Im Winter 2022/2023 verzeichnete La Chaux-de-Fonds gerade einmal 90 Zentimeter Schnee – insgesamt. Doch der Winterdienst hat deswegen nicht weniger zu tun und kann auch keine Einsparungen verzeichnen. Denn ob viel oder wenig Schnee: Ausrücken müssen die Winterdienst-Mitarbeitenden sowieso. Zudem beobachten die Werkhofmitarbeiter in La Chaux-de-Fonds, aber auch in St-Imier im Berner Jura ein neues Phänomen: gefrierenden Nebel. Dieser erfordert eine ständige Wachsamkeit und schnelles Ausrücken, um die Strassen rechtzeitig salzen zu können. «Ob acht oder zwanzig Zentimeter Schnee fallen: Die Arbeit ist mehr oder weniger die gleiche.» Nicolas Vuilleumier, Dienstchef Stadtplanung in Saint-Imier (BE) Alain Meyer

Michael Pachoud: der Förster, der Naturgefahren im Blick hat

Der Kanton Freiburg setzt auf Naturgefahrenberater, die meist Förster wie Michael Pachoud sind, um Naturgefahren wie Erdrutsche, Steinschläge und Überschwemmungen zu überwachen und präventive Massnahmen zu ergreifen. Pachoud betreut die Gemeinden Charmey, Crésuz und Châtel-sur-Montsalvens mit 4500 Einwohnerinnen und Einwohnern und kümmert sich um die Pflege von 3000 Hektar Wald, verteilt auf eine Höhe von 900 bis 2000 Metern über Meer. Als im Herbst 2023 der Jaunbach über die Ufer trat, war Pachoud vor Ort und koordinierte gemeinsam mit Feuerwehr und Behörden die Krisenbewältigung. Obwohl er keine Entscheidungsmacht hat, ist er das Bindeglied zwischen Gemeindebehörden und Einsatzkräften und empfiehlt Massnahmen. In Jahren mit Extremereignissen überschreitet er die vom Kanton vorgesehenen 42 Arbeitsstunden für die Naturgefahrenberatung deutlich. Mit dem Klimawandel könnte der Bedarf für seine Arbeit gerade in den Bergregionen weiter steigen. Alain Meyer

Feuer und Flamme für die nächtliche Dunkelheit

Die fünfzehn Orte der Gemeinde Val-de-Ruz, im Zentrum des Kantons Neuenburg gelegen, setzen schon seit einigen Jahren darauf, die öffentliche Beleuchtung nachts abzuschalten. Bisher waren die Lampen von Mitternacht bis 4.45 Uhr ausgeschaltet – diesen Winter soll die Dauer ausgedehnt werden, von 22 Uhr bis 6 Uhr, dies aufgrund der drohenden Strommangellage. Damit sind einige Landwirte, die ihr Vieh frühmorgens in den Stall bringen müssen, nicht ganz zufrieden. Doch grundsätzlich akzeptieren die rund 17'000 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde die Massnahme, welche rund 80 Kilometer der öffentlichen Strassen umfasst. Eine Umfrage zeigt, dass 85 Prozent dafür sind. Dieses Jahr will die Gemeinde zudem auf die Weihnachtsbeleuchtung und die Beleuchtung öffentlicher Gebäude verzichten, wie sie kürzlich mitteilte. Zu Beginn waren einige Eltern besorgt um ihren Nachwuchs, denn der letzte Bus kommt kurz nach Mitternacht im Gemeindegebiet an. Doch dazu befragt, geben sich die jungen Leute gelassen: Mit dem Smartphone leuchten sie sich den Weg nach Hause. Das erzählt François Cuche, der für das Dossier zuständige Gemeinderat von Val-de-Ruz. Seine Gemeinde mit einer Fläche von 128 Quadratkilometern ist Pionierin, wenn es um die nächtliche Abschaltung der Beleuchtung geht. Begonnen hat die Initiative in Fontaines und dehnte sich danach auf die anderen Dörfer aus, bis sie zur Norm wurde. Rund 2100 Leuchtkörper werden hier jede Nacht abgeschaltet. Und wie viel spart die Gemeinde dabei? François Cuche schätzt, dass es ungefähr 175'000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr sind, das entspricht weniger als vier Prozent der gesamten Elektrizität, welche die Gemeinde pro Jahr verbraucht. Die finanziellen Einsparungen belaufen sich auf rund 34'000 Franken pro Jahr. «Eine anekdotische Zahl, aber dennoch nicht zu vernachlässigen.» Erste Bemühungen zum Stromsparen wurden bereits 2014 unternommen, als LED-Lampen eingesetzt wurden, um die Strassen und rund 60 Fussgängerstreifen zu beleuchten, erzählt François Cuche. «Dies dämpfte die Helligkeit bereits um 50 Prozent und war eine Gelegenheit, unsere alten Strassenlampen zu ersetzen.» Der Stromversorger in Val-de-Ruz, die Groupe E, spielte eine zentrale Rolle bei diesem Paradigmenwechsel. «Von Anfang an hat Groupe E uns unterstützt, um die technischen Probleme zu lösen.» Dennoch gab es einen Stolperstein: Die gesetzliche Verpflichtung, Fussgängerstreifen zu beleuchten. «Ich habe mich an die Kantonsregierung gewandt, um eine Ausnahmebewilligung zu erhalten, damit wir dies nicht strikt anwenden müssen», sagt François Cuche. Die Beleuchtung durch eine einzige Lampe pro Fussgängerstreifen wurde bewilligt für das Projekt. Zudem wurden Tempo-30-Zonen eingerichtet, wodurch einige Fussgängerstreifen aufgehoben wurden. «Man schläft besser, wenn die Strassenlampen nicht ins Schlafzimmer leuchten.» François Cuche, Gemeinderat von Val-de-Ruz Eine dynamische Beleuchtung, die auf Fussgängerinnen und Fussgänger reagiert und automatisch an- und wieder ausgeht, wurde auf einigen Abschnitten in der Gemeinde ebenfalls eingeführt. So etwa im Dorf Chézard-Saint-Martin. Fontainemelon wird folgen. «Wir haben uns überlegt, dies auf dem gesamten Gemeindegebiet einzuführen. Aber die Rechnung dafür hätte rund eine halbe Million Franken betragen, deshalb haben wir darauf verzichtet. Allerdings soll die Massnahme miteinbezogen werden, wenn wir Strassen sanieren.» Bereits im Jahr 2016 hat die Energiekommission der Gemeinde die Bevölkerung zu einem Informationsanlass über Lichtverschmutzung und die nächtliche Abschaltung der Beleuchtung eingeladen. Ein Jahr danach wurde in Fontaines ein «Fest der Nacht» organisiert, «um die nächtliche Abschaltung beliebt zu machen», wie François Cuche sagt. Danach wurde entschieden, die nächtliche Beleuchtung in Fontaines für vorerst sechs Monate einzustellen. «Dagegen gab es kaum Opposition», erinnert sich der Gemeinderat. Die Gemeinde befürchtete zunächst eine Zunahme der Kriminalität, was sich jedoch nicht bestätigt hat. Um die Fahrgewohnheiten in der Dunkelheit zu analysieren, wurden temporär Radare entlang der Strassen aufgestellt. «Wir konnten feststellen, dass die Leute im Schnitt rund 12 km/h langsamer durch unsere Dörfer fahren. Das ist ein echter Gewinn für die Strassensicherheit», sagt François Cuche. Eine Studie der Genfer Hochschule für Landschaft, Ingenieurwesen und Architektur (HEPIA) soll zudem bis zum nächsten Frühling zeigen, wie sich die nächtliche Dunkelheit auf Wildtiere wie Füchse, Luchse und Rehe auswirkt. «Das Wild hat wieder einen Weg von einem Wald im Süden zu einem anderen im Norden gefunden, einen Weg, der einst durch Lichtverschmutzung behindert wurde», erklärt Cuche. Die Konsequenz: Die Tiere haben mehr Bewegungsspielraum. Im Winter findet man sie nun häufiger in der Ebene auf Nahrungssuche. «Aber es gibt keinen Konflikt mit dem Wolf», versichert der Gemeinderat. Zudem hat sich auch der Schlaf der Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde verbessert. «Man schläft besser, wenn die Strassenlampen nicht ins Schlafzimmer leuchten.» Um ihre Ziele zu erreichen, war die Gemeinde Val-de-Ruz auf sich allein gestellt. Der Kanton hat zwar seine Rolle beigetragen, indem er die Abweichung von den Normen für die Beleuchtung der Fussgängerstreifen ermöglich hat. Am Ende hat die Gemeinde 160'000 Franken ausgegeben für die Arbeiten an den Stromkästen und den Leuchtkörpern. Aber die Bemühungen zahlen sich aus. Bereits haben andere Gemeinden aus dem Tessin und der Waadt angeklopft, weil sie an der Erfahrung der Gemeinde im administrativen und im technischen Bereich interessiert sind. Informationen: Der Schweizerische Gemeindeverband hat eine Publikation zum Thema «Begrenzung von Lichtemissionen» speziell für die Gemeinden erstellt. Alain Meyer

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